Samstag, 17. Oktober 2009

Der Flug der Kraniche


Zuerst hörte ich nur dieses Rufen. Dann sah ich sie. Die Kraniche. Unterwegs von Norden nach Süden. Als ich sie sah, waren sie bereits 2000 Kilometer geflogen. Jetzt war es für mich so, wie es seit meiner Kinderzeit ist: Wenn die Kraniche mich rufend überfliegen, dann muss ich weinen. Es ist ein Weinen, dass auch ein Lachen sein könnte.

In diesen Momente bricht mir das Leben mein Herz. Doch wenn ich das vollkommen zulasse und mich heroisch dem Schmerz hingebe, dann geschieht ein Wunder. Warum schreibe ich „heroisch“ dem Schmerz hingeben?

Wer sich heroisch dem Schmerz hingibt – woher der Schmerz auch kommen mag – der verschließt sich nicht in dem Schmerz, sondern er öffnet sich diesem Schmerz. Wer sich heroisch dem Schmerz hingibt, der empfindet kein Ego-Schmerz, sondern Welt-Schmerz.
Wer sich heroisch dem Schmerzen hingibt, der lässt es zu, dass sein Herz zerbricht und im selben Augenblick weiss er sich EINS mit allen zerbrochenen Herzen – er fühlt sich nicht allein. Er fühlt sich ALL-EIN.

Er fühlt sich zutiefst verbunden mit dem Leben selber, welches uns immer wieder die Chance gibt, dass wir sterben dürfen. Zerbrechen dürfen. Zerbrechen, um aufzubrechen.

Er fühlt, dass dieses Weinen auch ein Lachen sein könnte. Er fühlt kein persönliches Drama. Und das macht unseren Schmerz größer und nicht kleiner. Und dann können wir selber die Gnade in Person sein und damit beginnen, Trost und Heilung auszustrahlen.

Wie ein Freund mir schreibt: „Das Leben bricht mir mehr und mehr das Herz, auf eine so liebevolle und rücksichtsvolle Weise, das ich mich frage: wo kommt diese Gnade her?“
Ich höre diese Gnade in dem Rufen der Kraniche. Es ist das Leben selber was mich ruft. Immer wenn ich zulasse, dass mir das Herz bricht, erscheint darunter einfach dieses LEBEN selber. In einer Schönheit, die alle Begriffe von Schönheit überstrahlt.

Dieser Flug der Kraniche. Dieses Rufen da oben, welcher die Tränen in mir hier unten löst. Dieses alles ist nicht getrennt – und der Schmerz wird Schönheit, wenn ich die einfach Wahrheit erlebe: Die Kraniche fliegen durch mein Herz und mein Herz schlägt in jedem Kranich.

Im tiefsten Sinne sind wir immer das eine Leben und ungetrennt. Das Leben ist unser Zusammenhang. Wenn ich das so leben kann, so lösen sich alle Rätsel in Schönheit auf.

Als Rudolf Steiner starb schrieb er einen letzten Satz. Man solle seinen Tod nicht als Rätsel auffassen. „Die Dinge haben einen Zusammenhang, den man ehren muss, auch wenn man ihn noch nicht versteht.“
Weinen kann eine Ehre sein. Lachen kann eine Ehre sein. Achte die vollkommene Schönheit. Sie bricht uns das Herz und öffnet uns dem wahren LEBEN.

Am Sonntag bin ich auf der Buchmesse. Rudolf Steiner Verlag & info3 Verlag: Stand D126 in Halle 3.1. Ich freue mich auf Euch.

Kommentare:

MonikaMaria hat gesagt…

Wenn Herzen beginnen dem einen Ruf zu folgen ist der EINE Ton gefunden. Stille.

Singender Kranich hat gesagt…

Diese Art zu weinen kenne ich :)

Siehe Song-Link oben.

MonikaMaria hat gesagt…

Ihr Gesang berührt das Unberührbare, nicht Aussprechbare, nicht Klingbare ... er führt zu ....












:-)

Belinda hat gesagt…

….Immer wenn ich zulasse, dass mir das Herz bricht, erscheint darunter einfach dieses LEBEN selber. In einer Schönheit, die alle Begriffe von Schönheit überstrahlt…..


Ja, stimmt!!!

