Donnerstag, 31. Dezember 2009

Leerheit und Vertrauen

Ich unterhielt mich neulich mit meinem spiritueller Lehrer über die Bereitschaft etwas für die eigene Veränderung zu tun. Er fragte: „Wie wichtig ist Dir Deine Veränderung?“ Ich erzählte ihm von meinem Einsatz und davon welchen Preis ich bisher bezahlt habe und noch bereit sei zu zahlen und das ich spürte, dass Gewinn und Einsatz tatsächlich in einem Zusammenhang stünden. „Ja“, sagte mein Lehrer, „eine Sache ist am Ende so viel wert wie die Energie, die ich in sie hineinstecke. Je weniger ich bereit bin zu investieren, desto weniger Gewinn kann ich erwarten“.

Dein Tag hat 24 Stunden. Wie viel Energie bist Du bereit zu investieren, um die Veränderung zu erreichen, die Du Dir so sehr wünschst? 1/24 der Tagesenergie wäre 1 Stunde. 1/48 wären 30 Minuten. 1/96 15 Minuten.

Welchen Preis hast Du bisher bezahlt? Welchen Preis bist Du bereit im neuen Jahr zu zahlen? Und ist Dir bewusst, dass alles seinen Preis hat?

Oder denkst Du, dass die große Veränderung umsonst kommt?

Oder wartest Du solange, bis das Schicksal seinen Preis verlangt? Der Preis, den das unerbittliche Schicksal verlangt, ist immer höher, als der Preis, den wir aus freiem Willen zu bezahlen bereit sind.

Die Bereitschaft, etwas für die eigene Entwicklung zu tun, wächst in dem Maße, in dem wir auf radikale Weise erfahren, dass sich die Zukunft alleine durch uns entfalten kann.

Wenn wir das verstehen, dann verstehen wir, dass nicht nur wir um Veränderung bitten und beten – der Kosmos selber bittet und betet um Veränderung und er bittet UNS.

Unsere Veränderung ist nicht alleine unsere Sache. „Beim alten Modell der Erleuchtung transformierte sich der Einzelne, aber die Welt blieb die alte. Beim neuen Modell geht es nicht mehr um die Transformation des Einzelnen allein; es geht um die Evolution des Selbst, der Kultur und des Kosmos durch den Einzelnen.“ (Andrew Cohen)

An unserer Veränderung hängt das Wohl unserer Kinder und Familien, unserer Freunde und unserer Umgebung. Das wohl der Tiere und Pflanzen, das Wohl der Armen und Kranken, das Wohl der Reichen und Gesunden. Das Wohl der Welt.

Das Wohl der Welt liegt in unserer Entwicklung. Unsere eigene Entwicklung zieht konzentrische Kreise...es werden kosmische Kreise...Im Mittelpunkt der Mensch.

Doch was ist der Mensch? Etwas, das nicht getrennt ist vom Kosmos: „Seine Gedanken sind so weit wie das Licht, seine Gefühle sind so weit wie die Wärme, sein Wollen ist so weit wie die Luft." (Rudolf Steiner)

Es reicht nicht, wenn wir solche Dinge nur mal kurz denken, oder fühlen.
Die Bereitschaft zur Veränderung muss beständiger & sanfter Wille werden.

„Ich will jetzt den Preis zahlen – ich will jetzt selber diese Veränderung sein. Ich will jetzt die besten konzentrischen Kreise bilden, die ich eben jetzt gerade bilden kann...Zum Wohle aller Wesen.“

Wir brauchen wirklich einen starken & sanften Willen. Einen weiten Wille, der den engen Willen des Egos übersteigt.

Welcher Wille übersteigt uns?

Wer zum Beispiel täglich das Vaterunser meditiert, der öffnet sich Gottes Willen. Wer das Vaterunser betet, der ist bereit Gottes Willen zu tun, selber ein Ausdruck von Gottes Willen zu sein.

Gott – dass ist nicht der alte Mann mit dem Bart, der da oben sitzt und böse guckt. Gott, dass ist das Gesetz des Lebens. Der kosmische Schöpfungswille, die alles umfassende Weisheit – jenseits von Zeit und Raum. Gott, das ist dieses Leben selber und sowenig Gott ein Problem ist, sowenig ist dieses Leben ein Problem. Das Leben ist die Lösung.

Gott, das ist die Alles-Energie. Gott, dass ist dieser Augenblick – wenn Du tief, tief fühlst, dass Du bereites jetzt erleuchtet, erlöst, geheilt bist. (Vergl. Baruch Rabinowitz in der Januar-Ausgabe info3).

Gottes Wille, das ist ein Synonym für den Wille, der bereits jetzt schon in Dir lebendig ist – jenseits des Egos.


Gottes Wille, das ist der Strom der Liebe.

Du stehst in jedem Moment in diesem Strom – der Strom fließt durch Dich. „Dein Wille geschehe“ – das bedeutet, dass wir aufhören, gegen den Strom der Liebe zu kämpfen.

Wer aufhört gegen den Strom der Liebe zu kämpfen, für den ist der Preis, den er zahlt, kein schwerer Verlust mehr, sondern ein höherer Gewinn. Es ist der Hans-im-Glück-Gewinn.

Je mehr ich loslasse, desto reicher werde ich gesegnet – und somit werden alle gesegnet. Je leerer ich werde, desto mehr Erfüllung erlebe ich...und wenn ich mich am Ende völlig hingebe, werde ICH sein und WIR werden leben.

Meine Leerheit ist die Voraussetzung dafür, dass mich der Strom der Liebe erfüllt. Ein anderes Wort für Leerheit ist absolutes Vertrauen. Dein Wille geschehe.

Wie viel willst Du im neuen Jahr für Deine Veränderung investieren? Deine Veränderung, von der die Zukunft abhängt? Bist Du bereit für das absolute Vertrauen? Oder fängst Du bescheidener an?

1/24 der Tagesenergie wäre 1 Stunde. 1/48 wären 30 Minuten. 1/96 15 Minuten.

Was immer Deine autonome Entscheidung ist – am Ende wird der Gewinn genau das sein, was Du bereits jetzt in Deinem Innersten bist: „Erleuchtet, erlöst, geheilt“

Ich wünsch Dir, ich wünsche mir und ich wünsch uns, dass wir das neue Jahr mit offenen und leeren Händen beginnen.

Hände, die vertrauensvoll empfangen. Hände, die bärenstark anpacken. Hände, die liebend segnen
...sieh diese Hände, die offen bleiben...

Samstag, 26. Dezember 2009

Verborgene Worte

Ich lese gerne in den apokryphen Evangelien. Es sind Schriften, von denen die Kirche irgendwann entschieden hat, dass sie nicht zu den offiziellen Kirchenworten gehören durften. Über die Gründe, warum jene, aber nicht diese in der Bibel erscheinen, gibt es zahlreiche Thesen. Welche Gründe fallen Dir ein?

Im Thomasevangelium lese ich diese Worte Jesu: "Ich bin das Licht, das über alles ist. Ich bin das All. Es ist das All aus mir hervorgegangen, und das All ist zu mir gelangt. Spaltet ein Holz - ich bin dort. Hebt den Stein hoch, und ihr werdet mich dort finden."

Schlagt mich Freunde, aber Jesus Worte sind Oshos Worte, sind Steiners, sind Wilbers, sind Buddhas, sind, Andrews, sind meine, sind Deine Worte...

Aus dem Bereich des indischen Islam ist dieses Jesus-Wort überliefert: "Die Welt ist eine Brücke. Geht über sie hinüber, aber lasst euch nicht nieder."

Geh weiter. Geh, tanze, feier, kämpfe und liebe - aber lass Dich nicht nieder.

Die einzige wahre Art sich auf der Brücke niederzulassen ist die Meditation. Sobald wir auf der Brücke meditieren, transzendieren wir die Brücke: There is no bridge.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Maria sei Dank

Heute Abend musste ich immer wieder an den Satz denken, den man in diesen Tagen hört: „Maria gebar einen Sohn, den sie Jesu nannte.“ Das Wort „GEBAR“ ist ein weiches, ein sanftes und zartes Wort. Überhaupt liegt über jeden Darstellung und Vorstellung der Geburt Jesu – abgesehen von den widrigen Umständen – eher eine liebliche Stimmung. Aber eine Geburt ist nicht lieblich. Eine Geburt ist brutal.

Kurz bevor ich Vater wurde, sagte mir meine damalige Arbeitskollegin und mehrfache Mutter: „Eine Geburt ist eine absolute Viecherei, das ist blutig wie beim Metzger.“

Ich war überrascht, so eine Bemerkung von einer ansonsten vornehmen Frau zu hören, ich fand, das sei eine unpassende Bemerkung. Nach der Geburt meines Sohnes (bei der ich dabei war) wusste ich, dass meine Arbeitskollegin Recht hatte.

Geburt ist Blut, Kampf, Schreien, Schmerzen bis zur Ohnmacht. Geburt ist laut, ein Akt der Gewalt, zerrissene Haut, totale Erschöpfung, erneutes Aufbäumen aus dem absoluten Nullpunkt und Geburt ist erbarmungslos brutal.

Schmerz bis zur Raserei ist da. Aber Stillstand ist nie eine Option. Zurück ist nie eine Option. Nur vorwärts in den Schmerz...mit Schreien und mit aller Kraft!

