Sonntag, 1. November 2009

Die neue Hellsichtigkeit

Im Kontext der anthroposophischen Weisheitstradition, gibt es herausragende Leistungen. Für mich – und das sage ich auch als Vegetarier (Link zu pdf) – zählt die biologisch-dynamische Landwirtschaft zu den größten Leistungen. Nicht nur, weil alles gesünder ist, sondern weil sie auf so schöne Weise zu etwas beigetragen hat, was man als eine neue Kultur der Hellsichtigkeit bezeichnen kann...Aber Achtung: das ist nur eine Station auf dem Weg.

Demeter, lädt immer wieder zu Veranstaltungen ein, bei denen man sich in meditativer Hingabe dem Schmecken zuwendet.

„Schmeckst Du noch oder spürst Du schon?“, werden die Einladung kess überschrieben und treffen so ziemlich genau das, worum es bei dem Seminar gehen soll: nicht nur um verfeinerte Gaumenfreuden, sondern um ein Wahrnehmen von tieferen Qualitäten unserer Nahrungsmittel, um ihre Wirkung auf unsere körperliche, aber auch unsere seelische und geistige Verfassung. (Genaueres zu diesem Prozess findest Du hier in diesem Bericht).


Wenn der spirituelle Lehrer Thomas Hübl beschreibt, wie jede Sinneswahrnehmung im Prinzip mit der Vorsilbe „hell-“ versehen werden kann, dann beschreibt er präzise den Weg den Anthroposophie ebenfalls geht – ob in Landwirtschaft, Medizin oder Pädagogik.

„Denn“ – in den Worten Hübls, die auch in Kenntnis und Würdigung Rudolf Steiners geschrieben wurden: „Hellsichtigkeit heisst nichts anderes, als dass wir zu unseren physischen auch noch eine energetische Sichtweise mit einblenden.“
Hübl lädt dazu ein, Techniken zu erlernen, welche Rudolf Steiner offensichtlich bereits in großartiger Weise praktizieren konnte. Nämlich dazu, „die Spiegel zu klären und die Filter zu erkennen, mit denen wir das Innere des Universums ausgekleidet haben.“

Demeter ist es gelungen, nicht nur gesunde und leckere Produkte herzustellen. Demeter lädt uns auch dazu ein, unsere subtile Aufmerksamkeit zu schulen.
Wir können die umfassende, a-perspektivische Sicht dadurch erlangen, dass wir feinstoffliche Augen, Ohren und Geschmacksknospen entwickeln – um wirklich erleben, schmecken und präzise beschreiben können, wie die Leerheit des Kosmos schmeckt, wenn sich diese Leerheit in der Fülle einer Möhre verdichtet hat.
hell
Was Thomas Hübl „feinstoffliche Augen“ nennt, heisst in der Anthroposophie „übersinnliche Organe“.

Es ist gut, dass diese Schulung an den übersinnlichen Organen von vielen unterschiedlichen Menschen vollzogen wird (Ken Wilber beschreibt diese ebenfalls sehr genau) – denn dann endet auch die dogmatisch-magisch-mythische-Interpretation dieser subtilen Energien.

Die dogmatische Interpretation im tradierten anthroposophischen Kontext endet viel zu oft bei den Fixierbildern der „Elementar,- oder Naturwesen“.
hellell
Plötzlich flitzen zwischen Möhren die Zipfelmützen der Möhren-Zwerge, hocken hinter Kartoffeln die Kartoffel-Elfen und hoch im Apfelbaum flattert die Apfel-Fee. Hell
Es ist gut, dass wir unsere subtile Aufmerksamkeit für diese Kräfte und universellen Energien wach halten. Es ist gut, dass Demeter sich in moderner Weise für die Qualitätsforschung an diesen grob-, und feinstofflichen Elementen engagiert. Gut, dass uns Menschen wie Wilber, Hübl und Co. helfen, unsere Filter und Brillen zu klären.*Fußnote ell
geist
Und es ist dreifach gut, dass wir über Hellsichtigkeit, Feinstofflichkeit und subtile Energien sprechen können, ohne im geistigen Kindergarten zu landen – nichts gegen diesen Kindergarten, aber wir sollten ihn unseren Kindern überlassen und unsere postmodernen Labore mit dem aufgeklärten und erwachsenen Licht des GEISTES fluten.
GEIST
Der eine GEIST ist überall, aber überall anders. Hellsichtigkeit erkennt, wie der eine GEIST unterschiedlich in allem wirkt und am Ende erkennt sich der erkennende GEIST als EINS mit dem erkannten GEIST.
hellIn diesem Sinne:
Hellsichtigkeit ja, aber bitte ohne Zipfelmütze.

