Sonntag, 19. April 2009

Worum Du Dir Sorgen machen musst! Und worum nicht.

Bei vielen meiner Leserinnen und Leser, löse ich innere Aktivitäten aus. Wenn Du in Ängsten gefangen bist, wenn Du seelisch verletzt bist oder in Deinem Schmerzkörper leidest, wird diese innere Aktivität als Ärger, Unmut, Trauer, Rechthaberei  oder sonst einer negativen Reaktion in Dir erscheinen. Na – ist es vielleicht jetzt schon so? Was auch immer die Ursache sein mag – nutze die Gelegenheit und nimm die schlichte aber umfassende Position des Zeugen ein, der mit wachem und einfachem Interesse auf seine eigene seelische Provinz schaut.

Wenn Du jetzt diesen kurzen Moment erlebst, wo Du auf Deine Seele schaust, wenn Du jetzt Deinen Verstand für einen kurzen Augenblick als diese Maschine erkennst, die Verworrenheit produziert, wenn Du nur für eine Sekunde der Zeuge Deiner Gefühle und Gedanken warst, dann hast Du bereits erfahren was Deine Mitte ist.

Wenn Du merkst, dass Du von Deinen Gedanken und Gefühlen missbraucht wirst, dann bist Du vielleicht der Ansicht, dass Du dieses „Ich“ stärken musst, was alles kontrolliert. Du wirst versuchen wollen, diesen Moment der Mitte zu halten – damit er nicht im Sturm der Gedanken und Gefühle, ins Wanken gerät.

Selbstverständlich gibt es hervorragende Methoden um den Verstand zu ordnen und es gibt bedeutsame Hilfen um die Psyche so stabilisieren – aber alles das hat absolut nichts mit Deinem wirklichen „Ich“ und mit Deiner wahren Mitte zu tun.

Dein wahres „Ich“ kannst Du nicht verlieren. Du kannst Dein wirkliches „Ich“ nicht stärken. Du kannst mit diesem einzigen „Ich“ gar nichts machen – es ist einfach da. Du bist einfach da. Nenne es auch Bewusstsein vom Bewusstsein. 

Dieses letzte „Ich“ kann auch nicht verletzt werden – die Würde des hohen „Ich“ ist tatsächlich unantastbar. Das liegt nicht daran, dass es so superstark oder magisch wäre. Auch nicht darin, dass es irgend ein Wesen wäre  – sondern einfach daran, dass diese Mitte das Einzige im ganzen Universum ist, was nicht dies oder jenes ist, sondern spiegelnde Aufmerksamkeit – und selbst die ist es nicht.

Diese Mitte ist NICHTS und ALLES erscheint und vergeht in dieser weiten und endlosen Mitte.

Du kannst ALLES was erscheint und vergeht – also auch Deinen Verstand und Deinen Körper und Deine Emotionen – stärken und schwächen. Und tatsächlich ist ALLES auch immer bedroht und sehnt sich wie verrückt nach höherer Entwicklung und neuen Impulsen. Das ist gut so. Es ist der Befehl des Universums an Dich und der lautet: Entertain Me! Mach alles neu, sonst ist mir langweilig (Was auch sonst, wenn man sonst NICHTS ist). Mach neu! Die Umwelt, die Kunst, den Sex, die Beziehungen, die Ernährung, die Menschenrechte und die Tierrechte, die Wissenschaft und die Spiritualität und eben einfach ALLES. Und es ist ein köstliches und heiliges Vergnügen ALLES zu meistern und die Zukunft zu gestalten....Aber weißt Du, was das aller, aller, aller schönste & absolut befreienste & heiligste & köstlichste ist?

DU kannst das ALLES angehen, kannst es wagen und versagen, hinfallen und aufstehen, Angst haben und Lust haben, Du kannst alles tun und um eines musst Du Dir niemals, niemals Sorgen machen – eines wird Dich niemals verlassen, nie brechen, nie verderben, nie schwach werden oder irgendwie versagen: Dein ICH. Dein Mitte. Dein wahres ich, ist NICHTS von allem was kommt und geht. Und weil es NICHTS von allem ist, was kommt und geht, kann es auch von keinem dieser Dinge bedroht werden.