Wenn wir jetzt die Geburt Jesu feiern, wenn wir hören, dass Maria dieses Kind gebar, wenn wir all diese Liebe, das Licht, den Frieden und den Sanftmut feiern, dann will ich nicht vergessen, wie viel Gewalt, Blut, Schweiss, Schmerz, Kampf und Opfer dafür notwendig waren.

Ja, Geburt hat auch andere, ganz andere Aspekte – aber auch diesen Aspekt (u.a.aus dem Quadrant oben rechts). Und ohne Blut, Schweiss und Tränen, gäbe es jetzt kein Jesuskind und Dich gäbe es vermutlich auch nicht. Wir sind auch Kinder der Gewalt.

Ich glaube nicht richtig an das Wort "sanfte Geburt". Wir verdanken unser Leben Frauen, die durch Gewalt, Schmerz und Blut hindurchgingen. Immer weiter und weiter und weiter...

Wenn ich an Jesus denke, dann muss ich an Maria denken. Wenn ich mich vor dem Frieden und der Liebe verbeuge, dann verbeuge ich mich vor der Gewalt und dem Schmerz.

Ich rede nicht von Metaphysik, nicht vom universellen Christus und nicht von dem was man noch spirituelles sagen kann. Ich rede von einer Frau, die vor 2000 Jahren im Dreck ein Kind zur Welt gebracht hat und davon, dass dies eine absolute Viecherei war und blutig wie beim Metzger....Das gehört für mich zum ganzen Bild dieses Tages.

Ich verneige mich vor Maria. Vor der Mutter Gottes. Vor den Müttern all dieser Gotteskinder, die um uns sind, waren und sein werden. Ich verneige mich vor meiner Mutter. Vor jeder Frau, die weiter geht, als es der Schmerz zulässt.

Maria sei Dank. Maria in jeder Frau.

Ich bringe Worte zur Welt, aber IHR bringt KINDER zur Welt. Und ich frage mich: „Wie habt Ihr das alle geschafft?“

Montag, 21. Dezember 2009

Die Sache mit Gott

Schauen wir uns Gott mal genauer an. Denn Gott ist überall – aber überall anders.

ICH - Gott als erste Person
Gott ist das wahre Selbst. Gott ist das einfache Gewahrsein dieses Moments. Jetzt. Es ist die Präsenz jedes Augenblicks. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gott als eine ICH-Bin-heit, jenseits von Zeit und Raum und dennoch in jedem Augenblick, in jedem Menschen, in jedem Universum gleich und gegenwärtig. Immerdar. Perfekt. ICH-BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Nicht nur in diesem oder jenen Mensch, sondern in allen Menschen, ist der eine Christus, die eine Buddha-Natur, das eine ICH BIN. Der Zeuge aller Dinge.

Sowenig die Welle das Meer finden kann, sowenig kann das ICH-BIN gesucht oder gefunden werden - weil das ICH-BIN niemals ausserhalb von uns ist.

Oder in Rudolf Steiners Worten aus der Esoterischen Stunde von 1908: „Alle Bezeichnungen für den Christus, die anders sind als das «Ich bin», sind nicht richtig. Wir können nie von «Er» sprechen."
Gott als ICH-BIN ist kein Objekt, sondern eine Leerheit, ein So-Sein. Eine klare und einfache Gegenwärtigkeit dessen was ist – was immer auch ist.

Bevor Abraham war ICH-BIN. Das ist unsere Mitte. Ungeboren. Unsterblich. Unsere natürliche, gottgebetene Schönheit und stille Würde. Einfach so.


Es ist uns in die Wiege gelegt. Nichts ist mehr ich, als dieser Gott der ersten Person. Er ist uns nicht nahe – ICH-BIN ich. ICH-BIN in jedem Menschen das INDIVIDUUM – das Ungeteilte. Es gibt nur EIN Ungeteiltes in ALLEM.
GOTT
Unser Job: Lebe Dein sterbliches Selbst aus der Unsterblichkeit dieses ICH-BIN. Lebe die Fülle aus der Leerheit. Höre die Musik als die Stille. Bekenne: ICH BIN Gott.



DU – Gott als zweite PersonGott als das allmächtige Andere, das mystische DU. Der Erlöser und das Göttliche, vor dem sich das Ego neigt. Die absolute Dimension an dessen Erhabenheit, Unendlichkeit, Fülle, Macht, Kraft und Herrlichkeit, wir selbst in unseren wildesten Träumen nicht annähernd heranreichen.
TT
Der Schöpfer des Himmels und der Erde. Gott als ewiger Horizont der Verehrung, der Dankbarkeit und Anbetung.

Das Ego kann nicht anders als zu Boden gehen, vor diesem DU. Es ist der Vater-Gott, die Spitze der Hierarchie. Ein „allmächtig-geistig-physisches Gotteswesen, das seinen Geschöpfen auf vorangeht“ (Steiner) und zu dem wir nur ein einziges Verhältnis haben können: Unterwerfung.

GOTT
Niemals sind wir dieser Gott. Nichts ist größer als die Distanz zwischen uns und diesem Gott. Die Flammenaugen dieses Gottes verbrennen unseren narzisstischen Kern.

Gnadenlos erkennt die zweite Person Gottes unsere Sündhaftigkeit. Selbst in den letzten Winkeln spürt er das Ego auf. Vater unser – geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe.

Unser Job: Knie nieder Mensch! Töte dein Ego, bete, danke, unterwerfe Dich, ohne wenn und aber, dem großen DU.


ES – Gott als dritte Person
Gott als der kosmische, evolutionäre Prozess. Gott als Gewebe des Lebens. In jedem Kristall erblicken wir die wunderbare Anwesenheit dieses Gottes.


In jeder Rose wächst diese lebendige Kraft, jedes Reh fühlt in sich diese unbändige Lust zu leben, zu lieben und sich fortzupflanzen und jeder Mensch fühlt die Wärme des Blutes, die Kraft des Atems, die Lebendigkeit seines Wesens, die wachsende Bewusstheit seines Denkens und den Fortschritt seiner werdenden Moralität.

Gott ist als ES - der heilige Geist, der vor nichts halt macht. Der Geist Gottes, der im Brot, im Bier, in jedem Apfel, in jedem Fluss seine nicht enden wollende Dynamik entfaltet. Gott als Natur, die zur Kultur evolviert. Die inspirierende Quelle des neuen WIR.

Gott ist in der dritten Person der evolutionäre Prozess selbst, den wir in der extaktischen Lust eines Orgasmus ebenso fühlen, wie in einem hellen, klaren und nüchternen Gedanken.


Der Geist, mit dem vor milliarden Jahren das großen Tohuwabohu begann. Der Geist, der seinen vorläufiges Höhepunkt mit Dir, vor diesem Laptop, erreicht hat.
Gott ist der Geist der Evolution und wir sind untrennbar mit diesem Geist verbunden. ES fordert, fördert und inspiriert uns zum Wachstum und zur Höherentwicklung. ES spornt uns dazu an, eine neue Kultur zu erschaffen. "Evolution ist, was wir tun" (Andrew Cohen)

Unser Job: Entdecke und verstehe den Geist Gottes im ganzen ätherischen Gewebe des Lebens. Und vor allem: Werde selber die evolutionäre, ispirierende Kraft, die alles verändert. In dem Bewusstsein, dass Du nie vollendet, aber immer werdend bist. ES wird durch uns.



Erkenne, lebe und liebe also die mystische Tatsache, die von diesem Gott ausgeht, der Du immer bist, nie sein kannst und stetig wirst.
Inspired by und zum weiterlesen empfohlen: EnlightenNext, info3, Kamphausen, Integrales Forum, Rudolf Steiner

Samstag, 19. Dezember 2009

Herzwerk

Ich habe ein Herz das schlug, bevor meine Eltern geboren wurden. Dieses Herz schlug bereits vor 100 Jahren, vor 10000000 Jahren...und davor. Dieses Herz ist EINS mit Deinem Herz, welches schlug, bevor Deine Eltern geboren wurden und vor 100 Jahren und vor 10000000 Jahren und...Vielleicht sollten wir statt vom Urnkall, lieber von einem andauernden Herzwerk sprechen...

Wir sind in diesen Tagen eingeladen, das Herzwerk auch im Gerinsten zu erleben. Wir sind eingeladen, uns der einfachen Tatsache bewusst zu werden, dass wir niemals, niemals von diesem einen Herz getrennt sein können. Wir können es nicht! Selbst im Tod nicht. Auch nicht in diesem Augenblick. Was das für Dich bedeutet, das hängt von Deiner Entwicklung & Deiner Integrität ab.

Es ist ein Herzwerk...Es schläft im Stein, es wächst in der Pflanze, es fühlt im Tier und es erkennt seine eigenen Rythmus in Dir. Es ist ein Herzwerk.

Freitag, 18. Dezember 2009

Wer liest diesen Text?

Wenn wir etwas fühlen, denken, oder aussprechen, dann stellen wir uns oft die entscheidende Frage nicht: „WER fühlt, denkt und spricht da?“ Die spirituelle Persönlichkeitsbildung unterschiedet sich von der herkömmlichen Persönlichkeitsbildung darin, dass Spiritualität immer dies fragt: „Wer HAT denn diese Persönlichkeit? WER ist der, der sie bildet?“ Sobald man das Ohr nach innen richtet, hört man einen Chor von Stimmen. Wer sind diese Stimmen? Wer hört den Chor?

