Samstag, 31. Oktober 2009

Das Mars-Mysterium

In der Weisheitstradition der Anthroposophie wird immer wieder auf die Resonanz zwischen dem Menschen und den Planeten hingewiesen. Vielen Menschen ist bekannt, dass Rudolf Steiner versucht das, das traditionelle Christentum so zu interpretieren und zu durchleuchten, dass es in einem größeren, einem Trans-christlichen Kontext, zu verstehen ist. Dabei wird immer wieder das christliche "Mysterim von Golgatha" erwähnt. Weniger bekannt ist, dass Steiner neben dieses christliche Mysterium auch ein buddhistisches Mysterium stellte. Er nannte es, das "Mysterium des Mars".

Ich lade Dich ein - über alle traditionellen und betonierten Vorstellungen hinaus - einmal dieses Bild Steiners zu meditieren.

In dieser Geschichte beschreibt Rudolf Steiner symbolhaft, wie Gautama Buddha nach seinem Tod zum Mars übergeht.

Dort erfähr Buddha - wie Christus - "eine Art Kreuzigung für den Buddha".

Der Planet des Mars verkörpert den Krieg, die Aggression und den Kampf. Buddha steht für den Frieden und die Transzendenz. Das große JA-Prinzip.

Als Buddha "sich hineinversetzen ließ in diese kriegerische Umgebung", da ging etwas von seinem friedlichen JA-Prinzip über in das kriegerische NEIN-Prinzip der Immanenz.

Seit dieser Zeit strömt vom Mars nicht nur die Energie des Krieges und des Kampfes, sondern sie strömt so, dass in jedem Kampf, in jedem Krieg auch ein Liebes,- ein Friedens und ein JA-Impuls mit überströmt und den Krieg in den Frieden führt.
Friede
Der Frieden, der höher ist als alle Vernunft!

Andersherum, können Menschen, die sich heute mit dem Buddha verbinden, ebenfalls einen kämpferischen Einsatz zeigen.

Dadurch - so Steiner - wurde vermieden, dass Menschen "in zwei Klassen" aufgeteilt würden.

Es hätte eine Unterteilung in JENSEITS gerichtete Menschen gegeben und solche, die nur im DIESSEITS leben wollten. Die erstere Klasse hätte nur gekämpft, nur Krieg geführt und wäre an Erd-Sucht gestorben. Die zweite Klasse hätte nur meditiert und nur gebetet und wäre an Erd-Flucht gestorben. (Ken Wilber nennt diese beiden Impulse die "Aufsteiger" und die "Absteiger".)

Durch das Mysterium vom Mars ist es nun möglich, dass der Mensch aus dem Frieden und der Liebe heraus kämpfen kann. Er kann sich voll und ganz und rastlos für eine neue Kultur engagieren - und dennoch in jedem Moment in der Stille des ewigen Friedens ruhen.

"Wenn der Mensch heute meditiert, so ist es gerade das Wesentliche, dass der Mensch nicht herausgerissen wird aus der Tätigkeit, die sein Karma auf der Erde von ihm verlangt." (Rudolf Steiner)

ÖKOMED ist Meditation in diesem Sinne. So meditiert der Krieger des Lichts.
FRIEDEN
Rudolf Steiner, Aus: Esoterische Betrachtungen, GA 130, 1911

Freitag, 30. Oktober 2009

Staubige Küsse

"Im Ewigen lernt leben, wer sein Verhältnis zur Zeit zu lösen vermag." (Rudolf Steiner)

"Hier ist der Schlüssel: Beende den Irrglauben an die Zeit. Zeit und Verstand sind untrennbar. Entferne die Zeit vom Verstand und er hält an - bis Du Dich entscheidest, ihn zu benutzen." (Eckhart Tolle).

Ich bin aus Staub und Du bist aus Staub. Wir küssen uns. Je fester wir uns küssen umso schneller zerfallen wir zu einer Wolke aus Staub. Wir können uns nicht halten - nur loslassen, umtanzen und uns im warmen Licht der Sonne lieben. Unser Tanz führt an kein Ziel - das Ziel ist der Tanz. Jenseits aller Zeiten.
LIEBE
Und das Geheimnis ist, wie alles, einfach: Alles was uns angetan wird, ist eine weitere Chance zu lieben. Alles was wir zu geben haben ist Liebe. Es ist die Liebe, Dummkopf. Die Liebe.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Das Auge Gottes

Oft fragen mich Menschen, ob ich Anthroposoph sei – ich antworte mit Freude „Ja“. Wenn ich im Ausland bin, fragen mich Menschen, ob ich Deutscher sei und ich antworte mit Freude „Ja“. Immer wieder sprechen mich Menschen an und fragen, ob ich "dieser Sebastian Gronbach" sei und ich antworte mit Freude „Ja“. So sehr meine Antworten wahr und stimmig sind, so sehr sind sie auch nicht wahr – oder anders gesagt: Sie sind ein Teil des Spiels.

Die meiste Zeit unseres Lebens identifizieren wir uns mit irgendetwas.
gott
Wir identifizieren uns – je nach Bewusstsein-, und Entwicklungsgrad – mit unserem Fußballverein, unserem Land, einer Religion, unserem Sternzeichen, unserem Geschlecht, einer spirituellen Bewegung oder Weltanschauung.

Sich mit etwas zu identifizieren bedeutet Sätze zu sagen, die so anfangen:
„Ich bin...“.
„Ich bin Deutscher.“ „Ich bin eine Frau.“ „Ich bin ein Mann“ „Ich bin Anthroposoph.“ „Ich bin Fan vom 1. FC Köln.“ „Ich bin Schüler.“ „Ich bin Lehrer.“

Identifikation ist ein lateinisches Wort und es bedeutet wörtlich übersetzt „gleichsetzen“.

Je höher unser Bewusstsein-, und Entwicklungsgrad ist, desto seltsamer erscheinen uns diese völligen Identifikation mit Dingen wie einer Weltanschauung, einer Partei, einer Religion oder spirituellen Tradition.

Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass diese Gleichsetzung nicht mehr zu ihnen und zu ihrer Zeit passt.

Gut so.


Aber von einer Identifikation können sich die allerwenigsten Menschen lösen. Es ist die Identifikation mit ihrer Person.

Selbst wenn sie aufgehört haben sich mit ihrem Land, einer Partei oder einer Weltanschauung zu identifizieren, selbst dann identifizieren sie sich mit ihrer Person, ihrer Biografie, und mit ihrem Namen.

Sie sagen am Ende immer noch „Ich bin Claudia“. „Ich bin Peter“.
Den meisten Menschen ist es eine nie in Frage gestellte Selbstverständlichkeit, solche Sätze zu sagen.

In allen Weisheitstraditionen – zu denen auch die Anthroposophie gehört – gibt es einen Punkt, in der spirituellen Entwicklung, wo es darum geht, diese Identifikation aufzubrechen und sich von der gedanklichen und emotionalen Gleichsetzung mit seiner Person zu befreien.

Menschen, die zutiefst erfahren haben, was damit gemeint ist, die sagen solche Sätze wie „Ich bin Deutscher“, „Ich bin Anthroposoph“ und „Ich bin Sebastian“ immer mit einem inneren Lächeln.

Es kann eine große Befreiung sein, an dieser Stelle des Lebens zu stehen und sich von seiner engen Persönlichkeit befreit zu haben.

Es ist eine Befreiung von der Identifikation mit unserem Körper, mit unsere Gedanken und Gefühle. Das tut gut. Richtig gut.

Doch die große Freiheit wartet erst jenseits dieser Stelle.

Die große Freiheit ist die Freiheit vom trennenden „Ich“ frei zu sein.

Auch weit entwickelte Menschen retten sich in den Gedanken ein einzigartiges Individuum mit einer einzigartigen Identität zu sein. Etwas daran ist wahr und heilig und ein Grund zur Freude.

Doch etwas daran ist leider verkehrt und der Grund für alles Leiden.

Was bedeutet das Wort „Individuum“?
Es bedeutet „unteilbar“.

Was bedeutet das Wort „Identität“?
Es bedeutet „der selbe“.

Stelle Dir vor, es gäbe eine Möglichkeit, die Welt so zu sehen, wie Gott sie sieht. Wenn ich „Gott“ sage, dann meine ich damit nicht den alten Mann mit dem Bart, sondern eine nicht konditionierte Sichtweise, eine nicht-duale Perspektive, eine Perspektive, die nicht als „Zwei“ schaut, sondern EINE Perspektive des EINEN Auge Gottes.