Selbst wenn Du dann einmal stirbst, wird der Tod nicht Dein ICH anrühren. Er ist eine Illusion - Anthroposophie bietet Dir an, dass diese Wahrheit (die Du glauben kannst oder nicht) auch zu Deiner persönlichen und befreienden Erfahrung wird. 

Dein intimes Welten-Ich, ist immer da – aber es kann natürlich zugemauert werden. Die Mitte ist immer da, aber der Weg zur Mitte kann vermüllt sein, so sehr, dass Du in diesem Müll stecken bleibst. Die traditionelle Aufgabe des spirituellen Lehrers besteht darin, den Weg frei zu räumen. Es ist ein innerer Weg. Die Aufgabe der Anthroposophie ist es, dies so zu tun, dass Du Deine Persönlichkeit und die Welt auf diesem Weg verbesserst. Im Moment der wahren Ich-Erfahrung bist Du sofort als Evolutionär einsatzbereit. Du wirst König in einer Welt, deren einfacher Diener Du bisher warst. Was ist ein König? Der vollendete Diener.

Bis dahin verstellen vor allem die Vorstellungen über dieses wahre Ich und über diese Mitte den Weg. (Wenn eine spirituelle Bewegung mehr Vorstellungen produziert, als aus dem Weg räumt, dann hat sie im Kern versagt. Zur Zeit sitzt sie Anthroposophie auf der geistigen Anklagebank und muss die Frage beantworten, ob sie mehr Vorstellungen produziert, als aus dem Weg geräumt hat. Der Ausgang des Prozesses ist offen.)

Erst wenn ALLES fort ist, ist NICHTS da.

Lass Dich nicht von diesem postmodernen und dunklen nihilistischen Scheiss-Nichts-Begriff in die Irre führen. Aber auch nicht von falsch verstandenen Konzepten, die in diesem „Ich“ etwas wesenhaftes sehen, was eine Schwäche haben könnte. So wie Menschen einen Schnupfen haben. Auch nicht als etwas, was durch diese oder jene Maßnahme eine Stärkung erfahren kann. Wie Muskeln, die man trainiert. Das alles hat seine Richtigkeit innerhalb Deiner persönlichen Welt der Emotionen und innerhalb des Verstandes oder des Körpers. Es hat auch seine Richtigkeit in dem, was man das kleine „Alltags-Ich“ nennen kann. Da hat Anthroposophie, so wie viele andere Konzepte, eine wunderbare und stärkende Wirkung.

Die wahrhaft spirituelle Erfahrung, zu der Anthroposophie jedoch führen soll, ist die Ich-Erfahrung, wie ich sie hier skizziert habe. Anthroposophie treibt Dich an (und so sehe ich auch meinen Job). Anthroposophie dient diesem "Entertain-Me-Universum" und motiviert Dich ohne Ende - solange, bis Du von dieser Erde gehst. Anthroposophie motiviert und befähigt Dich und sie tätowiert Dir in Deine Seele:

„Sorge Dich um ALLES – mit aller Kraft und radikaler Vehemenz. Schlafe immer unruhig und lebe in ständigem Drang dienen zu müssen und Dich und die ganze Welt zu verbessern. Vergiss nie den Befehl des Universums der da lautet: Entertain ME! Und denk dran: Dem Universum ist das Beste gerade gut genug.“  

Aber, Anthroposophie versichert Dir gleichzeitig und im Geiste des ewigen Friedens, welches ja das Wesen des Universums ist:

"Sorge Dich nicht um Deine Mitte. Du bist immer diese Mitte – Du kannst Dich nicht verlieren, Du bist immer dieses Ich, es gibt nichts was Du tun kannst. Du bist die wahre Würde, der unermessliche Friede und der heilige Glanz meines eigenes Bewusstseins."

Wenn Du das immer wieder auf unmittelbare Weise und durch ERWACHTE Menschen erfährst, „dann geht dem Schüler auf der Zusammenfluss des Ich mit dem großen Welten-Ich. Und nun muss er sagen zu dem kleinen Ich: Ich bin nicht du.“ (R. Steiner: GA 93). 

Du brauchst Dich vor NICHTS zu fürchten. Das NICHTS, von dem u.a. Rudolf Steiner spricht, ist nicht dunkel und nicht hell. Es geht über alles hinaus. Über Dunkelheit und über Licht. Dein Ich ist Über-Licht. Deine Mitte ist Über-All.

