Mittwoch, 16. Dezember 2009

Sternenglanz

Das Kind lebt – allgemein formuliert – in den ersten sieben Jahren in einer träumenden, magische Innenwelt. Rhythmen, Regeln und Rituale, fördern und begleiten den Übergang in die erste Weite einer Kollektivkultur. Ein anfängliches, zartes, soziales WIR beginnt zu wachsen. Ein WIR, welches über die Person und die enge Familie hinausgeht. Was habe ich damit zu tun? Ich war vor einigen Tagen als Nikolaus in einem Waldorfkindergarten. Dort habe ich den Kindern die folgende, kleine Geschichte erzählt. Eine kleine Geschichte, die vom Ich zum Du und vom Du zum Wir führt...ohne das Ich zu verlieren.

Die Geschichte ging in etwa so:

Am letzten Sonntag habt Ihr ja kleine Geschenke in Euren Stiefeln gehabt. Und gerade habe ich Euch noch die Lebkuchensterne überreicht. Aber ausser diesen beiden Dingen, habe ich Euch noch etwas geschenkt...und das ist ein Geheimnis.

In den letzten Nächten, während ihr schlieft, habe ich jedem von Euch ein Geheimnis geschenkt. Hier, in Eurer Herz, habe ich es hineingeschenkt. Hier, wo wir so die Hände vor Euch kreuzen könnt. Dahinein habe ich in den Nächten das Geheimnis gelegt.

Von meiner weiten, weiten Sternenreise habe ich nämlich Sternenglanz mitgebracht. Diesen Sternenglanz von weit, weit oben, habe ich hier in Euch hineingeschenkt. Hier, wo die Hände sich vor Euch kreuzen.

Wenn ihr die Hände so kreuzt, dann könnt ihr das Glitzern und warme Funkeln des Sternenglanzes in Euch spüren...Spürt, wie es ist in Euch glitzert und wärmt.

Wenn ich nun gleich wieder, weit, weit zu den Sternen reise, dann werde ich jedem Stern dort, von jedem Kind hier erzählen. Allen Sternen, werde ich von Euch allen berichten.

Und dann haben die Sterne etwas von Euch in sich – so wie ihr nun etwas von den Sternen in Euch habt. Und ihr fühlt: Die Sterne leuchten in mir. Und die Sterne fühlen: Die Kinder leuchten in uns. Und so sind wir ein Leuchten.

Das ist mein Geheimnis für Euch. Danke, dass ihr es angenommen habt.

Und ich weiss, dass ihr dieses Geheimnis niemals vergessen werdet. Denn ihr könnt einfach so die Hände über Euch kreuzen und sogleich ist das Geheimnis wieder bei Euch.

Ich wünsche Euch und Euren Lieben eine gesegnete Adventzeit.

So ging meine kleine Nikolausgeschichte. Warum ich sie hier jetzt erst erzähle? Ich musste doch erst den Sternen von den Kindern berichten...

Kommentare:

Der Nikolaus (der Echte) hat gesagt…

Draußen vom Walde komm ich her.
Dass ich von den Sternen komm ist eine Mär ...

Drum glaubts dem Sebastian nicht,
der ist nämlich nur ein kleiner Wicht.

Die Rute hab ich für den dabei.
Damit kriegt er auf den Po 1,2,3.

Lügen darf man nämlich nicht!

Stimmts ihr lieben (großen) Kinder?

Thomas hat gesagt…

Haben Sie den Nikolaus vielleicht mit dem Coca-Cola Weihnachtsmann verwechselt?

Oder mit dem amerikanischen Santa Claus?

Oder haben Sie etwa ein ganz neues Wesen für den Wesenszoo geschaffen?

Ach, ist ja ohnehin ALLES EINS.

Stimmts Herr Gronbach?

(wer es nicht bemerkt hat: der erste Kommentar ist auch von mir)

Anonym hat gesagt…

Wir habens gemerkt Thomas, wir habens gemerkt. Und somit wissen wir auch, daß sie kein Waldorfschüler waren, so schlecht wie sie reimen. Himmel hilf!

Anonym hat gesagt…

Wir habens gemerkt Thomas, wir habens gemerkt. Und somit wissen wir auch, daß sie kein Waldorfschüler waren, so schlecht wie sie reimen. Himmel hilf!

Thomas hat gesagt…

"... die vom Ich zum Du und vom Du zum Wir führt...ohne das Ich zu verlieren."


Herr Gronbach, wo holen Sie immer wieder das "Ich" her.