Herzlichst Belinda

Es-ist-wie-es-ist hat gesagt…

Nun wird mir Einiges klarer - ich habe endlich einen Begriff; dank MM aus dem vergangenen Post !!! :) ; für die Arbeit, die S.G. leistet: Er ist INNENRAUM-SPRECHER ! Klasse ! Das ist natürlich nicht kopflastig, sondern big big big heart ! Und die Hauptsache ist ja die: dass Menschen sich bewegen, wenn sie bewegt sind ! Dass sie ab sofort über Vegetarier-Sein, Fair-Trade, erneuerbare Energien, Gewaltlosigkeit, Klimaschutz, die GLS Bank, Greenpeace ....nachdenken und dann ohne zu Zögern umsetzen, handeln, umsetzen - ihre angesprochenen Gefühle in Taten gießen und sich, die Kraniche, die weinende Welt mit evolutionärer Kraft erfrischen ! Und eben nicht mehr auf die vermeintlich Anderen/ Schuldigen zeigen ! Heilung beginnt im Innenraum und wird dann zum Außen(t)raum in einer heil(ig)en Welt !
Dafür DANKE SEHR lieber Sebastian, liebe Greenpeacler, liebe EWS ler, liebe Vegetarier, liebe nicht mehr seelischen und materiellen Müll-Wegwerfer, liebe Mit-MENSCHEN ! Lasst es zu, dass die Kraniche in euch sind und euch zum Weinen bringen und dann handelt in Verbundenheit, weil Verbindlichkeit - Danke !!!

Anonym hat gesagt…

Lass dich mal nicht von deinen Begriffen zu sehr begeistern - die treffen es nicht so ganz.

Aber viel spaß beim weiteren einordnen in Begriffen !


Sebastian, danke für den Beitrag !

Anonym hat gesagt…

Wow! Schön geschrieben "EsIstWieEsIst"!
Merci

Barbara hat gesagt…

Bei diesem Text muss ich sofort an "Wild Geese" von Mary Oliver denken (klick), ein Lieblingsgedicht von mir, oder sagen wir: ein mir sehr liebes Gedicht. Ein Liebesgedicht, ja da ist es auch. An das Leben, den Schmerz und den Zauber ... und die Schönheit in und hinter allem. Fast ist es ein Gebet. Und eigentlich ist darin alles gesagt und jedes weitere Beschreiben-Wollen treibt den Zauber nur vor sich her...

Barbara

Thomas hat gesagt…

@ Sebastian Gronbach

Ein Kranich fliegt seinem Schwarm ein Stück hinterher. Er fliegt unter einigen kleinen weißen Wolken und er läßt seinen Blick schweifen über die Erde, die unter ihm wegzufliegen scheint. Alles ist so klein von hier oben.

Da sieht er einen Menschen stehen und zu ihm hinauf schauen. Er sieht, dass dem Menschen Tränen übers Gesicht rollen. Es sind keine Freudetränen - nein - das sind keine Freudentränen. Schmerzen empfindet dieser Mensch. Das sieht der Kranich ganz genau.
Wie gerne würde er herunter fliegen zu diesem Menschen, den er so leiden sieht. Er würde ihn mit seinen Flügeln umarmen und ihn seinen Kopf in sein Gefieder legen lassen. Er würde warten, bis der Mensch nicht ganz ruhig ist und nicht mehr weinen muss. Nun würde der Mensch das Herz des Kranichs spüren und gleichzeitig sein eigenes Herz in seiner eigenen Brust. Und der Mensch würde erkennen: Nur weil er ein eigenes Herz hat, kann er auch das Herz des Kranichs spüren.
Dann würde er ihn vorsichtig loslassen. Er würde sich langsam erheben und in die Höhe fliegen. Zurück zu seinen Freunden.

Der Mensch aber würde ihm von der Erde nachschauen. So lange, bis er wieder ganz oben ist. Sein Blick würde ihm so lange folgen, bis er ihn nicht mehr sehen kann - Der Mensch würde nicht mehr weinen. Zum Abschied würde er ihm noch einmal von oben zurufen.
Die Seele des Menschen wäre voller Freude und er würde diese Freude weiter mit sich tragen in den Tag hinein - in die Herzen der anderen Menschen ...

Gerne hat der Kranich den Menschen nicht zurückgelassen. Viel lieber hätte er ihn aus der Kälte geholt und ihn in seine wärmende Welt mitgenommen in die er jetzt fliegt.
Aber er tröstet sich damit, dass er dem Menschen ein Stückchen Wärme hat da lassen können. Das ist jetzt tief in dessen Herzen und kann ihm immer wieder erscheinen, wenn der Mensch die Kälte um sich spürt, um SEIN Herz ...

