Sonntag, 29. März 2009

Weise Worte

Die Weisen dieser Welt reden immer über die selbe Sache – aber sie reden unterschiedlich darüber. Die Weisen versuchen immer aus der eindimensionalen Perspektive auszubrechen. Sie tun dies, weil sie wissen, dass es unterschiedlichste Menschen gibt. Sie tun dies, weil sie sich verpflichtet haben, niemals in einer Dimension zu verharren. Sie tun dies, weil sie ihre Wachheit stärken müssen. Sie tun dies, weil jeder etwas anderes braucht.

Der eine braucht einen Arschtritt um zu wachsen, der andere die sanfte Geborgenheit um zu erkennen, der nächste erst einmal einen Orgasmus oder Brot und Wein um den großen Sprung zu machen. Der Weise kann nicht alles auf einmal liefern. Aber jeden Tag etwas anderes – und vor allem: Er vertraut seinen weisen Schwestern und Brüdern. Jeder von ihnen nimmt voller Bewusstheit eine einseitige Perspektive ein. Diese Fähigkeit nennt man MINDFULNESS.

Auch das ABSOLUTE will eine immer neue Perspektive auf das RELATIVE. Der Weise dient also auch dem EINEN ABSOLUTEN, in dem er sich als eine bestimmte, subjektive Sichtweise auf das RELATIVE anbietet. Die neue Perspektive soll nicht nur einfach eine andere auf der Horizontalen sein - sie soll eine immer neue Perspektive auf der Vertikalen sein. Immer höhere Perspektiven will der Weise einnehmen.

Das ganze Leben Rudolf Steiners verlief so. Am Ende bot er eine extrem einseitig christliche Sicht an. So verstanden die VIELEN das EINE aus ihrer christlichen Perspektive. Und das EINE verstand, was die VIELEN unter dem Christentum verstehen.

Wenn der Weise wieder einmal angegiftet wird, weil er eine bestimmte Perspektive eingenommen hat und wenn er dann wieder angegiftet wird, weil er am nächsten Tag eine weitere und völlig andere Perspektive eingenommen, dann sagt der Weise: „Ja seit ihr denn völlig behämmert? Merkt ihr nicht, dass es immer das SELBE ist – nur eben durch andere Augen gesehen?“

Die Weisheit des Weisen besteht nämlich darin, dass er permanent die Perspektiven wechseln kann, weil er niemals aus den Augen verlieren kann, was er ohne Zweifel als Wahrheit erkannt hat: DAS EINE ohne ein Zweites. Und die zahllosen VIELEN als das EINE.

Der Weise hat den freudvollen Kampf gegen das „das machen aber alle so“ und gegen das „das haben wir schon immer so gemacht“ aufgenommen. Wer immer dem selben Denken und den selben Vokabeln folgt, wer meint Liebe sei so und Gott so und Geist anders und ein Mann dies und eine Frau jenes, wer nach Rezepten lebt und automatisch handelt, der befindet sich im Status von MINDLESSNESS.

Und wenn jemand dann aufspringt und gegen eine bestimmte Sichtweise eines Weisen protestiert, sich verausgabt und in großen Worten erklärt, warum diese Perspektive die falsche, fatale und böse ist – dann ist dieser eifernde Mensch entweder ein wenig einseitig und etwas einfältig...oder er ist sehr wachsam und sehr weise.

Weise erkennen sich am inneren Lächeln - mitten im Kampf. Selbst dann, wenn sie gegeneinander kämpfen. Kannst Du lächeln, wenn Du kämpfst?
weise
Weise reden manchmal gerne daher wie Weise - aber darüber lächeln sie nur. Weise natürlich.

Kommentare:

JANET hat gesagt…

Ist man weise, wenn man weisse Haare hat oder gar keine? Nur ein Scherz! krieg ich jetzt einen mit dem Knüppel, Grondolf? Sorry. ich kann nicht anders.. ich übe noch an meinem Mitteilungstrieb..

