Donnerstag, 30. April 2009

Auf zur nächsten Meisterschaft

Ich bin total gespannt auf dieses WochenendeWir werden in Bremen sein - andere in Berlin. Ehrlich: Ich bin restlos gespannt darauf, die Chance zu haben, mit Ken Wilber im Livetelefonat zu sein. Wow! 

Ich bin restlos gespannt auf die ÖKOMED, meinen Workshop zu "Anthroposophie integral" und restlos gespannt auf viele inspirierenden Menschen. Neben guten spirituellen Freunden wie Tom Steininger, Monika Frühwirth, Sonia Student,  Michchael Habecker und Dennis Witrock, werde ich zum ersten mal die Möglichkeit haben mit Thomas Hübl ins Gespräch zu kommen - eine schillernde Persönlichkeit, wie ich finde. Auch Freunde von diesem Blog werden da sein - WIR in Bremen

Mein innerer Leitsatz als Vertreter der Anthroposphie wird sein: "Nicht etwas , was sich bloß mit logischen Gründen erhärten lässt, soll die Anthroposophie sein, sondern etwas was die Menschen geistig und auch körperlich gesund hält" (Rudolf Steiner, GA 55) 

Dieser Satz passt perfekt zum Motto der Show: „Die Integrale Vision leben - Sich selbst meistern und die Zukunft gestalten“ 

Was mich so erregt, ist die Chance, mit einigen der Besten der Besten etwas neues lernen zu dürfen - aus der endlosen Weisheit der spirituellen Welttraditionen und zum Wohle aller Wesen. Dazu will ich selber ein paar Perlen beisteuern. 

Es ist ein großartiges Gefühl, weiter zu kommen und andere weiter zu bringen, sich zu entwickeln und zu Beweisen, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, Rudolf Steiner und die Anthroposophie immer weiter zu entwickeln. Dafür bitte ich um Euren Segen. 

Ich bitte Euch von Herzen um Euren Segen für diese Tage. Alles was dort geschieht, möge in der perfektest möglichen Weise und zum Wohle aller Wesen geschehen. 

Auf zur nächsten Meisterschaft!

Master and Servant


Wenn ich einen Wunsch äussern dürfte...Be nice, please. Niemand gewinnt hier, wenn der andere verliert. Niemand wird kleiner der dient und niemand wird größer dem gedient wird - das Gegenteil ist der Fall. Meister und Lehrer sind wie Schmerzen. Sie sind so lange notwendig, bis man bemerkt, dass sie niemals notwendig waren. Schmerzen sind die unbewussten Lehrmeister - manchmal lösen sie sich auf, wenn man sich bewusst einen Lehrmeister auswählt.  

Das ist keinesfalls gegen die Zeit - entscheidend alleine ist der Grad der Wachheit, mit dem man sich seinen Lehrer wählt. 

Jeder Mensch ist in erster Linie ein Schüler. Die bewusste Entscheidung ein Schüler zu sein, hebt die unbewusste Schülerschaft auf - damit wird unbewusstes Leiden zu bewusstem Leiden. Was ist Leid, wenn es Dir bewusst wird? 

Manche finden in sich selbst eine Meisterebene, andere in einem Kind, andere in einem Buch, andere in einer Weltanschauung, andere in einer Blume und andere in einem konkreten Menschen. Das eine ist nicht besser als das andere. Am Ende löst sich alles - und Ich bin. 

Wer hier nur Schüler und da nur Meister sieht - der sieht nicht das Ganze. Wer das Ganze sieht, der erkennt sich als den eine Gott, der sich im einen Augenblick als Schüler und im nächsten Augenblick als Meister und im übernächsten Augenblick als Buch, Kind, Blume manifestiert. Es hilt allerdings gar nichts vor seiner gegenwärtigen Manifestation davonzulaufen, oder diese zu leugnen.  Transformation ist möglich, nicht jedoch Verleugnung.

Und wer das sieht, in seiner Fülle, Schönheit und Weisheit, der erkennt sich eben selber als den MEISTER, der sein DIENER ist. 

Der MEISTER ist die Mitte eines jeden Menschen. Seine wahre Würde. Manchmal ist es leichter seine eigene Mitte zunächst in seinem Nächsten zu erkennen. Menschen die zutiefst gelitten haben, wählen manchmal diesen Weg. Das ist ok. Es geht vorbei und ist nichts als ein kleiner Umweg zu sich selbst. 

Umwege erhöhen die Ortskenntnis und ob Du in der Blume, dem Buch, Deinem Nächsten, einem Meister, oder Dir selbst ankommst...wenn Du wirklich, wirklich angekommen bist, dann bist Du eh überall und im EINEN und stellst fest: ICH war immer da. Sonst nichts. 

Du kommst an, wenn Du Dich vollkomen hingibst. Welcher Stimme in Dir fällt es leichter, Dich der Natur oder einem Buch hinzugeben, als einem Menschen? Entscheide Dich für einen Menschen, oder eine Blume, oder das Putzen, oder eine elektrische Eisebahn in Deinem Keller (oder was sonst in Deinem Keller ist) - und achte darauf, was passiert, wenn Du Dich nicht entscheidest. 

Was immer Du tust - nur Mut und vor allem: Be nice, please. Denn "Freundlichkeit wird zu Herzenstakt" (Rudolf Steiner). Herzenstakt löst kalte Fesseln auf und schafft warme Bindungen. 

Das ist die erste Lektion. Danke, weiser Meister! 

„Master and servant...It's God's Way to play hide and seek with himself. The Big Nerd God wants to be entertained. Entertain him - Entertain you.“ Syjam Bagamajama

Mittwoch, 29. April 2009

Goldmine Nichts

Unter der Überschrift "Emanzipation von meinem anthroposophischen Dogma" beschreibt der Autor Christian Grauer sein ganz persönliches Verhältnis zur Anthroposophie und wie es sich gewandelt hat.

In ehrlichen Worten erzählt er, wie es passieren konnte, dass eine spirituelle Befreiungsbewegung zu seinem Gefängnis wurde: "Ich war geradezu gefangen in dieser Anthroposophie, die für jede Frage eine passable Antwort bereit hielt - und sei es nur als Stichwort in einer Bibliographie, das verbürgte, dass Steiner irgendwo auch zu dieser Frage etwas gesagt haben würde. Ich hatte das Gefühl von Leere und Einsamkeit, weil mir für mein Studium etwas fehlte: Neugier, die Möglichkeit, etwas zu entdecken, eine neue Erfahrungsschicht der Welt und des Lebens freizulegen. Denn ich hatte in der Anthroposophie vermeintlich schon den letzten, höchsten und universellsten Schlüssel zur Wahrheit gefunden."

