Mittwoch, 24. Juni 2009

GAU-Golgatha

Kennst Du den biografischen GAU? Den "Größt Anzunehmenden Unfall? In den letzten Tagen habe ich viel Zeit mit vielen Menschen verbracht - in Seminaren, Vorträgen, Meditationen und Gesprächen. Dabei habe ich wieder erfahren dürfen, dass jede Biografie den GAU kennt und wie bedeutsam es ist, dass man Werzeuge zur Hand hat, damit umnzugehen - gerade heute steht wieder so ein Vortrag an.

Werzeuge sind gut und in meiner Arbeit beschäftige ich mich permanent mit der Forschung und Lehre dieser biografischen Istrumente und Werzeuge. Sie helfen Dir, Dich immer weiter zu entwickeln und zu wachsen und verhindern den biografischen Tod.

Andererseits und in spiritueller Hinischt, ist dieser Tod allerdings genau das, für was ich Dich öffnen möchte - auch das will ich heute Abend ansprechen. Denn erst danach beginnt das wahre Leben. Diese Todesmomente kennst Du. Im Kleinen und vielleicht auch im Großen.

Rudolf Steiner hatte auch so einen Todesmoment. Er nannte ihn das "innere Gestanden-Haben vor Golgatha". Damit meinte er kein mysthisch-religiöses Erleben, sondern den biografischen GAU. Dieses Erleben hatte auch nichts mit dem Christentum zu tun - das Christentum ist allerdings die Religion, welche in ganz besonders intensiver, authentischer und oft auch heilsamer Weise diesem Moment fokussiert (und oft genug und leider auch in dieser Leidens-Geschichte stecken blieb.)

Steiner beschreibt damit, was jeder von uns kennt und immer mehr Menschen auch in dieser absoluten Dimension erfahren: Den Zusammenbruch aller Vorstellungen über unser bisheriges Leben. Das Wegbrechen aller scheinbaren Sicherheiten, Werte, Wahrheiten und Werkzeugen. Das ist dann der GAU des Egos. GAU-Golgatha.

Wie damit umgehen? In der Christus-Story folgt nach dem Tod die Auferstehung.

Wie kannst Du den Tod und die Auferstehung im Zeitalter der bewussten Seelen nicht nur passiv erleben, sondern aktiv gestalten? Wie kannst Du Dein Bio-GAU zum GAU-Golgatha machen? Wie also kannst Du Dich kreuzigen lassen und dann wieder auferstehen? Wie kannst Du frewillig auf diese Schädelhöhe steigen - um dann wirklich aufzusteigen?

Ich will dazu heute Dennis Wittrock zu Wort kommen lassen. Ein wunderbarer Mann und Freund. Ließ einmal, die Schritte, die er in seinem Blog über das Katastrophen-Management im Moment des GAU schreibt:

Was tun, wenn die Geschehnisse überhand nehmen? Was tun, wenn man in kollektiver oder individueller Hinsicht mit dem konfrontiert ist, das
a) einen zutiefst verletzt und demütigt
b) alles Vertrauen, das man gegeben hat, ad absurdum führt
c) der GAU schlechthin ist
d) das Selbst in eine Erfahrung des Todes stürzt
e) einem völlig den Boden unter den Füßen wegzieht
f) unausweichlich das Herz zerreißt?

Was kann man da tun?
Simpel: nichts.

Mit anderen Worten:
sich dem Leben selber anvertrauen. Mit der Angst sein, mit der Verzweiflung sein, mit der Trauer sein – mit allem sein, was Wirklichkeit ist.

Wach, aber ohne Kampf, ohne Jammern, ohne Bedingungen, ohne Erwartungen, ohne Konzepte, ohne Weglaufen. Bei dem bleiben, was die Wahrheit ist - ganz gleich ob diese Wahrheit erfreulich oder grauenvoll ist.

Eine bedingungslose Haltung zur Ist-heit aufrechterhalten. Immer wieder liebevoll hinsehen und alles mit gleichem Dank akzeptieren. Alle Emotionen umarmen.

Nicht jeden und alles lieben – sondern so sehr man eben kann.

Sterben. Seinen Wünschen, Hoffnungen, Erwartungen, Begierden friedvoll und offen in die Augen blicken und sie sterben lassen. Nackt und verletzlich, die Rüstung abgelegt, mit offenen Händen liegen bleiben. Sich ganz auf den Grund des Leidens sinken lassen und still bleiben. Und dann...

FREUDE! Schallendes Gelächter! ICH BIN ja immer noch da!

Sei dir bewußt: Das ist die Chance Zeugnis darüber abzulegen wer du bist. Wer bist du in Beziehung zu dieser Katastrophe?

Die Grandiosität der Katastrophe ist der Hintergrund auf dem sich deine Grandiosität erst abbilden kann. Sei dankbar für dieses Feuer, das so heiß ist, dass es im Nu alles Falsche und Jämmerliche an dir verbrennen kann.

You cannot control the waves-but you can learn to surf.

"Und so lang du das nicht hast,
Dieses: stirb und werde,
Bist du nur ein trüber Gast
auf der dunklen Erde."
J.W.v.Goethe, West-östlicher Diwan

(Das Bild ist eine moderne Interpretation des berühmten Grünewald-Altars.)

Kommentare:

Der Isenheimer Altar hat gesagt…

Kommt mir bekannt vor. : )

Was kann man da tun?
Lieben und Vertrauen! 24 Stunden am Tag.
Wach im Hier und Jetzt sein.

Mit «nichts» bin ich nicht weiter gekommen.

Mit NICHTS tun, d.h. in die Stille gehen schon. : )

Moderne Interpretation?
Mit der «altmodischen» GESCHICHTE habe ich mich länger beschäftigt. Sie hat mich bei jedem «Tod» am Leben erhalten. : )

MM

Anonym hat gesagt…

Rudolf Steiner hatte auch so einen Todesmoment. Er nannte ihn das "innere Gestanden-Haben vor Golgatha". Damit meinte er kein mysthisch-religiöses Erleben, sondern den biografischen GAU. Dieses Erleben hatte auch nichts mit dem Christentum zu tun - das Christentum ist allerdings die Religion, welche in ganz besonders intensiver, authentischer und oft auch heilsamer Weise diesem Moment fokussiert (und oft genug und leider auch in dieser Leidens-Geschichte stecken blieb.)

