Donnerstag, 2. April 2009

Bekenntnisse eines Selbstdarstellers

Meine Authentizität ist inszeniert. Wahrscheinlich kennst Du den fantastisch einfachen und wahren Satz von Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren!“. Dieser Satz enthält bereits das Geheimnis der inszenierten Authentizität.

Der Satz des großen Kommunikationswissenschaftlers Watzlawick meint, dass jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat. Sobald zwei Personen sich gegenseitig wahrnehmen können, kommunizieren sie miteinander, da jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat. Watzlawick versteht Verhalten jeder Art als Kommunikation. Da nun Verhalten kein Gegenteil hat, man sich also nicht nicht verhalten kann, ist es auch unmöglich, nicht zu kommunizieren.

In der Abwandlung des Paul Watzlawick Zitates – können wir sagen: „Man kann sich nicht nicht inszenieren.“

Selbstdarsteller haben einen schlechten Ruf. Doch selbst Menschen, die sich strikt und mit Nachdruck jeder Darstellungsform verweigern und ganz so sein wollen wie sie sind, teilen dies gerade der ganzen Welt mit. Wir kennen alle solche "authentische Menschen", die ganz „ich“ sein wollen und ihr Äusseres vernachlässigen oder betont keinerlei Wert auf Aussenwirkung legen und uns somit immer diese Botschaft einhämmern: „Merkst Du nicht, wie echt ich bin? - Wie asketisch - wie sehr ich mich auf das Geistige konzentriere?"
Es ist diese pseudo Bescheidenheit im Auftreten, die im tiefsten Ego von sich denkt: "Eines Tages wird die Welt sehen, dass in meiner Bescheidenheit die wahre Größe liegt". Kennst Du solche "bescheidenen" Leute?

Du kannst Dich nicht nicht inszenieren – Du kannst nicht einfach nur da sein. Einfach darum, weil Du nicht alleine auf der Welt bist und darum immer auf andere Menschen wirkst. Dies ist im wahrsten Sinne Wirk-lichkeit.

Letztlich gibt es - um einmal einen religiösen Begriff zu benutzen - nur eine Sünde: Unbewusstheit. In diesem Sinne gibt es nur eine einzige Art der sündhaften Selbstdarsteller: Diejenigen die sich ihrer Wirkungen nicht bewusst ist.

Du bist authentisch, wenn Deine rationalen und emotionalen, verbalen und non-verbalen, sichtbaren und nicht sichtbaren Signale übereinstimmen. Und dieser Einklang ist eine Frage der Bewusstheit!

Und wie inszenierst Du Dich?

Foto: Aaron Bolte