Im weiteren Verlauf schildert der Stuttgarter Philosoph, wie er dieses Gefängnis zerschlug und sich selbst befreite - dies führte dann keinesfalls zur Ablehnung der Anthroposophie und schon gar nicht zu einer Abwehr gegen Steiner... Im Gegenteil:

"Nachdem ich so für mich die Anthroposophie zerschlagen hatte, konnte ich endlich - was für eine Befreiung! - andere Autoren mit der Unbefangenheit der echten Neugier lesen. Ich konnte aber plötzlich auch Steiner mit dieser Unbefangenheit lesen und feststellen, dass die Fragestellungen der Anthroposophie durchaus universell sind, dass Steiners Antworten nicht die einzigen aber auch nicht die schlechtesten sind, dass sie aber noch keineswegs den Horizont des Fragbaren markierten.

Ich sah andere Autoren plötzlich nicht mehr durch die anthroposophische Brille, sondern sah ihr eigenes Anliegen, ihre spezifische Weise, mit dem großen Rätsel Welt umzugehen, so wie ich auch in Steiner plötzlich nicht mehr den unhinterfragten Automaten für übersubjektive Welterklärungen sah, sondern einen ebenso Suchenden und Rätselnden, der auf eine große Goldmine gestoßen ist."

Ich selber konnte in Christian Grauers Artikel meinen eigenen Lebensweg wiedererkennen.

Die Gefangenschaft, die Befreiung und die Goldmine. 

Vielleicht findest Du auch etwas von Dir darin – woher Du auch kommst. Was immer Deine spirituelle Herkunft ist, oder Deine Vorstellungen und somit Verstellungen von Spiritualität sind. Vom Leben überhaupt. Und vielleicht bleibt am Ende auch bei Dir NICHTS übrig - "und in diesem Nichts ist alles aufgehoben und kann von mir konstruktiv gefasst werden", so Grauer. Erlaube Dir cooles, frisches Nicht-Wissen.

Und dann treffen wir uns vielleicht in der Goldmine wieder. Seite an Seite mit allen anderen Goldsuchern. In zerlöcherten Hosen, mit leeren Eimern und nichts in den Händen stehen wir da.

Geistig Arme. Verlorene Nullen.

Und - schöne Ironie der Geschichte - dann wird vielleicht einer dieser Goldsucher einen Satz vor sich hin murmeln, der uns aus unserer exzessiven Steinerlektüre bekannt vorkommt: "Der Mensch muss finden seine volle Freiheit aus der Nullität heraus. Und das neue Anschauen muss sich gebären aus dieser Nullität Der Mensch muss seine ganze Kraft aus dem Nichts heraus finden."

Treffen wir uns? In der Goldmine des Nichts...?

Oder treffen wir uns auch im Sand der Wüste, wo Jelle van der Meulen sein GOLD leuchten sah? "An den Grenzen meines Vorstellungsvermögens erscheint eine undeutliche Stimmung, die in dem Moment, als ich dies schreibe, plötzlich einen Namen erhält: Gold...Diese kreative Philosophie wird nicht in Büchern geschrieben, sondern in den trockenen Sand der Küstenwüste." (JvdM: Herzwerk

Christian Grauer: "Spirituelle Aufklärung - Emanzipation von meinem anthroposophischen Dogma": 


Montag, 27. April 2009

Balance ist explosiv


Es gibt im Grunde nur zwei Arten sich zu engagieren. Die eine ist weit verbreitet und gruselig: Sie ist voller Ressentiments nichts anderes als Negativität und tiefste Unausgeglichenheit. Im Kern funktioniert diese dunklen Methode so: Man kritisiert diejenigen, die an der Front stehen – man sitzt auf dem Hintern der Gewohnheiten (das Einzige was einen noch im Gleichgewicht hält) und motzt sich durch die Welt, sucht nach den Fehlern der Aktiven und gefällt sich in der Selbstbefriedigung der Besserwisserei – ohne jemals selbst an der Front der Erneuerung zu stehen.

Und hier, tataaaa, die einzig wahre Art des Engagements: Innerer Ausgangspunkt allen Handelns und motivierende Kraft ist eine mächtige Gewissheit, ein Gefühl der eigenen Geborgenheit, des Feststehens im Selbst, des inneren Gerettetseins, der Balance und der unversiegbaren Fülle des eigenen Daseins und Lebens.

Gesunder Fortschritt ist dann möglich, wenn er aus der geistigen Erfahrung des Ideals und des inneren Gleichgewichts kommt. Dann nämlich, versuchen wir nicht länger erfolglos, unseren inneren Mangel im Äusseren auszugleichen. Das Innen strebt stets danach, sich im Aussen zu spiegeln. Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Darum muss unser Innen göttlich werden, damit das Aussen göttlich wird.

Alles Helfen, alles Opfern, alles Schaffen und Entwickeln, alles Lieben und jeder Schritt in die Zukunft sind ein spontanes, eruptives Überfließen der Kräfte, begleitet von Seligkeit und innerster Ruhe.
Max Scheler, ein Zeitgenosse Steiners, nennt diese Form die „wahrhaft christliche“.

Ich nenne sie die erwachte, die erleuchtete Form. Die einzige Form, die Gottes Herz entspricht. Meditation bringt Dich diesem Zustand näher. Die "Ruhe ALS Kraft" - wie Steiner sagt. 

Aber: Wenn Gott nur Ruhe und Frieden wollte, dann wäre er nicht vor ein paar Milliarden Jahren vor Freude explodiert – nee, nee!

Gott hat noch was vor und das wird exakt das sein, was WIR uns vornehmen.

Mr. Andrew Cohen, darf ich bitten? „Ok, – take that: „Evolution ist, was du tust.“. Und jetzt der Dr. aus Dornach: „Nicht das Schicksal handelt – wir handeln“. Danke, meine Herren.
Nehmen wir uns die Freiheit und machen jeden Tag zu einem Schöpfungsakt - wenn ich mich so umsehe, dann gäbe es da noch einiges zu tun, oder?

Meditation führt Dich dahin, wo Gott war, bevor er als Evolution explodierte. Meditation bringt Dich in die absolute Balance - ein Zustand der gleichzeitig abolute Hochspannung bedeutet. Und wenn Du die erreicht hast, dann geht es Dir wie Gott und Dein Potential explodiert. 

Ruhe, Stille und Balance - das ist nicht der Punkt wo alles endet, es ist der Punkt wo alles beginnt. Also Vorsicht: Balance ist explosiv! 

Oder wie Rudolf Steiner sagt: "Inneres Gleichgewicht wird zu Fortschritt."

Ich trage Ruhe in mir,

Ich trage in mir selbst
Die Kräfte, die mich stärken.
Ich will mich erfüllen
Mit dieser Kräfte Wärme,
Ich will mich durchdringen
Mit meines Willens Macht.
Und fühlen will ich
Wie Ruhe sich ergießt
Durch all mein Sein,
Wenn ich mich stärke,
Die Ruhe als Kraft
In mir zu finden
Durch meines Strebens Macht.
(Rudolf Steiner, GA 268)

Sonntag, 26. April 2009

Think global - act spiritual

Meditation ist ein wirksamer Weg der Transformation. Von innen nach aussen. Wir kennen alle den Satz „Think global – act local“ – Wir spirituellen Aktivisten gehen noch einen Schritt weiter und zwar in das Zentrum aller Transformationen – in das innere des Menschen. Da wo das Herz schlägt.