Diese und ähnliche Interpretationen von Aussagen Rudolf Steiners, lösen bei mir ein unmittelbares seelisches Würge-Gefühl aus. Wie kann man einem Golgathaerlebnis die Christlichkeit absprechen? Es ist schlicht und einfach Lüge und Verschleierung, die hier permanent durch Gronbach verbreitet wird.

Anthroposophie hat den Vorteil gegenüber anderen Facetten der Wahrheit, dass sie durch Nachdenken evaluierbar ist. Gronbachs Behauptungen entbehren allerdings jeder wissenschaftlichen Grundlage. Das hier ist eine Verhöhnung des Verstandes.

Ich kann daraus nur schließen, dass Herr Gronbach einem egozentrischen Wahn verfallen ist, in dem er nicht mal mehr unterscheiden kann zwischen sich und Steiner.

Herr Gronbach selbst gebiert sich also, ohne es zu merken, als die Atombombe der Anthroposophie, ihre äußerste Verfallserscheinung.

Aber er hat sich bemüht.

Kritik der zynischen Vernunft hat gesagt…

Peter Sloterdijk

Die Bombe ist keine Spur böser als die Wirklichkeit und um kein Haar destruktiver als wir. Sie ist nur unsere Entfaltung, eine materielle Darstellung unseres Wesens. Sie ist bereits als Vollkommenes verkörpert, während wir im Verhältnis zu ihr noch gespalten sind. Angesichts einer solchen Maschine sind nicht strategische Erwägungen am Platz, sondern ein großes Hinhorchen. Die Bombe fordert von uns weder Kampf noch Resignation, sondern Selbsterfahrung.

Wir sind sie. In ihr vollendet sich das westliche »Subjekt«. Unsere äußerste Bewaffnung macht uns wehrlos bis zur Schwäche, schwach bis zur Vernunft, vernünftig bis zur Angst. Die einzige Frage bleibt, ob wir den äußeren Weg wählen oder den inneren - ob die Einsicht aus der Besinnung kommen wird oder aus den Feuerbällen über der Erde.

Die äußeren Wege, so »gut« sie gemeint sein mögen, vereinigen sich, wir haben es erlebt, allesamt doch immer wieder in dem unwiderstehlichen Hauptstrom zur Aufrüstung. Alle »inneren« Wege, auch wenn sie furchtbar unrealistisch erscheinen, fließen in der einzigen Tendenz zusammen, die die wirkliche Befriedung fördert. Der moderne Weltprozess führte zu einem Punkt, von dem an das Äußerlichste, die Politik, und das Innerlichste, die Meditation, dieselbe Sprache sprechen; beide kreisen um den Grundsatz, dass nur »Entspannung« noch weiterhilft. Alle Geheimnisse liegen in der Kunst des Nachgebens, des Nicht-Widerstehens. Meditation und Abrüstung entdecken eine strategische Gemeinsamkeit. Wenn das nicht ein ironisches Resultat der Modernität ist! Große Politik ist heute letztlich Meditation über die Bombe, und tiefe Meditation sucht in uns den bombenbauenden Impuls auf. Sie arbeitet sanft an allem, was sich im Innern als Kruste einer so genannten Identität verfestigt hat, sie löst den Panzer auf, hinter dem ein Ich sitzt, das sich als Verteidiger seiner Grundwerte empfindet. (»Wir haben die besseren Werte« - sagen die Aufrüstungsstrategen!)

MM

Kerstin Zahariev hat gesagt…

Zitat Anonym:
"Diese und ähnliche Interpretationen von Aussagen Rudolf Steiners, lösen bei mir ein unmittelbares seelisches Würge-Gefühl aus. Wie kann man einem Golgathaerlebnis die Christlichkeit absprechen?"

Was hat ein Golgatha-Erlebnis mit Christlichkeit zu tun? Der Christus war bisher nur einmal und hat, sich selbst ergießend in die Erde, der Menschheit neue Kräfte gegeben, neue Kräfte um wieder das Geistige in sich zu entdecken.

Es gibt auch Menschen, die sich nicht dem Christlichen und Christentum verbunden fühlen oder nie damit in Berührung kamen - selbst für diese Menschen hat sich der Christus hingegeben.
Das muss getrennt betrachtet werden, auch wenn oder gerade weil wir letztlich alle einem Geist entspringen - es muss erst die Trennung wahrgenommen und verinnerlicht werden, damit eine Vereinigung wieder stattfinden kann.

Ob Christentum oder eine andere Religion ist am Ende gleichgültig.

Herzlichst

manroe hat gesagt…

@Anonym (Nummer 5?)

"Gronbachs Behauptungen entbehren allerdings jeder wissenschaftlichen Grundlage. Das hier ist eine Verhöhnung des Verstandes."

Wenn man ein GAU-Erlebnis hat, es erlebt hat, wie, bzw. was wäre dann eine wissenschaftliche Grundlage dafür?? Oder andersherum, sind Erlebnisse oder Erfahrungen nur dann von "Gültigkeit", wenn sie zuvor wissenschaftlich fundiert sind?? Wie soll das gehen ?? Ein derartiges "wissenschaftliches Verständnis" wäre dann der Tod jeglicher Entwicklung. Ich warte mal mit meinem Erleben, bis die Wissenschaft es zufundamentiert hat?

Tja, und der Verstand ist bei einem solchen Erleben ohnehin noch nicht zur Stelle, Gott sei Dank! Denn der würde erst recht ausflippen! Ergo kann man ihn zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht verhöhnen. Er verhöhnt sich eher selbst, wenn er ein Erleben dieser Art leugnen würde!!

mit erkenntnisreichen Grüssen
Manfred

Ingrid hat gesagt…

Ihr Lieben,

nach längerer Zeit schau ich wieder mal herein... und muß diesmal dem Anonymen recht geben:
"Rudolf Steiner hatte auch so einen Todesmoment. Er nannte ihn das "innere Gestanden-Haben vor Golgatha". Damit meinte er kein mysthisch-religiöses Erleben, sondern den biografischen GAU. Dieses Erleben hatte auch nichts mit dem Christentum zu tun - ..."

Lieber Manfred, liebe Kerstin, es geht hier nicht um "ein" Golgatha-Erlebnis, das "man" vielleicht gehabt hat; sondern Sebastian Gronbach behauptet, zu wissen, was Rudolf Steiner erlebt hat, und worauf dieser sich bezieht, wenn er vom "Gestanden-Haben vor dem Mysterium von Golgatha" spricht.
Für eine solch eigenwillige Interpretation wären halt schon gedanklich nachvollziehbare und durch andere Äußerungen Rudolf Steiners belegte Begründungen wünschenswert, ansonsten paßt hier ein Spruch, den Rudolf Steiner zitiert (in "Das Wesen des Musikalischen", Zweite Fragenbeantwortung):
"Im Auslegen seid ihr frisch und munter;
Denn legt ihr's nicht aus, so legt ihr's eben unter."