soniah hat gesagt…

Lieber Sebastian,
ich ehre den rätzelhaften Zusamenhang zwischen meine Fragen und deine unmittelbaren, treffende Antworten. Schon seit Jahren ist es so: wenn mein Schmerz die Grenzen meines Herzen sprengt und meine Fragen sich in der Alleins Ebene breiten, kommt die Antwort auf meinen Ruf besonders häufig von dir in unglaubliche Weise durch das von dir geschriebenes Wort.
Die Kraniche-Formation als großes Eins was hinter der der führende Formation flog, hat mich diese Woche tief beeindruckt.
Ich danke dir und dieses Gefühl der Dankbarkeit wirkt bei mir wie ein heilendes Balsam was alle schmerzen lindert, diese als sinnvoll erklärt um die Wahrnehmung des großen Eins-sein zu erleuchten.
Namaste

Anonym hat gesagt…

"Wenn dein Herz bricht, lassen Sie es zu brechen!"
What I think he means by this is that we can use the moments of our emotional suffering to further our illumination. Was ich glaube, er meint damit, dass wir die Momente unserer seelisches Leid verwenden können, um unsere Beleuchtung weiter. All beings suffer from time to time. Alle Wesen leiden von Zeit zu Zeit. That's the way it is here. Das ist die Art und Weise ist es hier. But when the suffering comes close to home, we feel sorrow. Aber wenn das Leiden nahe kommt nach Hause, fühlen wir uns Leid.
Such sadness creates an opening, even though it is a painful one, and all openings of our heart serve our illumination. Diese Traurigkeit schafft eine Öffnung, obwohl sie ist eine schmerzliche, und alle Öffnungen des Herzens dienen unsere Beleuchtung. The stories we tell ourselves about why we feel such sadness are just stories. Die Geschichten, wir sagen uns, warum wir fühlen, wie Traurigkeit sind nur Geschichten. What is important in the spiritual journey is the transformation of our obscurations that separate us from life and from our spiritual essence. Was ist in der spirituellen Reise wichtig ist die Transformation unserer Schleiern, die uns trennen vom Leben und von unserem spirituellen Wesen. And sometimes the sadnesses of life can bring down the walls of separation between us and the world quicker than anything. Und manchmal die Traurigkeit des Lebens bringen kann die Mauern der Trennung zwischen uns und der Welt schneller als alles andere.
I do not believe in prophecy nor predestination. Ich glaube nicht, in der Prophetie noch Vorherbestimmung. I do not believe in the soothsayers and fear mongers who say that the end of the world is upon us. Ich glaube nicht an die Wahrsager und Angst hatten also, die sagen, dass das Ende der Welt auf uns. Nor do I believe in the Pollyanna view of our future either. Ich glaube auch nicht in der Pollyanna Blick auf unsere Zukunft nicht geben. I don't think that things are going to magically get better or that a mother ship will descend from the skies and protect us from ourselves. Ich glaube nicht, dass sich die Dinge auf magische Weise besser zu werden oder dass eine Mutter Schiff wird vom Himmel herab und schützen uns vor uns.
I do believe that we are witnessing the collapse of the old world. Ich glaube, dass wir den Zusammenbruch der alten Welt erleben. And those who broker power based upon the old terrestrial view of politics and economics are pulling out all the stops to keep themselves at the top of the monopoly game. Und diejenigen, die Makler Macht auf den alten terrestrischen Auffassung von Politik und Wirtschaft basiert ziehen alle Register, um sich an der Spitze des Monopols Spiel zu halten. We are in the midst of a planetary revolution with so many fronts and so many diverse issues it is hard to grasp. Wir sind in der Mitte eines Planetensystems Revolution mit so vielen Fronten und so viele verschiedene Fragen ist es schwer zu begreifen. But all revolutions bring suffering as well as liberation. Aber alle Revolutionen Leid zu bringen sowie die Befreiung. ------Tom Kenyon______

Krafttier hat gesagt…

KRANICH ( Corr ) Er steht für Ausdauer, und das Erhalten von altem und geheimen Wissen. Kraniche wurden aus diesem Grund auch in Gedichten großer Dichter erwähnt... Verbinde dich mit Corr, um tiefes, verborgenes Wissen zu erfahren, und deine Geduld und Ausdauer zu stärken. Wenn du dich mit dem Alter, dem Tod und dem Jenseits auseinandersetzt. Kranich ist Bestreben, anderen zu helfen ihren Weg zu finden, Neues Wissen, Stimme einzigartig gebrauchen, Eleganz, Langlebigkeit, Alle Geheimnisse erkennen, Symbol des Frühlings und des Lichtes, Weisheit.

bei mir ists die Krähe die mich immer aufhorchen lässt..schon als Kind. Sie gibt mir das Gefühl mich auch dort heimisch zu fühlen wo sie auch ist. . .das wurde mir aber auch erst gestern klar! Und dann war da noch dieses Buch "Der große Fisch Tin Lin" ein Kinderbuch aber die Botschaft für mich. Ich bin da, wo ich gebraucht werde.