Sie haben das "Ich" doch schon längst verschwinden lassen. Aufgelöst haben Sie es in Ihrer Lehre, aufgelöst im ALLEINS.
Sie sprechen doch einem real existierenden individualisierten "Ich" das Sein ab.

Würde ein individualisiertes "Ich" als reale Wesenheit existieren, würde das Ihre Lehre revolutionieren.

Können Sie hier aufklärend wirken?

Anonym hat gesagt…

Thomas, ich teile zwar ihr zynischen Ansichten nicht, aber ich teile die Ansicht, daß sie nicht reimen können. Wenn schon zynisch, dann bitte so, daß es sich ohne Schmerzen - sie eifersüchtiger Diletant:

Bitte. Können sie sich abschreiben in "Mein zynisches Poesialbum":

Draußen vom Walde, da komm ich her.
Dass vom Sterne ich komm, dass ist ne Mär ...

Drum glaubt es dem Sebastian nicht,
denn der ist nur ein kleiner Wicht.

Diese Rute hier, hab ich dabei dabei.
Den Po kriegt er voll - oh wei, oh wei.

Denn Lügen nein, das darf man nicht!

Drum klage ich an, oh Anthro-Gericht!

Ich klage an die Phantasie, ich klag sie an (ich hab sie nie.)

Ich klage an das Schöpfertum, ich klage an (hät auch gern Ruhm)

Ich klage, motze, kritisier,
ich tus Zuhaus und tus auch hier

Ich klage an, oh Anthro-Gericht (und bin wohl selber nicht ganz dicht)

Ich nenne alle "Dumme Kälber"
(und merks ja nicht: Ich bins ja selber.)

Drum schweig ich, Thomas jetzt und gleich, und krieche in mein Zwergenreich...

Da tanz ich dann den Zwergentanz und fass mir stolz...an meine Zipfelmütze.

Gute Nacht, Depp.

johann-amadeus-rilke

Thomas hat gesagt…

@ Anonym 16.12.09 19:11

Aber es dichtet!

Thomas hat gesagt…

@ johann-amadeus-rilke

Heißen Sie vielleicht in Wahrheit Rumpelstilzchen?

(Ach wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelheinzchen stieß)

Thomas hat gesagt…

@ johann-amadeus-rilke

Übrigens, haben Sie sich bei Ihrer Dichtung vielleicht von dem "großen und wachen Künstler GIA EDZGERVADZE" inspirieren lassen?

(Sie wissen sicher, das ist der mit der Manifestation)

Und:
Ich wünsche ebenfalls eine Gute Nacht!

Nene hat gesagt…

eine schöne Geschichte Sebastian und eine wahre Geschichte, die ich so oder ähnlich auch gerne Kindern erzähle. Kindern, die dem Funken des Göttlichen noch so viel näher sind, die noch wissen ohne zu urteilen, die noch die Stille heiliger Worte und die Heiligkeit der Stille kennen.

Nicht du bist der Narr in diesem Zirkus.
herzlich
Nene

Anonym hat gesagt…

Lieber Herr Gronbach, danke für den schönen Text, der von innen her wahr ist und mich an eine Zeile von Christian Morgenstern erinnert, der ja wohl auch ein Freund Steiners war:

"Tu auf dein Herzlein, liebes Kind, daß wir Ein Licht zusammen sind!"

L.Weissler

Zwischen Himmel und Erde hat gesagt…

:-))))))))) Is ja nett. Über die obige Seite kam ich hierher und passend zum Titel, entdecke ich diese rührende Geschichte. Zufall?

Schöne, stille Tage euch allen. Eva-Sophia Franke

Rumpelstielzchen hat gesagt…

@ Anonym

Ach wie gut, dass niemand weiß,....

JANET hat gesagt…

Wie sagt man so schön, wenn ein göttliches Wesen die Schwelle der Tür betritt..

Komm rein, welch Glanz in meiner Hütte!

Das Märchen Rumpelstielzchen habe ich zum 3. Advendt der kleinen Theresa vorgelesen.. so ein kleiner Quirl. springt wie ein Flummi auf der Couch stösst sich und meint, ach das Bein ist doch nooch dran.. wie süss!


Also ich find ja schön zu was der Thomas inspirieren kann..

NochmalNochmal!

Draußen vom Walde, da komm ich her.
Dass vom Sterne ich komm, dass ist ne Mär ...

Drum glaubt es dem Sebastian nicht,
denn der ist nur ein kleiner Wicht.

Diese Rute hier, hab ich dabei dabei.
Den Po kriegt er voll - oh wei, oh wei.

Denn Lügen nein, das darf man nicht!

Drum klage ich an, oh Anthro-Gericht!

Ich klage an die Phantasie, ich klag sie an (ich hab sie nie.)