Es gibt viele Stimmen aber auch viele Ohren in uns. Unterschiedlichste Absender-Stimmen und Adress-Ohren. Das sind alles unsere Teil-Selbste: Der Beschützer, der Skeptiker, das Opfer, das Verlangen, der Kritiker, das verletzte Kind, der Clown, die Angst, die Sicherheit, die Helferin.....zahlreiche andere innere Stimmen und Ohren.

Sind wir uns dessen nicht bewusst, dann gerät alles durcheinander. Stell Dir einmal dieses seltsame Szenario vor: Gott würde in seinem zeitlos-formlosen So-Sein zu Dir sprechen. Ihre universelle Stimme tönte zu Dir und Dir wäre nicht bewusst, dass Du das universell Göttliche mit dem Ohr des Skeptikers hörst.

Was für ein Drama würde das geben. Solche Dramen erleben wir alle. Um diese Dramen zu einer glücklichen Wendung zu führen, gibt es verschiedene Methoden. Allen Methoden ist eines gemeinsam: Sie sollen uns dabei helfen, die verschiedenen Adressen und Absender in uns identifizieren.

Das Bewusstsein für den Absender und den Empfänger, macht uns transparenter für das zeitlos-formlose Geheimnis, welches hinter allen Adressen, Absendern und hinter dem Kosmos auf uns wartet. "Hinter dem Kosmos", das ist ein anderes Wort für Deine eigene Mitte. Deine eigene Mitte, ist jenseits der Sehnsucht.
MITTE
Rudolf Steiner griff den Gedanken der Teil-Selbste, der Absender und Empfänger auf: Er zeigt, in der würdigen Sprache der Engels-Mythologie, wie wir uns selber zu transparenten Wesen machen können.
WESEN
Wir hören dann (in dieser mythologischen Sprache der Engel), wie aus den „Archangeloi“ das Denken spricht, aus den „Archai“ die Erinnerung oder, dass die "Seraphine" aus der Gegenwart reden. „Kyriotetes“ und „Exusiai“ sprechen bei Steiner unmittelbar als Gefühls-, und als Seelesprache.

Die Stimme der „Angst“, die jede Herzbewegung auf ein mechanisches Rattern reduziert, spricht im Kontext der Anthroposophie im kühl-maskulinen „Ahriman“. Die feurigen Regungen des „Verlangens“, sprechen in den Texten Steiners aus dem hitzig-femininen „Luzifer“.
Heilung
In einem anderen spirituellen Kontext, nennt man diese Methode "Big Mind - Big Heart Prozess" oder auch "Voice Dialog". Es sind Wege zur inneren Heilung und Befreiung.
Heilung
In meinem eigenen Heilungsprozess, gab es zwei Sätze, die den Schlüssel zur Selbstheilung bildeten:

1. Alle Stimmen haben ein Recht zu sprechen – ich bin alle diese Stimmen. 2. Ich bin das Bewusstsein selbst, in dem diese Stimmen sprechen – ich gehe über alle Stimmen hinaus.

Und daraus ergibt sich etwas Drittes - eigentlich ein Wunder, das immer gegenwärtig ist: Dasjenige, was über alle meine Stimmen hinaus geht, vereint sich mit dem, was über Deine Stimmen hinausgeht. Dort, jenseits der Stimmen, jenseits von falsch und richtig, dort ist der Ort, den wir nie verließen.

Stille.

Wenn wir – wie in der MATRIX-Meditation – den inneren Telefonhörer auflegen, dann erleben wir eine Welt ohne Stimmen. Eine Welt ohne Absender und ohne Adressen. Eine Welt ohne Regeln, ohne Kontrolle und ohne Grenzen. Eine Welt ohne Angst. Eine Welt, in der alles möglich ist.

Die letzten Tage haben mir wierder gezeigt, wie bedeutsam es ist, dass wir uns mit wachsamer Liebe den unterschiedlichen Stimmen in uns zuwenden und die Instanz stärken, die keiner Stärke bedarf. Ich habe die Hoffnung, dass wir das gemeinsam schaffen.

Das Ende dieses Textes, ist einer Erinnerung meiner Kindheit gewidmet: Jedes Jahr, seit ich sechs Jahre alt war, saß ich in dem Weihnachts-Theaterstück, welches im anthroposophischen Kontext gerne aufgeführt wird. Heute wie damals, sah und hörte ich alles auch als Kritiker.

Doch es gab eine Stelle in diesem Stück, da öffnete ich mein Herz so sehr, wie es nur einmal im Jahr ging. Es war dieser Moment, wenn der Engel zur Maria die Worte spricht, mit denen ich Euch einen schönen Tag wünsche:
„Denn bei Gott, sind alle Dinge möglich.“

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Gottes Hand

Ich lege mich jetzt in Gottes Hand. Mit diesem Gedanken: Was wir auch tun, tun wir an uns, was wir auch einem unserer Geringsten antun, tun wir an uns - an dem ICH BIN, das ich bin, an dem Einen, welcher identisch ist mit dem, was wir immer schon waren, sind und sein werden. Ich öffne meine Hand und lege mich in mein Selbst - neben Dich, Bruder. Neben Dich, Schwester. Wir liegen im Frieden. Als Frieden. Einfach so.... Spürst Du meinen Atmen? Er strömt aus Deinem Mund. Reich mir Deine Hand und bekenne, dass Du Gott bist.

Sternenglanz

Das Kind lebt – allgemein formuliert – in den ersten sieben Jahren in einer träumenden, magische Innenwelt. Rhythmen, Regeln und Rituale, fördern und begleiten den Übergang in die erste Weite einer Kollektivkultur. Ein anfängliches, zartes, soziales WIR beginnt zu wachsen. Ein WIR, welches über die Person und die enge Familie hinausgeht. Was habe ich damit zu tun? Ich war vor einigen Tagen als Nikolaus in einem Waldorfkindergarten. Dort habe ich den Kindern die folgende, kleine Geschichte erzählt. Eine kleine Geschichte, die vom Ich zum Du und vom Du zum Wir führt...ohne das Ich zu verlieren.

Die Geschichte ging in etwa so:

Am letzten Sonntag habt Ihr ja kleine Geschenke in Euren Stiefeln gehabt. Und gerade habe ich Euch noch die Lebkuchensterne überreicht. Aber ausser diesen beiden Dingen, habe ich Euch noch etwas geschenkt...und das ist ein Geheimnis.

In den letzten Nächten, während ihr schlieft, habe ich jedem von Euch ein Geheimnis geschenkt. Hier, in Eurer Herz, habe ich es hineingeschenkt. Hier, wo wir so die Hände vor Euch kreuzen könnt. Dahinein habe ich in den Nächten das Geheimnis gelegt.

Von meiner weiten, weiten Sternenreise habe ich nämlich Sternenglanz mitgebracht. Diesen Sternenglanz von weit, weit oben, habe ich hier in Euch hineingeschenkt. Hier, wo die Hände sich vor Euch kreuzen.

Wenn ihr die Hände so kreuzt, dann könnt ihr das Glitzern und warme Funkeln des Sternenglanzes in Euch spüren...Spürt, wie es ist in Euch glitzert und wärmt.

Wenn ich nun gleich wieder, weit, weit zu den Sternen reise, dann werde ich jedem Stern dort, von jedem Kind hier erzählen. Allen Sternen, werde ich von Euch allen berichten.

Und dann haben die Sterne etwas von Euch in sich – so wie ihr nun etwas von den Sternen in Euch habt. Und ihr fühlt: Die Sterne leuchten in mir. Und die Sterne fühlen: Die Kinder leuchten in uns. Und so sind wir ein Leuchten.

Das ist mein Geheimnis für Euch. Danke, dass ihr es angenommen habt.

Und ich weiss, dass ihr dieses Geheimnis niemals vergessen werdet. Denn ihr könnt einfach so die Hände über Euch kreuzen und sogleich ist das Geheimnis wieder bei Euch.

Ich wünsche Euch und Euren Lieben eine gesegnete Adventzeit.

So ging meine kleine Nikolausgeschichte. Warum ich sie hier jetzt erst erzähle? Ich musste doch erst den Sternen von den Kindern berichten...

Dienstag, 15. Dezember 2009

Der Hunger der Götter

"Die Götter sind so weit, daß sie im Menschen die Liebe entzünden können, so daß die Menschen imstande sind, die Liebe erleben zu lernen, aber die Götter lernen die Liebe als Realität erst durch die Menschen kennen.

Sie tauchen von den Höhen herunter in den Ozean der Menschheit und fühlen die Wärme der Liebe.

Ja, wir wissen, daß die Götter etwas entbehren, wenn die Menschen nicht in Liebe leben, daß sozusagen die Götter ihre Nahrung in der Liebe der Menschen haben.

Je mehr Liebe der Menschen auf der Erde, desto mehr Nahrung der Götter im Himmel – je weniger Liebe, desto mehr Hunger der Götter.

