Dienstag, 26. Mai 2009

Kommunion der Autarken


Wie unterscheidest Du das neue WIR vom alten WIR? Es gibt zwei sehr klare Unterscheidungsmerkmale: Das erste Kriterium ist dieses: Wenn Du das Gefühl hast, dass Du in der Gemeinschaft mit Deiner kreative Autonomie freudig begrüßt wird, wenn Du in Deiner originellen Individualität bestärkt wirst, wenn Du als starke Mann, oder als mutige Frau Dein jeweils Bestes für die Gemeinschaft geben kannst und wenn Du wirklich spürst, dass Du Dich in das WIR hinein befreist und doch ganz DU sein darfst, wenn Du wirklich als Persönlichkeit Plus* herausgefordert bist, dann bist Du im neuen WIR. 
Das zweite Kriterium scheint dem zu widersprechen: Alle Grenzen zwischen Dir und der Gemeinschaft fallen weg und eine nahtlose Verschmelzung tritt ein. Alle Gräben des Narzissmus hören auf zu existieren, die Abgründe der Egos verschwinden – das höhere WIR bildet das Band und das Feld einer flimmernden Entität entsteht zwischen den Menschen. Doch diese Verschmelzung geht erstaunlicher Weise nicht auf Kosten Deiner Autonomie.
Das neue WIR wird Dich immer auffordern Deine Bestes zu geben, den ultimativen Einsatz zubringen und Deine ganze heroische Individualität zur Verfügung zu stellen. Du wirst spüren, es geht nicht um Dich, aber es kommt absolut auf Dich an. 
Hab keine Angst ein Held zu sein. Feier die Kommunion der Autarken.
"Es ist nicht der eine und der andere und der Dritte, sondern etwas ganz Neues, was durch die Vereinigung entsteht...
Geben wir uns in der Bruderschaft auf, so ist dieses Aufgeben, dieses Aufgehen in der Gesamtheit eine Stählung, eine Kräftigung unserer Organe. 
Das ist das Geheimnis des Fortschritts der zukünftigen Menschheit, aus Gemeinschaften heraus zu wirken."
 (Rudolf Steiner, 23.11.1905, Berlin)
* "Persönlichkeit Plus" ist ein Anlehnung an ein Wort Ken Wilbers. ("Eine Persönlichkeit mit einem Pluszeichen, nicht mit einem Minuszeichen" Es ist der erleuchtete Mensch, dessen Leere zur Fülle wird. Dessen erwachten Leben nichts von der "Poesie und der Begeisterungsfähigkeit eingebüßt hat" (R.Steiner). Leerheit bedeuet, dass man mehr Zuneigung empfinden kann - nicht weniger. Persönlichkeit Plus ist der erwachte Mensch, der sich nicht in die Leere fallen lässt, sondern aus dieser Leere heraus alles neu macht. Er gibt nicht auf - er gibt sich hin. 
Wenn der Gott sich in einer moralisch hoch entwickelten und fähigen Persönlichkeit seiner selbst bewusst wird, dann nenne ich das eine "Persönlichkeit Plus". 
Es ist die INDIVIDUALISIERUNG des EINEN im einzelnen Menschen. In jedem Menschen ist exakt das selbe EINE - es drückt sich jedoch je nach Persönlichkeit unterschiedlich aus. Das EINE müssen wir nicht entwickeln. Es ist EINFACH DAS. Entwickeln müssen wir diese Persönlichkeit, in dem das EINE einen immer höheren Ausdruck finden will - das Auto des EINEN
Der Himmel auf Erden.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man kanns mögen oder nicht, aber ängstlich ist dieser Beitrag nicht. Ich würde sogar sagen er ist mutig. Mutiger als ich bin.

Schultze&Schukze

Menschheitspräsident! hat gesagt…

Es war einmal ein kluger Mann
und der fing einst zu schnitzen an.
Nachdem er jahrelang geschnitzt,
trat er vors Volk und sprach verschmitzt:
"Meine Arbeit ist vollend’t;
Hier ist der Menschheitspräsident!"

manroe hat gesagt…

@Menschheitspräsident

Es fällt mir immer wieder auf, dass die spitzhirnigen Satiriker offenbar nicht mitbekommen, wie erbärmlich sie mit ihrem "Geist" umgehen. Sie wollen irgendwie säubern und bemerken nicht, dass sie eine Schmutzspur hinter sich herziehen.

Manfred

MonikaMaria hat gesagt…

Ja, Sebastian, genau so erlebe ich es für mich auch. Dies deckt sich mit meiner Wahrnehmung.