OM SHANTI
schönen Sonntag!
JANET

manroe hat gesagt…

Ja die Krähe, Janet, ich liebe sie. Ein ausgesprochen intelligenter und wacher Vogel. Hatte einige schöne Erlebnisse mit einem von ihnen.

Anonym hat gesagt…

Was ist der Unterschied zwischen Schamanismus und Goetheanismus?

Anonym hat gesagt…

Keiner. Nur andere Worte.

Anonym hat gesagt…

Bist Du Dir sicher?

JANET hat gesagt…

Hatte einige schöne Erlebnisse mit einem von ihnen.

Manfred, Wie kann ich das verstehen? Mit einem Vogel der Art Krähe?

--

Was ist der Unterschied zwischen Schamanismus und Goetheanismus?

Ein Schamane ist nicht Goethe und umgekehrt? Aber beide sind Menschen!

JANET hat gesagt…

Ein Gedicht von Hesse..ich habs gerade zufällig aufgeschlagen

Manchmal
Manchmal, wenn ein Vogel ruft
Oder ein Wind geht in den Zweigen
Oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft,
Dann muss ich lange lauschen und schweigen.

Meine Seele flieht zurück,
bis wo vor tausend vergessenen Jahren
Der Vogel und der wehende Wind
mir ähnlich und meine Brüder waren.

Meine Seele wird Baum
Und ein Tier und ein Wolkenweben.
Verwandelt und fremd kehrt sie zurück
Und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben?

Anonym hat gesagt…

wow, vielen Dank für dieses Gedicht!!

manroe hat gesagt…

Hallo Janet,

...im letzten Winter bei meinen Parkspaziergängen, ich habe dann immer ein paar Erdnüsse in der Tasche, gabs da eine Rabenkrähe, sie kam erheblich näher ran als andere und zeigte keine Furcht. Ich warf ihr einige Nüsse zu und das wars dann... Am nächsten Tag dann löste sich aus einer Ansammlung von Krähen eine heraus und flog direkt auf mich zu - "Wir kannten uns?" - wieder sehr nahe ohne Furcht und sie bekamm wieder ihre Nüsse von mir.

So ging es etliche Tage und der schönste von ihnen war der, als sie mich bei meinem Gang begleitete, sie flog mir richtig nach, irgendwie "verstanden" wir uns und wir konnten "kommunizieren". Sicherlich hatte sie zuvor mit anderen Menschen ähnliche Begegnungen, mit mir zumindest auch und sie erkannte mich sofort, wenn ich wieder im Park war und flog mich direkt an.

JANET hat gesagt…

oooh, eine Krähe die neugierig auf Menschen ist.. ich finde es immer schön, wenn ich noch im Bett liege und eine Amsel in der Vogeltränke vor dem Fenster ihr Bad nimmt..Dieses plätschernde Geräusch was sie dabei macht, ist so heimisch! Oder Sandbadene Spatzen, niedlich! Wir haben schon nen Vogel, watt Manfred? ;o)

manroe hat gesagt…

Ich füttere ganzjährig, zumeist kommt auch eine Amsel, sie bekommt ihre Rosinen und ist sehr zutraulich, manchmal scheint sie zuzuhören, sie schaut mich zumindest an, wenn ich mit ihr spreche und schaut schon einmal durch die Tür, wenn die Rosinen weg sind. Ich liebe Tiere, an ihnen kann man Menschlichkeit erlernen, ich sags mal so verkürzt. Ihre Reinheit und Direktheit, keine Lüge ...

JANET hat gesagt…

mmh, ich muss an meinen Hund denken..die Erinnerung kommt von zeit zu zeit hoch..schmerzlich und schön. Ich kann es kaum glauben, dass er tod ist..Jetzt muss ich auch noch Tränen unerdrücken..man!

Robert hat gesagt…

Der Kranich
und ich
sitzen auf dem Teppich
und essen Fich.

MonikaMaria hat gesagt…

Schönes Bild :-)
Hast Du die einzelnen Elemente schon «verdaut»? Ich meine Teppich, Kranich, Fisch und ich. :-))

Jens hat gesagt…

Bisher kam bei mir das Weinen angesichts der Größe dieser Tiere, angesichts des fast Ewigen ihres Rhythmus', ein Bild des ewig Wiederkehrenden im Kosmos - jetzt rührt es mich auch, dass wie Viele sind, die bei diesem besonderen Ruf aus der Höhe erschaudern. Danke und flügelhafte Grüße!
Jens