Das Opfer der Menschen ist im Grunde genommen nichts anderes als das, was zu den Göttern hinaufströmt als die in den Menschen erzeugte Liebe.”
(Rudolf Steiner, GA 105)
LOVE
Kannst Du so sehr lieben - in jeder Art und Weise -
dass Götter davon satt werden?

Der Deal & der Weg

Warum hast Du heute meinen Blog besucht? Was auch immer Deine Gründe sind – es gibt hier einen unausgesprochenen Deal. Der Deal lautet: Ich, Sebastian, sag Dir hier, wie ich die Dinge sehe. Ich sage es Dir auf meine Weise und wenn Du hier aufschlägst, dann willst Du genau das. Du kommst hier her und sagst damit zu mir: „Sebastian Gronbach, erzähl mir mal, wie Du die Dinge siehst.“ Das ist der Deal. Wenn Du gleich auf eine andere Seite klickst, dann gibt es einen neuen Deal – doch immer in diesem Sinne.

Es ist im besten Sinne ein Deal der Moderne. Als MODERN bezeichnet Peter Sloterdijk eine Gesellschaft, wenn sie einen Pluralismus von Inspirationsquellen zugesteht.

Sloterdijk nennt es den „Konfessionen-Markt“. Auf ihm können sich Menschen begegnen, „die sich für Verschiedenes begeistern und von Verschiedenem inspiriert werden.“ Trotz aller dunklen Schatten der Moderne, ist das ihre größte Errungenschaft und hebt sie somit über das Mittelalter.

„MITTELALTERLICH“ nennt Sloterdijk eine Kultur, die sich durch einen Monismus der Inspiration definiert. In ihr gibt es einen einzigen Lieferanten, der ein Monopol darauf hat, „als Quelle legitimer Enthusiasmen zu wirken.“

Ich bin froh darüber, dass sich die Kultur der Anthroposophie, auf den weiten Weg in die Moderne machen will.

Dieser Blog ist meine Unterstützung für diesen langen Marsch. Er ist in Liebe geschrieben. Denn Liebe ist nicht das Ziel. Liebe ist der Weg.

Gehen wir einfach diesen vollkommenen Weg, so unvollkommen wir auch sind.

„Die Dinge werden schlechter
die Dinge werden besser
die Dinge sind immer schon perfekt.“

Mantra der Integralen Ökologie

Montag, 14. Dezember 2009

Stille in Gelsenkirchen

Man wird von der Stille sprechen, wenn wir öffentlich schweigen. Wir werden etwas bewegen, wenn wir öffentlich still stehen. In der öffentlichen Meditation setzen wir uns für die wahre und universelle Menschenwürde ein.

Freu Dich an vielen weiteren Bildern von der POTTFICTION-ÖKOMED in Gelsenkirchen.

Die nächste öffentliche Meditation, im Rahmen von POTTFICTION, findet beim Eröffnungs-Festakt der RUHR2010 statt. Am 9. Januar 2010 in Essen. Unter dem offiziellen Motto: WIR SIND DAS FEUER.

Die Krönung

Als ich nach meiner zwölfjährigen Waldorfschulzeit auf ein städtisches Gymnasium wechselte, um dort mein Abitur zu machen, hatte ich das Glück einen wundervollen Philosophielehrer zu haben. „Darf man beim Beten Sex haben?“ fragte er uns eines Tages. „Nein“, waren wir uns nach einiger Zeit einig. Beten, das sei eine Handlung zur Würdigung Gottes und weil Gott das Absolute sei, beanspruche er die absolute Hinwendung.

„Ok“, sagt der Philosophielehrer und lächelte. „Und jetzt diese Frage: Darf man beim Sex beten?“ Ich erinnere mich noch genau, wie verwirrt wir alle waren und wie glücklich zugleich.

„Ja“ waren wir uns einig. Denn Gott, also das Absolute, ist selbst im Relativen existent. Und in allem was ist, ist auch immer Gott. Beim Sex zu beten, das bedeutet, auch im Profanen das Sakrale zu erkennen und zu ehren. Beim Sex zu beten, sei ein Bild dafür, dass man selbst im Niedersten das Höchste würdigt.

Am Ende der Stunde formulierten wir eine Art Credo für den gläubigen Menschen: „Jede Deiner Handlungen, soll immer auch Gebet sein.“

Unser Philosophielehrer gab unserer Klasse dafür eine 1 und ich habe diese Stunde – wie man sieht – nie vergessen.

Manche Menschen fragen mich sehr kritisch: „Darfst Du denn als Anthroposoph dies oder das tun, denken oder fühlen?“ Wenn sie selber Anthroposoph sind, antworten sie oft mit einem langen Verbotskatalog, was ich alles nicht dürfte, wenn ich Anthroposoph sein wollte.

Ich stelle mir aber diese Frage: „Darf ich es es aufgeben, während ich dies tue, denke oder fühle, ein Anthroposoph zu sein? Ist Anthroposophie ein Katalog mit Geboten oder Verboten, oder eine Haltung zum ganzen Leben?“
Steiner
Rudolf Steiner hat mich ermutigt so zu fragen. Er sagt mir, dass dieses Leben ein Geheimnis nach dem anderen öffnet, wenn ich meine Angst überwinde und mich dem Hingebe, was das Leben mir zeigt. Er sagt, dass ich wach, aufmerksam, liebevoll, unbefangen, lernend und unorthodox auf das blicken soll, was das äussere und innere Leben mir schenken will.

Mein Geschenk an das Leben, besteht dann darin, dem Leben meine Bewusstheit zu schenken. Das ist die Krönung, durch den Menschen.

Nichts, was durch Bewusstheit gekrönt wurde, bleibt was es vorher war. Oder anders: Es ist das Gleiche – aber mit Krone.

Der Mensch bringt das Göttliche nicht nur dadurch auf die Erde, dass er das Göttliche in die Welt einfließen lässt, sondern vor allem dadurch, dass er die Welt in die Sphäre des Göttlichen hebt.

Im Bewusstsein des Menschen, wird sich die Göttlichkeit ihrer selbst bewusst. Der Mensch wurde vom Kosmos mit Bewusstheit beschenkt, um den Kosmos mit Bewusstheit zu erleuchten.
Der Mensch empfängt nicht nur von oben (wie in der traditionellen Religion), sondern er gibt auch nach oben - und in alle Richtungen.

Dieser Kultus von unten nach oben, macht vor nichts halt und hört nie auf. Das ist der neue Kultus.

Es ist für mich nicht so sehr die Frage, was ich tue. Ich frage mich mehr, wie ich es tue. Gelingt es mir, mich ohnmächtig der lust-, und schmerzvollen Lebendigkeit des prallen Lebens hinzugeben und dabei meine wache Bewusstheit aufrecht zu erhalten?

Ich lebe das Leben 100% – ich identifiziere mich mit NICHTS.
Wenn mir das gelingt, dann erlebe ich: Bewusstheit und Liebe sind eins.

„Der Gott war zum Menschen geworden,
um den Menschen zum Gott zu erheben.“
Rudolf Steiner, GA, Kunst & Kunsterkenntnis.

Samstag, 12. Dezember 2009

Stille Nacht...

Es ist schön, wenn wir auf Winterfesten und Weihnachtsmärkten einkaufen, uns begegnen, reden und fröhlich die Adventzeit genießen.

Es ist ebenso schön, wenn wir uns in diesem Reden, Singen, Lachen und den Tumulten bewusst werden, was auch da ist. In jedem von uns: Die verborgene Sehnsucht nach Ruhe, Frieden und der Heiligkeit in uns selbst.

Stille stillt diese Sehnsucht. Meditation ist die bekannteste Form der Stille. In ihr erfahren wir, dass Stille zu dem führt, was wir heute feiern.

Stille Nacht wird zur heiligen Nacht.

ÖKOMED ist Meditation im Guerilla-Stil. Öffentliche Kollektive Meditation erobert in vielen Städten den öffentlichen Raum und verwandelt ihn zu einem Tor für Innerlichkeit und Stille.

In der öffentlichen Meditation sind wir Repräsentanten der Stille... jeder kann sich ein Bild davon machen.

Meditation gehört da hin, wo der Lärm am dichtesten ist – es ist ganz simpel: Mund zu. Augen zu. Glück auf.

Mach mit:
Heute. Winterfest/Weihnachtsmarkt Gelsenkirchen Elisabethplatz.
Treffen + Intro: 15:00 Uhr an der Bühne. 15:30 beginn der Meditation.

Jeder Ort zählt. Jeder Mensch zählt. Jede Minute zählt.

Freitag, 11. Dezember 2009

Aus der Liebe zur Handlung

Ich erlebe es als besondere Herausforderung, gleichzeitig ein Kinder der postmodernen Aufklärung zu sein und eine erwachsener Repräsentant der zeitlosen spirituellen Wahrheiten. Niemals will ich mehr hinter die Rationalität der Postmoderne zurückfallen und mich im Märchenwald des Aberglaubens wiederfinden. No Angels & Wesenszoo, aber bitte auch kein naiver Idealismus des New-Age-Denkes al la „du musst es Dir nur vom Universum wünschen, dann geht es in Erfüllung...“.

Wofür ich mich einsetze, das ist eine Spiritualität, die ihre Kraft daraus bezieht, dass sie radikaler rational ist als jemals zuvor – und die dabei „das Licht des trans-rationalen Gottes im 21. Jahrhundert authentisch übermittelt“ (Andrew Cohen).