Aber: das erfordert die knallharte Transformation meiner Persönlichkeit. Persönlichkeit Plus reicht nicht für das NEUE WIR, sondern für das alte. Gefordert ist DA die Individualität, wie Du so schön schreibst. Ich weiß schon, was Du mit dem Slogan meinst. ; )

MM

Sebastian Gronbach hat gesagt…

@MM

Siehe Fußnote

MonikaMaria hat gesagt…

@Sebastian
Hab schon verstanden. Wirklich : )
Persönlichkeit hat eine andere Bedeutung als das Wort Individualität.

Meine Phantasie war, nun kommt die Maske mit dem Plus daher. Ich meine: «Drüben» schon fischen aber das Ego noch nicht im Griff haben. Dann wird das WIR echt anstrengend.

Jasna Caluk hat gesagt…

Hallo liebe Alle,

Ich erkenne mich im Ei (was war nun eigentlich zuerst da; das Ei oder die Hänne?) und in der Rose.

Die stellen mir aber weder blöde Fragen, noch widersprechen sie meinen Antworten, also eine recht angenehme Spiegelung meiner Selbst :-).

Ich lebe hier in einem Wohnhaus mit Bewohnern in einer Gemeinschaft, die verschiedener wohl nicht sein könnten. Verschiedene Gesellschaftsschichten und verschiedene kulturelle, religiöse und soziale Hintergründe. Wenn einer feiert, dann feiert das ganze Haus mit. Meine Haustür (zum Laubengang geöffent) ist den ganzen Tag geöffnet und die Kinder laufen in den Garten, spielen mit den anderen Kinder des Hauses und alle passen aufeinander auf.
Es ist eine Gemeinschaft, in der man sich Achtet, aber auch die Grenzen des Anderen freundlich und respektvoll einhält.

Und dann passiert es zB, dass ich ich auf dem Laubengang sitze mit meinen Büchern und lese und mein Nachbar mich fragt, warum ich denn all diese Bücher lese und warum ich mich so intensiv mit all diesen Dingen beschäftige.

Tja... und dann sitze ich da, schau ihn an und sehe IN IHM eben DAS, was ICH BIN und wohin ER mich jetzt in diesem Augenblick und mit dieser Frage gebracht hat...
Die völlige LEERE in der LEERE...
NICHTS...

Paradoxerweise scheint das aber in dem Moment nicht dieselbe LEERE zu sein, von der wir hier jetzt gerade sprechen und schreiben.

In dem Moment dieser Frage scheint diese LEERE in mir eher wie eine Art DICKES FETTES FRAGEZEICHEN und ich komm mir irgendwie vor wie der letzte Depp, weil ich absolut keine Ahnung habe, wie und was ich ihm antoworten soll.

Mit dieser Frage wird mir plötzlich von diesem Menschen, der MIR gegenübersitzt, der dasselbe ICH IST, wie ICH BIN alles Wissen, das ich mir durch Bücher, durch Erfahrung und durch den Austausch mit Euch hier erworben habe, wie mit einem Strohhalm weggeschlürft. Schluuuuuups... und Weg... LEER... nix mehr da.

Und es wäre nicht so, dass ich das Bedürfnis hätte, mich zu rechtfertigen oder zu verteidigen... Nein, garnicht! Aber ich nehme soetwas immer wieder zum Anlass, diese Herausforderung anzunehmen und und all das worüber wir hier sprechen und schreiben und worüber ich lese immer wieder auf diesen NULL-PUNKT zubringen, um ES dann wieder zu ER-HEBEN oder UNTER-ZU-HEBEN!

Denn dieses WIR existiert ja nicht nur hier in diesem Blograum. Es existiert hier, wo ich wohne, es existiert dort, wo ich arbeite, im Park, im Kindergarten, im Geschäft. Überall existiert dieses WIR.

Die Frage ist für mich, ob ich der Herausforderung gewachsen bin, dieses WIR immer und überall vom NULL-Punkt an zu ER-HEBEN im Wissen, dass bereits Jetzt und in diesem Augenblick jeder Mensch, jede Frage, jede Antwort, jedes WIR vollkommen perfekt IST?

Da wünsch ich mir immer, ich wäre McGyver. Kennt jemand die TV-Serie aus den 80ern und 90er Jahren?

McGyver ist ein Agent, der für das Gute kämpft und immer wieder in Gefangenschaft gerät. Er schafft es dann immer wieder sich aus den unmöglichsten Gegenständen irgendwelche Werkzeuge zu balsten, womit er sich befreien kann. Aus jede verzwickte und aussichtslose Situation findet McGyver einen Ausweg.

Ich möchte gern wie McGyver sein, der TV-Held meiner Jugend :-)).