:-)
Lieben Gruß rundum!
Ingrid

Kerstin Zahariev hat gesagt…

Nun, dann würde ich meinen, niemand weiß, was Rudolf Steiner da in diesem "Gestanden-Haben vor dem Mysterium von Golgatha" erlebt hat - außer er selbst. Und da er nicht mehr dazu befragt werden kann, darf sich jeder seiner eigene Interpretation dazu machen.
Um eben durch eine solche zu geistigem Wachstum zu gelangen.

Ganz im Sinne Rudolf Steiners, der immer wieder betonte, nicht einfach etwas hinzunehmen, was er sagte, sondern es zu prüfen - mit dem Verstand, der Seele und dem Herzen.
Oder sollte ich das alles missverstanden haben?

Ingrid hat gesagt…

Liebe Kerstin,

ich gebe Dir recht, allerdings nur mit einem Zusatz: „… niemand weiß, was Rudolf Steiner da in diesem "Gestanden-Haben vor dem Mysterium von Golgatha" erlebt hat - außer er selbst. Und da er nicht mehr dazu befragt werden kann, darf sich jeder seiner eigene Interpretation dazu machen.“
Der Zusatz, den ich allerdings für unverzichtbar halte: „…, wenn er ganz klar macht, daß es sich dabei um nicht mehr als eben seine eigene Interpretation handelt.“
Solange Herr Gronbach aber solche Dinge verkündet, als ob es sich dabei um die einzig mögliche Wahrheit handle, ohne wenigstens ein „so scheint mir“ oder „meiner persönlichen Meinung nach“ dazuzuschreiben, kann ich die seelischen Würge-Gefühle des Herrn/der Frau Anonym sehr gut nachvollziehen.
Herzlichen Gruß, und gute Nacht!
Ingrid

manroe hat gesagt…

Liebe Ingrid,
ich muss Dir recht geben mit Deiner Bemerkung.
Meine Äusserungen bezogen sich allerdings auf die "wissenschaftliche Grundlage" von Anonym. Diese Selbstfesselung an ein solches Wissenschaftsverständnis, das stört nicht nur mich sondern eine wirkliche Entwicklung. Wissenschaft kann sich nur dann betätigen, wenn sie etwas hat, woran sie sich betätigen möchte. Und wo kommt das her?? Und das widerspricht überhaupt nicht einer gewissen Grundhaltung, die auch wissen möchte, was gerade geschah. Mir geht es um die richtige Reihenfolge.
------------------------

"Gestanden-Haben vor dem Mysterium von Golgatha"

Und man sollte sicherlich auch unterscheiden zwischen "einem" Golgatha-Erlebnis und "Gestanden-Haben" (als Geist-Erkenntnis-Erleben) vor "dem" Golgatha-Erlebnis. Ich denke auch, dass es bei Steiner sicherlich!! mehr war als "lediglich" ein persönlicher GAU.

In einem persönlichen GAU sehe ich nichts weiter als lediglich die Grundbedingung einer höheren, also wirklichen Entwicklung, was nicht bedeuten soll, dass ich danach auch gleich richtig wahrnehme und interpretiere, mir scheint es sogar schwieriger zu sein als vorher, weil, der input ist ein ganz anderer. Wenn man auf der Kirmes mal in einem Spiegelkabinett war, dann kann man erleben, wie schwer es ist sich neu zu orientieren.

Manfred

Anonym hat gesagt…

Guten Tag.

Seit über 40 Jahren lebe ich nun in der Anthroposophie. Seit über 40Jahren höre und lese ich nur und ausschließlich eine einzige Version: Steiner beginnt als Philosoph und endet als Christ.

Ich war nie Christ mochte aber die Geschichte als Bildergeschichte immer sehr gerne. Aber ich war immer Anthroposoph und fühlte mich manchmal wirklich verfolgt. Ich durfte nicht sagen was ich denke und was ich fühle. Ich wurde behandelt als wäre ich meschugge.

Niemand, wirklich niemand hat je gesagt im Zweig "ich denke", "ich meine", "nach meiner Interpretation". Im Gegenteil: Immer wurde quasi objektiv und jenseits von persönlicher Perspektive von Steiner und "dem Christus" als ein Wesen jenseits von Steiner gesprochen.

Auch sein "Gestanden-Haben-Vor-Golgatha" wurde fraglos einfach in den bestehenden christlichen Traditionsrahmen eingegliedert.

So. Und nun, seit 40 zum ersten mal, erlebe ich (endlich, endlich, endlich) jemanden, der authentisch eine neue, erfrischende andere Perspektive anfügt.

Nein, nicht nur anfügt, sondern aus einer höheren (gleichsam auch tieferen) Schicht auf Steiner schaut. In Zuneigung und mit allem Respekt, aber eben so, wie Steiner es immer wollte: Aus seinem "Ich" heraus.

Und, glaubt einfach mal einem alten Herrn, zum ersten mal erlebe ich, wie Menschen sich HIER mnenschlich über "Golgatha" unterhalten.

Dinge Fragen. Dinge in Frage stellen. Aus ihrem Gewissen sprechen. Und einfach nicht mehr akzeptieren, daß es nur eine einzige Perspektive gibt.

Ingrid, hast Du Dich jemals woanders darüber aufgeregt, daß AutorInnen ihre Sicht auf Steiner nicht als "ihre Meinung" darstellen? Warum jetzt und hier bei Sebastian Gronbach?

Ich darf sagen, was ich dazu denke: Weil seine Ansicht MEHR ist als eine MEINUNG. Die Aufregung um Sebastian Gronbach hat im Kern damit zu tun, daß alle spüren, daß hier jemand gerade NICHT eine Ansicht nachplappert oder eine Meinung hat, sondern in Teilen (sicher nich immer) über Steiner hinausgeht.

Vielleicht sollte Sebastian Gronbach sich und anderen das eingestehen: "Ich entwickele Steiner weiter. Mein Steiner geht (in Teilen) über Steiner hinaus."

Ich bin nicht nur Sebastian Gronbach sehr dankbar, sondern wirklich Euch allen - auch den Ingrids, Anonymen und den Niederhausen..., ihr kommt ins Gespräch. Wirklich ins Gesprächs. Gott seis gedankt.

