Mittwoch, 7. Oktober 2009

Go beyond - Gehe darüber hinaus!


Zum Geburtstag habe ich die CD mit dem Titel „Beyond – Buddhist and Christian Prayers“ geschenkt bekommen. Die Tiefe dieser Musik hat mich genau so berührt, wie mich die spirituellen Botschaften auf dieser CD inspiriert haben. Ich war sehr erstaunt, dass sie nicht nur von der berühmten Tina Turner gesprochen werden, sondern dass Tina Turner selber ihre Liebe und Texte in dieses Projekt gegeben hat.

Tina Turner, die ich als wilde und stets überdrehte Rockröhre im Gedächtnis hatte, ließ sich dazu von Deepak Chopra und Rumi inspirieren. Ich musste einsehen, dass mein Bild von Tina Turner unvollkommen war.

„Wir wollen unsere alte Art des Denkens loslassen und eine neue Art des Sehens finden“, sagt die Amerikanerin auf der CD, die sie mit zwei Sängerinnen aufgenommen hat. Und weiter: „Dazu brauchen wir eine regelmäßige Schulung, ein echtes Training. Lasst uns gegenseitig Lehrer und Schüler sein – welch ein großartiger Moment.“
Ich weiss, dass sehr viele Menschen – auch im Umkreis der Anthroposophie – in diesem Sinne leben. Überall gibt es Menschen, die nicht länger daran glauben können, dass eine einzige spirituelle Gemeinschaft, ein einziger Lehrer und eine einzige geistige Perspektive, in der Lage ist, den enormen Herausforderungen gerecht zu werden.

Immer mehr Menschen sehen, dass sie über alte Erkenntnisse und Grenzen hinaus gehen müssen. Ihr Credo: „Go beyond - Gehe darüber hinaus!“
Aus einer ganz anderen Ecke kommt ein Ansatz, der ebenfalls in diese Richtung ermutigt. Der Neurobiologe Frank Appel, mittlerweile Postchef, sagte dies in einem Interview. „Der Naturwissenschaftler lebt damit, dass 95 Prozent seiner Experimente schief gehen. Sie können als Wissenschaftler nicht arbeiten, wenn sie bei jedem Fehlversuch abbrechen.“

Wenn Anthroposophie sich den Namen „Geisteswissenschaft“ verdienen will, dann muss sie zum einen damit leben, dass nicht jedes ihrer Experimente gelungen und nicht jede Aussage und Erkenntnis richtig oder von Dauer ist. Nicht gestern und nicht morgen.

Zum anderen gibt es keinen Grund dieser „Geisteswissenschaft“ den Rücken zu kehren, nur weil manches misslungen ist oder ergänzt werden muss – es ist geradezu ein Indiz für Wissenschaftlichkeit, dass etwas schief läuft. Appel spricht von 95 Prozent! Mir gibt das zu denken.

Worauf es für mich wirklich ankommt ist das, was bereits so viele Menschen als ihr Credo gefunden haben: „Go beyond - Gehe darüber hinaus!“

Mit Hochachtung vor allem was geworden ist und mit der Gewissheit, dass wir das Gemeinsame wahrnehmen können, ohne die Unterschiede zu verwischen, dass wir dabei nichts verlieren, sondern uns gegenseitig beschenken.

Mit dieser Gesinnung freue ich mich auf die kommenden Tage der Herbstakademie in Frankfurt.
love
Zeit zu lehren. Zeit zu lernen. „Wir brauchen eine regelmäßige Schulung, ein echtes Training. Lasst uns gegenseitig Lehrer und Schüler sein – welch ein großartiger Moment.“