Rudolf Steiner war eines der frühen Kinder der Postmoderne. Er eröffnete sie mit seinem „ethischen Individualismus“. Der ethische Individualist ist jemand, der radikal die Kontextbezogenheit seines Handelns erkannt hat. Gleichzeitig erkennt er sich als Handelnder aus Liebe zur Tat.

Die Liebe zum Handeln, dass ist der Gott-Impuls, von dem wir ungetrennt sind. Die Liebe zum Handeln, das ist der ewige Schöpfungswille, der durch uns zum Ausdruck kommen will.

Die Liebe zum Handeln, dass ist das ewig gleiche Licht der Wahrheit, welches durch unsere verschiedenfarbigen Augen leuchtet.

Wenn Du in dieser absoluten Liebe handelst, das wird Du Dir schmerzhaft bewusst, dass Deine Worte, Gefühle und Taten relativ, unvollständig und mangelhaft sind – aber aus jeder noch so anfänglichen Handlung, da strömt die endlose und vollkommene Liebe.

Unser Wissen, unsere spirituellen Bewegungen, unsere Anthroposophie, das ist alles Stückwert und Unvollkommenheit. Mensch sein ist ein Leben in Unvollkommenheit aus der Güte der vollkommenen Liebe. Erlebst Du nicht auch BEIDES...in diesem Augenblick?

Wenn unser Handeln aber aus der Liebe kommt, dann kommt sie aus der Vollkommenheit.

Jetzt ist unser Erkennen Stückwerk. Wenn ich aber in der Liebe stehe, dann stehe ich im Strom des wahren Erkennens. Im Strom der Liebe sind das Erkennen und das Erkanntwerden eins.

Es braucht Mut so zu leben. Du bist mit diesem Mut gesegnet.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Von der Leere im Geist zur Fülle der Welt

Ist es möglich Frieden und Leidenschaft im Leben zu integrieren? Aktion und Leerheit, Ruhe und Bewegung: Die vielen Gesichter Gottes verlangen alles von Dir – das ganze Leben zu leben: Zwischen Kontemplation, spiritueller Herausforderung und körperlicher Vertiefung.

Partnerschaft und Beziehung dienen als Erfahrungsräume der männlich/weiblichen Identifikation, welche durch aktive Erfahrung des Kollektivs nach Heilung und Versöhnung rufen. Diese beobachten und erfahren wir an diesen Tagen durch die Voice Dialogue Methode.

Wir begegnen dabei unseren Konditionierungen und Identifikationen und erleben uns in der Vielheit der eigenen Persönlichkeit. In Achtsamkeit und Meditation tauchen wir in den ruhenden, ewigen Bereich unseres Seins, in dem Big Mind / Big Heart erfahrbar wird.
BIG
Von dort begegnen wir unserem authentischen «Selbst» ganz neu aus einem schöpferischen Impuls, der einem geistigen Erwachen gleicht.

Lebe Dein relatives Selbst, doch ruhe dabei in der absoluten Unendlichkeit. Es geht nicht darum, dass Du nur anders werden sollst. Es geht nicht nur um Entwicklung. Es geht um Evolution.
Es geht darum, dass dasjenige was Du bist, so aufblüht, wie es eigentlich gemeint ist. Evolution = Entwicklung + Richtung.
BIG
Wir vertrauen darauf, dass wir so werden können, wie wir im tiefsten Sinne bereits immer schon sind. Wir vertrauen darauf, "dass jeder von uns zum freien Geiste berufen ist, so wie jeder Rosenkeim dazu berufen ist, Rose zu werden". (R. Steiner)
BIG
Jede Deiner inneren Perspektiven und Stimmen hat ein Recht zu sprechen - doch Du bist nicht nur die vielen Stimmen und tausend Perspektiven. Du bist auch nicht nur der "Ich-Regisseur" der alle Stimmen kennt und lenkt....
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Du bist der auch "leere Raum um Welt und ich", wie Gottfried Benn es nennt.
BIG
Wir, Cordula Mears-Frei und ich, freuen uns auf Dich und Deinen Wunsch, so zu werden, wie Du am Ende sein wirst. Gemeinsam mit allen Teilnehmern, wollen wir den Rosenkeimen das geben, was Rosenkeime brauchen, um Rosen zu werden.

Villa Unspunnen - das Seminar-Haus von Annette Kaiser in der Schweiz.
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Beginn: Freitag, 26. Februar 2010 um 16.00 Uhr, Ende: Sonntag, 28. Februar 2010 um 16.00 Uhr, Seminarkosten: CHF 560.– Weitere Infos und Anmeldung.
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Und im Sommer gehts weiter: VOICE DIALOG - SOMMERAKADEMIE 23.8.10 - 28.8.10 Seminarunterlagen hier bestellen

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Der sinnfrohe Asket

Als spiritueller Dienstleister erlebe ich zwei Dinge immer als besonderes schöne Geschenke. Eine ausverkaufte Aula ist die eine Sache - wunderbar. Das andere Geschenk ist, wenn ich meine Kritiker für die Sache gewinnen kann, für die ich mich begeistere. Beide Geschenke durfte ich in diesen Tagen wieder annehmen. Nach dem Vortrag in der Wendelstein-Waldorfschule bei Nürnberg, verstärkt sich mein Eindruck nocheinmal, dass wir wirklich etwas bewegen und erneuern können. Ich bin dankbar für diese Geschenke.

Meine Wahrnehmung ist, dass viele Menschen den guten Willen haben wirklich etwas zum Fortschritt der Kultur beizutragen – und sie sind bereit, selber die Schritte zu gehen.


Ich arbeite seit ca. zehn Jahren daran, meinen Beitrag für einen Bewusstseinswandel zu leisten – und etwas hat sich wirklich verändert. Früher gab es zwei Gruppen von Menschen: Die einen wollten die Welt verbessern, waren aber nicht gewillt bei sich selber damit anzufangen. Die anderen wollten sich selber verbessern und vergaßen dabei die Welt.

Heute erlebe ich, dass viele Menschen sagen: „Es geht nicht nur um mich, aber es kommt auf mich an. Weil ich Teil eines kosmischen Organismus bin, ist meine eigene Entwicklung untrennbar mit der Entwicklung des ganzen Kosmos verbunden. Wenn ich versage, versagt das Ganze. Wenn ich wirklich besser werde und aus meinem engen Ego-Kreis aussteige, dann ist das ein wertvoller Beitrag für die ganze Evolution....und das alles erzeugt ein überpersönliches Glücksgefühl in der Welt. Ich kann das bis in mein persönliches Herz fühlen.“

Es ist eine erstaunliche Ingeration von Ernsthaftigkeit und Lebensfreude, die wir bei solchen Abenden kreieren. Das führt dazu, dass solche schweren Wörter wie Verantwortung und solche leichten Wörter wie Spaß, nicht länger gegeneinander ausgespielt werden. Welche innere Qualität die Schwere oder Leichtigkeit hat, ist von der Qualität des Bewusstseins abhängig, in dem diese Dinge kreiert werden.


Deutsche denken oft, dass Schwere = gut und Leichtigkeit = schlecht sei. Diese starre Denke verändert sich. Wir haben Gott darum gebeten – und sie hat uns erhört.

Eine Frage von Reimer Gronemeyer erlebe ich wie eine Antwort auf die Probleme, die manche Leute immer noch damit haben, dass tiefer Ernst und leichte Freude aus der selben Quelle fließen und in das selbe Meer münden:

„Vielleicht ist die moralische Integrationsfigur des 21. Jahrhunderts eher ein sinnfroher Asket, der zu unterscheiden gelernt hat zwischen törichtem Konsum und gelassener Nutzung, die die High-Tech-Gesellschaft bietet? Vielleicht erinnert die Grundfigur des kommenden Jahrhunderts eher an einen Mönch oder einen Künstler? Die Äbte und Mönche haben einmal aus dem barbarischen Mitteleuropa blühende Landschaften gemacht. Gebraucht wird für die High-Tech-Gesellschaft schon ein neuer Menschen-Typus. Wie wird er sich bilden?“

Der besondere Beitrag, den die Anthroposophie zu diesem Chor der Evolutionäre beitragen kann, hat qualitativ u.a. etwas mit Wärme, mit der Fähigkeit zur Gestaltung, auch mit schmerzhaften Lebenserfahrungen und mit der Erkenntnis zu tun, dass Gott sich als Welt hingegeben hat. Gott ist überall – aber überall ist sie anders...Und Anthroposophen stellen sich permanent die Frage, wie genau ist Gott, wenn sie als Tulpe, als dreijähriges Kind, als Depressiver oder als Kuh erscheint.

Wir wollen es genau wissen. Selbstkritisch muss ich heute sagen: Bei diesem gesunden Blick für das Detail, haben wir uns ungesund im Klein-Klein verloren und der Blick & Sinn für das GANZE ist uns abhanden gekommen...Wir dachten, wir sind einsame Spitze. Dabei hatten wir einfach nur Scheuklappen an.

Ich bin davon überzeugt, dass es uns gelingen kann, wieder den Sinn für das GANZE zu gewinnen, ohne den Blick für das Detail zu verlieren.