Ich bin zu alt, um mich dauerhaft da hineinzubegeben.

"Die Herzen beginnen Gedanken zu haben" und im Umfeld von Sebastian Gronbach spüren ich das am deutlichsten. Das wollte ich mal sagen. Danke fürs lesen und meine besten Wünsche.

Herbert S.

(Den Rest in persönlicher Mail, Herr Grombach).

KlausMaria hat gesagt…

Lieber Herbert S.,

ich lebe zwar 'erst' seit 30 Jahren in der Anthroposophie, aber Sie haben mir aus der Seele gesprochen.

Mir geht es ebenso:

"Ich bin nicht nur Sebastian Gronbach sehr dankbar, sondern wirklich Euch allen - auch den Ingrids, Anonymen und den Niederhausen..., ihr kommt ins Gespräch. Wirklich ins Gespräch. Gott seis gedankt."

Auch wenn wir vielleicht zu 'alt' sind, um uns da dauerhaft hineinzubegeben, könnten wir vielleicht Brücke sein, damit die Gespräche wirklich, trotz so mancher erscheinenden Gegensätze, fruchtbar und zukunftsgestaltend sich erweisen.

Schön finde ich es, dass Sie den Bogen spannten zwischen Gronbach und Niederhausen. Danke.

Einen guten Tage wünschen ich Ihnen.

KlausMaria

Anonym hat gesagt…

> das innere Gestanden - Haben vor
einem Backofen <

Manche meinen, sie seien bereits dann über ihren Bäcker hinaus gewachsen, indem sie damit beginnen,selber Brötchen zu backen.

Vor lauter Freude über die ersten
selbstgebackenen Brötchen vergißt
man dann, die Brötchen selber backen, das tut ein Bäcker so
wie so.

Ich bin noch nie einem guten Bäcker
begegnet, der vor lauter Freude am
Brötchen backen nun aller Mensch- heit klar machen will, backt
eure Brötchen selber.

Aber ich bin einem Bäcker begegnet, der trinkt vor lauter Freude zum Feierabend ein gutes
Bier. Das verdankt er dem Braumeister. Dieser wiederum dankt dem Bäcker, indem er, statt Brötchen zu backen, Bier braut.

Es grüßt B. wie B.rötchen

Anonym hat gesagt…

Das kommt davon, wenn man A.pfel mit B.irnen verwechselt. : )

Anonym hat gesagt…

Spricht die Birne zur Pflaume:
" Ach, Du bist`s, alte Pflaume!"
Spricht die Pflaume zur Birne:
" Na, endlich geht Dir das in die Birne!"

B. rötchen

Anonym hat gesagt…

Der war gut. : )
T.rötchen

Ingrid hat gesagt…

Lieber Herbert S.,

„Ingrid, hast Du Dich jemals woanders darüber aufgeregt, daß AutorInnen ihre Sicht auf Steiner nicht als "ihre Meinung" darstellen? Warum jetzt und hier bei Sebastian Gronbach?“
Wann immer ich einem Text begegne, der einem Autor unterstellt, er habe mit einem Satz oder Begriff etwas ganz Bestimmtes und nur genau das und nichts anderes gemeint, ohne das anhand anderer Texte dieses Autors zu belegen, versuche ich, dagegen aufzutreten. So kämpfe ich im Forum auf rilke.de immer wieder darum, daß man Rilke nicht, fröhlich drauflosfabulierend, Gedanken unterschiebt, die in seinen Gedichten einfach nicht drinstehen…
Ich habe, im Gegensatz zu Ihnen, keine langjährige „anthroposophische Vergangenheit“. Ich kenne die Anthroposophische Gesellschaft überhaupt nicht und habe auch noch niemals einen „Zweigabend“ miterlebt. Ich hatte bisher also noch nicht die Gelegenheit, dogmatische Interpretationen anderer AutorInnen kennenzulernen und dagegen aufzutreten.
Wenn es so ist, daß innerhalb der AG Doktrin und Dogma herrschen, dann ist das sehr bedauerlich (und es ist mir ein wenig rätselhaft, wie man solche Umstände überhaupt 30 Jahre unwidersprochen hinnehmen kann – ich wäre, wenn ich Mitglied gewesen wäre, dagegen auf- oder eventuell sogar wieder ausgetreten, da bin ich sicher!). Aber das ist hier nicht mein Thema.

Ich erlebe hier immer wieder, daß Sebastian Gronbach Rudolf Steiner in sehr eigenwilliger Weise interpretiert und seine Interpretation als die heutzutage einzig gültige und mögliche hinstellt, indem er dazu auffordert, all das von Rudolf Steiner, was nicht in diese „Gronbach-Doktrin“ paßt, loszuwerden und bloß als „veraltete Version“ zu sehen.
So „erfrischend“ das auch für viele leidgeprüfte langjährige AG-Mitglieder sein mag – ich finde nicht, daß das ein angemessener Umgang mit dem ist, was Rudolf Steiner uns hinterlassen hat.
Es ist ja ganz in Ordnung, wenn jedermann sich für sein persönliches Leben das herauspickt, was ihm grade gefällt, und das übrige nicht weiter beachtet. Aber er möge doch dann bitte nicht behaupten, daß das, was er da tut, „Anthroposophie“ sei. Schließlich: niemand (am allerwenigsten Rudolf Steiner!) zwingt die Menschen, Anthroposophen zu sein.

Herzlichen Gruß
Ingrid

Ingrid hat gesagt…

Und lieber Manfred,

@ Wissenschaftlichkeit:
Erstens: also, ich habe Anonym so verstanden, daß er damit sozusagen „Literaturwissenschaft“ meint: es scheint keine literaturwissenschaftlich nachvollziehbare, also im Werk oder in klar erforschten Äußerungen Rudolf Steiners gelegene, Begründung zu geben für Gronbachs Interpretation des Steiner’schen „Gestanden-Habens vor dem Mysterium von Golgatha“.
Ich finde es berechtigt, hier „Wissenschaftlichkeit“ einzufordern.

Und zweitens: Anonym hat, finde ich, ganz recht:
"Anthroposophie hat den Vorteil gegenüber anderen Facetten der Wahrheit, dass sie durch Nachdenken evaluierbar ist."
Rudolf Steiner selber sprach dementsprechend ausdrücklich von „Geisteswissenschaft“ oder auch „Geheimwissenschaft“ und grenzte die Anthroposophie damit doch sehr deutlich ab von esoterischen Strömungen, die ganz ohne das Denken auskommen wollen. Das sollte man nicht einfach unter den Tisch fallen lassen, finde ich.

