Mittwoch, 18. November 2009

2 x 100 Prozent

Ich denke, es ist normal, dass die post-post-moderne Spiritualität manche Menschen verwirrt. Die Verwirrung zeigt sich immer dann am deutlichsten, wenn zwei Wahrheiten aufeinander krachen – dann Fragen sich die Leute „Ja, was will er nun? Jeden Schmerz, jede Trauer, jede Lust, jedes Glück hingebungsvoll fühlen und leben, sich engagiert ins Zentrum der Evolution stellen und sein Leben dafür einsetzen, dass alles besser, schöner und wahrer wird ODER der ruhende Zeuge sein, die ewige Stille, der unantastbare Friede und der lächelnde Himmel, der dieses komische Drama unberührt an sich vorüberziehen lässt? Was nun? Zeuge oder Zeuger? Entweder oder?

Eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht zuerst:

Es gibt kein entweder oder. Denn, wenn Du nur der Zeuge bist, besteht die Gefahr, dass Du das Leben nur beobachtest, anstatt es zu leben.

„Das Leben wird zu etwas abgetrenntem und das Innere etwas Künstliches. Denn wenn man noch nicht einmal die Trauer über die zerbrochene Lieblingstasse erfahren kann, wie soll man dann die Unendlichkeit erfahren?“ (Christian Meyer)

Wenn Du nur fühlst, nur denkst und Dich nur engagierst, wenn Du nur im evolutionären Prozess bist, wenn Du Dich nur mit diesem Aspekt des Werdens identifizierst, dann wirst Du Dich darin verlieren und niemals dort ankommen, wo Gott mit offenen Armen auf Dich wartet und wo sich niemals etwas ereignet hat - ausser Freiheit die einfach so erscheint.

Jetzt die gute Nachricht: Du kannst beides haben. Du musst Dich nicht entscheiden. Hingebungsvolle Leben ODER Ruhe im Frieden. Nimm einfach beides. Sei beides, denn das bist DU.

„Das Geheimnis besteht darin, dass Du hundert Prozent fühlst, dich der Lebendigkeit hingibst und zu hundert Prozent Beobachter, Zeuge und Wahrnehmender bist.“ (Chr. Meyer)

Das Geheimnis ist 2 x 100 %.

Du kannst zu zwei Wahrheiten erwachen. In der einen lebst Du, in der anderen ruhst Du. Himmel und Erde sind EINS – und berühren sich doch nie.
Himmel
Und so stehst Du da. Die Füße verwurzelt auf der Erde – Dein Haupt herhoben im Kosmos.
Liebe
Darin liegt die große Verwirrung und die große Vollkommenheit.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen."

Mat. 24

i want to be free and I am free hat gesagt…

Viel Spaß beim Kommentieren. Ich bedanke mich für Deine Inspiration.

schön, mein Herr!
I am freer

You sure you want to be with me
I've nothing to give
Wont lie and say this love is best
Leave us in emotional peace
Take a walk, taste the rest
No, take a rest

E.l.i.

BURGHARD hat gesagt…

Neue Schläuche für neue Weine.

Oder: Die Welt, die Welten
zusammenhält



Welt, was ist das?
Die Frage nach der Welt,
sie ist so alt wie das Wort.

Welt wird durch Schöpfung gemacht.
Ein Schöpfer, was ist das?
Auch diese Frage, sie ist so alt wie das Wort.

Alt sind die Fragen nach
Schöpfung und Schöpfer.

Neu, immer wieder neu
hingegen sind die Antworten.

Neuer Wein in alten Schläuchen.

Wer stellt die Fragen, die noch
niemand stellte?

Das ist jeweils Jemand, der Schöpfung macht.
Jemand, der den Baum der Erkenntnis fällt,
indem er sich in die Antwort stellt.

Wer macht Schöpfung?

Wer ein Gemälde von van Gogh
nicht unterscheidet, der segelt
an der Antwort vorbei.

Unterscheidet wovon?

Van Gogh, er ist kein Historienmaler,
kein Maler, den man beauftragen kann,
beauftragen mit der Verbreitung beliebiger
Überzeugungen beliebiger Überzeugter.

Das bezeugt sein Werk.

Jeder, der es will,
der kann sich davon überzeugen.

Wovon überzeugen?
Überzeugen von der Einzigartigkeit
eines jeden Bildes, dass von
seiner Hand herstammt.

Diese Einzigartigkeit eines jeden
Bildes, sie bezeugt wiederum
die Einzigartigkeit des Malers
Vincent van Gogh.

Was überzeugt einen modernen
Menschen, was überzeugt ihn,
indem er ein Gemälde von
van Gogh anschaut?