Eine Nicht-Perspektive. Eine „unteilbare“ Perspektive.

Eine göttliche Perspektive wäre eine, in der Gott das Selbe ist, was er wahrnimmt.

Wenn wir diese Perspektiv einnehmen (die wir in Wirklichkeit nicht einnehmen können, weil es niemanden gibt, der etwas einnehmen kann und es nichts gibt was eingenommen werden kann) – dann machen wir Gott nackt.

Denn „Gott hat sich einige Gewänder zugelegt, um sich als Mensche verkleidet in seinem eigenen Garten die Zeit zu vertreiben.
Gott
Er möchte in der Trennung, sprich als Wesen, die Erfahrung machen, zu spielen und zu experimentieren.
Gott
Doch sobald er sich ein Gewand anzieht, vergisst er meist seine Göttlichkeit und wird zu einem identifizierten Menschen. All die Empfindungen des Körper-Geist-Systems, werden auf einmal sehr wichtig und ernst, all die Gedanken, die wir denken, werden sehr schnell unüberwindbare Tatsachen.
Gott
Die Filter durch die wir schauen, sind plötzlich sehr real. Somit sind wir zu einer Person geworden. Wir haben den Kosmos auf eine Person limitiert.“ (Thomas Hübl).

Gott nackt zu machen bedeutet, sich dieses Einkleidens bewusst zu werden und alle Gewänder loszulassen und abzulegen.

Es bedeutet, ganz bewusst in einen Zustand zu gehen in dem man das „Unteilbare“ und „der Selbe“ ist.

Jetzt können wir uns von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Tier, von Mensch zu Baum, von Mensch zu Kosmos begegnen und immer lächelnd sagen:

„Grüß Gott – ich bin der Selbe - die Unteilbare“

Früher war es die vornehmste Aufgabe der Religion diesen Prozess nach vorne zu bringen. „Religion“ bedeutet, die verstreuten Teile „wieder auflesen, wieder aufsammeln“.

Gott
Neue Zeiten sind angebrochen.
Gott
"Alle freie Religiosität, die sich in der Zukunft innerhalb der Menschheit entwickeln wird, wird darauf beruhen, dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis, nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde. Dann wird die Begegnung jedes Menschen mit jedem Menschen von vornherein eine religiöse Handlung, ein Sakrament sein.“ (Rudolf Steiner)

Wir erkennen im wahren Du unser Gegenübers unser wahres Ich. Dasjenige was (sich selbst) erkennt, ist Gott.
Gott
So ist die Summe aller menschlichen ICHe - ja aller Wesen und Dinge - 1!

Unser getrenntes „Ich“ ist die Kreation des Schöpfers – das jedoch, was dieses getrennte „Ich“ wahrnimmt, ist der Schöpfer selber.

Unser getrenntes Ich ist, wie es Thomas Hübl sagen würde, eine „kosmische Adresse“. Das Auge Gottes selber hat keine Adresse. Oder anders gesagt: Gott wohnt überall und nirgendwo.

Rudolf Steiner nennt das die „Wiederverkörperung des Geistes“. Und in jedem Einzelmenschen verkörpert sich nach Steiner „seine Gattung“, also die Gattung des EINEN, UNTEILBAREN und SELBEN.
Gott
Dies bewusst zu erfahren ist eine Initiation. Eine Initiation ist die Erfahrung einer unmöglichen Erfahrung.
Gott
Wenn Du Dich nicht mit dieser unmöglichen Erfahrung zufrieden gibst, sondern diese göttliche Erfahrung der EINHEIT bewusst in Dein persönliches Ich und das ganze Leben integrierst und damit die ganze Kultur nach vorne bringst, dann erschaffst Du das in Dir, was Andrew Cohen das "authentische Selbst" nennt. Du wirst zum Evolutionär.

Im religiösen Kontext nennen Menschen den allgemeinen Gott, der bewusst im Einzelmenschen aufersteht, "den Christus." Hier beginnt die MISSION MENSCH.

Ein Leben aus dieser befreiten Perspektive zu führen bedeutet in der Welt zu sein, aber nicht von dieser Welt zu sein.

Es bedeutet völlig frei zu sein und im selben Moment die volle Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet sein endliches Leben zu leben und dabei in der Unendlichkeit zu ruhen.

Du kannst jetzt das Spiel des Lebens spielen und alles sein - denn Du bist nichts davon.

„Erkennst Du, zutiefst, zutiefst, zutiefst, dass derjenige, der diese Seite liest, auch derjenige ist, der sie geschrieben hat?

Du und Sebastian und diese Seite, alles erscheint im Zeugen dieser Seite, nicht wahr? Das Selbst ist nicht schwer zu finden, sondern es ist unmöglich, ihm zu entkommen. Lass also all diesen Unfug von Finden und Verlieren los, und siehe einfach das EINE, in dem alle Welten jetzt erscheinen.

Gehe hinaus, und schaue Dir die wunderschöne Welt an, welche in deiner gefühlten Bewusstheit erscheint, welche in Deinem eigenen Wesen erscheint. Und dann, na ja, geh ein Bier trinken, oder etwas in der Art ...“ (Ken Wilber)

Wenn Du diese befreiende Perspektive einnehmen willst, um mit Freude unsere Kultur nach vorne zu bringen, dann kann Meditation ein Weg sein: Ich lade Dich herzlich ein zu der kostenlosen und ubverbindlichen Veranstaltung "Meditation für ALLE".

Im Rahmen des von sieben Kinder- u- Jugendtheatern und der Ruhr 2010 gemeinsam vorgetragenen Zukunftsgestaltungsprojekts pottfiction, welches von der Stiftung Mercator getragen wird.

Am 30. Oktober 2009 in GELSENKIRCHEN um 16.00 Uhr, Consol Theater. Bismarckstraße 240, 45889 Gelsenkirchen (Weitere Seminare & Events sind in dieser Reihe geplant).

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Der spirituelle Meister Proper

„Hallo!“
„Hallo – na du, was gibt’s“
„Ich wollte nur mal zu Dir hochkommen und auf Deinem Sofa was sticken.“
„So?“
„Ja, weil’s bei Dir gemütlich ist.“
„Na dann.“
Jetzt sitzt die junge Dame aus der vierten Klasse hier oben in meinem Dachzimmer. Und sie stickt. Weil’s so gemütlich ist.


Vor zwei Tagen war ich in Stuttgart wo ich mich mit ein paar herausragenden spirituellen Lehrern traf. Nach drei Stunden des gemeinsamen Gesprächs, des Zuhörens, des Lernens, der Pläne und der Stille, war klar, warum diese fünf Menschen mehr geben konnten, als dies sonst oft möglich ist: Weil sie den Raum nicht mit persönlicher Not und Gier verstopften.

Erste Pflicht eines spirituellen Lehrers ist es, eine aufgeräumtes Gemüt zu haben. Jeden Tag reinigt er sein Seelenzimmer. Täglich säubert er sich von persönlichen Begierden – um einen klaren Freiraum zu schaffen in dem sich Neues ereignen kann – frei von altem Dreck.

Und rein zu sein ist unser aller Gebot Nr.1.

Wenn wir das Beste geben wollen, wenn wir das Beste für die Evolution einer erwachten Kultur geben wollen, dann wird dieser Prozess damit beginnen müssen, dass wir das Schlechteste von uns aufgeräumt haben.

Es ist mir klar, dass dies das Ende einer Kuschel-Esoterik bedeutet. Es bedeutet, dass man die Floskel vom mit-sich-im-Reinen-sein absolut ernst nimmt.

Wenn wir wirklich etwas für die Evolution einer neuen Kultur beitragen wollen, dann müssen wir wirklich vor unserer inneren Tür kehren. Wir müssen aufhören negatives Karma zu produzieren. Wir müssen das Jammern beenden und die Verantwortung für unser Leben übernehmen.

Wir müssen – und ich sage dieses Worte zum wiederholten male und ganz bewusst – wir MÜSSEN zuerst unseren seelischen Umkreis reinigen.

Niemand verlangt, dass wir sofort unser Zentrum und die verborgensten Winkel aufräumen – beginne mit Deinem äusseren Resonanzkörper: Mit Deiner Sprache. Mit dem was Du anderen zumutest. Mit Deinem Tratsch. Mit Deiner Ordnung. Mit Deiner Höflichkeit – beginne mit dem, was man „Tugend“ nennt. Werde tugendhaft.