Darum heisst unser Leitsatz: 

„Think global – act spiritual“.

Spirituelles Handeln beginnt sehr einfach: Mit dem stillen Blick nach innen. Reine Aufmerksamkeit. Waches Bewusstsein. Mund zu. Augen zu. Herz auf. 

Wenn Du in der lauten Öffentlichkeit stehst und einfach die Augen schließt und still wirst, dann öffnet sich eine neue Welt. Öffentliche Stille und öffentliche Meditation: Eines der letzten Abenteuer unserer Zeit.

Komm mit ins Abenteuerland: Am 1. Mai - in Berlin oder Bremen. 


Übrigens: Meditation ist nicht nur was in den eigenen vier Wänden, sondern selbstverständlich auch eine Praxis für die Gemeinschaft – auch als geführte Meditation. Auch öffentlich. Das beweisen die großen und kleinen spirituellen Welttraditionen – so auch meine eigene. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, hat selbst öffentliche Massenmediationen abgehalten, wenn er zum Beispiel die so genannte Grundsteinmeditation in einer vollen Halle praktizierte. Mehr dazu bei ÖKOMED.

Als Anthroposoph bin ich keiner Religion oder bestimmten geistigen Richtung verpflichtet – im Gegenteil. Ich bin nur einem verpflichtet und dieses EINE hat keinen Namen und gleichzeitig so viele Namen wie es Religionen, ja so viele Namen wie es Menschen gibt - multipliziert mit undendlich. Minus NULL.

Freitag, 24. April 2009

Segen


Ich würde Dir gerne ein Geschenk geben, was Dir auf dem Weg zu einem erwachten Leben weiterhilft. Aber ich besitze nichts. Und so wünsche ich Dir nur eines: Dass Du ebenfalls nichts besitzt. Auch nicht das, was manche so gewöhnlich als Dein "Ich" bezeichnen. Das was dann übrigbleibt, das ist Freiheit.

"Freiheit ist, was übrigbleibt, wenn das Ich verschwindet.
Aber das Ich ist einfach Freiheit, die als Ich erscheint.
Freiheit ist das, was Dir während deiner Suche nach Freiheit widerfährt.
Innerlich ist Dir das schon längst klar." (Richard Sylvester)

Zur Freiheit zu Erwachen, das ist sowohl wunderbar, als auch völlig gewöhnlich. Es ist alles wie immer - nur ohne den Wahn des Suchens.
Wenn Du nicht aufwachst, dann ändert sich nichts.
Wenn Du aufwachst, dann ändert sich auch nichts.
Ausser dass Du wach bist.
Ich wünsche Dir Nichts. Das sei mein Segen.

Donnerstag, 23. April 2009

Schockwellen


Ein bisschen schäme ich mich für die folgenden Sätze. Sie klingen wie von einem Politiker, dem man ein Mikrofon unter die Nase hält – ich sag sie trotzdem: Ich bin tief betroffen von der Krebserkrankung Christoph Schlingensiefs. Ich bin tief getroffen davon, wie Schlingensief damit umgeht und ich weiss nicht wie ich damit umgehen soll. Wie geht Christopf Schlingensief damit um? Er nimmt den Krebs persönlich.

Und er bleibt nicht dabei stehen, er lebt diese Krankheit öffentlich – so wie neulich das junge Mädchen in England, die bis zu ihrem Tod diese letzten Momente öffentlich inszenierte. Auch ein wenig wie damals Papst Johannes Paul II – er brachte den Tod ins Leben. Die bisher größte Leistung eines Papstes, die sonst immer das Leben in den Tod bringen wollen. Das LEBEN inszenierte den Tod. 

Sofort merke ich, wie mich die Ideologien der guten Erziehung packt und mich fragt, ob dieses „sich zur Schau stellen“, nicht widerwärtig sei oder zumindest moralisch fragwürdig.

Das öffentliche Leben von zutiefst persönlichen Fragen, Schmerzen und Leidenschaften hebt diese Fragen ins öffentliche Bewusstsein. Das ist ein Fakt. Ist es schlecht, wenn etwas im öffentlichen Bewusstsein ist? Gibt es Dinge, die wir lieber nicht im Bewusstsein haben sollten? Und ist die mediale Präsenz nicht eine legitime Form von gesellschaftlichem Bewusstsein?

Ich denke, der tiefere Grund, warum viele Menschen – mich eingeschlossen – öffentlich leben, ist der, dass wir das Gefühl haben, dass wir unsere existenziellen Geheimnisse nicht mehr alleine lösen können, sondern in die Welt tragen müssen, wo sie als ein Menschheitsereignis von allen Menschen gelöst werden. In einem Akt der Nächstenlieb. Und der Selbstliebe. Und der Gottesliebe. Spürst Du, wie dies in EINS zusammenfällt und gleichzeitig das unbedingte Engagement des Einzelnen verlangt?

Ist das nicht die Aufgabe des Individuums, so fragen manche, seine persönlichen Angelegenheiten selber zu regeln, anstatt sie an die Welt weiter zu reichen? Rudolf Steiner lehrte, was viele lehren: „Suchst du dich selbst, so suche draußen in der Welt. Suchst du die Welt, so suche in dir selbst.“ Und so haben wir modernen spirituellen Menschen aufgehört, diese strikte Trennung zwischen innen und Aussen, zwischen Ich und Welt zu vollziehen. „Nichts ist innen, nichts ist aussen, denn was drinnen ist ist draussen“, so beschrieb Goethe die Grenzenlosigkeit des Seins.

Ich muss einen Beitrag zur Lösung meiner persönlichen Probleme leisten – aber weder das Problem, noch die Lösung gehören mir. Ich habe tatsächlich Weltschmerzen - löse ich sie, sö erlöse ich die Welt. Darum ist es enorm wichtig sie zu lösen. Löse Du Deine Proble für die ganze Welt. Du bist der Erlöser - es kommt kein anderer. Und genau genommen, war auch nie ein anderer da. 

Deine Sorgen sind ein Menschheitsereignis - das macht sie gleichzeitig größer und kleiner. Das Universum hat eine universelle Frage und diese Frage erscheint als mein persönliches Problem. Löse ich mein Problem, so beantworte ich damit die Frage des Universums. Die heftige Betroffenheit, mit denen unsere persönliche Probleme in uns erscheinen, sind ein Hinweis auf den Absender der Frage: Das Universum.