Herzlichen Gruß
Ingrid

Anonym hat gesagt…

Ja, und nun passt das, was ich gestern noch fand, nach meinem Würgegefühl:

>>Sie (die Info3-Freaks) erklären die philosophische Phase Rudolf Steiners zur eigentlichen Anthroposophie, um eine «trans-christliche Anthroposophie» zu installieren. Das ist als wissenschaftliche Unredlichkeit und verbale Falschmünzerei zu bezeichnen. Wenn Sie mit Felix Hau die voll entwickelte Anthroposophie als Anpassung an die Erwartungen theosophischer Zuhörer deklarieren wollen, dann widerspricht es insbesondere den anthroposophischen Forschungsergebnissen zum Mysterium von Golgatha, die Rudolf Steiner deutlich erkennbar mit dem allergrößten Ernst als zentrale Studieninhalte der Bewusstseinsseele zugänglich gemacht hat. Es bleibt Ihnen dann nur die Möglichkeit, die wesenhafte Anthroposophie als Rückfall auf die magische und mythologische Bewusstseinsstufe zu erklären – im Sinne des von Ihnen bejahten Ken Wilber. Verständlicherweise, denn bei mangelnder Wesensverdichtung und Wesenserkenntnis muss man anscheinend beim allgemeinen Geist-Bewusstsein der Leere stehen bleiben.<<

Ich lebe nun auch schon lange in Anthro-Kreisen und habe keine Dogmatiker gefunden, nur Menschen, die "auf dem Weg" (nach Golgahta) waren. Ich konnte meine Fragen immer stellen, wenn sie ernsthaft waren, und nicht mit unmittelbarer Antwort rechneten, sondern auch mit Antworten durch das Leben. Sicher gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede der Präsenz der Anthroposophie in verschiedensten Gemeinschaften, manchmal waren Gemeinschaften auch so zerrüttet, dass sie nicht leben konnte.

Jetzt aber tauchen selbsternannte Erleuchtete auf, die die Anthroposophie auf die Ebene Populärer Kommerze-Esoterik (die ja nicht immer von Übel sein muss) runterbrechen, alles einebnen wollen, und in der Folge mit verantwortlich werden dafür, dass viele, viele Menschen die Anthroposophie gar nicht mehr werden finden können.

Dieses Runterbrechen bringt meist eine Überhebung gegenüber dem Christus mit sich, und spätestes da betrifft es dann (bei mir jedenfalls) unmittelbar den Lebenssinn. Der Christus IST auferstanden im Ätherischen. Wieso nur haben die Info3-Populisten so eine Angst vor seinem Namen?

Auch wenn es einigen hier zuwider ist, über Wesenheiten nachzudenken: Die Wesenheiten die durch die Atomenergie geweckt wurden, sollte man heute schon im Auge, in Beobachtung behalten!

Uschi

Simone hat gesagt…

Wieso denn nur die der Atomenergie?

KlausMaria hat gesagt…

Es lebte Christus einst auf Erden,
Und dieses Lebens Folge war,
Dass ER in Seelenform umschwebt
Der Menschen Werden.
ER hat sich mit der Erde Geistesteil vereint.
*
Was einst die Sinne schauten
Zu Christ Erdenzeit
Es kann von Seelen mit Geistesaugen
Nun geschaut werden.

(aus den Mysteriendramen, Theodora spricht)

Sehr spannend diese Mysteriendramen, die zum Beispiel im ersten Drama, außer Vor- und Zwischenspiel, keine sinnlich-physischen Vorgänge darstellen, sondern den innerseelischen Entwicklungsweg des Johannes Thomasius.

Vielleicht stecken wir alle in einem Mysteriendrama und merken es nicht:

1. Schritt: Pforte der Einweihung
2. Schritt: Die Prüfung der Seele
3. Schritt: Hüter der Schwelle
4. Schritt: Der Seele Erwachen

Das 5. Drama wurde geplant, aber nicht geschrieben...

In welchen dieser Dramen befindet sich wohl jeder Einzelne von uns?

KlausMaria

Simone hat gesagt…

Interessante Frage.
Ob solche Zuordnung wohl gelänge?

Anonym hat gesagt…

..
schon seltsam, welche Resonanz die Einbringungen Gronbachs so hervorrufen: Meistens keine, nichts was direkt antwortet, sich ähnlich einbringt, sich zeigt, in Kommunikation geht.

Dafür umsomehr sich selbst beschäftigende, schlauklingende Worte angestrebter Wichtigkeit. Die saft- und kraftlose, ent-geisterte, blutleere Ödnis der Lebensangst. Alles Pseudo.

Ich spüre nichts wenn ich euch ("euch Anthroposophen") zuhöre, spüre nichts brennen in euch, spüre nichts, was mich ruft, was an mir rüttelt, mit mir schwingen will.

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, ob ihr nicht vielleicht komplett am Leben vorbei lebt, - an eurem eigenen und deswegen dann auch dem der anderen? Ob ihr soviel angestrengt Gedanken wälzt, um nicht spüren zu müssen, so viel redet, um nicht zuzuhören zu müssen, dem anderen und euch selbst?

Schade eigentlich...
Zeigt euch mal!
...


Und zum Thema:
Ja, ich kenne "den biographischen GAU", hab mein Golgatha-Erlebnis gerade hinter mir. Ich merke es an dem Lachen, der Leichtigkeit, Freude, die sich ausbreitet (endlich!), - "Frohlocken" eigentlich. Einer Weite im Herzen, die vorher so nich da war.

Hat lang gedauert mein Golgatha, viele viele Monate, kein Land in Sicht. Mit "auf den Wellen surfen" war da nichts mehr, bin geschwommen im Meer der Tränen, alles nur Ozean, ohne Tag und Nacht, ohne Morgen.

Bin ja eigentlich ne Kämpferin durch und durch, - taugte nicht mehr, alle Kraft richtete sich letztendlich gegen mich selbst. Musste einstimmen in den eigenen Untergang, mich verbrennen lassen ohne zu wissen, was bleiben wird. Asche werden.

Eine Gratwanderung zwischen allerlei Höllenwelten. Ein Kampf um Leben und Tod. Das einzige was mir klar war, schon zu Beginn der Höllenfahrt (noch mit einigermaßen klarem Kopf, - komisch...): Ich darf mein Herz nicht verlieren, meine Mitte, meine Rückgrat (ist, glaube ich, im Wesentlichen identisch). Mein roter Faden, mein Lebensquell.