Ihn überzeugt die Schönheit.
Die Schönheit, die sich selbst
erzeugt, indem sie immer wieder
neu, neue Fragen schafft,
Fragen schafft, schafft aus
erneuerter Antwortkraft.

Anak hat gesagt…

und wenn wir es wirklich schaffen, mit den fuessen tief verwurzelt in der erde und mit dem kopf in den wolken zu leben und diese spannung auszuhalten und umzusetzen, dann kommt eine enorme energie frei die dann um sich wirbelt und wieder energie freisetzt...sodass der mensch letztendlich selber ueberrascht ist von dem spiel, das sich dann ergibt...2x100% halt!
herzlich
anka

JANET hat gesagt…

Liebe Anka machen wir das nicht eigentlich tagtäglich... ich weis dazu sonst nichts weiter zu sagen.

Der Acker da oben ist bestellt, die Saat ist gesät, mensch wird sehen, was da für eine Ernte nächstes Jahr herauskommt.
Der Himmel wird es uns ausrichten.

Sind wir dann mit dem Ergebnis zufrieden oder wollen wir mehr, das kann man jetzt nicht sagen... aber was jetzt ist, ist immer eine Saat für Morgen!

auch herzlich
JANET

Student hat gesagt…

Hallo Sebastian, ich wollte mich bei dir für das heutige Seminar bei uns bedanken. Es ist doch sehr selten, dass wir als StudenInnen die Gelegenheit haben, einmal so tief in unsere persönlichen "Seelenlandschaften und Mentalmaps" zu blicken. Insbesondere die Verbindung von traditionellen geistigen Strömungen und moderner Spiritualität hat mir gefallen (auch wenn ich sicher noch vieles verstehen und lernen muss). Besonders imponiert hat mich deine unmissverständliche geistige Präsenz bei gleichzeitiger fröhlicher (und charmanter) Normalität. Jedenfalls war das für mich ein besonderer Tag, der immer noch echot. Ihnen (und ihrem Sohn;-)) einen schönen Abend und so.

Tschüss.

Botticelli und AlnaturA hat gesagt…

Siehst, es gibt auch eine andere Art von Studentenbewegung. Und wie vertragt ihr euch so untereinander Kunst und Wirtschaft?

AnaturA ist gerade mal wieder beispielhaft wie ich finde..

schönen Abend.

Thomas hat gesagt…

@ Sebastian Gronbach (und wen es wieder interessiert)

"Ich denke, es ist normal, dass die post-post-moderne Spiritualität manche Menschen verwirrt."

Mir scheint es normal, dass post-post-moderne Spiritualisten verwirrte Menschen sind.

Ich freu mich schon auf die post-post-post-moderne Spiritualität nach Gronbach.
Waren wir nicht schon bei der Spiritualität der Zukunft?
Und unsere Nachkommen, die freuen sich schon auf die post-post-post-post-Moderne.
Was ruhen da für gigantische Möglichkeiten der Evolution.

"Die Verwirrung zeigt sich immer dann am deutlichsten, wenn zwei Wahrheiten aufeinander krachen –"

Wahrheiten können nicht aufeinander krachen.
Eine Wahrheit ist.
Nur Menschen mit verschiedenen Vorstellungen von Wahrheiten können aufeinander loskrachen.
Vielleicht können wir deshalb nicht aufeinanderkrachen Herr Gronbach, weil Sie nur eine Vorstellung von Wahrheit haben.

Eine Wahrheit kann immer nur verstanden werden - oder eben nicht.

"dann Fragen die Leute sich: „Ja, was will er nun? Jeden Schmerz, jede Trauer, jede Lust, jedes Glück hingebungsvoll fühlen und leben, sich engagiert ins Zentrum der Evolution stellen und sein Leben dafür einsetzen,

dass alles besser, schöner und

wahrer

wird ODER der ruhende Zeuge sein, die ewige Stille, der unantastbare Friede und der lächelnde Himmel, der

diese komische Drama


unberührt an sich vorüberziehen lässt? Was nun? Zeuge oder Zeuger? Entweder oder?"

Kann eine Wahrheit wahrer sein?
Kann überhaupt etwas wahrer sein?

Herr Gronbach, ich darf mich mal vertippen. Ihnen, als selbsternannte Verkörperung des ALLEINEN NICHTS, dürfte das aber nicht passieren.
Aber das finde ich nicht schlimm. Ihre Fehler lassen Sie menschlicher erscheinen. Also: Weiter so.


"Du kannst zu zwei Wahrheiten erwachen. In der einen lebst Du, in der anderen ruhst Du."