"Die goldene Regel der wahren Geheimwissenschaften ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten." Rudolf Steiner

Das räumt Deinen äusseren Resonanzraum auf. Es schafft Platz für das Neue, was sich nun in Deinem Umfeld entfalten kann.
Mache die Landebahn für den GEIST frei.

Schaffe keinen kalten und sterilen Raum – schaffe um Dich herum einen warmen, angenehmen und einladenden Raum. Nennen wir ihn gemütlich im besten Sinne des Wortes. Eine reine Gemütlichkeit.

Trage Sorge, dass Du eine Einladung bist – selbst wenn Deine Einladung hin und wieder die Form einer Provokation annimmt.

Wenn jemand Deine Einladung annimmt und zu Dir kommt, dann verstelle ihm nicht den Weg mit Deinen unsortierten Sorgen.

Mit anderen Worten: Wenn Du Deinen Besten Beitrag für die Evolution der Kultur leisten willst, dann starte damit ein sorgenfreier Mensch zu werden.

Aber nicht nur für Dich – sondern als Einladung für andere Menschen.

Werde Du selber der Ort, wo sich die neue Kultur ausdehnen kann. Ohne Hindernis und in alle Richtungen. Ein Freiraum für das Neue.

Anthroposophen nenen es Seelenhygiene.
Das ist ein gutes Wort. Seelenhygiene ist das innere Aufräumen, ausmisten, frisch machen, klären und durchatmen.

Fange mit Deinem eigenen Innenraum an. Damit wird auch der Raum Deiner Tradition klarer und frischer.

Räume überkommenen Vorstellungen zur Seite, wische den Staub von Deinen göttlichen Fähigkeiten, entsorge den Seelenmüll, entroste die Waffen Deines Geistes, putze die Fenster für neue Perspektiven, stelle frische Blumen der Liebe in die Leere Deiner aufgeräumten Innerlichkeit.

Kläre Dich auf.
steiner
Denn "wenn Du erwachen willst, musst Du bereit sein, die negative Freiheit zu opfern. Negative Freiheit ist die Freiheit, verwirrt zu sein, dei Freiheit unklar zu sein, die Freiheit, einfach das zu tun, wozu Du gerade Lust hast." Andrew Cohen

Seelenhygiene ist Dein erster Dienst an der neuen Kultur.

Gestalte Deinen Seelenraum in frohen, frischen Farben. Öffne Dich. Heisse das gute Neue willkommen. Sei ein Segen.


Werde ein spiritueller Meister Proper.

„Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele
sich bildet die ganze Gemeinschaft;
und in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft.“
Rudolf Steiner

Dienstag, 27. Oktober 2009

Kapital = GEIST

Als Redakteur der Zeitschrift "info3 - Anthroposophie im Dialog", bin ich stolz auf meine Kollegen und auf das neue Produkt aus unserem Haus. "Kapital = Geist" heisst das Werk und ich empfehle es mit großer Freude. Denn anthroposophisch orientierte Unternehmen machen seit Jahrzehnten vor, wie ein Wirtschaften aussehen kann, das sich nach Nachhaltigkeit und Verantwortung orientiert. Ihr „Geheimnis“: Ihr wichtigstes Kapital ist ihr Geist.

Sie folgen der tiefen inneren Überzeugung, dass der Markt auf den Menschen angewiesen ist – als schöpferischem Gestalter von Produkten und Beziehungen, die ihre Nachhaltigkeit nicht nur aus dem schonenden Umgang mit Ressourcen beziehen, sondern auch aus ihrer Ausrichtung an einem höheren Sinn wie dem Einklang von Mensch und Natur, sozialer Verbindlichkeit und einer Wertigkeit, die über den reinen Konsumnutzen hinausweist.

In anthroposophischen Unternehmen ist der Mensch nicht Mittel zum Zweck – sei es als Mitarbeiter oder Kunde –, sondern das Ziel selbst. Die Währung Glaubwürdigkeit zahlt sich dabei für die Firmen auch finanziell aus, gehören sie doch zu den Gewinnern der gegenwärtigen Krise.

So konnte die Bio-Supermarktkette Alnatura seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 24 Prozent erhöhen, während die Bio-Branche insgesamt nur um zehn Prozent wuchs. Die GLS Bank verkündete im Juni 2009 gar ein Wachstum der Bilanzsumme um 35 Prozent.

Die in „Kapital=Geist“ portraitierten zwölf Unternehmen, darunter nationale und internationale Größen wie die Drogeriekette dm, die Bio-Supermarkt-Kette Alnatura, der Arzneimittelhersteller Wala – dessen Naturkosmetikmarke Dr. Hauschka längst Hollywood erobert hat, der Anbieter von Naturbekleidung hessnatur oder die GLS Bank, zeigen, wie sich der anthroposophische Geist im Business manifestiert – unaufdringlich, aber in seinen Werten kompromisslos, materiell erfolgreich, aber nicht vom Kommerz getrieben.

Ihre Produkte, aber auch ihre Führungsmodelle und Eigentumsverhältnisse weisen einen Innovationsgrad auf, der viele Fragen beantwortet, die erst durch die Krise ins öffentliche Bewusstsein gedrungen sind.

Ein Buch für alle Unternehmer und an nachhaltigem Konsum Interessierten, die mehr wissen wollen über Unternehmensstrukturen, die nicht vom Kapitalmarkt abhängig sind, über nachhaltige Produktionsprozesse jenseits des Green Washings und über Mitarbeiterführung, die ohne Motivationsstrategien auskommt, weil menschliche Entfaltung ein Unternehmensziel ist.

"Kapital=Geist. Pioniere der Nachhaltigkeit. Anthroposophie in Unternehmen" Hrsg. von Jens Heisterkamp, 176 Seiten, € 24,-, info3 Verlag, Frankfurt, ISBN 978-3-924391-42-3

Montag, 26. Oktober 2009

Heiliger Frevel

Wenn diese Melodie ertönte, dann war ich kuschelig-glücklich im Bett. Mein klappriges Radio hatte ich von einem Flohmarkt auf der Waldorfschule und ich schaltete jeden Mittwoch Abend um. Von Mal Sondocks Hitparade auf WDR2 zu Vom Telefon zum Mikrofon auf SWF1. Das Radio-Programm spielte die Wunschsendung und Millionen von Hörern waren dabei. Ich war einer der Millionen und ich lauschte als zehn, elf und zwölfjähriges Kind der Musik – und den Geschichten der Hörer, die sich die Musiktitel wünschten.

Ich war fasziniert von den Hörern am Telefon. Ich wollte wissen, warum sich dieser oder jener Hörer, dieses oder jenes Lied gewünscht hatte.

Und selbst der einfachste Song berührte mich zutiefst, wenn zuvor jemand „seine“ Geschichte dieser Melodie erzählt hatte. Jonny Hills „Ruf Teddybär Eins Vier“ war so ein Song.

Wenn Ihr den Song hört, werdet Ihr vielleicht über mich lachen, aber am Ende musste ich oft weinen – mir war durchaus klar, dass man das als „kitschig“ bezeichnen würde.
Mir war klar, dass so ein Lied mit Absicht auf die Tränendrüse drückte, aber ich schluchzte trotzdem. Mir war klar, dass diese Art der Musik nichts mit der Musik zu tun hatte, die man bis heute als „e-Musik“ („e“ wie „ernste“) bezeichnet.

Aber etwas berührte mich. Mich berührte das Einfache. Das Einfach der Musik. Die einfachen Geschichten hinter der Musik.

Damals wie heute, lasse ich mir nicht ausreden, dass uns diese einfachen Dinge (ebenso wie die komplizierten Dinge) von dem selben Geheimnis erzählen.

Ja, ich mag komplizierte Dinge und spannendes ist mir lieber als das die Langweilige – aber das Geheimnis hinter allen Dinge ist das Selbe.

Ich durfte in meinem Leben diese Gnade erfahren: Das Wesentliche ist kolossale Einfachheit. Das größte Geheimnis entfaltet sich in einfachster Klarheit – und letztlich ist all mein Schreiben und Reden immer nur ein Bericht über diese einfache Geheimnis. Wer es je erfahren durfte, dem kann man das einfache Lächeln nicht mehr abgewöhnen.

Thomas Hübl findet dafür diese schönen Worte: „Ein Lachen im Wind, Stille.“

Auf der Rückseite meines Buches habe ich nur einen Satz geschrieben: „Weil das Leben einfach kompliziert ist“.
Wenn Du es einmal laut mit der deutlichen Betonung auf „einfach“ liest – dann führt Dich dieser Satz in die richtige Richtung.
LOVE
Ich durfte in den vergangenen Tagen wieder viele Erfahrungen machen, die diesen Geschmack in mir immer wieder explodieren ließen.