Mein Herz, das durfte und darf nicht dabei draufgehen, das war klar. Darf bei allem Kummer niemals zumachen und verbittern, weil ich sonst verloren bin. Sondern muss sich weiten, groß genug werden, damit die wehe Wirklichkeit wieder hineinpasst, nicht mehr drückt und zerrt und schmerzt und quält und schreiende Wahnfiguren produziert.

Mein GAU,- letztendlich das Beste, was mir hat passieren können, das Beste, was mir je passiert ist. Ein riesiges, kostbares Geschenk, was ich nun (ich ahne es schon lange voraus)endlich in seiner ganzen Größe annehmen kann.
Danke!

Soweit,
Barbara

Anonym hat gesagt…

...und wenn Du glaubst, das wars, dann irrst Du Dich. Es kommt immer wieder. In diesem Leben, in den folgenden Leben... immer wieder und wieder...bis das Erdenziel erreicht ist.

Das kann Angst machen, heißt aber Leben: Menschenleben: Leiden - Tod - Auferstehung.

Wenn Du wüßtest wie viele Tode ich schon gestorben bin - im Leben und im Tod.Es hat mich demütig gemacht und liebend.

In Christo morimur!

'So lange Du den Schmerz erfühlest,
der mich meidet,
ist Christus unerkannt im Weltenwesen wirkend,
denn schwach nur bleibet der Geist,
wenn er nur im eigenen Leibe des Leidenfühlens mächtig ist.'

Anonym hat gesagt…

"...und wenn Du glaubst, das wars, dann irrst Du Dich."

Ach Gottchen, was fürn Quark.

"Es kommt immer wieder..."
...wenn Du es willst.

"In diesem Leben, in den folgenden Leben... "
Es gibt keine folgenden Leben. Esoterische Illusionen.

"immer wieder und wieder"
:-)))))

"...bis das Erdenziel erreicht ist."
So und JETZT bin ich mal gespannt. WAS IST DENN NACH DEINER ANSICHT DAS ERDENZIEL, BITTE?

Was für ein Arschloch-Gott hat sich denn diesen Leidensmist ausgedacht?

Das ist so absurd und weisste was Dir helfen würde?

- Buddha
- Osho

Und wenn es am Anfang zumindest Gronbach wäre, dann wäre schon viiieeeel gewonnen.

Kohlrabbi

Möhrchen hat gesagt…

Oh Gott Kohlrabbi,

bleib bei Deinen Möhrchen

Anonym hat gesagt…

..ich glaube es ist eher andersherum: Der Leidensmist hat sich den Arschlochgott ausgedacht! ;-)

Ja, es kommt wieder, wenn man das will. Hat eine enorme Anziehungskraft, das Leiden.

Kann anheimelnd sein, ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit bieten, die Illusion von Gerechtigkeit. Man versucht "das Leiden anzunehmen" und entwickelt Meisterschaft, - das ist doch schon mal was und gibt die Bestätigung, die man vielleicht gerade brauchen kann ;-). Das reicht aber nicht und ist verdammt verführerisch:

Was mich letztendlich gerettet hat, nach langem auf der Stelle Treten kurz vor dem Ziel, alle "Erkenntnisse" bereits in der Hand und doch immer wieder zurückgeschmettert in das Gefängnis unter der Brust: Ich habe dem Leiden entsagt. Wichtiger: Ich habe mich für Glück entschieden. Ein kleiner Schritt und doch so fern, das war ganz einfach, und doch so unendlich schwer...

Barbara

P.S.: Und nein, ich glaube nicht, zukünftig ohne Schmerz durchs Leben zu gehen. Und sehe mich auch vor weiteren Golgathas nicht gefeit. Gehe ihnen aber gefestigter, stärker, mit weiterem Herzen entgegen. Habe mein "Ziel" stärker im Blick, weil ich es stärker (bereits) in mir spüre...

Anonym hat gesagt…

Ja, Barbara-Sebastine,

du hast dem Leid entsagt - meinetwegen. Du hast Christus schon längst überwunden. Bist so cool wie Steiner.

Aber warum bist Du dann selbst überhaupt noch bei den Anthroposophen?

Es tut mir echt sehr leid, dass Du bei uns Anthroposophen kein Feuer wahrnehmen kannst, was aber durchaus auch an Dir selbst liegen kann. Ich jedenfalls brenne für die Wahrheit.

Kann es sein dass Du die Anthroposophie auf fremden Altären verbrennst, und daran Dein leidloses Ego nährst? Ein leidloses Ego ist auch ein Mitleidloses Ego. Das ekelt mich an Dir.

Deine Uschi

manroe hat gesagt…

Liebe Ingrid,

so wie Du es darstellst, damit bin ich völlig einverstanden. Und ich habe absolut nichts gegen das Denken, ganz im Gegenteil. Aber ist es in Deinen Augen falsch, wenn ich sage, dass selbst das Denken eines Inhaltes bedarf, um überhaupt in Aktion treten zu können?

Ich habe die Reihenfolge moniert. Denn ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie eine Entwicklung mit Wissenschaft beginnen soll, selbst mit dem Denken nicht. Meine Frage war: WO kommen die Inhalte denn her, die man vermittels des Denkens und der daran anschliessenden Gewissenhaftigkeit (ehemals Wissenschaft;))) bearbeitet?

Ich erlebe es so, dass wir uns entwickeln wollenden Menschen jetzt in eine Zeit eintreten, eingetreten sind, in der wir ziemlich elementar Erlebnissen begegnen, in uns. Und wir kommen in eine pervertierte Welt hinein, wenn man diesen Menschen IMMER noch mit der falschen Reihenfolge (s.o.) entgegentritt.

Ich weiss nicht, was verwerflicher ist, gegenüber dem werdenden Menschen, diese gedankenfreie Esoterik mit ihrem "Lebensüberschuss" oder diese permanente Einforderung von sogenannter Wissenschaftlichkeit. Ich denke, wir müssen hier den wirklich Mitte bildenden Weg finden zwischen Erfahrung und Verarbeitung. Wir stehen vor einer "neuen Zubereitungsform" unserer geistigen Nahrung, so könnte man das formulieren. Denken und Wissenschaft hat etwas zu Betrachtendes vor sich - wie können wir dies besser ins innere Auge holen, um es dann mit unserem Denken zu verdauen??

