Samstag, 31. Oktober 2009
Das Mars-Mysterium
Freitag, 30. Oktober 2009
Staubige Küsse
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Das Auge Gottes
Die meiste Zeit unseres Lebens identifizieren wir uns mit irgendetwas.
Sich mit etwas zu identifizieren bedeutet Sätze zu sagen, die so anfangen:
„Ich bin...“.
Identifikation ist ein lateinisches Wort und es bedeutet wörtlich übersetzt „gleichsetzen“.
Je höher unser Bewusstsein-, und Entwicklungsgrad ist, desto seltsamer erscheinen uns diese völligen Identifikation mit Dingen wie einer Weltanschauung, einer Partei, einer Religion oder spirituellen Tradition.
Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass diese Gleichsetzung nicht mehr zu ihnen und zu ihrer Zeit passt.
Gut so.
Aber von einer Identifikation können sich die allerwenigsten Menschen lösen. Es ist die Identifikation mit ihrer Person.
Selbst wenn sie aufgehört haben sich mit ihrem Land, einer Partei oder einer Weltanschauung zu identifizieren, selbst dann identifizieren sie sich mit ihrer Person, ihrer Biografie, und mit ihrem Namen.
Sie sagen am Ende immer noch „Ich bin Claudia“. „Ich bin Peter“.
Den meisten Menschen ist es eine nie in Frage gestellte Selbstverständlichkeit, solche Sätze zu sagen.
In allen Weisheitstraditionen – zu denen auch die Anthroposophie gehört – gibt es einen Punkt, in der spirituellen Entwicklung, wo es darum geht, diese Identifikation aufzubrechen und sich von der gedanklichen und emotionalen Gleichsetzung mit seiner Person zu befreien.
Menschen, die zutiefst erfahren haben, was damit gemeint ist, die sagen solche Sätze wie „Ich bin Deutscher“, „Ich bin Anthroposoph“ und „Ich bin Sebastian“ immer mit einem inneren Lächeln.
Es kann eine große Befreiung sein, an dieser Stelle des Lebens zu stehen und sich von seiner engen Persönlichkeit befreit zu haben.
Es ist eine Befreiung von der Identifikation mit unserem Körper, mit unsere Gedanken und Gefühle. Das tut gut. Richtig gut.
Doch die große Freiheit wartet erst jenseits dieser Stelle.
Die große Freiheit ist die Freiheit vom trennenden „Ich“ frei zu sein.
Auch weit entwickelte Menschen retten sich in den Gedanken ein einzigartiges Individuum mit einer einzigartigen Identität zu sein. Etwas daran ist wahr und heilig und ein Grund zur Freude.
Doch etwas daran ist leider verkehrt und der Grund für alles Leiden.
Was bedeutet das Wort „Individuum“?
Es bedeutet „unteilbar“.
Was bedeutet das Wort „Identität“?
Es bedeutet „der selbe“.
Stelle Dir vor, es gäbe eine Möglichkeit, die Welt so zu sehen, wie Gott sie sieht. Wenn ich „Gott“ sage, dann meine ich damit nicht den alten Mann mit dem Bart, sondern eine nicht konditionierte Sichtweise, eine nicht-duale Perspektive, eine Perspektive, die nicht als „Zwei“ schaut, sondern EINE Perspektive des EINEN Auge Gottes.
Eine Nicht-Perspektive. Eine „unteilbare“ Perspektive.
Eine göttliche Perspektive wäre eine, in der Gott das Selbe ist, was er wahrnimmt.
Wenn wir diese Perspektiv einnehmen (die wir in Wirklichkeit nicht einnehmen können, weil es niemanden gibt, der etwas einnehmen kann und es nichts gibt was eingenommen werden kann) – dann machen wir Gott nackt.
Denn „Gott hat sich einige Gewänder zugelegt, um sich als Mensche verkleidet in seinem eigenen Garten die Zeit zu vertreiben.
Gott nackt zu machen bedeutet, sich dieses Einkleidens bewusst zu werden und alle Gewänder loszulassen und abzulegen.
Es bedeutet, ganz bewusst in einen Zustand zu gehen in dem man das „Unteilbare“ und „der Selbe“ ist.
Jetzt können wir uns von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Tier, von Mensch zu Baum, von Mensch zu Kosmos begegnen und immer lächelnd sagen:
„Grüß Gott – ich bin der Selbe - die Unteilbare“
Früher war es die vornehmste Aufgabe der Religion diesen Prozess nach vorne zu bringen. „Religion“ bedeutet, die verstreuten Teile „wieder auflesen, wieder aufsammeln“.
Gott
Wir erkennen im wahren Du unser Gegenübers unser wahres Ich. Dasjenige was (sich selbst) erkennt, ist Gott.
Unser getrenntes „Ich“ ist die Kreation des Schöpfers – das jedoch, was dieses getrennte „Ich“ wahrnimmt, ist der Schöpfer selber.
Unser getrenntes Ich ist, wie es Thomas Hübl sagen würde, eine „kosmische Adresse“. Das Auge Gottes selber hat keine Adresse. Oder anders gesagt: Gott wohnt überall und nirgendwo.
Rudolf Steiner nennt das die „Wiederverkörperung des Geistes“. Und in jedem Einzelmenschen verkörpert sich nach Steiner „seine Gattung“, also die Gattung des EINEN, UNTEILBAREN und SELBEN.