Eine Buchmesse – und alles was präsent ist, ist ein Lächeln am Ende, als der Schlussgong der Messe ertönte.

Vater sein – und jenseits aller Erziehung dieser eine Moment, wo mein Sohn und ich uns bei einem albernen Film an den Händen halten.

Im Fitnessstudio – im Schweiss und unter schweren Gewichten das Gefühl, dass alles so unendlich leicht ist.

Nach dem Kino – meditieren mit den Simpsons. Es war ein Scherz von wenigen Sekunden – aber in einer dieser Sekunden war das ewige JETZT einfach da.

Ich mag dieses lächerliche Bild mit den Simpson. Dieses Bild ist wie der Teddy-Song von Jonny Hill: Unverschämt einfach. Ein heiliger Frevel. Darf man zwischen den Simpson eine Sekunde Gottes Anwesenheit spüren? Darf man im Angesicht von brachialer Flachheit den Segen des einen GEISTES empfangen? Darf mich ein amerikanischer ComicDepp dazu inspirieren das anspruchslose Glück zu fühlen, welches in jedem Augenblick hinter allen Dingen sein stilles Leuchten feiert?

Ich weiss schon – es gibt angemessene und weniger angemessene Formen, in denen der eine GEIST erscheint. Grundlegende und bedeutsame. Aber vergessen wir bei allen komplizierten Wahrheiten der relativen Welt diese eine Wahrheit des Absoluten nicht: Jede Form der Materie ist eins mit dem formlosen einen GEIST.

„Alle Formen sind ohne Ausnahme eins mit der Leerheit. Warum sollte man um solche Formen einen Bogen machen oder auf sie herabsehen? Sind sie nicht auch dies Manifestationen der höchsten Wonne des GEISTES, der in den sprudelnden Wassern seiner Überfülle planscht? Sind nicht auch die Kräuselungen im Wasserfall des EINEN Geschmacks, Aromen des Göttlichen, die da und dort tanzen?“ (Ken Wilber)

Zwischen Homer, Marge, Maggie, Lisa und Bart Simpson sitze ich – aber „diese Wirklichkeit meines Ich tritt nie ein in mein Erdendasein. Ich bin nur ein Bild davon.“ (Rudolf Steiner). Und in diesem Sinne bin ich, Sebastian, auch nur ein Bild – eine kurzer Tanz in der Zeit...Und wenn jede Bewegung aus der ewigen JETZT geführt wird, dann lacht selbst der alte Homer Simpson im Wind.

Ob Menschenbild oder Karikatur. Ob Ernst oder Spaß. Ob Hochkultur oder Popart – hinter allen Formen feiert die Schöpfung ihre Vielfalt.

Ja, natürlich: Ich bin für Hochkultur und für die hohe Kunst. Aber was mich immer wieder wie ein Faustschlag trifft, dass ist die einfache Stille hinter den Dingen – unberührt von allem Wollen und Wirken. Unberührt von Kitsch und Kommerz aber auch von Kunst und Kultur.

Jenseits der Formen erhebt sich Leerheit in ihrer stillen Erhabenheit und einfachen Würde des Nirvana: Keine Simpsons. Kein Sebastian. Kein Steiner. Kein Wilber. Kein kompliziertes Leben. Nichts was Worte hat. Kein Lachen im Wind. Nicht einmal Stille. Denn Stille ist ein Wort.

Aus dieser Leerheit heraus ist alles immer wieder einfach – es verliert sich zwischenzeitlich in einem komplexen Tanz, dem man sein ganzes Engagement schenken darf – doch es mündet am Ende wieder in Einfachheit. Dieses Ende ist in jedem Augenblick gegenwärtig.

Einfach. So.

Auf eine unbewusste Art und Weise haben alle Menschen dieses Wissen von den Einfachheit hinter aller Kompliziertheit. Als ich ein Kind war und das Wunschkonzert im Radio hörte, war es dieses unbewusste Wissen, was mich anrührte.

Im Gedenken an dieses Wunschkonzert, kam mir gestern eine Idee.

Wie wäre es, wenn ich in Zukunft immer mal wieder Wunschartikel schreiben würde? Ihr schenkt mir ganz ausdrücklich eine Frage, ein Thema und Euer ganz besonderes Anliegen. Und ich gebe dafür meine Antwort, meinen Beitrag und meine Perspektive.

Und das ganze bekommt dadurch eine charmante und unvergessliche Note, dass Ihr beschreibt, was Euch zu dieser Frage, zu diesem Thema geführt hat.

Gemeinsam erschaffen wir eine neue Forme, eine neue Karte, eine neue Erkenntnis...Doch bei allen Themen, Fragen und Antworten erinneren wir uns immer daran:
Das unendliche Einfach begrüßt uns hinter allen Formen. Als sei nie etwas passiert.

"Ein Lachen im Wind, Stille."

Schickt bitte Eure Themen und Fragen an: Sekretariat.Gronbach@gmx.net - oder schreibt sie in das Kommentarfeld.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Im Weltenall. Im Seelengrund

Das hier verlinkte Video ist ein Auschnitt einer Aufführung. Diese Aufführung ist eine Reise durch Bewusstsein und Kultur und sie ist eine besondere Form von Dialog. Es ist eine Reise, die Spiral Dynamics (Don Beck), Bewusstseinsstufen und Eurythmie (Rudolf Steiner) miteinander verbindet und in-ein-ander setzt. Dieser Clip gibt einen Auschnitt der 45 minütigen Performance der Spirituellen Herbstakademie wieder, bei der die Reise, nachdem sie einzelne Kulturstufen der Menschheitsgeschichte reflektiert hat, in der Jetztzeit des Bewusstseins landet: im Gewissen!

Performance-Clip on Youtube: Von Cristi Heisterkamp (Tanz) und Sebastian Gronbach (Sprache).
DANCING
Anthroposophie meets Spiral Dynamik.
GEIST
Texte aus dem off - gesprochen und geschrieben: S. Gronbach
Gemeinsamer von C. Heisterkamp & S. Gronbach gesprochener Text: Rudolf Steiner
ChorText aus dem off zur Eurythmie: Andrew Cohen
SchlussText gesprochen von S. Gronbach: Ken Wilber

Montag, 19. Oktober 2009

Stille im Regen

Die spirituellen ÖKOMED-Aktivisten im Freundeskreis um Aglaja Blankenhorn haben wieder eine ganz besondere öffentliche Meditation verantwortet. Stefan Stark war als Watchman dabei. Ein Watchman kann bei einer ÖKOMED eingesetzt werden um die äussere Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten, die Aktion zu dokumentieren und um uns (wie in diesem Fall) einen kurzen Eindruck zu schildern:

"Soeben hat unsere Ökomedaktivistin Aglaja Blankenhorn eine Extrem Ökomed in Freiburg veranstaltet. 7°C, Regen und Graupelschauer wurde durch Stille getrotzt und somit für noch mehr Aufsehen gesorgt.

Freie junge Freiburger haben ein weiteres mal gezeigt wie Stille einen Ort verwandelt und Innerlichkeit nicht nur Innen stattfinden kann, sondern da hin gehört wo sie fehlt.
MEDITATION
20min in der Kälte und im Nassen - im Bewusstsein, dass in Wirklichkeit nichts nass oder kalt werden kann, sondern es etwas gibt, was dies als Phänomene einfach nur wahrnimmt."

Oder angelehnt an die magischen Matrix Worte: "There is no rain".

Danke Aglaja, danke Freiburg, danke Stefan.

Danke, dass Stille sprechen durfte. Mitten im Regen.
EDITATION

Wer Lust hat einmal zu erfahren, wie man den radikalste Weg der Selbsterkenntnis geht und was Meditation im tiefsten Sinn bedeutet, den lade ich kostenfrei und ohne weitere Verpflichtungen ein:

Meditation für Alle!
Die Veranstaltung findet im Rahmen des von sieben Kinder- u- Jugendtheatern und der Ruhr 2010 gemeinsam vorgetragenen Zukunftsgestaltungsprojekts pottfiction statt und wird von der Stiftung Mercator getragen.

Am 30. Oktober 2009 in GELSENKIRCHEN um 16.00 Uhr, Consol Theater. Bismarckstraße 240, 45889 Gelsenkirchen (Weitere Seminare & Events sind in dieser Reihe geplant).