Ruhe im Leben erleben.
Und das aktiv und als EINS.
Das ist meins
(das ich erstrebe).

"Himmel und Erde sind EINS – und berühren sich doch nie."

Ein EINS kann sich ja auch nicht berühren Herr Gronbach, es hat doch nur sich. Was Sie da wieder schreiben.

Oder gibt es zwei EINS?

Fragen über Fragen.
Verwirrend!
Wobei wir wieder am Anfang wären.
Und weiter geht es!

Glück auf!

JANET hat gesagt…

also ich bekomme gern moderne Post oder ebend Post modern.. aber wäre schön wenn mir das mal jemand übersetzt was postmodern bedeutet, ich bin nähmlich doff.

JANET hat gesagt…

sich selber bilden macht schlau..

okay


Alles, was Geschichte und Literatur hergeben, darf in der Postmoderne als Material verwertet werden und büßt damit die ursprüngliche Bedeutung ein. Denn weil alles nicht mehr ist als eben Material zum Spielen, kann es nicht länger aufgeladen sein, weder politisch, noch ideologisch oder emotional. Viel eher bestimmt eine ironische Grundhaltung die Postmoderne. Leider, so Umberto Eco, gebe es immer wieder Menschen, die das ironisch Gemeinte ernst nähmen. Auf diese Weise wären sie für die Postmoderne ungeeignet. Das entropische Element, das Wissen um Unübersichtlichkeit und Chaos, Kältetod und Zerfall der Welt kann nur für Ironiker Anlass zur Heiterkeit bieten. Für Melancholie hingegen hat die Postmoderne kaum Platz. Wenn es in der Postmoderne Gefühle gibt, so Jameson, dann frei im Raum schwebend und nicht personengebunden..

soso!

JANET hat gesagt…

und was ist dann post post modern?
man darf ja mal fragen oder spiegelt das Dummheit wieder?

Barbarapapa hat gesagt…

@ Alnatura

Also ich kann mir vorstellen, das Gronbach und Alnatura sehr gut zusammen passen würde. Irgenwann werden die sicher kooperieren: Ein Bio Discounter und ein Esoterik-Discouter, geht doch prima!

Dann muss Alnatura nur noch die Bundeswehr beliefern, und schon finden ihn die Kameraden von früher auch doll!

Enlightment Sell Out


(Jaja, ich weiß, jetzt hat Gronbach wieder eine Runde Mitleid verdient, weil ich so unglücklich bin... oder so...)

Anonym hat gesagt…

Viel eher bestimmt eine ironische Grundhaltung die Postmoderne. Leider, so Umberto Eco, gebe es immer wieder Menschen, die das ironisch Gemeinte ernst nähmen.

Warum haben WIR das nicht früher nachgeschaut? Gehanht hamwas schon, oda? Ein Post-post-post-moderner ist also ein Scherz-scherz scherz-keks!

Halleluja, mir fällt ein Stein vom Herzen!

Anonym hat gesagt…

Was mir an seinem Denken nicht behagt, ist, dass er vieles so vereinfachen will, dass es einfach nicht mehr stimmt. Der Mensch ist nach dem Tode noch lange kein Engel. Je mehr er wirklich erwacht, und lernt zu opfern (wie es die Engel von Beginn der Evolution an taten) desto mehr wird er Engel. Das geht aber über viele Inkarnationen. Und mitgedacht werden muss dann auch, was dies wieder für Engel bedeutet und für Gott, denn auch die anderen Wesen sind wie der Mensch in Entwicklung, im Prozess, schaffend, mitschöpfend. der Mensch ist nicht einfach gleich Gott, und vor allem nicht "einfach so", er ist auf dem Wege zum Mitschöpfer - in der Nachahmungsphase zum Vater, sogar noch in der Nachahmungsphase zum Sohn.

Das prozesshafte fehlt mir bei Gronbach, das auf dem Weg sein. Denn dieses Schaffende, ewig ringende zwischen Polaritäten Vermittelnde, ist der Mensch. Gronbach weicht diesem wirklich Evolutionären einfach aus. Und dann erscheint alles eben als einfache Wahrheit. Er ist, wie ein Künstler aus alten zeiten, einer, der nur im Schönen sein will. Das Schöne siegt bei ihm über die polarität. Und der Prozess der Schöpferische Moment, die werden so herausgeschnitten. Eigentlich geradezu anitevolutionär.

"Ich – die Individualität. Das fühlen wir im neuen WIR. WIR sind EINS. Darin steckt so viel Hoffnung, dass sie Angst macht."

Da geht doch nichts, bei solchen Banalitäten!

Oder wo könnt ihr bei Gronbach das Ringen, Schaffen, Schwitzen eines Schöpfers erkennen? Widerlegt mich, wenn ihr könnt!