Wenn Du diese SELBSTsicherheit erfahren willst, kann ein spiritueller Lehrer Dir helfen. Vorausgesetzt dass er bewusst aus dem wahren „Ich“ lebt, welches auch Dein wahres Ich ist.

Er hilft Dir, den Geschmack dieser Erfahrung zu ertasten. Wenn Du diesen Geschmack einmal hattest, wirst Du ihn immer wieder erkennen und auch das, was nicht dieser Geschmack des EINEN ist. Du kannst dann unterscheiden, zwischen dem kleinen Ich was man stärken kann und dem großen Ich, was einfach ist. Und Du wirst erkennen, dass Du in Wahrheit nie dieses kleine Ich warst.

Und es ist ein wichtiger Moment, wo der Schüler „sich klarmacht, was es heisst: Ich bin nicht du. Das ist ein Moment, wo man anfängt zu begreifen, dass es höhere Kräfte in der Natur gibt als das Denken, dass es ausser ihm etwas gibt, was man nicht mit den Gedanken der Gegenwart ausdrücken kann, was aber bewirkt, dass bei zwei Menschen, die über dasselbe sprechen können, die Rede des einen klar aber öde, die des anderen durchpulst ist von dem warmen Licht, das die Zukunft schaffen wird“. (Rudolf Steiner, GA 93).

Also, liebe Freundin, lieber Freund: Geh & marschiere & tanze mit einer extra Power-Portion & mit bestem Wissen & Gewissen & mit allen geschliffenen Instrumenten des kreativen Evolutionärs in die Zukunft. Go on!

Und ja, liebe Freundin, lieber Freund: Bleibe dabei immer und anstrengungslos, was Du bereits jetzt bist. Das perfekte, unsterbliche und alles überstrahlende ICH. Wo Du auch gehst, Du kannst Dich in Wahrheit nicht verlaufen, denn Du bist die Mitte, um die Du tanzt.

Du bist immer schon da – weit über jede Zukunft hinaus. 

Kommentare:

manroe hat gesagt…

Lieber Sebastian

Genau so sehe ich es auch und untertütze es - wirklich schade dass die Anthroposophie auf der Anklagebank sitzt, allerdings nur die, wie sie "von oben-dornach" vorgeführt wird. Da kann man schon fast von Unzucht mit Minderjährigen reden, insbesondere was das Denken und das ICH anbelangt. Es ist wirklich nur verdeckt und wird weiterhin unter Verschluss gehalten, von oben :( -- hoffentlich nur aus Unwissenheit!

Manfred

Anonym hat gesagt…

Was ist denn "Dein Schmerzkörper"?!

Kokolores.

Anonym hat gesagt…

"Der wahre Meister ist nicht der mit den meisten Schülern, sondern jener, der die meisten Meister hervorbringt."

Und

"Ein wahrer Gott ist nicht der mit den meisten Dienern, sondern einer, der am meisten dient und so aus allen anderen Götter macht."

Zitate aus: Gespräche mit Gott, Neale Donald Walsch

Schrotti hat gesagt…

Laber Nit!

Ashtavakra hat gesagt…

Du bist der eine Beobachter und als solcher warst Du in der Tat immer frei. Deine einzige Bindung war, dass Du jemand anderen für den Beobachter hieltest.

Nachdem Du das Dickicht der Unwissenheit mit dem Feuer der Überzeugung "Ich bin das Eine, Reine Bewusstsein" niedergebrannt hast, laß allen Kummer gehen und sei glücklich.

Wer sich selbst für frei hält, ist in der Tat frei. Wer sich gefangen glaubt, bleibt gefangen. "Was man denkt, das wird man", ist sicherlich ein wahrer Ausspruch.

Du bist es, der das gesamte Universum durchdringt, und dieses Universum existiert in Dir. Deine wahre Natur ist das reine Bewusstsein. Sei nicht kleinmütig.

Verweile in jenem Bewußtsein, das Du bist - unkonditioniert, unveränderlich, formlos, gelassen, unerschütterlich, von unergründlicher Intelligenz.

MonikaMaria
(*o*)

PS. Wenn es Wahrheit ist, so lässt sie sich wiederfinden. Ashtavakra lebte ca. 500 Jahre vor Buddha. Danke Sebastian.

Anonym hat gesagt…

Hallo Herr Gronbach,
ich verstehe nicht alles was sie schreiben, was an mir liegt. Jedoch verstehen tu ich, daß in ihnen ein Herz schlägt, welches wissend erlebt hat, wofür es schlägt. Haben sie dank für manche Texte, die mich ahnen lassen, daß nicht nur Steiner recht hatte, sondern auch alle anderen achtsamen und echten "Weisen" aus dem Morgenland und dem Abendland. Mit einem Gruß, der ihnen würdig sein mag. G. Benassi

Anonym hat gesagt…

Wie einseitig. Der Bart geht bis zum Mond und zurück.

Maria hat gesagt…

Danke Sebastian.

Heute werde ich mit den Widersprüchlichkeiten der Sprache leben, da ich mir ihrer mehr und mehr bewußt werde.

Meine Bestimmung - gewählt oder wahrgenommen - nehme ich als Herausforderung an und bleibe mir der grundlegenden Einsamkeit und Ver-zwei-flung bewußt.

Und jetzt gehe ich 1 Woche meditieren.

Gut, daß es Euch gibt da draußen!

herzlichst, Maria

MehrNiveauWagen hat gesagt…

Wenn schon Entertainment, dann jutes, bitte sehr!

Anonym hat gesagt…

««Wie einseitig. Der Bart geht bis zum Mond und zurück.»»

Das war nicht zu Sebastians Post gemeint. Der ist OK!
Der Kommentar ist entfernt worden. Gut so!

Harald Schmidt hat gesagt…

Ich mach mir Sorgen um Euch! Merkt ihr nicht, dass Gronbach Satiriker ist? Stellt ihn euch doch mal in meiner Show vor, was würde passieren?

manroe hat gesagt…

Wenn man mit sich selbst redet, meint man zumeist einen intelligenten Gesprächspartner vor sich zu haben. Man "redet" mehr oder minder gefiltert einfach so heraus und lässt es einfach zu, was da so kommt.

Schaut man mal genauer hin, bei etwas gutem Willen, wird man zumeist einen mehr oder minder geordneten Wust aus Ansammlungen von teilweise fundiertem Wissen, irgendwelchen Ansichten, die einem lieb geworden sind und Meinungen denen man gern hinterherläüft, vorfinden.

Bis man eines guten Tages auf eine Frage trifft, die einen eindringlich anspricht. Sie äussert sich in etwa so: "Hast Du Dich mal in Deinem Reden geistig umgedreht, mit Deinem Janus-Kopf nach hinten geschaut um nachzuschauen, wo das alles herkommt, was Du da so erzählst? Und warum und wofür und für wen und was? Wie kann es sein, dass es einfach so redet? Wer redet da?"

Und eine Ahnung steigt auf, eine Vermutung -- ich steh mir selbst im Weg, ich behindere mich durch mich selbst in all diesem angesammelten Wust -- er spottet wider mich.

Erst jenseits eines solchen Getöses aus Spott und Hohn, dem Echo der Verirrungen leuchtet etwas auf, völlig unaufringlich aber stetig, unauslöschlich, eine Gewissheit, klar, eindeutig, selbsterklärend, er- und beleuchtend, alles erscheint in einem anderen Licht -- ich kenne es...

In diesem Licht erscheint der Spott wie ein Schlag ins eigene Gesicht, das tut weh, endlich mal ein erhellender Schmerz, der heilt!

Manfred

Sich selbst im WEG stehen... hat gesagt…

@Manfred

Kann man verhindern sich selbst im Weg zu stehen?

Und ist es nicht besser SICH SELBST ab und an im WEG zu stehen, als wenn jemdand anderer einem im Weg steht?

MICH selbst kann ich doch irgendwie leichter aus dem WEG schieben, oder?

Zu Deinem Kommentar kamen mir gerade diese genialen Bilder von Stefan Stark in den Sinn...

Peace
Jasna

MonikaMaria hat gesagt…

@ Jasna : )
Die Bilder von Stefan hätte ich jetzt auch reingesetzt! Stark seine Botschaft! Egolove ist ultraStark! (*o*)

Das mit dem sich selber im Weg stehen und diesen Januskopf in sich wahrzunehmen erlebe ich härter als jede Konfrontation aus dem Außen: Ein Schlag ins Gesicht und ein ein gezielter Messerstich ins Herz.

Danke Manfred für Deine subtilen Wahrnehmungen und dass Du sie uns umschreibst.

Herzlich
MonikaMaria