Und das werfe ich eigentlich diesen Dornach-Patriarchen vor, es wird mir absolut zu wenig diesbezüglich - s.o. - gehandelt, und das spüren die neueren Menschen, diese Form eines "denkerischen" Zwangskorsetts. Da MUSS sich was verwandeln !!!

herzlichen Gruss
Manfred

Ingrid hat gesagt…

Lieber Manfred,

ich freue mich wirklich sehr über Dein „völlig einverstanden“. Danke.

Mir ist es wichtig, nochmal klarzumachen: ich kenne die von Dir so genannten „Dornach-Patriarchen“ überhaupt nicht, keiner von ihnen hat mich jemals in ein „Denk-Korsett“ gezwungen. Kann schon sein, daß sich da vieles verwandeln muß – ich weiß es nicht.
Aber wenn man in erster Linie „gegen“ etwas antritt, dann fehlt einem halt oft der positive Inhalt, und es bleibt schließlich nur eine Leere…

Zu der von Dir immer wieder eingeforderten „richtigen Reihenfolge“:
Du hast recht, zuerst ist die Beobachtung. Damit habe ich aber noch nichts erkannt (was ich „sehe“, das sind in diesem Stadium etwa zusammenhanglose Farbflecken): dazu muß ich mir erst einen Begriff davon machen. Dieser Begriff kann nicht "automatisch" aus der Beobachtung gewonnen werden. Wir fügen ihn zur Beobachtung hinzu. Und das geschieht aktiv durch das Denken.
Wenn ich das nicht tu, dann kann ich entweder überhaupt nicht zu einem Begriff kommen, oder ich muß einen schon vorhandenen Begriff übernehmen; das tun wir auch dauernd, mit den Begriffen, die wir uns im Laufe unserer erster Lebensjahre von Dingen wie „Baum“, „Tisch“ oder „Haus“ gemacht haben: wir verlassen uns aufgrund unserer eigenen bisherigen Erfahrung darauf, daß wir bereits „wissen“, was das für Dinge sind; und das funktioniert ja auch gut im alltäglichen Leben.

Das Denken "bearbeitet" also nicht nur das Beobachtete, sondern indem es Begriffe ganz neu bildet, macht es dieses Beobachtete erst zu einem Ganzen, stellt es in einen gegliederten Zusammenhang mit unserer übrigen Begriffswelt...

Wenn wir allerdings passiv Begriffe übernehmen, die ein anderer sich gemacht hat, dann verlassen wir unsere eigene „Erfahrungs-Erkenntnissicherheit“, unsere eigene "Ge-wissenhaftigkeit" (danke, das ist eine sehr schöne Verbindung zur "Wissenschaft" :-)). Das halte ich persönlich für wirklich gefährlich.

Sebastian Gronbach hat eine eigenwillige (und meiner Meinung nach sehr reduzierte) Auffassung vom Wesen der Anthroposophie. Das stört mich solange nicht, als es klar als seine persönliche Auffassung erkennbar bleibt.
So, wie er hier schreibt, bekommt es aber den Anschein, (wie ja auch Herbert S. in seinem Kommentar gesagt hat), seine Ansicht sei MEHR als eine MEINUNG. Nach allem, was ich bisher gelesen habe, geschieht das noch dazu (das begreife ich, ehrlich gesagt, am allerwenigsten) offenbar mit Billigung, wenn nicht gar mit Authorisierung durch die AAG. (Oder nicht???)

Ich bin längst nicht mit dem Gesamtwerk Rudolf Steiners vertraut. Aber daß das Wesen Anthroposophia nicht nur viel „größer“ ist als die kleinen Stückerl, auf die Herr Gronbach es reduzieren will, sondern wohl auch in einigem wirklich etwas anderes --- das ist mir auch nach der Lektüre weniger Bände (u.a. der „Philosophie der Freiheit) klar.

Und so spüre ich in mir so etwas wie einen „Auftrag“, dafür zu kämpfen, daß das Wesen Anthroposophia auch künfigen Generationen, wenn sie es wollen, erkennbar bleibt.

Insofern teile ich Uschis Sorge (wenn ich mich ihrem Ekel auch ausdrücklich nicht anschließen möchte):
„Jetzt aber tauchen selbsternannte Erleuchtete auf, die die Anthroposophie auf die Ebene Populärer Kommerze-Esoterik (die ja nicht immer von Übel sein muss) runterbrechen, alles einebnen wollen, und in der Folge mit verantwortlich werden dafür, dass viele, viele Menschen die Anthroposophie gar nicht mehr werden finden können.“

Und so werde ich wohl auch weiterhin von Zeit zu Zeit hier auftauchen und „mahnende Worte“ sprechen, möglicherweise in den Wind, und jedenfalls auf die Gefahr hin, mit allen „Schaum vor dem Mund“-Kritikern ;-) in einen Topf geworfen zu werden… obwohl mir das „Mahnen“ eigentlich persönlich gar nicht liegt und ich mich auch sonst nicht unbedingt als „konservativ“ bezeichnen würde…

Herzlichen Gruß

Ingrid

manroe hat gesagt…

Liebe Ingrid,

Deine ersten Zeilen -- "Philosophie der Freiheit", -- habe ich gelesen, und meine auch sie "verstanden" zu haben.

Also mir geht es so, Denken erst an zweiter Stelle, wenns wirklich DENKEN sein soll und aufpassen wie und wann man Begriffe benutzt, um es hier mal stark verkürzt darzustellen, halt wie oben von Dir beschrieben.

Ebenso wie man hier kritisiert, auch den Sebastian vor allem, kann man auch kritisieren umgekehrt diejenigen, die zu allererst mit ihrer "Wissenschaft" kommen und mit dem vermeintlichen "Denken" - in dem Sinne wie ich es oben angedeutet habe. Es gibt ja diese zwei Lager, wenn ich das mal salopp ausdrücke und hier prallen sie dann aufeinander - und um den Puffer gehts, denn irgendwie recht haben sie beide.

Diese "denkerische" Verwaltung und Ansammlung von Wissen etc., dann diese bevormundenden Erfahrungsbremsen vermittels geisteswissenschaftlicher Inhalte, vorgetragen von denen, die sich keine Erlebnisse zu haben zutrauen. Diese Furchthaltung, die retten und bewahren will, so geht es mir zumindest, bringen mich nicht weiter, sie erwürgen mich.