Mit unseren vielen spirituellen Freunden, sollte wir es schaffen, dass WIR zu gewinnen, ohne das ICH zu schwächen. Es kann gelingen, größte Tiefe und weiteste Spanne mit tiefem Ernst und luftiger Leichte zu versöhnen.

Und was wir auch tun: Tun wir es aus kraftvoll aus der bewegungslosen Stille heraus. Kämpfen wir den kampflosen Kampf des sinnfrohen Askten. Erleben wir die scheinbaren Gegensätze als integrale Bestandteile einer großen Geschichte.

Geben wir alles für die Entwicklung zum Wahren, Guten und Schönen – in dem klaren Bewusstsein, dass bereits alles perfekt ist, bevor wir überhaupt angefangen haben einen Finger zu rühren.


Mit anderen Worten: Tun wir es...aus Liebe zur Tat.

Samstag, 5. Dezember 2009

Schenke Deine Stille

Seit ich mich auf die Stille eingelassen habe, geschieht etwas in meiner Biografie. Meine eigene Entwicklung wird einerseits beschleunigt und andererseits ist meine Entwicklung an ihr Ende gekommen – was immer auch der Anfang ist. Stille öffnet das Portal zu dem, was Menschen in verschiedensten Sprachen gebrauchen und das doch immer das Eine meint: Gott. Gott ist zugleich der bewegungslose, ruhende, horizontale Daseinsgrund des Himmels und der Erde und ebenso der dynamische, drängende, vertikale Urtrieb des Lebens. Beides überkreuzt sich. Und da wo Horizontale und Vertikale sich kreuzen, da bin ich Mensch.

Ich mag Shopping, ich mag Geld ausgeben und ich mag Luxus. Ich kann sehr gut auf alle Einschränkungen meiner Lebensqualität verzichten – darum lebe ich auch vegetarisch.
Das Quälen von Tieren ist eine massive Einschränkung meiner Lebensqualität. Meine Lebensqualität endet nicht an meiner äusseren Haut – sie endet im Unendlichen.

Ich mag Shopping - auch weil ich Menschen mag. Geld ausgeben bedeutet, Menschen Geld zu geben. Ich mag auch Weihnachtsmärkte. Ich habe mir abgewöhnt den lauten & grellen Konsum mit negativem Blick zu sehen.
Ich sehe Konsum grundsätzlich positiv. Ich denke zum Beispiel, dass eine Frau niemals genug Schuhe und nie zu viele Kleider haben kann. „Wenn es keinen Konsum gibt, geht gar nichts mehr.“ (Jil Sander).
Ich will, dass Konsum immer besser wird. Ethischer, gesünder, grüner. Darum steh ich auf KarmaKonsum.

Synchron dazu, nehme ich eine Haltung ein, die ihren Schwerpunkt nicht im Lärm, nicht im Konsum und nicht in der Dynamik hat. Meine Heimat ist die Ewigkeit. Dort ist mehr als keine Geräusche. Jenseits der Geräuschlosigkeit ist Stille.

Alles ereignet sich in dieser Stille. Vom ersten Urknall bis zum Weihnachtsmarkt geschah alles in dieser Stille und von dieser Stille bin ich nie getrennt. Sie ist das Herz Gottes. Das Herz Gottes ist so groß, dass alles darin Platz hat. Die Stille ist so still, dass sie alle Geräusche annehmen kann – und doch nie von ihnen verschlungen wird.

Für mich selber begann erst durch das Leben in der Stille das wirkliches Leben.
Wirklich zu leben, das bedeutet für mich nicht, durch die Welt der Erscheinungen hindurch zur Stille zu gelangen, sondern die Welt der Erscheinungen aus der Stille heraus zu erfahren und zu gestalten.

Das Weihnachtswunder besteht darin, dass die Stille selbst erscheint und eine nie dagewesenen Dynamik entfaltet. Stille Nacht. Heilige Nacht.

Friedliche Stille & dynamisches Drängen. Beide Prinzipien sind immer in Dir. Genau jetzt. Schau mal hin: Du kannst Ruhe in Dir spüren. Du kannst Dynamik in Dir fühlen. Im selben Moment. Umarme beides. Umarmen heisst lieben.

Wachstum und Konsum können gut sein. Schlecht ist das Übermaß.

Unsere westliche Welt ist einseitig geworden. Unserer westliche Welt wird vom lauten & grellen & gierigen Wachstumsprinzip beherrscht. Bewusstes & kultiviertes Wachstum ist gesund – unbewusstes & unmäßiges Wachstum ist krank.

Um das Gesunde zu stärken, lade ich Dich und Euch ein. Zu einer öffentlichen Meditation auf einem Weihnachtsmarkt. Meditation auf einem Weihnachtsmarkt stärkt die Kräfte der Stille. In Dir. Im Ort. In der Zeit. In den Menschen, die sich davon berühren lassen. Wir schenken Stille.

Wir zeigen: Alles was wir tun müssen, um unsere Sehnsucht nach Frieden & innerer Ruhe und heiliger Nacht zu stillen, ist einfach.....still sein.

Wir sind nicht gegen Konsum & Wachstum und nicht dagegen, dass Menschen Geld ausgeben und Geld annehmen.

Wir stärken in unserer öffentlichen Meditation nur die andere Seite der Wirklichkeit. Die Seite, die krank geworden und doch die Quelle jeder Gesundheit ist. Wir stärken die Stille. Einfach, in dem wir würdige Repräsentanten dieser Stille sind. In der öffentlichen Meditation.

Unter dem Leitsatz „STILLE NACHT“, treffen wir uns in Gelsenkirchen am Weihnachtsmarkt am Elisabethplatz, zu einer öffentlichen Meditation.

Nenne es Public Silence, nenne es Guerilla Meditation, nenne es ÖKOMED.
Es ist Still-Sein, dort wo es zu laut wird.

Am Samstag den 12. Dezember. In Gelsenkirchen. Am Elisabethplatz. Vor der Bühne. 15.00 Uhr Treffen und Intro. 15.30 Uhr Start zur Stille!

Schenke, was die Sehnsucht stillt.
Schenke Deine Stille.
STILLE
Diese Veranstaltung wird unterstützt von Stiftung Mercator, Ruhr2010, Consol Theater

Freitag, 4. Dezember 2009

Wo ist Dein Herz?

Wo bist Du jetzt gerade? Was tust Du jetzt gerade?
Jetzt gerade liest Du diese Zeilen
und sitzt vor Deinem Computer.

Wenn es wahr ist, dass Gott will, dass wir mit ganzem Herzen dort sind, wo wir uns gerade befinden, was bedeutet das jetzt für Dich?
Wo ist Dein Herz?
Bist Du mit ganzem Herzen da, wo Du jetzt gerade bist?

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Tierpfleger

Als Kind – häufig mit meiner Mutter zu Besuch im Kölner Zoo – wollte ich Tierpfleger werden. Den Tigern das Fleisch bringen, mit Affen spielen, die Elefanten waschen...und von allen Tieren den Mist wegräumen. Das erschien mir eine würdevolle Arbeit. Heute weiss ich, dass diese Sehnsucht auch nur Ausdruck eines gängigen Persönlichkeitsmusters ist, aber ich weiss auch, dass jedes Muster mit Leben gefüllt und mit Geist durchdrungen werden kann. Muster kann Mission werden.

Meiner Frau verdanke ich, dass ich nun zwei mal in der Woche Tierpfleger sein kann. Zwei Kaninchen, zwei Schafe und zwei Pferde. Liebkosen, Füttern, Mist wegräumen. Wunderbar.

Das pochende Herz des Kaninchens in der Hand zu fühlen. Zu bemerken, wie sich das weiche, bebende Fell schnell beruhigt, wenn man das Tier ins Freie trägt und zu sehen, wie sie den frischen Salat mümmeln – das tut mir einfach gut.

Zu erleben, wie die (zunächst scheuen) Schafe, mit der Zeit nicht mehr wegrennen sondern vorwitzig näher kommen, wenn ich ins Gehege gehe. Das Heu aufzuschütten und jedem Tier einen Apfel aus der Hand fressen zu lassen...dieses dichte Fell zu fühlen...das tut mir einfach gut.

Die massigen Muskeln der Pferde (die nur durch Äpfel, Heu und Korn so wurden) zu fassen, dass wohlige Schnauben zu hören, welche das Putzen und striegeln begleitet, das fordernde Vordrängen des Kopfes, der alles riechen und schmecken will, die wiederstrebende Freude wenn es zum reiten geht...das tut mir einfach gut.

Und immer der Mist. Der AbFall. Die Scheisse & Pisse. Vom Tier einfach so fallen gelassen. Schubkarre für Schubkarre von mir aufgesammelt. Zum Misthaufen gefahren. Abgeladen, umgelagert, aufgeräumt...Arbeit...die mir einfach gut tut. Mistarbeit reinigt mich. Tierliebe bedeutet soziale Kompetenz.

Tiere tun mir einfach gut.
Und wie tue ich den Tieren gut?


Zuerst weil ich den Mist wegmache. Weil ich sauber mache. Die Ställe und Tiere. Weil ich Futter gebe. Natürlich auch weil meine Zuwendung durch Sprache und Berührung ihnen emotional gut tut...Das sind grundlegende Dinge.