Samstag, 17. Oktober 2009

Der Flug der Kraniche


Zuerst hörte ich nur dieses Rufen. Dann sah ich sie. Die Kraniche. Unterwegs von Norden nach Süden. Als ich sie sah, waren sie bereits 2000 Kilometer geflogen. Jetzt war es für mich so, wie es seit meiner Kinderzeit ist: Wenn die Kraniche mich rufend überfliegen, dann muss ich weinen. Es ist ein Weinen, dass auch ein Lachen sein könnte.

In diesen Momente bricht mir das Leben mein Herz. Doch wenn ich das vollkommen zulasse und mich heroisch dem Schmerz hingebe, dann geschieht ein Wunder. Warum schreibe ich „heroisch“ dem Schmerz hingeben?

Wer sich heroisch dem Schmerz hingibt – woher der Schmerz auch kommen mag – der verschließt sich nicht in dem Schmerz, sondern er öffnet sich diesem Schmerz. Wer sich heroisch dem Schmerz hingibt, der empfindet kein Ego-Schmerz, sondern Welt-Schmerz.
Wer sich heroisch dem Schmerzen hingibt, der lässt es zu, dass sein Herz zerbricht und im selben Augenblick weiss er sich EINS mit allen zerbrochenen Herzen – er fühlt sich nicht allein. Er fühlt sich ALL-EIN.

Er fühlt sich zutiefst verbunden mit dem Leben selber, welches uns immer wieder die Chance gibt, dass wir sterben dürfen. Zerbrechen dürfen. Zerbrechen, um aufzubrechen.

Er fühlt, dass dieses Weinen auch ein Lachen sein könnte. Er fühlt kein persönliches Drama. Und das macht unseren Schmerz größer und nicht kleiner. Und dann können wir selber die Gnade in Person sein und damit beginnen, Trost und Heilung auszustrahlen.

Wie ein Freund mir schreibt: „Das Leben bricht mir mehr und mehr das Herz, auf eine so liebevolle und rücksichtsvolle Weise, das ich mich frage: wo kommt diese Gnade her?“
Ich höre diese Gnade in dem Rufen der Kraniche. Es ist das Leben selber was mich ruft. Immer wenn ich zulasse, dass mir das Herz bricht, erscheint darunter einfach dieses LEBEN selber. In einer Schönheit, die alle Begriffe von Schönheit überstrahlt.

Dieser Flug der Kraniche. Dieses Rufen da oben, welcher die Tränen in mir hier unten löst. Dieses alles ist nicht getrennt – und der Schmerz wird Schönheit, wenn ich die einfach Wahrheit erlebe: Die Kraniche fliegen durch mein Herz und mein Herz schlägt in jedem Kranich.

Im tiefsten Sinne sind wir immer das eine Leben und ungetrennt. Das Leben ist unser Zusammenhang. Wenn ich das so leben kann, so lösen sich alle Rätsel in Schönheit auf.

Als Rudolf Steiner starb schrieb er einen letzten Satz. Man solle seinen Tod nicht als Rätsel auffassen. „Die Dinge haben einen Zusammenhang, den man ehren muss, auch wenn man ihn noch nicht versteht.“
Weinen kann eine Ehre sein. Lachen kann eine Ehre sein. Achte die vollkommene Schönheit. Sie bricht uns das Herz und öffnet uns dem wahren LEBEN.

Am Sonntag bin ich auf der Buchmesse. Rudolf Steiner Verlag & info3 Verlag: Stand D126 in Halle 3.1. Ich freue mich auf Euch.

Freitag, 16. Oktober 2009

GEIST goes YouTube

Der faszinierende Künstler Axel Malik, schreibt: "Sehen wir am Horizont die Konturen einer neuen Kultur? In dieser Zeit tiefer Krisen zeigt sich vielerorts ein zunehmendes Engagement für Bewusstseinswandel.

Doch wie werden die neuen Denkformen aussehen? Was muss aus der Tradition, der Moderne und Postmoderne integriert oder transformiert werden? Was müssen wir schlicht hinter uns lassen? Und vor allem, wie können wir die Beliebigkeit und die moralische Indifferenz unseres Zeitalters überwinden, ohne ihre Errungenschaften - die Vielfalt und Toleranz verlieren?

Auf der 4.Herbstakademie Frankfurt 2009 stellen sich Dr. Tom Steininger und Sebastian Gronbach diesem Thema." Das Abschlussgespräch gibt es jetzt als Video on
YouTube. Teil 1, 2, 3, 4, 5, 6.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Wenn der ganze Mann erwacht...

„Diese Veranstaltung ist mittlerweile zur Tradition geworden und ein Meilenstein bei der Bildung eines Männerbewusstseins.“ Das sagt der Schirmherr dieser Veranstaltung, der Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff. Die Rede ist vom „Kongress MännerLeben“ in Hannover und ich freue mich sehr, in diesem Jahr dabei zu sein.

Eingeladen bin ich für den Bereich „Spiritualität“. In diesem Gebiet wird ebenfalls Dr. Patrick Broome seine Dienste anbietet - ich empfinde das als Ehre und Herausforderung. Dr. Broome (Bild) ist Yogalehrer der Deutschen Fußballnationalmannschaft, der TSG 1899 Hoffenheim und des FC Bayern München.


Während Dr. Broome den Fokus auf die energetische Struktur unseres äusseren Körpers richtet, werde ich die Seele und die spirituelle Kraft maskuliner Innerlichkeit ansprechen.

Uns wird die Frage bewegen, wie der postmoderne Mann zu seinem spirituellen Kern finden kann. Wie erweckt der Mann von heute seine wahre Innerlichkeit – jenseits von Klischees? Wie kann der ganze Mann erwachen – ohne dabei in alte Muster zu fallen?


Was sind die Essentiales einer zeitgemäßen maskulinen Geistigkeit und wie können wir sie im Alltag leben – zum Wohle aller Wesen und zu unserem eigenen Glück? Was ist die Mission maskuliner Spiritualität? Wie ist es, wenn der ganze Mann erwacht? Was ist Deine Mission? Wie lebst Du Deine Mission, Mann?

Diese heissen Themen, will ich gerne mit Euch Männern – und selbstverständlich auch Frauen – anpacken.

Neben der freien Auswahl an allen Bildungsangeboten, Besuch des Kabaretts, der Ausstellung usw. gibt es ein Goody-Bags für Alle. (Gesamt-Warenwert über 80 Euro). Die Geschenktasche enthält: Einen Original Sennheiser In-Ohr-Kopfhörer, drei exklusive Weleda-Produkte, sowie je eine Ausgabe Brand eins, Cicero und La cucina italiana.

Samstag, 21. Nov. 2009, 9-18 Uhr,
Sparkassen-Forum, Hannover Zur Internetseite von MännerLeben. Hier das ganze Programm und alle Infos als pdf

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Ein Ohr wie eine Menschheit

Wenn ich beantworten sollte, was das eindringlichste Erlebnis dieser 4. Herbstakademie war, dann ist die Antwort natürlich schwer. Zu viele herausragende Gedanken, zu viele bewegende Momente, zu viele ergreifende Worte. Doch größer als alle Redner, waren für mich alle Hörer.

Nach einem der letzen Programmpunkte – einem intuitiven Dialog zwischen Dr. Tom Steininger und mir – gab es viele dankbare Rückmeldungen. Ich freue mich natürlich sehr über dieses positive Feedback. Ich freue mich darüber, dass es uns wohl gelungen ist, die vielen inspirierenden Beiträge zu einem würdigen Schlusspunkt zu führen.

In diesem Sinne waren wir Zwerg auf den Schultern der Riesen, die vor uns gesprochen hatten.

Doch ich habe nicht nur das Gefühl, dass unser Beitrag auf dem geistigen Feld aufbaute, was andere Menschen zeitlich vor uns errichtet hatten, es gab für mich etwas anderes.

Etwas, was uns dazu drängte noch tiefer und weiter zu gehen als wir auf dieser Tagung bis dahin gegangen waren.

Als wir unseren Dialog begannen, hatte ich das durchdringende Empfinden, dass sich vor uns ein unermesslich großes Ohr öffnete. Ein einziges Ohr. "Ein Ohr wie eine Menschheit" - ein Wort meiner Lieblingsdichterein, der deutschen Jüdin Nelly Sachs.

Und bei jedem Wort, was ich sprach, entstand der Eindruck in meiner Seele, dass dieses Ohr letztlich exakt so bedeutsam für das ist was gesagt wird, wie der Mund der spricht – vielleicht entscheidender.

Wie weit darf ich bei einem Vortrag gehen? Wie tief können wir uns in das Ungeschaffene vorwagen? Welche Worte können dem standhalten, was sie eigentlich ausdrücken wollen?