Jasna

Rolle Smarties hat gesagt…

Im sozialistischen Deutschland waren wir alle WIR Menschen... Auch wenn das der eine oder andere nicht versteht...Ich musste im kapitalistischen Deutschland das Ich lernen. Und WIR ist mir immer noch wichtig. Ich leide wenn WIR auseinandergerissen ist. Auf welche Ebene das nun ist weis ich nicht...Aber DAS ist für mich einfach Fakt... im Osten vom Wir zum Ich und im Westen Vom Ich zum Wir. Treffen werden wir uns in der Mitte One World One Future...dem ICH. Wann steht in den Sternen...Und mit Gewalt dran ackern hilft nichts. Auch mit gewaltigen Wortwerk nicht.

Wenn ich mein ganzes Leben dafür verwenden würde zu verstehen und Bücher wälze und Meinungen lese, wann lebe ich? Nagut ich integriere dann Verstehen ins Leben und nenn es Erfahrungen machen. Nur wenn jeder Tag läuft wie der davor ohne wirklche Herausforderung liegt es an mir meine Erfahrungen selbst zu wählen und zu machen. Knackpunkt ist dann die Motivation. Den Standpunkt jeden Tag zu haben jemanden dienen zu können und dürfen, ist dann der Bessere als nach Erfahrungen mit Reiz zu suchen und zu machen, die einem sowieso nicht interessieren.

:)

manroe hat gesagt…

@ Rolle Smarties

... in der DDR war das doch ein politisches Wir und bei uns hier ein wirtschaftliches Ich, so könnte man das doch nennen.

Das W I R von dem hier gesprochen wird hat was mit dem Menschen zu tun, ganz unmittelbar und direkt OHNE jeglich politisches und wirtschaftliches, diesen "gesellschaftlichen" Fesseln, mit denen der Mensch gegängelt und unfrei gehalten wird.

Also mit wirklich echten Werten, die das Wesen des Menschen wirklich im Auge haben.

Manfred

manroe hat gesagt…

Das neue WIR, wie Sebastian das oben beschrieben hat, kann man seinem Wesen nach kaum besser formulieren, es ist wortwörtlich richtig, wortwörtlich.

Man bräuchte eigentlich nur die deutsche Sprache, die in diesem Text steckt nach dem Lesen aus dem/seinem Verständnis einfliessen lassen in sein Empfinden, dort einwirken lassen und auf das "Echo" warten, ein Echo wie eine Antwort, es kommt vielleicht in Bildern und mit einer Gewissheit, die verblüffend einfach ist, so, dass man sie kaum zu glauben sich traut, völlig simpel und dennoch so weit entfernt, es sei denn, man beginnt ihr zu trauen, zu vertrauen und auf diese Stimme zu hören, dann werden auch die Gedanken andere sein und man wird sagen - genau !! lasst es uns so anstreben und so tun --- das wird uns friedlich einen.

Manfred

Ashtavakra hat gesagt…

Wie wunderbar! In Mir, dem grenzenlosen Ozean, erscheinen die Wellen der Individuen gemäß ihrer gegebenen Natur. Sie treffen sich, sie spielen für eine gewisse Zeit miteinander und verschwinden dann wieder. (45)

Der Text ist über 2500 Jahre alt.
Da kann ich mich nur verneigen.

manroe hat gesagt…

"Denn dieses WIR existiert ja nicht nur hier in diesem Blograum. Es existiert hier, wo ich wohne, es existiert dort, wo ich arbeite, im Park, im Kindergarten, im Geschäft. Überall existiert dieses WIR."Ich denke wir sollten schon das kleine wir vom grossen WIR unterscheiden.

Denn das WIR gilt es noch zu erreichen, anzustreben, zu verwirklichen, frei zu setzen ...


Manfred

Jasna Caluk hat gesagt…

Hallo Lieber Manfred,


"Denn das WIR gilt es noch zu erreichen, anzustreben, zu verwirklichen, frei zu setzen ..."


Das finde ich sehr spannend, was Du sagst. Denn ich glaube wiederum, dass es mit dem großen WIR ebenso ist wie mit dem großen ICH!

Es ist nicht zu erreichen oder anzustreben oder gar freizusetzen, weil dieses große WIR bereits JETZT und immer JETZT FREI IST.

Dieses FREI-Gesetze WIR erkenne ich auch, wenn ich mit Menschen in der Schlange an der ALDI-KASSE stehe.