Aber es gibt noch etwas. Etwas, was über alles, alles hinausgeht. Etwas was nur ich geben kann. Etwas bedeutsames.

Für mich, den Menschen, existiert nichts Geringes.
Tier
Nicht in meinem Leben und nicht im Leben der anderen Wesen. Ich, der Mensche, lese das Leben wie ein Evangelium. Das Leben als Evangelium zu lesen, das bedeutet totale Hingabe zu üben. Und ich, der Menschen, kann mich entscheiden keine Tatsache gering zu schätzen.
TIER
Das Ego schaut abschätzig auf unterschiedliche Tatsachen. Ich, der Mensch, gebe mich bewusst hin. Allem. Nur so entsteht Erfahrung.

„Nur das menschliche Herz kann sich auf solche Weise hingeben.“ (Jelle van der Meulen in "Herzwerk").

Meine Hingabe tut dem Tier gut. Einen Menschen an der Seite zu haben, der nichts Gering schätzt. Nicht das Tier selbst und nicht den Mist. Der Mist ist das Letzte. Im Dünger wird es zum Ersten. Kommt Dir das bekannt vor?

Wenn ich mich dem Tier hingebe, was gebe ich da hin? Was in mir tut dem Tier gut?

Ich trage dem Tier etwas entgegen, was über das Tier hinausgeht....und es geht auch über mich hinaus. Doch ich bin die Kreatur, die sich diesem Größeren bewusst ist. Das ist der Unterschied. Ich ehre Unterschiede.
Tier
Was wäre das aufgeregt pochende Herzchen der Kaninchen, was wäre der frech-scheue Blick der Schafe, was wäre das ungestüme Drängen des Pferdes, wenn ich, der Mensch, nicht daran teilhaben würde?

Jedes nicht wahrgenommen, unbemerkt bleibende Tier, ist eigentlich kein Tier, „so wie jeder unbemerkt bleibende Mensch eigentlich kein ´vollwertiger` Mensch ist.“ (Jelle van der Meulen)

In meiner Hingabe, in meiner aufmerksamen Liebe, wird die Welt erst vollendet – eigentlich entsteht sie dort erst.

Das Tier sehnt sich nach mir, dem wachen Menschen. Weil etwas in dem Tier kein Tier ist. Etwas ist Spirit. Und dieser Spirit im Tier, ist Eins mit dem Spirit in mir, dem Menschen.

Ich träume im Tier – das Tier erwacht in mir. Das was in mir wach ist, ist das Selbe, was im Tier träumt. Der eine Spirit.

Nur ich, der Mensch, kann dem Spirit im Tier erkennen. Das tut dem Tier gut. Und mir. Uns. Das Höchste im Tier, ist das Höchste in mir. Anthroposophie ist mein Weg, um den Spirit in mir zum Spirit in Allem zu führen.

So Tierpfleger zu sein, bedeutet Gottesdienste zu feiern.
Tier

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Manifestation der Scheisse


Es gibt ein Erwachen am AffrontRudolf Steiner beschreibt dies als die Erscheinung des Doppelgängers - in der Tiefe seines Wesens, liegen im Doppelgänger und dem Affront, die Kraft der reinen und alles transformierenden Liebe: "Ich bin wirklich auch der Todesengel; aber ich, ich bin zugleich der Bringer eines nie versiegenden Lebens." ("R.S.: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten")

Gestern hatte ich das Glück, den großen und wachen Künstler GIA EDZGERVADZE kennen zu lernen. Gia Edzgervadze ist Professor an der Alanus Hochschule

Hier ein Ausschnitt aus dem „Manifest der Scheisse". 
Amen
„Nicht Verliebtheit in das Leben eines Jammerlappens, sondern grenzenloser Hass darauf, gibt die Kraft zum Erwachen.
Es nützt mir nichts, neue Geheimnisse zu erschaffen, das einzige was ich brauche, ist ein offenes, ehrliches Wort über meine reale Situation; das wird normalerweise als Mord oder Selbstmord aufgefasst, doch in Wirklichkeit....ist es Selbstbestimmung.

Will jemand, allein mit seinem Schicksal, der Wahrheit ins Auge sehen, sich also im Grauen vor dem Absurden auflösen, ist er bereit, seine restlichen Hoffnungen und Träume wie Lumpen abzustreifen, dann ist das letzte was er noch braucht, der endgültige Affront!
Das Konzept des endgültigen Affront ist der Angriff auf das Wohlbefinden unseres Bewusstseins.

Die Zeit für die Manifestation der Scheisse ist gekommen.

Nur die Scheisse beleidigt mich ins tiefste Innere, sie ist das einzige, was dich von innen umhauen, den letzten Funken Ehrgeiz, diesen Zerberus der Unsterblichkeit, in dir auslöschen kann.

Bleibe mit ihr (der Scheisse) allein, lass sie in die intimsten Ritzen deiner Seele eindringen.

Du musst mit der ganzen Höhe ihres Falls verschmelzen, sie hat sich grenzenlos erniedrigt und ist zum ewigen Zeichen des Niedrigsten geworden - sie ist das Christentum. Sein Symbol."
Amen

Dienstag, 1. Dezember 2009

Das Geheimnis


Heute wird ein Tag, der es in sich hat. Folgende Stationen stehen heute auf meinem Tourplan: Alanus Hochschule, M.A.R.S, Alter Friedhof Bonn, eine Klinik, und ein paar geheime Locations, die ich noch nicht verraten kann...am Ende ein Bett für zwei Personen. Und wozu das alles: Das will ich noch nicht verraten. Aber in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift info3 wird das Geheimnis gelüftet werden – und ich selber werde am aufgeregtesten sein.

Ich habe mir gerade mal die info3 Ausgaben der letzten Monate auf den Schreibtisch gelegt. Was für Storys. Grenzerfahrung beim Militär, Tugenden, Einweihung, Notizen aus der Waldorfwelt, Gott, Freiheit, Unsterblichkeit, Engel und Grundeinkommen. Demenz, Partscherzhaft als spiritueller Weg, Meditation, Finanzchance, Mobbing, Rudolf Steiner, Krishnamurti, Sufismus, und essentielle Anthroposophie....und gefühlte 4352 weitere Themen.

Was zum Himmel wollen die Typen uns damit sagen?
Wo ist der rote Faden?
Was ist die Mission von info3?

Nach Abzug aller klugen Sätze, wohlüberlegter Firmenphilosophien, Vorstellungen und Leitsätze bliebt für mich das ehrliche Bekenntnis: Ich weiss es nicht.

Wahrscheinlich halten wir uns manchmal für wichtiger als wir in Wirklichkeit sind. Wir machen Fehler.

Aber wir lügen nicht.

Wir wissen, wenn wir als Anthroposophen im Dialog sind und wieder ein Heft auf den Markt bringen: Das Universum vergisst unsere Worte und Bilder nicht. Das Universum und bewahrt alles in seiner der Chronik.

Und ich frage mich: Warum schreiben wir so viel über Taten und können doch so vieles nicht in Taten umsetzen?“

Mein Herz findet die Antwort in Anlehnung an Paulo Coelho:

„Wenn ihr öffentliche Eure Ideen und Ideale vertretet, müsst ihr Euch bemühen, ihnen entsprechend zu leben“

Und da wir denken und fühlen, was wir sagen und schreiben, werden wir am Ende zu dem, was wir denken und fühlen.

Es ist gut zu wissen was man will und wohin man will. Es ist gut, wenn man die Ziele seiner Reise kennt. Sie können weit, abenteuerlich und heroisch sein. Und natürlich können wir unser Leben nur vorwärts leben und rückwärts verstehen.
Aber am Ende wird es vielleicht so sein, wie uns die alten Mystiker sagen: „Der Weg, der Dir gewiesen ist, ist nicht weit. Du musst nur deinem Gott bis zu Dir selbst entgegengehen.“

In diesem Sinne machen wir unser Heft. In diesem Sinne will ich diesen Tag mit seinen spannenden Stationen angehen. Das Geheimnis unserer Mission ist weniger, dass wir sie finden. Das Geheimnis unserer Mission hat damit zu tun, dass wir sie leben. Nach bestem Wissen und Gewissen – wissend, dass das Gott-Geheimnis uns näher ist als unsere Hand. Näher als das nächste Heft.

Jeder Moment ist unerlässlich. An jedem Ort ist das Gott-Geheimnis verborgen. Jeder Mensch ist das Gott-Geheimnis.

Gott hat sich einerseits im Menschen verwirklicht, manifestiert und veröffentlicht. Andererseits ist das auch ein wunderbares und rührend komisches Versteck. Wenn alles, jeder Ort und jedes Wesen, das Gott-Geheimnis ist, wie soll man das Gott-Geheimnis da entdecken?

Gott hat sich durch seine totale Entäusserung radikal vor sich selbst verborgen.

So bin ich heute auf dem Weg. Und bin immer schon da. Jeder Schritt ist ein Ruhen im Ziel und in diesem Bewusstsein: Ich bin der Weg. Und die Wahrheit. Und das Leben.

Donnerstag, 26. November 2009

Wozu der Advent Dich einladen kann


Die Sonne hat sich zurückgezogen. Licht und Wärme sinken immer tiefer. In den Pflanzen haben sich die Sonnenkräfte von den Spitzen in die Wurzeln umgewendet, von den Feldern und Wiesen, weicht die Vitalität nach unten aus und selbst der Beton scheint grauer zu werden...Die Nachtkräfte wachsen.