Schlingensief ist nicht nur „betroffen“ von seiner Krankheit. Er ist „schockiert“ und diesen Schock gibt er an uns weiter, mit dem Satz von Joseph Beuys: „Zeige Deine Wunde“. Denn ohne unsere Wunde – wo wäre unsere Kraft? Die Schockwellen die von Schlingensief ausgehen, krachen gehen meine Tür und sie verlangen von mir, dass ich die Türe öffne – oder soll ich mich lieber verschließen? Was würdest Du tun? 

Ich kann damit nur so angemessen oder unangemessen umgehen, wie ich damit umgehe und dies ist was ich tue. Nicht mehr und nicht weniger. So kläglich, wie heilig. Wie kann man autonom bleiben, wenn einen der Schock umbläst? Wie kann man im Schock überleben?

Der Schock, so würden es Anthroposophen sagen, reisst den Ätherleib und den physischen Leib für einen Moment blitzartig auseinander. Nicht nur unsere gesamte Vitalität und frischen Lebenskräfte, sondern auch die Erinnerungen an alle Lebensmomente sind mit einem Augenblick aus uns rausgerissen. Denn diese Erinnerungen sind ebenfalls in diesem „Ätherleib“, in diesem „Lebensleib“ einprogrammiert. Wir stehen dann wie ein Fremder vor unserer eigenen vitalen Lebenskraft und wir stehen wie ein Fremder vor unserem eigenen Lebensplan. Vor dem Vergangenen und vor dem Zukünftigen. Alles bricht weg.

Im Schock erleben wir unser Leben als irreal. Wir sagen dann: „Ich fasse das nicht – das kann nicht sein – das ist nicht wahr.“ Wir sind uns selber ein Fremder – und gleichzeitig sind wir es selber, der sich fremd ist.

In diesem Schock lassen wir auch Dinge von fremden Menschen an uns zu, die wir sonst nie zulassen würden. Wir scheinen unsere Autonomie zu verlieren. Stehen neben uns. Und jetzt kommt Christoph Schlingensief und sagt diese drei Wort:

„Krank UND Autonom.“ 

Das ist ein magischer Satz. Denn plötzlich bin ich nicht nur dieser Mensch im Schock, ich bin nicht mehr nur dieser Mensch, aus dem das Leben rausgerissen wird. Ich bin nicht nur schockiert – ich bin derjenige, der sich seines Schockes bewusst ist. 

Ich bin nicht meine Wunde. Ich zeige meine Wunde. Sie gehört zu mir – sie macht mich ganz, aber sie ist nicht alles. Ich bin der Zweifel und ICH BIN der Trost. Und alles, alles ist in MIR. Ich bin Betroffener und gleichzeitig Zeuge des Schocks und erlebe die Macht, die von diesen Worten ausgeht: Ich bin krank und:

Ich -  Bin - Autonom.

Was ist Autonomie? Autonomie ist ein griechisches Wort und es bedeutet das, was Christoph Schlingensief meint: „Sich selbst Gesetze gebend“.

Gestern habe ich mich diesen Schockwellen ausgesetzt, die von Schlingensief ausgingen  – ich habe mich der Lähmung hingegeben. Furchtbare Ängste stiegen in mir auf. Ich stand in einer Kirche der Angst.

Kirche heisst "dem Herrn gehörig."

Ängste steigen in Sebastian auf. Sie schockieren Sebastian. Der Schock ist ein Ereignis, wie die Geburt von Sebastian ein Ereignis ist. Und sein Lachen und sein Leben und sein Sterben. Sebastian muss sich allem stellen – er kommt nicht an seinem Leben vorbei, auch nicht an seinem Sterben. Sebastian ist in diesen Gesetzen. 

Etwas ist nicht gesetzt. Etwas ist Autonom. Etwas ist Gesetzgeber. Meine Autonomie - ich kann sie immer fühlen. Sie hat mich nie verlassen, denn sie ist ICH. ICH BIN bei Sebastian. Bis ans Ende seiner gesetzten Tage. ICH war, bevor er gesetzt wurde. ICH werde sein, wenn er nicht ist. Meine Ängste gehören dem Herrn, der ICH BIN. 

"ICH BIN nicht gekommen, um Gesetze aufzuheben, sondern um zu erfüllen" (Math. 5.17)

Wie kannst Du autonom im Schock sein? Wie kannst Du Deine Gesetze erfüllen, anstatt in ihnen unterzugehen? Wie kannst Du im Frieden ruhen, wenn Du inmitten der Schockwellen stehst?

Anerkenne den Schock. So sehr, so lange, bis alles Schock ist. Schrei!!!

Dann verstehe was das bedeutet. DU lässt den Schock zu – DU bist nicht der Schock. Du bist dasjenige, was dem Schock erlaubt seine Schockwellen auszusenden. 

Was passiert mit den Schockwellen? Sie verlaufen sich in der Weite Deines Seins. Ja, ich gebe zu, dass kann eine scheinbar unendliche, schmerzvolle, tränenreiche und bitterböse Zeit sein und Du wirst Freunde brauchen, die Dir beistehen.

Einer dieser Freunde soll Dir versichern, was ich erfahren habe und Dir versichere: Die tobenden Schockwellen werden sich in der Weite Deines wahren Sein verlaufen und Du wirst sie als das erkennen, was sie bereits in diesem Augenblick sind: Die selbe Substanz, die Dein wahres Sein ist:

Ruhe & Frieden & Sicherheit. In der leuchtender Stille Deiner Autonomie.

Bereits heute solltest Du beginnen, ein Schüler dieser Stille zu werden – sie wird Deine wahre Autonomie sein. Durch alle Schockwellen hindurch. Übe Versenkung und Meditation – ziehe Dich dabei nicht aus dem Leben zurück. Übe Versunkung und Meditation inmitten der Schockwellen.

„Durch die Versenkung und Meditation kommt dann über den Schüler ein Gefühl von Sicherheit, Ruhe und Frieden.

Nicht ein Frieden, der nur in Ruhe besteht, sondern ein Friede, wie er eben nur in den höheren Welten zu finden ist und der hier nur erreichbar wäre, wenn wir ihn uns so vorstellen könnten: tosende, brandende, stürmende See, deren Substanz ja dieselbe ist, als wenn sie ruhig und glatt da läge.

Stände nun ein Mensch inmitten dieser brandenden tosenden See auf einem Wrack und könnte er sich da so weit selbst vergessen, keine Todesfurcht und Angst um sein persönliches Leben zu haben, sondern inmitten dieses Aufruhrs und der Todesgefahr nur in den erhabenen, großartigen Anblick des brausenden, tosenden Meeres versunken sein könnte und nur die Schönheit und Erhabenheit dieses Anblicks empfände, dann hätte er in diesem Moment den Frieden, wie er in der geistigen Welt zu finden ist.