Welche Worte spricht ein Autor, oder ein Redner? Sind es „seine“ Worte? Wenn ich öffentlich spreche, dann spreche ich – trotz eines vorgegebenen Themas – nicht das was ich mir vorher „ausdenke“. Ich spreche vielmehr – und das wurde mir am Wochenende sehr deutlich – ich spreche in eine gemeinsame Präsenz und aus einer gemeinsamen Präsenz heraus.

Diese Präsenz entscheidet über Worte und vor allem über die Tiefe, aus der diese Worte aufsteigen.

Die Intensität und die Würde der Aufmerksamkeit ist der Maßstab für das was gesagt werden kann und für das wie es gesagt werden kann. Bei der Herbstakademie war es eine intensive und würdevolle Aufmerksamkeit aus einem bestimmten geistigen Raum.

Es waren alle Teilnehmer zusammen und es war ihre Herkunft. Sie kamen aus dem Bewusstseinsfeld Rudolf Steiners, Ken Wilbers und Andrew Cohens – aber auch aus der Präsenz eines Thomas Hübel, Willigis Jäger oder manchem ungenannten spirituellen Lehrer.

Jeder von Euch wird das Phänomen kennen, dass die Hingabe eines Zuhörers darüber entscheidet, ob man etwas Wesentliches sagt, oder nur Smalltalk betreibt - stell Dir das nun einmal potenziert bei einem öffentlichen Sprechen vor.


Manche TeilnehmerInnen forderten mich in den letzten Tagen dazu auf, dass ich bei solchen Veranstaltungen noch eindeutiger und individueller meine eigenen Worte, Bilder und Botschaften vermitteln müsse – sozusagen „mehr original Gronbach“.

Ich bin dankbar für diesen Hinweis und fühle mich ermutigt – jedoch: Was ich bei einem Vortrag sagen kann, ist ganz wesentliche und entscheidend davon abhängig von dem, was gehört werden will und kann.

Was nicht gehört werden kann, muss unaussprechbar bleiben.


Im Grunde haben alle spirituellen Lehrer seit jeher immer nur das ausgesprochen, was die Seele der Zuhörer bereits in einem tieferen Sinne wusste.

Bevor der Mund sprechen kann, muss das Ohr eine Einladung werden. Wenn das ausgesprochenen Wort auf das Unausgesprochen in der Seele trifft, wird sich die Seele ihres verborgenen Wissens bewusst. Ein Redner kann nur ansprechen, was die Seele der Zuhörer schon weiss – es ist ein gemeinsames Erwecken des bereits in jedem Augenblick unbewussten Weltwissens.

Manchmal ist es beim öffentlichen Reden für mich so, dass es mir reicht, wenn ein einziger Mensch im Raum bereit und offen für einen bestimmten Aspekt ist. Wenn sein Herz sich zu einem Ohr öffnet, dann reicht dieser eine Mensch, damit ich sagen kann, was nur so für alle erlebbar wird.

Energetisch gesprochen, hören es die anderen Menschen nicht durch meinen Mund, sondern durch das Herz dieses einen aktiven Zuhörers. Es kann eine Mission sein, zum Ohr der Menschheit zu werden.

Aber manchmal reichen ein, oder wenige Menschen nicht aus, um etwas „weiterzuleiten“. Ich bemerke zwar dann das Bedürfnis und die Bereitschaft einiger Menschen, ein Ohr für eine Menschheit zu sein – aber ich kann auch genau sehen, dass dies eine restlose Überforderung wäre.

Wenn sich zu wenige als SprachOhr hingeben, kann ihnen das Herz gebrochen werden. Es ist meine Verantwortung, dann nur das zu sagen, was aushaltbar ist. Auch wenn es mehr zu sagen gäbe.

Du entscheidest über meine Worte. Es gibt eine Fähigkeit, die Du trainieren kannst, damit wir zusammen gemeinsam mehr erschaffen können – als Ohr und Mund des EINEN.

Öffne Dein Herz. Jedoch nicht nur als Ohr nach vorne. Öffne Dein Herz als Mund, der zu allen Menschen spricht. Öffne Dein Herz nach vorne und nach hinten. Lass es durchlässig und transparent werden. Nimm jedes Wort von mir – auch alle meinen unvollkommenen Worte und transformiere sie durch Dein Herz in Vollkommenheit. Atme meine Unvollkommenheit ein und atme unsere gemeinsame Vollkommenheit aus.

Dann kann ich sprechen, was Du in der Tiefe Deiner Seele längst weißt. DU und ICH transzendieren sich in diesem Vorgang zu einem höheren WIR.

Denn die Tiefe Deiner Seele, ist die Tiefe meiner Seele.

Desto mehr Menschen zu dieser Herzöffnung in alle Richtungen fähig sind, desto tiefer, höher und weiter wird der Raum, aus dem derjenige Sprechen kann, dem das Schicksal für diesen einen Tag die Sprache gegeben hat.

Wenn spirituelle Lehrer in früheren Traditionen und auch heute noch Freunde haben, die Vortrag für Vortrag mit ihnen reisen, dann vor allem aus dieser Wahrheit heraus: Um ein Ohr wie eine Menschheit zu bilden.

Die spirituelle Herbstakademie hat gezeigt, dass diese Tradition auch dadurch verwandelt werden kann, dass man das Geheimnis offen anspricht. Wir stehen erst am Beginn eines großen Wandels, wo uns immer bewusster werden wird, dass es keine Trennung zwischen denen gibt die sprechen und denen die hören.

Dennoch wird es für mich immer eine unermessliche Hilfe sein, die ich in tiefer Dankbarkeit annehme, möglichst viele offene, starke und verlässliche Herzen im Raum zu wissen. Herzen die wissen, dass nicht "ich" spreche und "Du" hörst.

Herzen, die wissen, dass wir EIN Mund, EIN OHR, ein Herz sind. EINE Menschheit – ein ICH BIN.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Heiliges Land. Heilige Stille.

Bevor der Krieger des Lichts einen Schritt nach vorne macht, um diese Welt zu einem besseren, schöneren und gerechteren Ort zu machen, macht er den einen Schritt ins Jenseits. Jenseits der Zeit. In das Jenseits allen Leids. Das Jenseits allen Strebens. Jenseits von Gut und Böse. In das Jenseits, welches bereits war, bevor Gott sich dazu entschlossen hat, sich als werdende Welt zu offenbaren. Bevor der Krieger des Lichts die Welt zu einem heiligen Ort transformiert, geht er in die Stille. Ein heiliger Ort. Eine heilige Stille. Das ist seine Meditation:

Der Krieger des Lichts folgt seinem Atem: Einatmen ist annehmen. Ausatmen ist loslassen.

Der Krieger des Lichts bemerkt Gedanken – aber er nimmt keine Beziehung zu ihnen auf. Er bemerkt Gefühle, aber nimmt keine Beziehung zu ihnen auf. Er nimmt alles in seinem So-Sein an. Auch das Unannehmbare. Er lässt alles in seinem So-Sein los. Auch das Loslassen.

Eine ganze Weile folgt der Krieger des Lichts diesem Atem.

Dann:

Der Lichtkrieger atmet nicht mehr. Der Atem selber ist es nun, der den Lichtkrieger erfasst hat. Er ist Atem. Er ist in Weltenweiten und weit ist sein eigenes Sein.

Er hört nicht mehr den Lärm in der Stille. Er hört die Stille, die um den Lärm herum ist. Diese Stille kommt nicht und geht nicht. Diese Stille ist ohne Anfang. Ohne Ende.

Der Krieger des Lichts erinnert sich daran, was er immer wusste:


„Diese tiefe, weite Stille, ist die Gegenwart meiner Seele. Dort bin ich Zuhause. Mein Zuhause ist immer in mir – wie konnte ich jemals Angst haben, mich zu verlieren? Ich war immer angekommen. Im Frieden meiner inneren Gegenwart. Ich kann mich nicht finden, weil ich mich nie verloren habe.“

Der Lichtkrieger ist nun die Ruhe selbst, die er immer wahr. Denn Ruhe ist sein Wesen – darum konnte er sie nicht finden. Denn sowenig Wasser nass werden kann, sowenig kann er ruhig und still werden. Einfach darum, weil Ruhe und Stille bereits sein wahres Wesen ist.

