Freitag, 13. November 2009

Licht & Wärme



Das Herz aller Religionen und spirituellen Bewegungen ist das Ein und das Selbe. In diesem Sinne, gebe ich als spiritueller Aktivist in der Tradition Rudolf Steiners nicht die Asche weiter, sondern das Feuer. Das Feuer, was in jeder wahren spirituelle Bewegung oder Religion brennt.

„Es ist das Brennen selbst und nichts weiter als das Brennen. Und das, auf dem die Flamme ruht, das wird vom Feuer zerstört.“ (Christian Grauer) Jeder Versuch, die Flamme festzuhalten, sie in die Tasche zu stecken und nach Hause zu tragen muss scheitern.

Nein, in die eigene Hosentasche kann man die Flamme nicht stecken, aber man kann sie in die persönliche Lampe stellen. Man kann sie in ein Glas stellen und man kann, das Glas schmücken oder mit Transparentpapier einfärben. Das persönliche Glas ist nicht die überpersönliche Flamme.

Je nach Anlass, Jahreszeit oder Ort der beleuchtet werden soll, wählt man ein anderes Transparentpapier.
licht
Jede Zeit, jeder Ort, jeder Mensch, verlangt nach einer anderen Färbung, nach einer anderen Lichtstärke, nach einer anderen Ausleuchtung, nach einer anderen Antwort – manche Zeiten verlangen sogar nach einem Feuer ohne Feuerglas.
Flamme
Manchmal muss die Flamme einfach wüten und verbrennen. Doch es ist immer diese eine Flamme.
steinerlicht
Ein spiritueller Aktivist in der Tradition Rudolf Steiners zu sein, das bedeutet nichts anderes, als aus dieser schlichten Wahrheit heraus zu leben. So lebte auch Steiner. So lebte er Anthroposophie - die Weisheit die aus dem wahren Menschen kommt.

Anthroposophie gibt Ein und die Selbe Flamme wieder – und Anthroposophen sind Menschen, welche alles dafür tun, diese Flamme in einer angemessenen Weise leuchten zu lassen. Gemessen an Zeit und Ort und an konkreten Menschen.


Was gestern angemessen war, kann heute unangemessen sein. Früher hat man zum Beispiel traditionelle geistige Wesenheiten und religiöse Figuren auf die Lampengläser geklebt um damit Schatten zu werfen, die die Menschen kennen und darum besser verstehen.

Manchmal ist das – zum Beispiel im Umgang mit Kindern – auch heute noch wichtig.

Oft funktionieren diese alten Bilder nicht mehr. Andere Bilder, andere Ausleuchtungen, andere Einfärbungen bringen heute mehr Verständnis, mehr Nähe zu dem, was hinter allen Bildern leuchtet und brennt.

Als spiritueller Aktivist in der Tradition Rudolf Steiners, weiss ich, dass auch meine Worte jetzt gelten und gleich nicht mehr. Darum versuche ich oft radikale Bilder und Konturen zu wählen, weil sich das Licht dahinter besonders deutlich und konturiert abzeichnen. Man sieht förmlich den schwarzen Schattenriss und wird dadurch schneller auf das Licht dahinter verwiesen.
Licht
Jedes Wort ist immer nur ein Hinweis auf das Unsagbare. Jeder Begriff ist Gleichnis.

Schau nicht auf die Wörter, blicke daran vorbei, durch sie hindurch. Wörter und Begriffe, das sind nur Schattenrisse oder Transparentpapier. Versuch auch nicht die Wörter und Begriffe von aussen zu beleuchten. Erlebe einfach die Flamme dahinter. Diese Flamme ist Ein und die Selbe Flamme, welche durch die schönen Schablonen Deiner eigenen Augen leuchtet.

Ich mag diese unterschiedlichen Augen, Schablonen und farbigen Fenster – sie machen das Leben bunt.

Aber die Vielfarbigkeit und Multiperspektiven, sie sind alle nur dazu da, uns zu erfreuen & zu beglücken & uns neue Perspektiven zu eröffnen & uns farbig zu beleuchten.
licht
Wir kennen die bunten Fenster in den Kirchen. Durch alle scheint die selbe Sonne - doch welche wundervolle Farbigkeit im inneren einer Kirche. Ein Kirche ist im besten Sinne ein Kino für Gott.

Wenn wir die Augen schließen (oder weit öffnen), wenn wir uns der Flamme in uns und in allem nähern, wenn wir wirklich ein paar Schritte auf die Flamme zugehen, dann können wir auch mit geschlossenen Augen die Wahrheit erleben: Sie ist hell und sie wärmt.


Du musst näher kommen. Keine Angst vor der Flamme. Nur Mut. Das was verbrennen könnte, das was Angst hat, das bist nicht Du. Nur Ego. Ego ist Brennmaterial.

Du bist Flamme.

Wenn Du eine angemessene Flamme sein willst, dann lässt Du Dich hin und wieder hinter Glas stellen und leuchtest das buntem Papier aus und die lustigen Figuren an. Und manchmal brennst Du das nieder, was die Flamme einpacken, verdunkeln oder ersticken will.

Aber wenn Du die Augen schließt und einfach nur fühlst was ist, dann erlebst Du die Wahrheit nach der sich alle sehen: Wir sind eine Flamme. Ein Licht und eine Wärme.
LIcht
Wenn alle Gläser, Bilder, Schablonen, Perspektiven, Transparente und alle Schatten verschwunden sind, dann bleibt was immer ist: Licht und Wärme.

Wenn Du Licht und Wärme gemeinsam in Dir wahr nimmst, dann erscheint in Dir vielleicht ein Wort, welches für die Einheit von Licht und Wärme steht. Es ist nur ein Wort. Es verweist auf das, was Du in diesem Augenblick einfach so erleben kannst. Liebe ist das Wort was Du jetzt liest.

Das was Du fühlst ist einfach das was Du fühlst. Jetzt.