In der geistigen Welt ist dieser Friede möglich, hier ist er nicht möglich, ausser wenn der  Mensch vollkommen sich selbst vergessen könnte in der Extase, um seine Seele so weit zu öffnen, dass der Frieden der geistigen Welt in ihn einströmt.“ (Rudolf Steiner, GA 266a) 

In "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" thematisiert Autor Christoph Schlingensief seine Krebserkrankung. Samstag, 02.05.09, 3sat, 20:15-21:55 Uh

Dienstag, 21. April 2009

Spiritualität: Schnell, tief und sexy



Was denkst Du, ist Spiritualität? Wie glaubst Du, meditieren zu müssen? Ist Dir klar, dass unsere Vorstellungen von Geist, von Nirvana, von Anthroposophie oder Erleuchtung völlig von veralterten, lückenhaften und nicht integralen Vorurteilen bestimmt sind? "Warum" - so fragt Ken Wilber "sind schöne Dinge - schnelle Autos, elegante Kleidung - nicht spirituell?

Warum sind körperliche Höchstleistungen nicht spirituell? Warum ist Sex nicht spirituell?" Warum, so frage ich, soll Spiritualität nicht sexy sein? Wer hat Angst vor der Leidenschaft? Vor der Extase? Vor dem großen Sprung ins Feuer? Wer hat Angst davor, dass ALLES GANZ ANDERS sein könnte, als man es uns vormachen will?

Das große Erwachen wird Dich völlig spontan aus dem Schlaf reissen - es ist sogar wahrscheinlich, dass Du schon oft wach warst. Was ließ Dich wieder einschlafen? Nicht zuletzt die verdammten Vorurteile, die veralterten Vorstellungen und mystischen Anhaftungen, die Erleuchtung nur mit Weihrauch, religiösen Symbolen, dicken Büchern, lustlosen Graumäusen und bitterernster Mine in Verbindung bringen können. Und weisst Du was diese Graumäuse machen? Sie verfolgen uns. Sie nennen mich "Judas", sie hetzen gegen unsere unbedingte Lebenslust - sie schimpfen uns "blasphemisch". Ihr lieben Graumäuse - ich verspreche auch: Ich fresse Euch nicht. Aber glaubt doch bitte nicht, dass Euer Piepen der einzige erlaubte Laut ist und uns davon abhält, das Leben zu feiern und uns gegenseitig die Freudentränen vom Körper zu küssen!

Das ist unser Gottesdienst - feiert mit, oder bleibt draussen. Ihr seid willkommen - aber nicht als Bremser. 

Eine höchst einseitige, unvollständige und halbtote Sichtweise dominiert die spirituelle und religiöse Welt. Was für ein trauriges, verarmtes und lustloses Gottesbild steckt nur dahinter? Schau Dir die Natur an – schau Dir diese unfassbar erotischen Menschenkörper an, die jetzt im Frühling erscheinen – ist das die Manifestation eines miesepetrigen und übellaunigen Geistes? Es geht nicht um perfekte Maße, es geht um explodierende Lebenslust, um unverschämtes Lachen.

Weißt Du, was Rudolf Steiner über den menschlichen Körper sagte? Er sagte, der menschliche Körper sei das göttlichste an der ganzen Schöpfung. Hier habe sich Gott an vollkommensten verwirklicht. Der Körper ist Gottes bestes Stück.

Ich finde der Mann hat Recht – schau Dir meine Braut auf dem Bild an. Rechts, Fedelma, die blonde Queen. Ist sie nicht eine strahlende Göttin, die restlose Verehrung verdient? – und weißt Du wo sie in diesem Moment ist? In Gott und Gott in ihr. Und Ann-Kathrin, die Braut von Stefan Stark, ist sie nicht der Himmel auf Erden?

Wer beim Anblick dieser Göttinnen und Göttern nicht erregt ist – der hat das Spiel nicht verstanden. Der braucht eine Auszeit, wird ausgewechselt. 

Oder um es mit Meister Schlingensief zu sagen: „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein.DEIN HERZ - ein zartes Glimmen oder ein loderndes Feuer? Eine welke Oase oder sprudelnder Quell Deiner Lebensfreude?" 

Und weisst Du wo wir da auf dem Bild sind? Auf der Alanus-Hochschule. Man lehrt dort Eurythmie und neue Wirtschaft, Malen und Anthroposophie - es geht um Kunst und Gesellschaft und ohne Rudolf Steiner gäbe es den Laden nicht.  

Ein HALLELUJA für Rudolf Steiner! (Der Mann der einen riesigen Beton-Tempel baute, anstatt aufzugeben, als man seinen Holz-Tempel anzündete!) 

Sich Gott zu öffnen, mag alles mögliche beinhalten – manches davon halte ich für absurd altmodisch. Sei’s drum, soll es jeder mit Gott machen wir er mag.

Sich Gott zu öffnen, das bedeutet sich dem ganzen Leben zu öffnen – und das Leben, liebe Freunde, das Leben endet nicht am Hals abwärts.

Erwachen, Anthroposophie, Meditation und Geist – das ist alles mögliche und vor allem ist es auch ganz anders. Es ist so wie wir es wollen. Mal so mal so.Mal tiefe Stille und Einsamkeit - ganz langsam und unendlich schwer.  Und auch so:  „schnell, tief und sexy – das ist Instant Erleuchtung“ (David Deida)

Halleluja

"Eine neue Welt zeichnet sich am Horizont ab, eine neue Spiritualität, eine neue Zeit, ein neuer Mann, eine neue Frau.... 

Vom Hals an abwärts abgestorben, humorlos, ohne Sex, ohne die geringste ästhetische Sensibilität, siechen wir dahin und verbringen unsere Tage und Nächte verloren im Gebet, ohne die Welt wahrzunehmen ... was für ein merkwürdiger Gott ist das?

Nun, Schluss damit. 

Taub für das Leben, taub für den Körper, taub für die Natur, für Sex, Schönheit und vortreffliche Dinge: Das war sowieso nie ein realer Gott, sondern vor allem die vertrocknete Essenz aller Dinge, mit denen Männer und Frauen schon immer die größten Schwierigkeiten hatten – von Dingen, für die Gott die große Zuflucht wurde, Destillat und Verkettung sämtlicher phobischer und repressiver Impulse, die menschliche Wesen haben können.

Nun, Schluss damit! 

Eine neue Welt zeichnet sich ab, eine neue Spiritualität, ein neuer Mann, eine neue Frau. 

GEIST ist integral, und das gilt auch für menschliche Wesen."

Ken Wilber

Jede Begegnung zwischen zwei Menschen - jede, auch die auf der Tanzfläche oder der Skaterbahn, oder der Modenschau - ist dann ein "Sakrament der Begegnung" wie Rudolf Steiner es nennt: Natürlich gibt es das EGO, aber ängstige Dich nicht davor - schau darüber hinweg und siehe des GEIST leuchten, der in allem leuchtet. Wenn ich diese Wirklichkeit absolut erfahre, "dann wird die Begegnung jedes Menschen mit jedem Menschen von vornherein eine religiöse Handlung, ein Sakrament sein" (Steiner).