Er bekennt sich nun zu seinem wahren Wesen. Und sein wahres Wesen ist EINS mit jedem wahren Wesen im ganzen Kosmos. Mit dem Kosmos selbst.
Jetzt kümmern ihn auch keine Gedanken mehr, die fragen, ob es übersinnliche Wesen gibt oder nicht. Denn er weiss: Was es auch immer gab, gibt oder geben wird: Es ist Ich.

Nun atmet er Galaxien ein. Er saugt förmlich den Kosmos in seine Lungen. Jetzt beginnt sein Herz mit dem ganzen, liebenden Universum zu pochen. Es ist ein neuer Rhythmus. Es ist die Ruhe, die zu einer Kraft wird.

Er fühlt die Ruhe in sich. Die Kraft die ihn stärkt. Wärme durchdringt ihn. Er fühlt, wie Ruhe sich durch ihn ergießt. Es ist die Ruhe als Kraft. Die Stille als Macht.

Er öffnet die Augen und spricht: „Nicht ich, sondern Stille in mir“. Und dann steht er auf. Und dann macht einen Schritt nach vorne...

ICH BIN in Weltenweiten -
und weit ist mein eigene Sein –

Ich atme mit jedem Atemzug Galaxien ein –
schlafe die ganze Nacht als die Sterne.
Mein Auge ist der Himmelsraum -
Und der Nerven-Ende,
das sind die Sterne.

Die Sterne in meinem Weltenauge
und meine Pupille ist der Mond.
Sonne und Mond und herrliche Novä
rasen und rauschen durch meine Adern.
Ich sehe das Firmament.
Und ein Punkt -
ist das Firmament.


Ich erkenne eine tiefe Befreiung:
Ich bin von der ganzen Welt frei –
weil ich die ganze Welt bin.
Das Firmament ist meine Seele -
Meine Ich-tragende Seele – mein Herz.
Mein Herz pocht im Rhythmus
mit dem ganzen liebenden Universum.

ICH BIN in Weltenweiten -
und weit ist mein eigenes Sein.
ICH BIN von der ganzen Welt frei –
weil ich die ganze Welt bin.

(Frei komponiert nach Rudolf Steiner & Ken Wilber)

Bild: Stefan Stark vor Jerusalem meditierend mit ÖKOMED-Postkarte. Stark ist mit einem Pädagogik-Kunstprojekt der AlanusHochschule in Israel/Palästina unterwegs.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Go beyond - Gehe darüber hinaus!


Zum Geburtstag habe ich die CD mit dem Titel „Beyond – Buddhist and Christian Prayers“ geschenkt bekommen. Die Tiefe dieser Musik hat mich genau so berührt, wie mich die spirituellen Botschaften auf dieser CD inspiriert haben. Ich war sehr erstaunt, dass sie nicht nur von der berühmten Tina Turner gesprochen werden, sondern dass Tina Turner selber ihre Liebe und Texte in dieses Projekt gegeben hat.

Tina Turner, die ich als wilde und stets überdrehte Rockröhre im Gedächtnis hatte, ließ sich dazu von Deepak Chopra und Rumi inspirieren. Ich musste einsehen, dass mein Bild von Tina Turner unvollkommen war.

„Wir wollen unsere alte Art des Denkens loslassen und eine neue Art des Sehens finden“, sagt die Amerikanerin auf der CD, die sie mit zwei Sängerinnen aufgenommen hat. Und weiter: „Dazu brauchen wir eine regelmäßige Schulung, ein echtes Training. Lasst uns gegenseitig Lehrer und Schüler sein – welch ein großartiger Moment.“
Ich weiss, dass sehr viele Menschen – auch im Umkreis der Anthroposophie – in diesem Sinne leben. Überall gibt es Menschen, die nicht länger daran glauben können, dass eine einzige spirituelle Gemeinschaft, ein einziger Lehrer und eine einzige geistige Perspektive, in der Lage ist, den enormen Herausforderungen gerecht zu werden.

Immer mehr Menschen sehen, dass sie über alte Erkenntnisse und Grenzen hinaus gehen müssen. Ihr Credo: „Go beyond - Gehe darüber hinaus!“
Aus einer ganz anderen Ecke kommt ein Ansatz, der ebenfalls in diese Richtung ermutigt. Der Neurobiologe Frank Appel, mittlerweile Postchef, sagte dies in einem Interview. „Der Naturwissenschaftler lebt damit, dass 95 Prozent seiner Experimente schief gehen. Sie können als Wissenschaftler nicht arbeiten, wenn sie bei jedem Fehlversuch abbrechen.“

Wenn Anthroposophie sich den Namen „Geisteswissenschaft“ verdienen will, dann muss sie zum einen damit leben, dass nicht jedes ihrer Experimente gelungen und nicht jede Aussage und Erkenntnis richtig oder von Dauer ist. Nicht gestern und nicht morgen.

Zum anderen gibt es keinen Grund dieser „Geisteswissenschaft“ den Rücken zu kehren, nur weil manches misslungen ist oder ergänzt werden muss – es ist geradezu ein Indiz für Wissenschaftlichkeit, dass etwas schief läuft. Appel spricht von 95 Prozent! Mir gibt das zu denken.

Worauf es für mich wirklich ankommt ist das, was bereits so viele Menschen als ihr Credo gefunden haben: „Go beyond - Gehe darüber hinaus!“

Mit Hochachtung vor allem was geworden ist und mit der Gewissheit, dass wir das Gemeinsame wahrnehmen können, ohne die Unterschiede zu verwischen, dass wir dabei nichts verlieren, sondern uns gegenseitig beschenken.

Mit dieser Gesinnung freue ich mich auf die kommenden Tage der Herbstakademie in Frankfurt.
love
Zeit zu lehren. Zeit zu lernen. „Wir brauchen eine regelmäßige Schulung, ein echtes Training. Lasst uns gegenseitig Lehrer und Schüler sein – welch ein großartiger Moment.“

Dienstag, 6. Oktober 2009

Die alles übersteigende Vollkommenheit

Erwachen hat zwei Gesichter darum hat auch die Angst vor dem Erwachen zwei Gesichter. Beide Ängste leben gleichzeitig im Menschen. Dennoch sind diese Frontlinien der Angst an verschiedenen Orten unserer Seele lokalisiert. Wer sich entschieden hat, diese Fronten der Angst zu erstürmen, der braucht einen Enthusiasmus, der das Normale übersteigt. Denn sobald man sich der einen Front zuwendet, hat man die andere Front im Rücken. Das ist das gefährliche an dem Spiel, welches wir hier spielen.

Die eine Front verbarrikadiert sich hinter den Mauern des SEINS. Die andere Front sucht allein im WERDEN ihr heil. Die meisten Menschen verstecken sich hinter einer der beiden Frontlinien.

Nur wenige geben sich der verwirrenden und exstatischen Wahrheit hin, dass nur beides zusammen vollkommen ist. Diese alles übersteigende Vollkommenheit auszuhalten ist eine Sache für sehr wenige Menschen.

Diese wenigen Menschen erleben, dass ALLES anstrengungslos perfekt, heilig und friedlich ist – längst bevor sie auch nur diese makellose Perfektion registriert haben und im selben Augenblick durchzuckt uns das zersetzende Gefühl, dass ALLES im heillosen Chaos, im immerwährenden Kampf und im Leiden versinkt – selbst wenn wir unsere besten Kräfte einsetzen.

Wir erleben die zum Weinen schöne Welt, die wir selber sind – und in diese Schönheit die wir selber sind, stirbt ein Kind am Durchfall. Nicht irgendwo. Sondern in unserer eigenen duftend Herzblume – und das übermenschliche Drama besteht darin, dass die Blume einfach weiterduftet. Im Kot des toten Kindes.

Wir fragen uns dann, wie muss ein Mensch aussehen und beschaffen sein, der diese alles übersteigende Vollkommenheit aushalten kann? Und nur wenige Menschen sind bereit die einzige Antwort zu ertragen, die es auf diese Frage gibt: So wie DU!

Nur sehr wenige Menschen haben die Stärke zwischen diesen Fronten zu leben. In stiller, regloser und lächelnder Meditation des Seins. Und im selben Augenblick im heroischen Kampf eines wild entschlossenen Evolutionärs.


Alles annehmen und alles lächelnd loslassen, die Schönheit feiern und im selben Moment sich niemals zufrieden geben mit dem wie es ist und die Welt immer weiter heilen, befreien und verbessern. Das ist das Credo von wenigen Menschen. Es berührt das Gelübde des Bodhisattva.

So ein Mensch erlebt sich als ungetrennt und EINS mit ALLEM was ist, war und sein wird. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Individuum. „Individuum“ ist lateinisch und bedeutet „ein nicht zu Teilendes“. Jeder Mensch ist das EINE Individuum. Das EINE, welches als die Vielen erscheint.