Ebenso kann man den Mitteilungstrieb unterdrücken oder sich eine Gewohnheit abgewöhnen. Man beachte die kleinsten Kleinigkeiten des Lebens, denn in der Betrachtung der kleinsten Kleinigkeiten des Lebens liegt das richtige Entwicklungsmittel. Wir müsse niemals nur um unsretwillen die Welt behelligen, sondern nur um der anderen Willen. Je mehr man au die anderen hinhorcht, desto freier wird man. R.Steiner/Lebensführung

ALLES GUTE SCHÖNE WAHRE und INTELIGENTE
JANET

Anonym hat gesagt…

Danke Janet, bin noch mal davon gekommen.
Meine «Mütze» ist blond. : )

Alles WARE
OM

True LOVE... hat gesagt…

through God`s Eyes
:-)

So genau wollte ich das nicht wissen hat gesagt…

: )

manroe hat gesagt…

Tja der Weise -- der hat viel erlebt und sich stets bemüht zu hinterfragen, er hat hinter die "Dinge" zu schauen gelernt, denn von da kommen die Antworten, weil die Dinge, die die Fragen aufwerfen, Ausdruck sind vom Reich der Schöpfung oder Antwort.

Und sein Geist, der Geist, lebt ohnehin "dahinter". Jeder Fragende der dem Weisen begegnet, ist aus Sicht des Weisen irgendwie in einem "Standpunkt" verfangen, deshalb muss er auch mal so und dann wieder mal so antworten, relativ zu relativ eben. Lächeln tut das Absolute in ihm, das nicht verfangen ist, dort ruht er -- Lächeln ist die/seine Sprache, so könnte man auch sagen.

JANET hat gesagt…

Die großen Wirtschaftsweisen nennen sich weise...aber ich denke einer Weiser redet nicht über sein Weisesein sondern er tut weise Worte. Wie angeblich die Liebe nicht über sich spricht. Eine weise Tat ist mehr wert als weise Worte obwohl geprochene Worte sind eine Tat. Nennt man sich weise folgen weise Taten, bei irgendeinem muss die Weisheit ja anfangen... Und weiser Austausch weiser Taten in Worten nachdrücklich fett geschrieben macht noch weiser und am weisesten..bis zum SUPERVISOR der weisen Menschheit!

nagut genug weislich gesponnen.

wisse, du weist, was du bist.
EINELEISEWEISEREISEMITNERMEISE
JANET

Simone hat gesagt…

Lieber Sebastian,

den Felsen, der mir die letzten Tage das Herz schwer gemacht hat, hast du von mir genommen mit deinen Worten: "Der eine braucht einen Arschtritt um zu wachsen, der andere die sanfte Geborgenheit um zu erkennen, der nächste erst einmal einen Orgasmus oder Brot und Wein um den großen Sprung zu machen. Der Weise kann nicht alles auf einmal liefern. Aber jeden Tag etwas anderes – und vor allem: Er vertraut seinen weisen Schwestern und Brüdern. Jeder von ihnen nimmt voller Bewusstheit eine (-für diesen Moment- SH) einseitige Perspektive ein. Diese Fähigkeit nennt man MINDFULNESS."

Was mir am Herzen gelegen hat und das immer noch tut, das ist dieser permanete Perspektivwechsel, sowohl bei jedem Einzelnen als auch innerhalb der Gruppe.
Dass die Rollen oder Funktionen oder Perspektiven auch innerhalb der Gruppe beginnen zu routieren und flüssig zu werden, dahin will ich mit euch und uns.

Dass wir miteinander in der Dynamischen Spirale der Entwicklung des Einzelnen und der Gemeinschaft immer flexibler, immer flüssiger, immer beweglicher werden, dafür bin ich hier.

Und dass wir nebenbei auch immer wieder würdigen, dass das EINE eben genau das tut, nicht nur im Weisen, sondern in jedem Augenblick mit JEDEM Menschen, in allen Feldern und Prozessen, die IHM oder IHR zur Verfügung stehen, das ist mir wichtig.

Dann und nur dann und genau so wird mir jedenfalls erst möglich zu feiern, die Vielfalt und den Facettenreichtum von Perspektiven: wenn der Einzelne keine dieser Perspektiven allein für sich in Anspruch und in Besitz nimmt (wenngleich er sich genau dieser einen einzigen Perspektive in diesem Moment ganz und ausschließlich und vollständig zur Verfügung zu stellen hat)
und auch erst dann wirklich, wenn auch die Gruppe oder der Gegenüber den Einzelnen nicht auschließlich als die Perspektive definiert oder idendifiziert, welche der gerade einnimmt, sondern wenn gesehen und gewürdigt bleibt, wie wir miteinander in diesem Spiel uns einfach alle Rollen liefern und zur Verfügung stellen, die gebraucht werden für das, was aktuell ansteht.

Für das waren die Worte in den letzten Tagen und Stunden nicht bei mir.
Wie schön, dass sie jetzt bei dir waren und so endlich ausgesprochen sind und es nun neu weiter gehen kann.
Liebe Grüße.
Simone