Mir ist schon klar, dass man auch "Porzellan" zerschlagen kann ohne es zu bemerken, wenn man "einfach drauflos...", allerdings ist mir auch klar, dass man gar nicht erst an Porzellan herankommt, um es vielleicht zerschlagen zu können, wenn man zu sehr verbleibt in diesem Rettungs- und Schutzgebaren. Das meinte ich im letzten Post mit dem Finden der erforderlichen Mitte, der vielzitierten, eben auch hier wieder, der zitierten. Man muss sich auch mal trauen ... -- und deshalb würde ich es sehr begrüssen, Dich hier öfters mahnen zu lesen, finde ich wirklich sehr gut!! "Den Schaum vor dem Mund" würde ich Dir nicht zuschreiben wollen, die klingen anders. :))

Also von meiner Seite aus herzlich willkommen !!
----------------------

"offenbar mit Billigung, wenn nicht gar mit Authorisierung durch die AAG. (Oder nicht???)"

Meines Wissens auf keinen Fall, er ist der AAG eher ein Dorn im Auge. Aber das sollte man ihn lieber selbst fragen.


herzlichen Gruss
Manfred

Cornelius hat gesagt…

Das Bild ist eine moderne Interpretation des berühmten (Grünewald) Isenheimer- Altars!!??

Wenn dem so ist, dann kann ich dem interpretierenden Maler nur mein tiefstes Mitleid ausdrücken und seinem/n Interpreten ebenfalls.

Ich habe dem Leiden entsagt hat gesagt…

Lustig gehts im Tale zu:

Sehr interessant mal zu vergleichen:

Wie unterscheidet sich der Generalablass des Papstes von der Erleuchtung der Info3-Trans-Christen?

Wer weiß die Antwort?...

Anonym hat gesagt…

@ Uschi:
Soso, du ekelst dich vor mir. Kein Mitleid, wo ich es doch vermutlich brauchen könnte....? ;-)

Nee, mal im Ernst: Ekel ist eine große Kraft, hat mächtige Energie. Kann dich zu dir hinführen ... oder auch von dir weg. Je nachdem ob als Mittel zum Zweck, als Wegweiser verstanden, oder als berauschende Egodroge, zum reinen Selbstzweck gebraucht.

Ähnlich der Umgang mit Gurus, Weisen, Heiligen: Bete das Heilige (nur) in ihnen an, im Anderen, im Anderswo (auch: sorge dich um sie, ihren Ruf, ihr Richtigverstandenwerden z.B. incl. all der zwangläufig daraus entstehenden Rechthaberei) und mache dich damit selbst klein und un-schein-bar, ... oder erkenne das Heilige auch in dir selbst, mittendrin, verbünde dich im stärkenden Wir (auf gleicher Ebene) und nimm die Hilfestellung, die Inspiration von Außen, damit dein Heiliges heraus kommen und strahlen kann.

(Das ist eine Gratwanderung, wie fast alles im Leben, da hast du Recht. Gut, sich immer wieder zu überprüfen, notwendige Korrekturen vorzunehmen. Danke also für deinen Hinweis.)

Mich interessiert "die Anthroposophie" nicht. Ebenso wenig wie andere -ismen und -tümer. Ich schätze sehr dagegen den Reichtum und die Bereicherung durch andere Menschen, die entflammt sich, sich freischütteln, herauskämpfen .. wie auch immer. Die sich darin zeigen, unverschämt, sich einbringen mit allem, was sie gerade zu geben haben, - es ist das Beste.

Ich komme "hierher", weil mich die Texte und Gedanken S. Gronbachs immer wieder inspirieren. Weil sie mich er-innern, im Innern berühren, auch provozieren manchmal, hervorrufen, mich zu (m)einer Haltung bringen.. Ich lese die Kommentare, weil ich ähnliches dort erwarte, mir Vertiefungen über das aufgerissene Thema erhoffe, Reichtum, Vielfalt... und werde zumeist enttäuscht.

Stattdessen (von der "Anhängerschaft") vielzuoft leere Floskeln, belangloses Geplänkel, seelenlos heruntergebetete Steinerzitate, blutleeres Theoretisieren, - wenig Berührung spürbar.

Oder eben diese gehässigen, veächtlichen, arroganten immergleichen Reiz-Reaktions-Automatismen der fest eingespurten Gegnerschaft. Kein wirkliches Verstehenwollen, kein Durchdringenlassen. Wie langweilig, - was soll das?

Meine Frage also nun an dich: Wenn dich das nicht anspricht, was SG hier mit-teilt, mit uns teilt, wenn du dich nicht inspirieren lassen kannst (oder willst), wenn du "dagegen" bist, und das bereits sehr sicher weißt... warum bist du dann hier? Hast du die Antwort vielleicht - projizierend - bereits oben selber gegeben..?

Grüße von mir,
Barbara

Piusbrüder hat gesagt…

@Ich habe dem Leiden entsagt

Auch sehr interessant Parallelen zu sehen?

Anonym hat gesagt…

Barbara: Jeder hat seine Mission. Ist doch klar, oder? Auch Rudolf Steiner hatte seine Mission. Sein Name taucht hier täglich auf, doch seine Mission wird mit Pop und Müll verschleiert. Frage Dich, was Dich hier inspiriert. Du willst Mitleid? Du willst Bereicherung durch andere Menschen? Das ist genau das Gegenteil der Seelenhaltung, die Anthroposophie fordert. Warum wird sie hier immer wieder zitiert?

Ich komme hier her, weil ich Dir Licht in diese Finsternis bingen will.

Doch es kann sein, dass ich Dich noch tiefer in den Abgrund stürze, und es besser wäre zu schweigen.

Uschi

Anonym hat gesagt…

Eieiei, der Gronbach ist ein armer, armer Piusbruder so arg missverstanden und bekäpft, habt ihn doch alle mal ganz lieb, zündet ihm eine Kerze an und betet für seine Seele, sonst kann sie nicht recht leuchten.

Anonym hat gesagt…

Uschi, darf ich dir was sagen, ganz vorsichtig, - mein Eindruck...?

Ich glaub, du "musst" noch lernen, mit dem Herzen zu(zu)hören..

Nichts für ungut ;-),
Barbara

Anonym hat gesagt…

Ja, ich weiß, du meinst, du wärst weiter fortgeschritten in der Evolution. Du irrst dich.

Anonym hat gesagt…

Man pickt sich aus den diversen spirituellen Sinnstiftungs-, Problemlösungs- und Heilungsangeboten dasjenige heraus, das für einen selbst passend erscheint.

Für "Selbsthypnose" gilt im Übrigen genau das gleiche wie fürs Autogene Training und für den so beliebten Placebo-Effekt: spiritueller geht's nicht.