Sonntag, 19. April 2009

Worum Du Dir Sorgen machen musst! Und worum nicht.

Bei vielen meiner Leserinnen und Leser, löse ich innere Aktivitäten aus. Wenn Du in Ängsten gefangen bist, wenn Du seelisch verletzt bist oder in Deinem Schmerzkörper leidest, wird diese innere Aktivität als Ärger, Unmut, Trauer, Rechthaberei  oder sonst einer negativen Reaktion in Dir erscheinen. Na – ist es vielleicht jetzt schon so? Was auch immer die Ursache sein mag – nutze die Gelegenheit und nimm die schlichte aber umfassende Position des Zeugen ein, der mit wachem und einfachem Interesse auf seine eigene seelische Provinz schaut.

Wenn Du jetzt diesen kurzen Moment erlebst, wo Du auf Deine Seele schaust, wenn Du jetzt Deinen Verstand für einen kurzen Augenblick als diese Maschine erkennst, die Verworrenheit produziert, wenn Du nur für eine Sekunde der Zeuge Deiner Gefühle und Gedanken warst, dann hast Du bereits erfahren was Deine Mitte ist.

Wenn Du merkst, dass Du von Deinen Gedanken und Gefühlen missbraucht wirst, dann bist Du vielleicht der Ansicht, dass Du dieses „Ich“ stärken musst, was alles kontrolliert. Du wirst versuchen wollen, diesen Moment der Mitte zu halten – damit er nicht im Sturm der Gedanken und Gefühle, ins Wanken gerät.

Selbstverständlich gibt es hervorragende Methoden um den Verstand zu ordnen und es gibt bedeutsame Hilfen um die Psyche so stabilisieren – aber alles das hat absolut nichts mit Deinem wirklichen „Ich“ und mit Deiner wahren Mitte zu tun.

Dein wahres „Ich“ kannst Du nicht verlieren. Du kannst Dein wirkliches „Ich“ nicht stärken. Du kannst mit diesem einzigen „Ich“ gar nichts machen – es ist einfach da. Du bist einfach da. Nenne es auch Bewusstsein vom Bewusstsein. 

Dieses letzte „Ich“ kann auch nicht verletzt werden – die Würde des hohen „Ich“ ist tatsächlich unantastbar. Das liegt nicht daran, dass es so superstark oder magisch wäre. Auch nicht darin, dass es irgend ein Wesen wäre  – sondern einfach daran, dass diese Mitte das Einzige im ganzen Universum ist, was nicht dies oder jenes ist, sondern spiegelnde Aufmerksamkeit – und selbst die ist es nicht.

Diese Mitte ist NICHTS und ALLES erscheint und vergeht in dieser weiten und endlosen Mitte.

Du kannst ALLES was erscheint und vergeht – also auch Deinen Verstand und Deinen Körper und Deine Emotionen – stärken und schwächen. Und tatsächlich ist ALLES auch immer bedroht und sehnt sich wie verrückt nach höherer Entwicklung und neuen Impulsen. Das ist gut so. Es ist der Befehl des Universums an Dich und der lautet: Entertain Me! Mach alles neu, sonst ist mir langweilig (Was auch sonst, wenn man sonst NICHTS ist). Mach neu! Die Umwelt, die Kunst, den Sex, die Beziehungen, die Ernährung, die Menschenrechte und die Tierrechte, die Wissenschaft und die Spiritualität und eben einfach ALLES. Und es ist ein köstliches und heiliges Vergnügen ALLES zu meistern und die Zukunft zu gestalten....Aber weißt Du, was das aller, aller, aller schönste & absolut befreienste & heiligste & köstlichste ist?

DU kannst das ALLES angehen, kannst es wagen und versagen, hinfallen und aufstehen, Angst haben und Lust haben, Du kannst alles tun und um eines musst Du Dir niemals, niemals Sorgen machen – eines wird Dich niemals verlassen, nie brechen, nie verderben, nie schwach werden oder irgendwie versagen: Dein ICH. Dein Mitte. Dein wahres ich, ist NICHTS von allem was kommt und geht. Und weil es NICHTS von allem ist, was kommt und geht, kann es auch von keinem dieser Dinge bedroht werden.

Selbst wenn Du dann einmal stirbst, wird der Tod nicht Dein ICH anrühren. Er ist eine Illusion - Anthroposophie bietet Dir an, dass diese Wahrheit (die Du glauben kannst oder nicht) auch zu Deiner persönlichen und befreienden Erfahrung wird. 

Dein intimes Welten-Ich, ist immer da – aber es kann natürlich zugemauert werden. Die Mitte ist immer da, aber der Weg zur Mitte kann vermüllt sein, so sehr, dass Du in diesem Müll stecken bleibst. Die traditionelle Aufgabe des spirituellen Lehrers besteht darin, den Weg frei zu räumen. Es ist ein innerer Weg. Die Aufgabe der Anthroposophie ist es, dies so zu tun, dass Du Deine Persönlichkeit und die Welt auf diesem Weg verbesserst. Im Moment der wahren Ich-Erfahrung bist Du sofort als Evolutionär einsatzbereit. Du wirst König in einer Welt, deren einfacher Diener Du bisher warst. Was ist ein König? Der vollendete Diener.

Bis dahin verstellen vor allem die Vorstellungen über dieses wahre Ich und über diese Mitte den Weg. (Wenn eine spirituelle Bewegung mehr Vorstellungen produziert, als aus dem Weg räumt, dann hat sie im Kern versagt. Zur Zeit sitzt sie Anthroposophie auf der geistigen Anklagebank und muss die Frage beantworten, ob sie mehr Vorstellungen produziert, als aus dem Weg geräumt hat. Der Ausgang des Prozesses ist offen.)

Erst wenn ALLES fort ist, ist NICHTS da.

Lass Dich nicht von diesem postmodernen und dunklen nihilistischen Scheiss-Nichts-Begriff in die Irre führen. Aber auch nicht von falsch verstandenen Konzepten, die in diesem „Ich“ etwas wesenhaftes sehen, was eine Schwäche haben könnte. So wie Menschen einen Schnupfen haben. Auch nicht als etwas, was durch diese oder jene Maßnahme eine Stärkung erfahren kann. Wie Muskeln, die man trainiert. Das alles hat seine Richtigkeit innerhalb Deiner persönlichen Welt der Emotionen und innerhalb des Verstandes oder des Körpers. Es hat auch seine Richtigkeit in dem, was man das kleine „Alltags-Ich“ nennen kann. Da hat Anthroposophie, so wie viele andere Konzepte, eine wunderbare und stärkende Wirkung.