Es sind nur sehr wenige Menschen. Und es ist Krieg. Mitten im Frieden. Und die übermenschliche, ja übergöttliche Herausforderung besteht darin, die alles übersteigende Vollkommenheit wirklich auszuhalten, zu leben und zu repräsentieren: Das tote Kind im Kot und die anstregungslose Schönheit einer Lotusblüte.

So es meine Zeit zulässt, werde ich Beschimpfungen in diesem Blobeitrag löschen. Sie können gerne einen der anderen Artikel benutzen um ihren Schmutz auf mich zu kippen. Ich bitte doch aber darum, dass dies nicht in diesem Beitrag geschieht. Angesichts des Themas, sollte das jedem mitfühlenden Menschen eine Selbstverständlichkeit sein.

Montag, 5. Oktober 2009

Was sich spiegelt bist nicht Du


Jede Persönlichkeit ist einzigartig. Jeder Mensch ist anders. Es sind die Unterschiede die uns menschlich machen – aber mir geht es jetzt nicht um diese Unterschiede. Mir geht es hier um das unterschiedslose EINE. Ich spreche über die eine Potenz, die durch alle Unterschiede hinausgeht – in die Freiheit hinein. Erst aus dieser erwachten Freiheit heraus, in der es keine Unterschiede gibt, kann das freie Individuum geboren werden. Das ist ein Liebesakt.

Wie lautet der ständige Refrain des Egos, des gefangenen Individuums? Er lautet so: „Bin ich irgendwie etwas ganz Spezielles? Ich will etwas über mich erfahren – über das, was ich wirklich bin“. Dazu unternimmt das Ego alle Anstrengungen.
SPIEGEL
Man erkennt den Unterschied zwischen einem „Gefangenen Individuum“ und einem „Freien Individuum“ ganz einfach.
SPIEGEL

Das „Freie Individuum“ schaut in den Spiegel und sieht NICHTS. Es ist ein befreiter Zustand des Nicht-Wissens. Ein Zustand in dem wir nicht wissen wer wir sind.

Das „Freie Individuum“ hat ein mächtiges Geheimnis erfahren: „Genau der Teil von uns, der wissen will wer wir sind, wird die Antwort nie erfahren.“
Dieses Zitat stammt von Andrew Cohen. Es ist eine, wenn nicht die älteste Weisheit. Eine Weisheit, in deren Licht auch Rudolf Steiner lehrte.

„Genau der Teil von uns, der wissen will, wird die Antwort nie erfahren.“
Was bedeutet dieser rätselhafte Satz?

Solange wir noch etwas „wissen wollen“, solange wir noch etwas „begreifen wollen“, solange wir noch „sehen und verstehen“ wollen, solange sind wir noch im Modus der getrennten Persönlichkeit.

Dort machen wir einen Unterschied zwischen dem Subjekt, welches etwas „begreifen“ will und dem Objekt welches zu „begreifen“ ist. Doch in der erwachten Freiheit, gibt es diesen Unterschied nicht. Nur wer das Suchen beendet, findet sich wieder.

Solange wir im Modus der getrennten Persönlichkeit sind, solange sind wir „Gefangene Individuum“ im goldenen Käfig der Besonderheit. Die goldenen Stäbe sind aus einem einzigen Bedürfnis angefertigt. Dem Bedürfnis nach Einzigartigkeit.
Ein goldener Käfig steht so neben dem anderen goldenen Käfig und jeden Tag putzen wir die goldenen Stäbe der Einzigartigkeit. Wir putzen sie, um diese nie enden wollende Spannung, Negativität & Engstirnigkeit, die das Ego ständig erzeugt, abzubauen.

„Wenn wir jedoch in unser wahres Selbst hineinsterben und uns als das erkennen, was unpersönlich und absolut ist, stolpern wir über das Wunder der Erleuchtung. Wir stellen fest, dass das Selbst, das wir entdeckt haben, ein Mysterium ist, das nicht mit den Augen gesehen und nicht mit dem Verstand begriffen werden kann.“ leben


"Hineinsterben in das Mysterium“, nennt es Andrew Cohen. „Sterben in Christus – In Christo morimur“ nennt es Rudolf Steiner in seiner Anthroposophie.


Andere Worte für etwas jenseits von Worten.

Sterben ist ein Wort für „bedingungsloses Loslassen“. Lass los, was Du erkennen willst. Erst wenn Du NICHTS bist, kannst Du ALLES werden.

Wenn wir uns also tatsächlich selbst erkennen wollen, dann müssen wir alle Fragen nach unserer Individualität loslassen. Wir müssen uns selber los lassen. Wir müssen bereit sein, uns selbst gänzlich zu vergessen und in dieses, im wahrsten Sinne des Wortes „unbegreifliche Geheimnis“ hineinzusterben.

Damit beginnt das Gold der Stäbe zu fließen und wir selber werden fließendes Gold. Freiheit erscheint. Licht und Liebe macht alles neu.

Dein wahres Selbst ist eins mit dem wahren Selbst eines jeden Wesens. Dein wahres Selbst ist das wahre Selbst von allem was ist - im Weltenall. Im Seelengrund. Die Summe aller menschlicher Iche ist EINS.
Die Mission Mensch beginnt, wenn Du in der Gewissheit vor dem Spiegel stehst, dass das was sich spiegelt, nichts mit Deinem wahren Selbst zu tun hat.

Die wahre Mission Mensch beginnt erst jetzt. "Bisher hast du nur dich selbst erlöst, nun kannst du als ein Befreiter alle deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien." Rudolf Steiner


Let´s talk about it...

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Ein Lächeln

„Ist Freude und Leichtigkeit in dem, was ich tue?“ Diese Frage von Eckhart Tolle ist für mich eine Schlüsselfrage – nicht nur für meinen Alltag, sondern gerade auch für die Repräsentation der Anthroposophie in der Öffentlichkeit. Immer mehr mache ich die Erfahrung, dass es weniger das Programm, der Inhalt oder die Botschaft ist, welche Menschen „hören“, sondern sie „hören“ ob die Worte von einem glücklichen Menschen kommen.

Nur Worte, hinter denen wahrhaftige Freude, stille Leichtigkeit und echtes Glück klingen, finden heute noch Gehör.

Negativ formuliert: Wer verletzt ist, muss andere verletzen, um seine eigene Verletzung nicht länger zu spüren. Kennen Sie auch solche Menschen? Passiert es Ihnen selber? Und wäre es nicht ein großer Schritt, wenn wir einfach lernten glücklich zu werden, weil wir so am besten verlernen anderen weh zu tun?

So würden wir als Öffentlichkeitsarbeiter nicht nur unsere Botschaften mitteilen, sondern unsere innerste Freude mit anderen teilen.

Ich will mit diesen ganz einfachen und bündigen Gedanken dazu anregen, dass die Frage „Ist Freude und Leichtigkeit in dem, was ich tue?“ zu einer Schlüsselfrage unsere öffentlichen Tuns wird.

So wie man uns unser Verletzungen anmerkt, so spüren Menschen unsere innere Freude. Man muss nicht von einer „neuen Hellsichtigkeit“ sprechen, aber ich bin davon überzeugt, dass der Wahrheitssinn vieler Mitmenschen sich heute weniger auf die Worte selber richtet, als auf den stillen Raum, aus dem diese Worte kommen.

In diesem Sinne könnte man auch die mannigfaltigen Erscheinungsformen der Anthroposophie würdigen. Angst vor neuen Formen würde verschwinden. Trauer und Schmerz vor verschwundenen Formen würde sich ebenso auflösen und die Angst davor, dass die „anthroposophischen Wahrheiten“ bedroht seien, käme gar nicht auf.

„Formen werden geboren und sterben, doch Du bist Dir des Unsterblichen hinter den Formen bewusst. Du weißt, dass das Wahre nicht bedroht werden kann.“ (Tolle)

So eine Haltung ist Zufriedenheit. Und Zufriedenheit wird zu Gelassenheit. Und Gelassenheit zaubert ein Lächeln auf die Lippen. Und was mit einem echten Lächeln auf den Lippen ausgesprochen wird, das findet Gehör.

Ich denke, je tiefer die Wahrheit ist, zu der man vordringt, desto höher wird die Freude darüber, mit dieser Wahrheit in Verbindung zu sein. In diesem Sinne: Kann ein wahrer weiser Mensch anders, als unablässig glücklich sein?
GLÜCK