Ich klage an das Schöpfertum, ich klage an (hät auch gern Ruhm)

Ich klage, motze, kritisier,
ich tus Zuhaus und tus auch hier

Ich klage an, oh Anthro-Gericht (und bin wohl selber nicht ganz dicht)

Ich nenne alle "Dumme Kälber"
(und merks ja nicht: Ich bins ja selber.)

Drum schweig ich, Thomas jetzt und gleich, und krieche in mein Zwergenreich...

Da tanz ich dann den Zwergentanz und fass mir stolz...an meine Zipfelmütze.

Kerstin Zahariev hat gesagt…

Zipfelmütze reimt sich aber gar nicht auf Zwergentanz...

:))))))))))

Anonym hat gesagt…

@Thomas um 19.29 Uhr

Zum "Ich" sagt Rudolf Steiner auch dieses hier:

"Ein wesenloses Wesen wirst Du sein, wenn Du Dich findest."


Diesen Satz find ich so Groß und so Schön... WOW!


VonHerzen
Jasna

manroe hat gesagt…

@Jasna

"Nur ein rein geistiges, ein auf geistige Weise geborenes
Wesen könnte sich unmittelbar mit dem Geistigen vereini-
gen. Der Menschengeist ist kein solches Wesen. Er muß
durch das Materielle vollständig hindurchwandeln. Ohne
diese Lebenswanderung wäre dieser Menschengeist ein wesenloses Wesen.
Wenn er so vorhanden wäre, könnte er
nicht leben. Entstünde er auf irgendeine Weise, so müßte er
die materielle Wanderung von vorn anfangen. Denn der
Mensch ist das, was er ist, nur dadurch, daß er durch eine
Reihe vorheriger Verkörperungen durchgegangen ist. Auch
diese Vorstellung mußte Goethe im Faust darstellen."


Und weiterhin:

"Behalten kannst du doch von ihnen nur,
Was sich in geistig reinem Streben dir
Erschlossen und auch rein verblieben ist.
Doch dieses hast du selbst von dir geworfen
Und Ahriman als Eigentum gegeben.
Was dir jetzt noch erhalten, das hat dir
Für Geisteswelten Lucifer verdorben.

Ich muß es an der Schwelle dir benehmen,
Wenn du gerecht sie überschreiten willst.
So bleibt dir nichts; - ein wesenloses Wesen,
Das wirst du sein, wenn du dich geistig findest."


Der Kontext ist schon wichtig. Und weiterhin verstehe ich persönlich nicht, warum man freiwillig sich bestrebt ein wesenloses Wesen zu sein?? Ist mir echt ein Rätsel, dieser Trieb? Entweder Trieb oder Unverständnis?

MonikaMaria hat gesagt…

In den ersten Zeiten des Christentums hatte man einen Spruch, der lautete: «Christus verus Luzifer», Christus ist der wahre Lichtträger –, denn Luzifer heißt Lichtträger. Warum wird Christus der wahre Lichtträger genannt? Weil jetzt durch ihn berechtigt worden ist, was früher unberechtigt war. Früher war es ein Auseinanderreißen; die Menschen waren noch nicht reif zur Selbständigkeit. Jetzt waren die Menschen durch den Ich-Impuls, den sie durch den Christus Jesus bekommen haben, so weit, dass sie trotz des Ichs sich in Liebe zueinander entwickeln konnten. So wurde das, was Luzifer sozusagen vorausnehmend der Menschheit geben wollte, als diese noch unreif war, durch den wahren Lichtträger, durch den Christus Jesus, der Menschheit gebracht. Er brachte den Impuls zur Verselbständigung, aber auch die geistige Liebe, die zusammenführt, was nicht blutsverwandt ist. Durch ihn kam die Epoche, wo die Menschheit heranreifte zu dem, was Luzifer früher schon bewirken wollte. Dieser Ausspruch: «Christus verus Luzifer» ist später nicht mehr verstanden worden. Derjenige allein, der ihn richtig versteht, lernt die ersten Lehren des Christentums kennen.»

GA 104, Seite 154

Knecht Ruprecht hat gesagt…

Hallo Thomas, ich finde Dein Gedicht super und kein bisschen "zynisch".
Vor allem ist es so herzerfrischend unanthroposophisch.
Und ob man den Leuten Phantasie attestieren kann, denen nichts weiter einfällt als zu lügen?
Vor allem aber wird der Nikolaus (von Myra) in den Dreck gezogen. Ich weiß nicht, warum man seine Geschichte oder eine der vielen Legenden nicht den Kindern erzählen können sollte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra