Freitag, 15. Mai 2009

Der Erzengel Michael und die Bananenschale

Gibt es den Erzengel Michael wirklich? „Im Grunde ist es so“, schreibt Jelle van der Meulen in Herzwerk über Christus – und könnte dies auch über einen Erzengel geschrieben haben – er „existiert lediglich, wenn wir wollen, dass er existiert. Wenn wir nicht wollen, dass er existiert, gibt es ihn nicht.“ Hat sich Steiner diesen „Michael als den feurigen Gedankenfürsten des Weltalls“ nur ausgedacht, hat er ihn nur erfunden? Das Falsche in dieser Frage ist das Wort „nur“.

Er hat ihn erschaffen. Als Träger einer Idee, die noch nicht stark genug war, unabhängig von diesem mächtigen Ideenträger zu existieren.

Poesie wird Wirklichkeit. Eine mythologische Gestalt wird eine mystische Tatsache, und die Wahrheit ist „niemals eine Abspiegelung von irgendeinem Realen, sondern ein freies Erzeugnis des Menschengeistes, das überhaupt nirgends existierte, wenn wir es nicht selbst hervorbrächten“, so Steiner zu seinen Schöpfungen.

Er war, was alle großen Philosophen waren, die mit ihren Weltbildern die Zeit geprägt haben und deren Ideen nur in diesen farbigen Bildern ihre volle Wirkung entfalten konnten. Steiner selbst beschreibt sich wie folgt: „Alle wirklichen Philosophen waren Begriffskünstler. Für sie wurden die menschlichen Ideen zum Kunstmaterial und die wissenschaftliche Methode zur künstlerischen Technik.“

Die Erzengel, die Widersachermächte Luzifer und Ahriman, die Elementarwesen, am Ende auch Christus, das alles sind Steiners geniale und poetische Beschreibungen spezifischer Formen und Zustände der menschlichen Innenwelt. Es ist die wissenschaftliche Methode der Versinnbildlichung, ein Kunstgriff, um komplizierte menschliche Ideen in eine populäre Form zu gießen, mit denen wir über das Denken hinaus eine lebendige Beziehung eingehen können. 

Ideen finden so den Weg in unsere Seele.

Aber am Ende bin alles nur ich und in mir ist alles. Oder wie Steiner sagt: „Die Ideenwelt ist mein Erlebnis. Sie ist in keiner anderen Form vorhanden als in der von mir erlebten.“

Wer über geistige Wesen spricht, spricht über sich, über sein Seelenleben, über seine verschiedenen Bewusstseinsstufen. Und natürlich ist alles in uns aktiv und dynamisch – weil ich es bin, weil ich aktiv und dynamisch bin.

Natürlich sind die Erzengel und Widersachermächte echte, lebendige Wesen – weil ich ein echtes, lebendiges Wesen bin.

Wenn wir sagen würden, Steiner habe das „nur“ erfunden, dann kastrierten wir die künstlerische Macht des Wortes, die reale Wirkungskraft des Denkens und die Schöpferkraft des Bewusstseins. Am Anfang war das Wort … und das Wort wurde Fleisch. 

Es gibt keine geistige Welt, wenn wir sie nicht erbilden. Der gesamte Inhalt der Anthroposophie existiert nicht für sich und unabhängig von einem schöpferischen Bewusstsein. Er verdankt sich dem „freien Erbilden der geistigen Welten“ – so Steiner.

Gibt es den Erzengel Michael wirklich? Es gibt ihn, wenn Sie wollen, dass es ihn gibt.

Vor uns erhebt sich nun dieses Wesen, dieser Erzengel, und es ist an der Zeit, zu erkennen, dass dieses Wesen für etwas steht.

Darin stecken zwei Wahrheiten. Die erste Wahrheit lautet: Er steht als Träger da. Als Überbringer.

In einem anderen Diskurs würde man sagen, dass er als Symbol, als Gleichnis dasteht. Ist der Erzengel Michael nur ein Symbol?

Er ist ein von Steiner, von mir, von Ihnen erschaffener Repräsentant einer Idee.

Er ist Wesen, weil Steiner, ich und Sie es wollten, und er ist nur Symbol, wenn wir die Beziehung zu ihm beenden.

Genau das ist für mich die zweite Wahrheit: Es ist Zeit, diese Beziehung zu beenden. Weil er für etwas steht, aber dieses Etwas, diese Idee, dasjenige, was der Träger durch die Zeit trug, muss nun meine Sache werden. Nicht nur, weil die Idee stark und erwachsen und in genügend Menschen angekommen ist, um sich nun in moderner Form zu repräsentieren. Nein, diese Idee droht auch in diesem klassischen, mythologischen Trägermaterial unwirksam zu werden.

Weil Inhalt Form und Form Inhalt ist, wirkt ein Inhalt, der an eine veraltete Form gebunden ist, heute uneffektiv und repräsentiert nicht mehr, was er einmal sein wollte.

Die ideelle Software hat sich in den Jahrzehnten immer wieder upgedatet, ist von verschiedensten Menschen in ihren Systemen verwendet worden, aber die Hardware kommt immer noch in einer Gestalt daher, die außerhalb einer anthroposophischen Hardcore-Szene keinerlei Marktchancen hat.

Noch ganz am Ende seines Lebens hat Steiner in seinen Anthroposophischen Leitsätzen darauf hingewiesen, dass man „in alten Lehren die Macht, aus der die Gedanken fließen, mit dem Namen Michael bezeichnet“ hat. Dann, lakonisch bis zum Gehtnichtmehr:

„Der Name kann beibehalten werden.“ Der nächste Satz sagt aber schließlich alles: „Dann kann man sagen …“, jetzt macht Steiner einen Doppelpunkt und fängt wieder an, seine Geschichten zu erzählen.

Alle lauschen jetzt den Abenteuern des Erzengels, und keiner erinnert sich mehr an die Einleitung: Wenn man den Namen aus alten Geschichten benutzen will, dann geht die Geschichte so …

Zum x-ten Mal und bis zum letzten Atemzug sagte er, dass Michael ein Name für, ein Symbol für, ein Code für etwas ist. Dieses Etwas ist aber kein Wesen. 

Wer an Michael als Wesen glaubt, betet die Bananenschale an und vergisst, dass sie nur die Frucht hält und bewahrt. Will man aber an die Frucht, an die Vitamine, dann muss man die Schale abmachen, auf den Kompost werfen und in die Banane beißen.

Aus: Sebastian Gronbach: Missionen 

Was ist der Ideeninhalt von MICHAEL? - sorry Freunde...Lest mein Buch...Und können wir jetzt bitte mal in der Postmoderne ankommen um diese möglichst schnell wieder zu verlassen, ja? Aber nach OBEN verlassen, nicht nach UNTEN. Trans - nicht Prä. Danke.

Kommentare:

manroe hat gesagt…

Ich nehm das hier alles mal "persönlich", wie denn sonst.

So, Sebastian, habs mir jetzt alles durchgelesen und vor allem das unter Integrales Forum, habe auch die Interaktive Meditation durchgelesen. Habe alles verstanden und ich würde es ähnlich schreiben, auch wenn Du´s mir nicht glaubst.

Ich widerspreche auch der Darstellung in der interaktiven Meditation nicht, so muss man das beschreiben. Aber wenn man hier stehen bleibt, also in dieser Erkenntnis und dann einfach "...Und dann, na ja, geh? ein Bier trinken, oder etwas in der Art ..." und das wars dann, dann komme ich mir vor wie in einem goldenen Käfig.

Wenn ich das nicht-duale Selbst begriffen habe und es kenne und es lebe, weils ja gar nicht anders geht, dann sehe und erlebe ich darin keinen Erfüllungszustand oder -ort, sondern den eigentlichen Anfang der Reise!!! Oder anders: um überhaupt "reisen" zu können, sollte ich obiges für mich eingelöst haben.

Und deshalb "nerve" ich hier rum, weil mein Bewusstsein dann eben größer ist. Jetzt überhaupt kann es erst beginnen, sich umsehen zu können. Hier fängt es für mich überhaupt erst an !! Das vermeintliche Ziel ist der Beginn !!

Und in diesem Sinne habe ich hier meine Fragen gestellt. Und ob es Michael nun gibt oder nicht, ist für mich zunächst einmal überhaupt nicht wichtig.

Ich habe in einem Ashram ein Bild gesehen, auf dem die Meister in ihrer Inkarnations-Reihenfolge dargestellt waren, der aktuelle, sein Meister, dann seiner etc. und ganz oben war eine Wolke abgebildet, die hat mich interessiert. Im Urbeginne bin ich selbst? Und komme dort auch an? Wieder?
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„niemals eine Abspiegelung von irgendeinem Realen, sondern ein freies Erzeugnis des Menschengeistes, das überhaupt nirgends existierte, wenn wir es nicht selbst hervorbrächten“Genau diese Dinge habe ich doch angefragt und wie man das dann macht.Und was ich jetzt nicht verstehe, das ist: "Wer an Michael als Wesen glaubt, betet die Bananenschale an und vergisst, dass sie nur die Frucht hält und bewahrt. Will man aber an die Frucht, an die Vitamine, dann muss man die Schale abmachen, auf den Kompost werfen und in die Banane beißen."Was ist denn dann nun die Banane?Trans statt prä ist ok, aber was ist die Banane, meine ich wirklich ernst!

Anonym hat gesagt…

„Der Name kann beibehalten werden.“

Anonym hat gesagt…

Also wenn ich das richtig verstehe:

Hiererchien, Wesensglieder, Menschenkunde, Erkenntnisstufen, Menschhieitsentwicklung, Eurythmie - ab in die Tonne damit, kauft Gronbachs Buch und alles ist postmodern und in Evolution.

"Weil Inhalt Form und Form Inhalt ist"

Ich glaube die Paradoxie besteht im Moment darin, so einen Mumpitz zu lesen.

Banael hat gesagt…

Natürlich steht der Name Michael für etwas, wie der Name Gronbach.

Wenn wir Gronbach nicht ständig in uns erbilden würden gäb es ihn auch nicht.

Also werft Gronbachs Buch in die Tonne und beißt in die Banane! Oder ist Gronbach am Ende auch Michael?

manroe hat gesagt…

Ist mein Eindruck richtig, dass ich jetzt hier keine denkerische Antwort bekomme, sondern lediglich leicht verdrehte Fan-Artikel? Ist das das Charakteristikum der Neuzeit? Was habe ich verschlafen?

Manfred und gute Nacht erstmal

Gähn hat gesagt…

Gute Nacht. Ruhe in Frieden.

Anonym hat gesagt…

Lieber Manfred,
keine Ahnung, ob dich meine bescheidende Antwort zu deinen Fragen interessiert. Ich gebe sie trotzdem.
Die Banane ist der Inhalt in der Form. Wir selbst geben uns doch die Form, wenn wir inkarnieren. Oder verstehe ich das falsch.
Wir sind das, was die Hohlräume ausfüllt und die Form gleichzeitig durchdringt.
Und das heißt doch auch, dass dieser Michael nichts anderes ist als ein Wesensteil von uns. Im psychologischen Sinne würde man wohl sagen, ein Charakterzug von uns, einer von vielen anderen, die uns als Menschen darstellen und einzigartig machen.
Und kämpfen wir nicht nur gegen uns selbst (Michael gegen den Drachen), bis wir erkannt haben, dass alles wir selbst sind?

Und die wolke kann nichts anderes sein als die sinnbildliche (oder vielleicht sogar reale?) Form der Einheit. Von da kommt alles her und geht alles hin.
Wenn wir zu unserer eigenen Essenz vordringen, sie bewußt wahrnehmen und erkennen, bekommen wir auch die Antworten nach dem Woher und Wohin.

Ich durfte einen kleinen Teil dessen schon erleben und es hat mich ziemlich vom Sockel gehauen.

Lieber Manfred,
dass uns nur stückchenweise die Erkenntnisse zufließen, hat schon seinen Sinn. Wir selbst sind es, die uns schützen. Wir legen diesen Schutz vor unserer Inkarnation fest. Und erst wenn bestimmte Erkenntnisstufen erreicht sind, werden nicht nur die Schleier geöffnet, sondern können wir auch das Dahinter ertragen.

Das ist aber nur meine persönliche Ansicht.

Herzlichst

Kerstin Zahariev.

manroe hat gesagt…

@Liebe Kerstin

ich danke Dir fürs Mitdenken!

Manfred

Die Transformation des Leidens hat gesagt…

Der Kampf Michaels mit dem Drachen Der Kampf meiner Individualität mit den über Gegerationen gewordenen Hüllen meiner gegenwärtigen Persönlichkeit, die ich als Leib mitbekommen und mir auch selber kreiert habe. Die Wunde aus Generationen heilen – das ist für mich das, was unter Erbsünde für mich einen Sinn macht.

Herzlich
MonikaMaria

Anonym hat gesagt…

Genau MonikaMaria, so ist es. Und wenn ich mir das so anschaue, wie tief solch Generations-"Sünde" geht, dass so etwas bis in die innersten Organe manifestiert ist, haut einen solches Wissen um. Das kann man zuerst gar nicht begreifen, selbst wenn es einem wieder und wieder vor Augen (und vor das Bewusstsein) geführt wird.

Doch der Mensch ist ja lernfähig (Gott sei dank!!!) und wenn man erst einmal auf dem Weg ist und schon einiges erkannt hat, gibt es kein zurück mehr.

Ich finde das so genial, faszinierend, grauenvoll, wahnsinnig, beängstigend, befreiend, beglückend, erschütternd - es ist kaum in Worte zu fassen - alles gleichzeitig und dennoch eins nach dem anderen.

Herzlichst

Kerstin Zahariev.

Simone hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Simone hat gesagt…

Da hat gerade etwas nicht geklappt, deshalb hier nochmal:

Wie es aussieht, erübrigt sich jetzt, einen weiteren Beitrag in MissionWir zu schreiben, denn du, Sebastian, hast hier schon was angesprochen, was mich gestern abend beschäftigt hat.

Gerade gestern abend war mir nämlich (in einer Erfahrung, der ich mehrmals wieder Raum sein konnte, um weiter zu fragen - nicht also bloß konzeptuell) folgende Frage aufgetaucht:

Da ist zunächst DAS oder Nichtdualität. Wie "darunter" kausale Formlosigkeit.
Dann dieses "ICH BIN DAS" (was wie hin und her zu schwingen scheint) oder einfach nur "ICH BIN", wie sozusagen der allererste "Inhalt" in der Formlosigkeit. Sozusagen der erste "Name" und bis auf diesen "Klang" sozusagen noch ohne jede Form.

Die Frage war dann: Gibt es Inhalte ohne Formen?
Kann es Inhalt ohne Form geben?
Oder tauchen Inhalte immer nur in welchen Formen auch immer auf?
Evidenz/Klang/Name/Wort eben z.B. statt Bild oder Körper welcher Art auch immer.

Jetzt lese ich hier den Satz von dir:
"... Weil Inhalt Form und Form Inhalt ist, wirkt ein Inhalt, der an eine veraltete Form gebunden ist, heute uneffektiv und repräsentiert nicht mehr, was er einmal sein wollte. ..."

Und die Frage ist jetzt: Ist nicht Formlosigkeit der EINZIGE Inhalt und auftauchend in den unterschiedlichsten Formen.

Anders gefragt:
Offensichtlich IST reine Formlosigkeit.
Muss nun jeder Inhalt, der darin auftaucht, auch eine Form haben, oder gibt es eben sozusagen in dieser Formlosigkeit zunächst Inhalte ohne Form, dann Inhalte in geschaffenen Formen, dann in weiterführenden neuen Formen dieselben Inhalte, und dann auch wieder anschließend sozusagen bloße ewige Inhalte ohne jede Form als Ausdruck reiner Formlosigkeit?

Oder anders gefragt: wie unabhängig sind Inhalte von den Formen, in denen sie erscheinen?

Gibt es überhaupt "Inhalte" als Mehrzahl oder gibt es nicht letztlich nur EINEN einzigen Inhalt in unterschiedlichsten Formen oder Erscheinungen?

Jedenfalls: wenn die Inhalte sozusagen überwechseln können aus einer Form in die nächste und doch dieselben Inhalte bleiben, statt dabei sich mitzuverändern, dann könnte das heißen, dass sie relativ unabhängig von Form existieren können - oder dass Formlosigkeit und Form so sehr "ein und dasselbe" sind, dass es dem "Inhalt" nichts ausmacht, wenn seine bisherige Form mal eben duch ein Pralaya geht und dann eben in neuer Form wieder auftaucht.
So leuchtet mir das ein.
Oder auch andersherum: Dass Formlosigkeit der einzige Inhalt ist, welcher in unterschiedlichsten Formen erscheint.
Tauchen nicht letztendlich immer aus dem Nondualen sozusagen Form und Formlosigkeit gemeinsam auf wie die zwei Seiten einer Medaille?

Ich kann mit dem Wort "Inhalt" an der Stelle so wenig anfangen - heute/jetzt, obwohl gestern abend eben gerade die Frage war:
Gibt es Wesen ohne Erscheinung?
Inhalte ohne Formen?
Bewußtseinsstufen, die sozusagen im individuellen Menschen noch nicht emergiert sind, obwohl sie sozusagen "an anderer Stelle" schon und immer da sind?

Besser müßte vielleicht gefragt werden: WO gibt es Wesen ohne Erscheinung, Inhalt ohne Form, Formlosigkeit ohne Form?
Wie ist die Beziehung von Ewigkeit zu Raum und Zeit bei solchem Fragen?
Ist wirklich von vielen Wesen zu sprechen, statt von EINEM Wesen in vielfältigsten Erscheinungen.

Muss ich von "vielen Wesen" sprechen für die Menschen, die sich als getrennt erleben und an die Realität von "vielen" ICH-en glauben?

Wäre von da aus zu sagen:
DAS ist der einzige Inhalt, in welcher Form auch immer ER/SIE/ES/ICH/DU/IHR/WIR/SIE auftaucht.

Obwohl das von einem bestimmten Standpunkt aus natürlich eine blöde Frage ist, denn wenn ich Inhalte oder "zukünftige"/höhere Bewußtseinstufen gewahre, ist die wesentlichste Frage dann ja: Wer gewahrt?
Und von dem aus geschaut und gefragt, der fragt und schaut, von dem aus erübrigen sich ja tatsächlich immer wieder alle Fragen.

Ich will hier aber eben fragen.
Denn in Raum und Zeit stehend, macht Fragen schon wirklich Sinn.
Fragen macht jedenfalls mir jetzt manchmal Freude. Ist nicht ganz so still wie ewig ohne Worte.
Danke, dass du an den Michael-Beitrag gleich noch den Erleuchtungsbeitrag angeschlossen hast.
Sehr be-fried-igend immer wieder, wenn Vollständigkeit zum Ausdruck kommt.

Mir war gestern abend, als ob sozusagen innerhalb des mit ganz was anderem beschäftigten Bewußtseins auftauchte, anklopfte oder sozusagen mich "anpiepte" ein "anderes", "andere", die Gegenwart, die Evidenz "anderer Wesen" als diese Frau ist, obwohl ich nichts weiter zuzuordnen hatte als die Gewissheit von "aus höheren Regionen kommend".

Und ich war sehr dankbar, als dieses Fragen in mir auftauchte, denn das schien mir einen Erfahrungszugang zu verschaffen, zu dem alles Konzeptuelle mir vorher trotz der herrlichsten Worte oder Beschreibungen Steiners nicht verhelfen konnte - weil eben möglicherweise Erfahrung nie zu teilen ist, aber über die Zeit hin eben tatsächlich "die Organe" wie Steiner das nennt, geschaffen werden, wahrzunehmen, was vorher von mir nur verstanden oder vorgestellt aber nicht erlebt werden konnte (oder anders herum: Begriffe zu finden für Wahrnehmungen oder Sein, was vorher noch nicht erkennbar oder verstehbar war). Dass es über das hier-jetzt hinaus noch weitergeht, das war letztendlich die frohe Botschaft in dem Erleben gestern.

Mitgeschöpf und Mitschöper in einem, das gefällt mir jetzt daran so gut.

Wenn sich also alles, was ich bei Steiner gelesen habe, jetzt dahinein ergießt - und auflöst, dann kann dieser FRIEDEN tatsächlich immer weiter WERDEN, obgleich er ohne jede Frage immer schon ewig vollständig da IST.

Insofern danke ich dir, dass du diesen Beitrag hier gestern Nachmittag eingestellt hast und ich danke allen, die ihn bis gestern abend gelesen und bewegt haben - denn ohne Frage war das, was bei mir aufgetaucht ist, synchron mit dem, was hier sich bewegt hat zu eben diesem Thema.
Danke an alle.

Anonym hat gesagt…

Ich finde den Gedanken immer wieder faszinierend, dass sich eine so formlose Wesenheit in ein so beengtes Gefäß wie einen Fötus zwängen kann. Wir alle können und konnten das.
Wenn man kleinen Babys in die Augen schaut, weiß man, dass das stimmt. Dass aus ihnen noch die Wesenheit in ihrer Bewußtheit schaut. Schade, dass wir dieses Bewusstsein so schnell wieder verlieren und es uns so mühevoll wieder erarbeiten müssen.


Herzlichst

Kerstin Zahariev.