Die wahrhaft spirituelle Erfahrung, zu der Anthroposophie jedoch führen soll, ist die Ich-Erfahrung, wie ich sie hier skizziert habe. Anthroposophie treibt Dich an (und so sehe ich auch meinen Job). Anthroposophie dient diesem "Entertain-Me-Universum" und motiviert Dich ohne Ende - solange, bis Du von dieser Erde gehst. Anthroposophie motiviert und befähigt Dich und sie tätowiert Dir in Deine Seele:

„Sorge Dich um ALLES – mit aller Kraft und radikaler Vehemenz. Schlafe immer unruhig und lebe in ständigem Drang dienen zu müssen und Dich und die ganze Welt zu verbessern. Vergiss nie den Befehl des Universums der da lautet: Entertain ME! Und denk dran: Dem Universum ist das Beste gerade gut genug.“  

Aber, Anthroposophie versichert Dir gleichzeitig und im Geiste des ewigen Friedens, welches ja das Wesen des Universums ist:

"Sorge Dich nicht um Deine Mitte. Du bist immer diese Mitte – Du kannst Dich nicht verlieren, Du bist immer dieses Ich, es gibt nichts was Du tun kannst. Du bist die wahre Würde, der unermessliche Friede und der heilige Glanz meines eigenes Bewusstseins."

Wenn Du das immer wieder auf unmittelbare Weise und durch ERWACHTE Menschen erfährst, „dann geht dem Schüler auf der Zusammenfluss des Ich mit dem großen Welten-Ich. Und nun muss er sagen zu dem kleinen Ich: Ich bin nicht du.“ (R. Steiner: GA 93). 

Du brauchst Dich vor NICHTS zu fürchten. Das NICHTS, von dem u.a. Rudolf Steiner spricht, ist nicht dunkel und nicht hell. Es geht über alles hinaus. Über Dunkelheit und über Licht. Dein Ich ist Über-Licht. Deine Mitte ist Über-All.

Wenn Du diese SELBSTsicherheit erfahren willst, kann ein spiritueller Lehrer Dir helfen. Vorausgesetzt dass er bewusst aus dem wahren „Ich“ lebt, welches auch Dein wahres Ich ist.

Er hilft Dir, den Geschmack dieser Erfahrung zu ertasten. Wenn Du diesen Geschmack einmal hattest, wirst Du ihn immer wieder erkennen und auch das, was nicht dieser Geschmack des EINEN ist. Du kannst dann unterscheiden, zwischen dem kleinen Ich was man stärken kann und dem großen Ich, was einfach ist. Und Du wirst erkennen, dass Du in Wahrheit nie dieses kleine Ich warst.

Und es ist ein wichtiger Moment, wo der Schüler „sich klarmacht, was es heisst: Ich bin nicht du. Das ist ein Moment, wo man anfängt zu begreifen, dass es höhere Kräfte in der Natur gibt als das Denken, dass es ausser ihm etwas gibt, was man nicht mit den Gedanken der Gegenwart ausdrücken kann, was aber bewirkt, dass bei zwei Menschen, die über dasselbe sprechen können, die Rede des einen klar aber öde, die des anderen durchpulst ist von dem warmen Licht, das die Zukunft schaffen wird“. (Rudolf Steiner, GA 93).

Also, liebe Freundin, lieber Freund: Geh & marschiere & tanze mit einer extra Power-Portion & mit bestem Wissen & Gewissen & mit allen geschliffenen Instrumenten des kreativen Evolutionärs in die Zukunft. Go on!

Und ja, liebe Freundin, lieber Freund: Bleibe dabei immer und anstrengungslos, was Du bereits jetzt bist. Das perfekte, unsterbliche und alles überstrahlende ICH. Wo Du auch gehst, Du kannst Dich in Wahrheit nicht verlaufen, denn Du bist die Mitte, um die Du tanzt.

Du bist immer schon da – weit über jede Zukunft hinaus. 

Freitag, 17. April 2009

Lektionen über die Liebe


Das Erwachen zur All-Liebe, ist nicht das was man Erleuchtung im umfassernsten Sinne  nennt. Erleuchtung ist der schrittlose Schritt in das einfache, unbegrenzte, zeitlosen und alle Zeiten umfassende Ich-Bin des ewigen Seins.

Wer unvorbereitet diese Erfahrung macht, der wird zunächst schockiert sein, dass dort nicht diese Liebe ist. Man gerät mit dem Erwachen eigentlich an einen Punkt wo man sagen kann: „Ich bin, bevor etwas anderes war – Ich bin vor der Schöpfung."

Vor der Schöpfung – im reinen Sein – da findet man nicht diese All-Liebe. Im Erwachen findet man reines, kristallenes Bewusstsein – frei von allem, frei für alles. Auch frei von Liebe und frei für Liebe. Nirvana. Nichts ist. Alles ist möglich.

Dieses reine, göttliche Bewusstsein hat uns Menschen hervorgebracht – in einem alten mystischen Spruch fasste Rudolf Steiner dies als „Ex deo nascimur“ zusammen. „Aus dem Vatergott sind wir geboren.“ Erwachen im letzten Sinne, ist ein Erwachen zu diesem „Vatergott“ - zum wahren Frieden.

Wo ist nun aber die Liebe, die heute schon viele Menschen erfahren? Diese All-Liebe ist etwas ganz neues und ganz anderes als dieser „väterliche Daseinsgrund“, etwas ganz anderes als EINACH DAS. Etwas ganz anderes als der ABOLUTE GEIST.

Diese All-Liebe ist nicht mehr reines Sein. Diese All-Liebe ist bereits ein erstes Sterben des ABSOLUTEN GEISTES. Wer die All-Liebe erlebt, der erlebt den Grund seiner Geburt.

Wer sich als einig mit der All-Liebe erlebt, der ist bereits aus der göttlichen Einheit herausgefallen und erlebt im Fallen sein Werden.

Sein harter Aufschlag auf der Erde, ist auch gleichzeitig der Moment der Geburt. Darum ist jede Erfahrung der All-Liebe auch immer mit einem kaum zu erklärenden Schmerzgefühl verbunden. Denn das, was Rudolf Steiner die „Geister der All-Liebe“ nennt und was im griechisch-hebräischen die „Seraphime“ sind und im christlichen die obersten Engelhierarchien, das sind ja bereits Formen, die aus dem Formlosen abgetrennt sind.

Wenn Du diese All-Liebe spürst, dann bist Du zwar in einem Raum der reinen Glückseligkeit,  aber dieser Raum konnte nur entstehen, weil sich etwas vom ABSOLUTEN abgespalten hat.

Und diese Abspaltung tut weh. Immer. Bis zum Erwachen zum ABSOLUTEN. All-Liebe, die nicht einen Funken All-Schmerz beinhaltet, ist keine All-Liebe. Wer nur selige Harmonie fühlt, lebt noch weiter unten in der Hierarchie der geistigen Welt.