Mich würde mal interessieren, ob Herr Gronbach sich selbst noch als in Entwicklung begriffen sieht, oder ob es sich mit seiner Erleuchtung nun so verhält, dass nur noch die "Armen" und die "Ünglücklichen" missioniert werden müssen, Entwicklungshilfe brauchen? Und wenn Entwicklung, wohin will er sich als Erwachter noch entwickeln? Als Post-Post-Modernist?

Im Türrahmen feststecken, finde ich auch ein schreckliches Bild. Für mich ist Christus die Türe. Und da gibt es keine Erstarrung, da gibt es nur strömendes Leben. Die Türe ist die Brücke die zwei Gebiete verbindet. Und wer diese Türe kennt, der kann doch nicht da stecken bleiben! Ein Steckengebliebener steckt woanders fest, vermute ich.

Ich finds einfach nur schrecklich diese willkürlichen, flachen Bilder. Verantwortungslos, eigentlich, das so sorglos in die Welt zu streuen.

Aber letztlich auch eine Prüfung für jeden (Alanus-Studenten), dies einordnen zu können.

Matze L.

JANET hat gesagt…

Viel eher bestimmt eine ironische Grundhaltung die Postmoderne. Leider, so Umberto Eco, gebe es immer wieder Menschen, die das ironisch Gemeinte ernst nähmen.

Warum haben WIR das nicht früher nachgeschaut? Gehanht hamwas schon, oda? Ein Post-post-post-moderner ist also ein Scherz-scherz scherz-keks!

Halleluja, mir fällt ein Stein vom Herzen!


*schlapplach* Kekse sind immer gut
besonders fürs Krümelmonster


Ich würde sagen, das hier ist eine gute Beschäftigungstherapie für alle, damit man nicht Schlimmeres macht als Kekse essen. Ein Ablenkungsmanöver sozusagen

MonikaMaria hat gesagt…

Aha, deswegen ist Keksebacken vor Weihnachten so aktuell. .....







?¿

Uschi hat gesagt…

Jetzt
kommen wir
der Sache näher:

Kann ein Postmoderner
Christ sein?

Kann ein Christ
postmodern sein?


Was ist Golgatha
für einen Postmodernen?

Was ist ein Postmoderner
für Golgatha?


Ich finde, auf diese Fragen können wir alle Diskussionen um Gronbach reduzieren. Darin steckt wir die Dissonanz zwischen Info3 und Anthroposophie.

Das Tragische ist wohl, dass die Info3-Postmodernen das mit der Ironie nicht ganz hinbekommen, weil sie sich von der Tradition nicht wirklich frei machen können.

JANET hat gesagt…

Guten Morgen Frauenrunde,

ich bin auch eher für Plätzchen backen. Info3 Plätzchen auf jeder Seite was Süsses fürs Herz mit Streuseln und Glasur und obenauf eine Perle. Und wenn man natürlich die Pünktchen auf dem i ach ä vergesst..tja das könnt ihr ja dann selbst sehen...wenn ihr sehen könnt. Aber das könnt ihr.

Nene hat gesagt…

@Uschi
vor der Beantwortung deiner Fragen müsste doch erst einmal geklärt werden:
Was ist ein Christ?
Was ist Golgatha für einen Christen?
Gibt es wirklich eine Dissonanz zwischen der Info3 und der Antroposophie?

@Janet kannst recht haben, manchmal liegt die Antwort im Keksbacken. Für mich lag sie heute Morgen schon in einer Tasse Tee mit Milch und Zucker.
einen schönen Tag
:)

Alexander Ogilvie hat gesagt…

Guter Artikel, lieber Sebastian! :)

Das Witzige ist, dass ich für mich zu exakt derselben Einsicht gekommen bin, durch meine eigene Suche! ;)

War natürlich ein ziemliches Auf und Ab, mal schwebte ich zu sehr im "Himmel", mal krachte ich voll auf dem "Boden" auf oder kroch auf ihm umher!
Nach meiner Erfahrung gleicht sich das eh aus... das heißt, wenn ich zu lange nur im Himmel herumschwebe, dann holt mich der Boden zwangsläufig irgendwann ein, und das kann eine sehr schmerzhafte Landung werden! Wenn ich zu lange auf dem Boden herumwusele, verliere ich den Überblick und verschwende unglaublich viel Energie.
Daher ist der Ausgleich, die Harmonie zwischen "Himmel" und "Erde" so wichtig, wenn man innerlich ausgelassen und kraftvoll sein möchte.

Dies zumindest ist meine persönliche Erfahrung. ;)