Eine schöne Zeit Dir
Jasna

Jasna Caluk hat gesagt…

Gestern bat ich meine Tochter, mir irgendein Buch aus meiner Sammlung zu geben. Einfach so. Völlig ohne Grund. Nur aus Spass. Und sie gab mir ein Buch, das ich mir mal vor Jahren gekauft habe, aber nie gelesen habe mit dem Titel: “Bildung” von Dietrich Schwanitz. Von fast 700 Seiten schlug ich irgendeine Seite auf und laß diesen Text:

“Don Quijote
Der berühmteste Roman Spaniens ist der Don Quijote von Miguel de Cervantes (1547-1616). Angefeuert durch die Lektüre alter Ritterromane, legt sich der spanische Junker Don Quijano den romantisch klingenden Namen Don Quijote zu, zieht die verrostete Rüstung seiner Vorfahren an, zerrt einen alten Klepper, Rosinante, aus dem Stall, tauft ein Bauernmädchen in Dulcinea der Toboso um und erwählt sie zu seiner Herzdame. In einer Dorfschenke, die er für eine Burg hält, nimmt ihn der Wirt in den Orden der Fahrenden Ritter auf und rät ihm, sich einen Knappen zu nehmen. Nachdem seine Freunde durch die Verbrennung seiner Bibliothek einen vergeblichen Therapieversuch unternommen haben, wählt er sich den erdigen Sancho Pansa zum Knappen, und zusammen ziehen die beiden durch Spanien, um den Schwachen zu helfen und die Unterdrückung zu bekämpfen - der Ritter von der traurigen Gestalt auf seinem Klepper und der fette Sancho Pansa auf seinem Esel, ein archetypisches Paar und ein fleischgewordener Kontrast zwischen visionären Idealisten und bauernschlauen Realitäten. Um seine Rolle als Weltbeglücker durchhalten zu können, entdeckt Don Quijote überall Unterdrückung: Kriminelle hält er für gefangene Edelleute, eine Schafherde für eine feindliche Armee und Windmühlen für Riesen. Dass Sancho Pansa in den Riesen Windmühlen sieht, hält er für ein Ergebnis der ideologischen Verblendung durch den Gegner. In einer Fortsetzung sind beide dann bei dem Herzog zu Gast, der zum Schein mit seinem Hofstaat auf Don Quijotes Wahnwelt eingeht, um sich auf seine Kosten zu amüsieren, bis er durch die Arglosigkeit und den Idealismus des Ritters beschämt wird. Schließlich wird Don Quijote von einem Ritter zum Zweitkampf gefordert, der ihm das Gelöbnis abfordert, für ein Jahr dem Rittertum abzuschwören, falls er verlieren sollte. Als er nach seiner Niederlage seine Rolle ablegt, durchlebt er in einem Trip der schmerzlichen Selbsterkenntnis, wie sich seine Ideale in Anlässe für tiefe Scham verwandeln: Zum Schluss durchschaut er seine Illusionen, erlebt einen Moment der hellen Verstandesklarheit und stirbt. Der Roman hat eine Figur geschaffen, die sich immer dann besonders vermehrt, wenn attraktive, aber veraltete Ideologien ins Koma fallen und überalterte Lebensformen gespenstisch werden. Entsprechend hat unser Jahrhundert sehr viele Don Quijotes gesehen. Zugleich ist es der erste bedeutende Roman, der selbst die illusionsstiftende Wirkung der Romane vorführt und darin selbstbezüglich und zugleich realistisch wird: Er setzt sich von den Ritterromanzen ab und, indem er sie veralbert, beglaubigt er sich selbst als realistisch.”

Auch in Don Quijote stehe ich mir gegenüber und wir sind irgendwie ein WIR :-)).

Den Roman muss ich mir mal unbedingt kaufen oder vielleicht gibts den auch als DVD :-).


Jasna

MonikaMaria hat gesagt…

Es ist schon gut, wenn ich den Unterschied zwischen absolut und relativ erkennen kann. Wenn das Ganze erkannt wäre, bräuchte Sebastian hier ja keine Posts zu schreiben und wir auch nicht unsere Kommentare abzugeben. Aus dem einen Grund: jedes Wort wäre ein zuviel, weil getrennt.

Ich frage mich dann nämlich echt: und was ist das, was ich hier erlebe? Wozu komme ich hier rein? Was will ich hier?

Wer bin ich?
Darum geht es. Wie füge ich die Teile wieder zusammen? Wie kann ich mich erkennen?

Im alten WIR bewegte uns doch das:
Was fehlt mir? Was ist zuviel?
Das Hauptthema der alten Wir-Beziehung ist: Weshalb machst Du das? Dann kommt eine Geschichte auf die Geschichte.
Oder: Wieso verweigerst Du mir das? Dann kommt wieder eine Geschichte der Geschichte.

Noch erlebe ich hier das alte Wir.

Im neuen WIR geht es doch darum, wo NICHTS ist, kann nichts fehlen. Wo alles ist, ist ALLES da.

Das ist das, was Sebastian immer wieder versucht zu erklären.
ES ist GANZ EIN-FACH. Aber unser Verstand arbeitet nach der Software des Eingegebenen. Und die heißt Vergangenheit. Und Vergangenheit ist: Geschichte der Geschichte.

MM

These Boots hat gesagt…

...are made for walking...

that`s just what they do.

Mir ist grad nach Tanzen und Singen :-)


Jasna