Wenn Du die All-Liebe spürst – auch wenn Du nur ihren warmen Hauch spürst und noch nicht voll in diesem Feuer-Raum stehst – dann bist Du dem Urimpuls des Lebens auf der Spur und dieser Urimpuls des Lebens konnte überhaupt nur entstehen, weil etwas vom absolut Göttlichen gestorben ist.

Wenn Du wieder zu diesem absolut Göttlichen vordringen willst, wenn Du zum einfachen Sein erwachen willst, dann musst Du wiederum in diese All-Liebe hineinsterben.

Gott stirbt und erwacht von oben nach unten. Der Mensch stirbt und erwacht von unten nach oben.

Die größte Gefahr der Erfahrung der All-Liebe liegt darin, dass man in ihr stecken bleibt. Dort ist alles reine Liebe. Wenn Du hier stehen bleibst, bleibst Du trotz aller Glückseligkeit im Vorgarten Gottes stehen. In diesen Vorgarten bist Du hineingeboren und in diesem Vorgarten musst Du wieder sterben. Es ist der Vorgarten, der in der christlichen Mythologie der „Garten Getsemani“ genannt wird. Hier erlebte Jesus Christus seine dunkelsten Stunden vor dem Verrat. Verrat, das ist die Trennung von Gott. Hier weinte und schwitze Jesus Christus Blut um später auf Golgatha den letzten Ruf der Trennung zu schreien: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen...“. Ein tiefes Symbol für den esoterischen Trennungsschmerz

Sein Tod – so die mythologische Bildersprache – war die Geburt der Liebe auf der Erde. Wenn Du die wahre Liebe spürst, dann spürst Du diese Liebe. Und wenn Du zu Gott kommen willst, dann musst Du diese Liebe wieder verlassen, in diese Liebe sterben. Der Weg zu Gott führt DURCH die Liebe – er endet nicht IN dieser Liebe. (Aber natürlich führt er auch nicht an der Liebe vorbei...)

Du musst Dich von dieser All-Liebe verabschieden und die höchste Form des Abschieds ist der Tod. Und die höchste Form der Liebe ist, in der Sprache der abendländischen Esoterik,  „der Christus“. Du musst also in Christus sterben, um zurück zur Einheit zu finden.

Steiner benutzte dafür den alten Spruch der Rosenkreutzer: „In Christo morimur“ – „In Christo sterben wir“. Auch hier spürst Du es wieder, dass diese All-Liebe auch immer ein All-Tod ist. Das ist der bohrende Schmerz, den Du fühlst, wenn Du die All-Liebe fühlst.

All-Liebe ist nicht Erlösung und Freiheit. All-Liebe ist nicht die Freiheit von Schuld und Sünde. Ganz im Gegenteil: Mit dem Schritt in die All-Liebe, nimmst Du alle Schuld, alle Sünde auf Dich. So wie in der großen Symbolsprache des Christentums das Kreuz steht. In der All-Liebe zu leben bedeutet, sich die Hände dreckig zu machen.
Wie aber, „werden wir wach zum Geiste, aus welchem heraus wir einst geboren wurden?“ (Steiner, GA 105). Wie finden wir wieder zu Gott – zum absoluten GEIST, wie werden wir wieder eins mit EINFACH DAS?

Wenn Du verstehst, WARUM alle diese Schritte notwendig waren, findest Du auch den Weg, den Du suchst: „Die Persönlichkeit musste werde, sich erfassen, sich begreifen, sich als Mittelpunkt empfinden, sich vor sich selbst setzen, sich überwinden, sterben lernen, um sich als freies Ich-Wesen wieder zu ergreifen, dass seinen Mittelpunkt im Gottes-Ich erfühlt.“ (Steiner, GA 105).

Im christlich-rosenkreutzerischen Sinnspruch heisst es dazu: „per spiritum sanctum reviviscimus“ – „durch den heiligen Geist kehren wir zum Leben zurück“.

Das Sterben in die All-Liebe und dann als Höhepunkt in „den Christus“, lässt mich wieder den ursprünglichen GEIST ergreifen, der mich  - völlig verwandelt – zum Erwachen führt.

In das einfache, unbegrenzte, zeitlose und alle Zeiten umfassende Ich-Bin des ewigen Seins. Ich bin nun wieder IM LEBEN OHNE GEGENTEIL. (So gesehen, war Jesus Christus gleichermaßen ein Nachfolger, wie auch ein Schüler des Buddha. Und die Relativität des Christentums erkennt man, wenn immer wieder auf die Worte von Jesus Christus schaut. Er sagt, er sei der Weg zum Vater. Hat man den Weg zum Vater, zum Nirvana gefunden, dann erkennt man das was manche "den Christus" nennen,  als eine Phase, die immer als Phase konzipiert war und die man überwinden muss...wie eine Brücke. Ein Brücke zu überwinden, bedeutet eine Brück zu ehren.) 
Wenn dieser Schritt getan ist, erfasst Du, wie überflüssig und wie gleichzeitig dringend notwendig alle Schritte vorher waren. Du hättest Dir alles Leid ersparen können – aber das Leid brachte Dich auch zu der Erkenntnis, das Leid niemals notwenig war.

Es ist gut, dass diese abendländische Phase, in der Erkenntnis immer mit dieser Leidensgeschichte einhergeht, sich nun langsam dem Ende neigt. Wir werden dann erfahren, dass die Trennung von Gott gar keine Trennung ist.  Wir werden dann erleben, dass wir untrennbar vom Gottes-Ich sind und ab sofort wird Menschwerdung ein lusterfüllter Gottesdienst sein. Gott werden, wird zur heiligen Menschenweihehandlung.

Leid ist das Gefühl der Getrenntheit – und tatsächlich ist alles Mögliche von Dir getrennt gewesen. Ja, zerstückelt: In Phasen, Stufen, Ebenen, Linien, Quadranten, Formen, Stimmen, Liebe, Tod, Hierarchien und Welten – aber von einem warst Du niemals getrennt: Vom Gottes-Ich. Dein Ich - Gottes-Ich.

Die Liebe ist in diesem Sinn das letzte Feuer vor Gott – sie verbrennt das letzte Leid, die letzte Anhaftung, die letzte Vorstellung – am Ende verzehrt die Flamme sich selbst. Versuch zu verstehen, dass dies gleichermaßen ein einmaliges Ereignis und ein andauernder Prozess ist. Sei verliebt in diesen evolutionären Prozess, aber verwechsele den vergänglichen Prozess nicht mit dem unvergänglichen Gewahrsein Deines Selbst.

Alles ist vergänglich, DU aber bleibst. DU, der Zeuge dieser und aller Welten, die in Deinem eigenen Gewahrsein entstehen und vergehen.

Alles, was in Deinem reinen und klaren und ewigen Gewahrsein entsteht und vergeht, soll in LIEBE entstehen und vergehen.