Wie gesagt: Ich bin ein großer Fan von Demeter, ich bin ein Freund dieser „Bildeskräfteforschung“ und unterstütze diese wunderbare anthroposophische Initiative. Doch (und da weiss ich mich mit Thomas Hübl einig) alle diese subtilen Welten sind nur eine Station auf einem langen Weg.

Wer daran hängen bliebe, bliebe weit hinter unseren Möglichkeiten zurück. Hinter der anstrengungslosen Möglichkeit, vollständige zu erwachen. Ohne Filter.
hell
Auch wenn die subtilen Empfindungen und die feinstofflichen Erfahrungen noch so schön, erkenntnisreich oder fortschrittlich sind – wenn wir da stehen bleiben, wenn wir uns in die Gefangenschaft dieser Station begeben, dann bleiben wir in der Dualität der Welt hängen. Wieder nur eine neue Identifikation, die uns davon abhält das wahre Wunder zu erleben - jenseits der Matrix.

Als Anthroposoph, will ich (im Chor mit anderen spirituellen Freunden) dazu anregen, alle Informationen jedes einzelnen Menschen, jedes Tieres, jeder Pflanze, jedes Sternes, jeder Bewegung, jedes Gefühls wahrzunehmen und lesen zu lernen – zum Wohle aller Wesen und mit einem wachen und liebevollen Blick.

Dieser liebevolle Blick durchdringt unsere momentane Abgeschlossenheit.
Noch fühlen wir uns getrennt, aber gerade diese Trennung wird es sein, die uns wieder zusammenführt - wenn wir nicht starren. Wenn wir mit dem Blick der Liebe blicken, die jede Illusion verbrennt.
HELL
Dieser Blick folgt dem Leben und wird selber lebendig und fließend – ohne etwas von seiner befreienden Präzision zu verlieren. Denn „das Leben ist eine Welle der Lebendigkeit und Begeisterung. Horten, zurückhalten und klammern schütten diese Welle zu und stoppen den Fluss des Lebens.“ (Deepak Chopra).

Dieser Blick ist klar und frei. Ist Licht und Liebe. Und auch das was er durchschaut, wird selber klar und frei. Wird, was immer war: Licht und Liebe.

Die Matrix wird durchschaut.

Und schließlich, wenn es niemanden mehr gibt, der blickt und nichts mehr da ist, was jemand durchschauen könnte, dann erweitert sich der Aufgang der Morgenröte zu einem neuen Atmen.

Der EINE MENSCH atmet auf. Die Welt-Seele ist ihrem eigenen Ruf gefolgt. Sie hat sich dort gefunden, wo unser bester Teil bereits immer war: JETZT und HIER.
Ein JETZT und HIER, was alle Zeit und jeden Raum umfasst.

hell
HellSehen. HellSchmecken. HellDenken. HellFühlen. HellSchaffen. Hell & Transparent.
hell
Heiter & aufrecht. Und LiebeVoll. Unendlich LiebeVoll.
geist"Der Mensch wäre nicht Mensch, wenn er nicht abgeschlossen wäre als Ich von allem anderen; aber er wäre auch nicht im höchsten Sinne Mensch, wenn er nicht als solch abgeschlossenes Ich aus sich heraus wieder sich zum All-Ich erweiterte. (Rudolf Steiner)


* Mit den geklärten Brillen und transparenten Filtern, könnten auch wir auch Anthroposophen der Welt viel, viel mehr wunderbaren Perlen schenken - wenn nur diese Märchenwolle-Verpackung mal entfernt würde...Was gäb es für ein freudigen Staunen... Was für Rudolf Steiner ein imaginatives Beschreiben des schwer zu Beschreibenden war, wird beim Dogmatiker zu zementierten VorStellungen. Wer aus Rudolf Steiners vorläufigen und lebendigen Imaginationen fixierte und endgültige Betonbilder macht, versündigt sich nicht nur an Steiners Anliegen. Er versündigt sich auch an allen Menschen, die ebenfalls eigene Zugänge, Erfahrungen und Erkenntnisse haben.