Die Adventzeit kann für unsere Seele zu einer Zeit der Prüfung werden – die Natur schenkt uns wieder eine Chance zu wachsen. 
Wenn wir diese äusseren Entwicklungsprozesse im Inneren mitgehen – in fühlender Bewusstheit – dann kann das Naturerleben zu einem Seelenwachstum werden. Was in der äusseren Natur geschieht, kannst Du Dir im Inneren aneignen, als Deine EIGENschaft.
advent
Wer die Erfahrungen im Laufe des Advent mit anderen Menschen austauscht, wird eine Potenzierung der Energien auf allen Ebenen erfahren.
Advent
Dennoch wird jeder merken, dass er in den nächsten Wochen in der Einsamkeit stehen wird. Einsamkeit wird nun nicht weniger. Sie wird mehr. Ein waches und aufrechtes Stehen & Sterben in der Einsamkeit, macht uns im besten Sinne menschlicher.
Aus der spirituellen Tradition der Anthroposophie heraus, kann der Advent als Einladung verstanden werden. So wird die Zeit des Wartens zur Zeit des Wachsens.
Advent
Die eine und umfassende Einladung für die ganze Adventzeit: Bleib wach und bewusst.Was auch geschieht: Gehe bewusst durch die Einsamkeit, gehe bewusst durch den Schmerz, gehe bewusst durch jeden Moment des Sterbens. Schmecke die Einsamkeit.
Advent
Kaue die Einsamkeit. Schlucke die Einsamkeit. Fühle, wie Einsamkeit in Dir wächst. Verdaue Einsamkeit. Scheide aus, was selbstverliebte, tote Einsamkeit ist und lass fruchtbar in Dir werden, was gut ist an Einsamkeit:
advent
Erkenne in dieser seelischen Nacktheit Dein wahres Selbst. Weiche der Einsamkeit nicht aus.
Advent
Lass Dich von der Einsamkeit bewusst herabziehen – auf den Grund von allem. Wenn Du die letzte Einsamkeit kennst, kennst Du die letzten Dinge.
Advent
Einladung für die erste Adventwoche:
Sei achtsam und erlebe die kosmische Gerechtigkeit.
In der ersten Adventwoche wirken die Nachtkräfte besonders auf unseren Körper, den physischen Leib.
Advent
Als wollten diese Nachtkräfte uns beweisen, dass sie uns fest im Griff haben. Schnell haben wir das Gefühl: „Warum gerade jetzt und warum gerade ich?“. Verbinde Dich - auch wenn Du krank bist - so gut es geht mit dem Gedanken, dass Deine scheinbar ungerechte Lebenslage (auch wenn Du jetzt nicht alles verstehest) in einer Weltengerechtigkeit aufgehoben ist. Schaue achtsam auf Deinen Körper.
ADVENT
Fühle, dass zum Beispiel Dein Unwohlsein, ein Ausgleich sein könnte. Er kann Dir helfen, etwas von Dir zu verstehen. Erlebe immer wieder Momente, dass die scheinbare Ungerechtigkeit in einer großen Gerechtigkeit ausgeglichen wird.
Advent
Übe Dich geduldig in dem Empfinden, dass diese Weltengerechtigkeit auch Dir gerecht werden wird und das dies bereits in einem höheren Sinn genau jetzt so ist. Vertraue darauf: Du bist Teil einer umfassenden Gerechtigkeit.

Advent
Einladung für die zweite Adventwoche:
Halte Maß und erlebe Harmonie.

In der zweiten Adventwoche wirken die Nachtkräfte besonders auf unsere subtilen Vitalkräfte – im anthroposophischen Sprachgebrauch auch als „Ätherleib“ bezeichnet.
Advent
Du wirst das in dieser Zeit dadurch bemerken, dass sich beim Sprechen der Zynismus und die scharfer Kritik in Dir aufsteigen. Vielleicht wirst Du den Weihnachtskonsum besonders feurig verurteilen – übe Dich auch in diesem Urteil in Besonnenheit.
Advent
Erlebe in jedem verurteilenden Wort auch die andere Seite der Geschichte – das Kind was sich über ein Geschenk freut oder die Verkäufer, denen das Weihnachtsgeschäft ihren Lebensunterhalt sichert.
Advent
Halte in allen Wünschen, Gedanken und vor allem Worten das Maß und erlebe, wie sich gesundende Harmonie in Dir ausbreitet.
Advent
Einladung für die dritte Adventwoche:
Sei mutig und erlebe Geistesgegenwart.
In der dritten Adventwoche wirken die Nachtkräfte besonders auf das Reich unserer Gefühle, die emotionale Seite unserer Seele - unser Astralleib.
Advent
Je näher wir zum Eigentlichen kommen, desto größer kann die Angst werden. Ich ermutige Dich zu dem zweifachen Mut:
Advent
Der erste Mut betrifft Dein persönliches Leben. Gehe Deinen eigenen Weg. Lebe in allen Bereichen das Leben, was sich für Dich gut anfühlt und stehe mutig zu dazu: Ob es Deine politische Orientierung, Deine sexuelle Ausrichtung, Deine Meinung oder ein ausgefallenes Hobby ist: Triff Deine Entscheidungen und steh dazu.
Advent
Der zweite Mut betrifft das, was über Dich hinaus geht – ich nenne es Deine Mission. Mut, das bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut, das bedeutet, durch die Angst zu gehen.
Advent
Wenn Du eine Mission hast, dann gibt immer einen Grund mehr, weiter zu gehen, als die Angst es zulassen will.
Advent
Mut zur Mission, bedeutet das zu tun, was die Mission verlangt.

Angst entsteht aus Identifikation mit der Endlichkeit. Mut führt Dich dahin wo Ewigkeit lebt – in die Geistesgegenwart.
Advent
Einladung für die vierte Adventwoche:
Sei Du selbst und erlebe Weisheit

In der vierten Adventwoche wirken die Nachtkräfte besonders auf Deine Ich. Wie in vielen großen Weisheitstraditionen, so ist auch im anthroposophischen Kontext das Ich des Menschen eine Art inneres Organ. Durch dieses spricht sich das aus, was man Weltgeist, Universum, kosmische Energie oder Gott nennen kann.
Advent
Das Ich ist somit nichts, was vom Kosmos unabhängig oder getrennt wäre. Dein Ich ist ein einmaliger und sterblicher Ausdruck des EINEN und UNSTERBLICHEN.
Advent
Dein Ich ist eine spezifische Manifestation des Unspezifischen. Der Ort, an dem sich Gott seiner selbst bewusst wird. Deine Evolution ist Gottes Evolution.
Advent
Anthroposophie ist einer von vielen Wegen, um zu erfahren, dass jedes Menschen-Ich eins mit dem Welten-Ich ist.
Advent
Somit ist Deine eigene Weisheit immer auch Weltenweisheit. Wenn Du ganz Du selbst bist, dann bist Du ganz Kosmos.
Advent
Ich kann es auch anders sagen: Je weniger Du Dich auf Dein Ego beziehst, je weniger Du Dich als etwas persönliches, abgetrenntes, spezielles und besonderes fühlst, desto mehr fühlt Gott sich in Dir.
Advent
Je ausgedehnter die Leerheit in Deinem Ich, desto mehr kann sich Gott als Ich ausdehnen. Früher fasst man das in dem Bild des "Grals" zusammen. Der "Gral" ist leer - so soll Dein Ich sein. Dein Ich sei still, demütig und aus Vertrauen.

Dein stilles und demütiges Vertrauen, klingt im Kosmos wie eine einladende Melodie aus vollem Herzen.Advent
In diesem Sinne kannst Du Weisheit erleben, die über Wissen hinausgeht: Deine Leerheit dient der Fülle. Die Fülle ergießt sich aus Dir – weil Du bereit bist, Dich für etwas zu leeren, was größer ist als Du selber.
Advent
In der tiefsten Demut, in der stillen Einsamkeit, da erlebst Du Deine wahre Würde. Wenn Du diese Weisheit erlebst, erlebst Du das Ende des Widerspruches von Fülle & Leerheit, von Demut & Würde, von Individualität & All-Eins.
Advent
Erlebe so die umfassende Weisheit dieses Satzen:
Der Gottesgeist, er webt.
Im Sonn´- und Seelenlicht.
„Im Weltenall, da draussen.
In Seelentiefen, drinnen.“
Rudolf Steiner Advent
Advent
Wenn Du so durch alle Aspekte Deines Wesens mit Wachheit & Bewusstheit, in Gerechtigkeit & Harmonie, mit Mut & Weisheit durch den Advent gehst, dann wirst Du die tiefe Bedeutung des Wortes „Advent“ nicht nur verstehen, sondern selber etwas dazu beigetragen haben, dass es an Weihnachten so kommt, wie es kommen soll.
Advent
Es kommt auf Dich an, wie ES kommt.

Sei ein Segen.
Denn das bist Du.
Als Quelle kannst Du u.a. bei Rudolf Steiner in den folgenden GA (Gesamt Ausgabe) Nummern dazu etwas lesen: 10, 13, 137, 223, 232