Im religiösen Kontext nennen Menschen den allgemeinen Gott, der bewusst im Einzelmenschen aufersteht, "den Christus." Hier beginnt die MISSION MENSCH.
Ein Leben aus dieser befreiten Perspektive zu führen bedeutet in der Welt zu sein, aber nicht von dieser Welt zu sein.
Es bedeutet völlig frei zu sein und im selben Moment die volle Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet sein endliches Leben zu leben und dabei in der Unendlichkeit zu ruhen.
Du kannst jetzt das Spiel des Lebens spielen und alles sein - denn Du bist nichts davon.
„Erkennst Du, zutiefst, zutiefst, zutiefst, dass derjenige, der diese Seite liest, auch derjenige ist, der sie geschrieben hat?
Du und Sebastian und diese Seite, alles erscheint im Zeugen dieser Seite, nicht wahr? Das Selbst ist nicht schwer zu finden, sondern es ist unmöglich, ihm zu entkommen. Lass also all diesen Unfug von Finden und Verlieren los, und siehe einfach das EINE, in dem alle Welten jetzt erscheinen.
Gehe hinaus, und schaue Dir die wunderschöne Welt an, welche in deiner gefühlten Bewusstheit erscheint, welche in Deinem eigenen Wesen erscheint. Und dann, na ja, geh ein Bier trinken, oder etwas in der Art ...“ (Ken Wilber)
Wenn Du diese befreiende Perspektive einnehmen willst, um mit Freude unsere Kultur nach vorne zu bringen, dann kann Meditation ein Weg sein: Ich lade Dich herzlich ein zu der kostenlosen und ubverbindlichen Veranstaltung "Meditation für ALLE".
Im Rahmen des von sieben Kinder- u- Jugendtheatern und der Ruhr 2010 gemeinsam vorgetragenen Zukunftsgestaltungsprojekts pottfiction, welches von der Stiftung Mercator getragen wird.
Am 30. Oktober 2009 in GELSENKIRCHEN um 16.00 Uhr, Consol Theater. Bismarckstraße 240, 45889 Gelsenkirchen (Weitere Seminare & Events sind in dieser Reihe geplant).
Mittwoch, 28. Oktober 2009
Der spirituelle Meister Proper
„Hallo – na du, was gibt’s“
„Ich wollte nur mal zu Dir hochkommen und auf Deinem Sofa was sticken.“
„So?“
„Ja, weil’s bei Dir gemütlich ist.“
„Na dann.“
Jetzt sitzt die junge Dame aus der vierten Klasse hier oben in meinem Dachzimmer. Und sie stickt. Weil’s so gemütlich ist.
Vor zwei Tagen war ich in Stuttgart wo ich mich mit ein paar herausragenden spirituellen Lehrern traf. Nach drei Stunden des gemeinsamen Gesprächs, des Zuhörens, des Lernens, der Pläne und der Stille, war klar, warum diese fünf Menschen mehr geben konnten, als dies sonst oft möglich ist: Weil sie den Raum nicht mit persönlicher Not und Gier verstopften.
Erste Pflicht eines spirituellen Lehrers ist es, eine aufgeräumtes Gemüt zu haben. Jeden Tag reinigt er sein Seelenzimmer. Täglich säubert er sich von persönlichen Begierden – um einen klaren Freiraum zu schaffen in dem sich Neues ereignen kann – frei von altem Dreck.
Wenn wir das Beste geben wollen, wenn wir das Beste für die Evolution einer erwachten Kultur geben wollen, dann wird dieser Prozess damit beginnen müssen, dass wir das Schlechteste von uns aufgeräumt haben.
Es ist mir klar, dass dies das Ende einer Kuschel-Esoterik bedeutet. Es bedeutet, dass man die Floskel vom mit-sich-im-Reinen-sein absolut ernst nimmt.
Wenn wir wirklich etwas für die Evolution einer neuen Kultur beitragen wollen, dann müssen wir wirklich vor unserer inneren Tür kehren. Wir müssen aufhören negatives Karma zu produzieren. Wir müssen das Jammern beenden und die Verantwortung für unser Leben übernehmen.
Wir müssen – und ich sage dieses Worte zum wiederholten male und ganz bewusst – wir MÜSSEN zuerst unseren seelischen Umkreis reinigen.
Niemand verlangt, dass wir sofort unser Zentrum und die verborgensten Winkel aufräumen – beginne mit Deinem äusseren Resonanzkörper: Mit Deiner Sprache. Mit dem was Du anderen zumutest. Mit Deinem Tratsch. Mit Deiner Ordnung. Mit Deiner Höflichkeit – beginne mit dem, was man „Tugend“ nennt. Werde tugendhaft.
"Die goldene Regel der wahren Geheimwissenschaften ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten." Rudolf Steiner
Das räumt Deinen äusseren Resonanzraum auf. Es schafft Platz für das Neue, was sich nun in Deinem Umfeld entfalten kann.
Schaffe keinen kalten und sterilen Raum – schaffe um Dich herum einen warmen, angenehmen und einladenden Raum. Nennen wir ihn gemütlich im besten Sinne des Wortes. Eine reine Gemütlichkeit.
Trage Sorge, dass Du eine Einladung bist – selbst wenn Deine Einladung hin und wieder die Form einer Provokation annimmt.
Wenn jemand Deine Einladung annimmt und zu Dir kommt, dann verstelle ihm nicht den Weg mit Deinen unsortierten Sorgen.
Mit anderen Worten: Wenn Du Deinen Besten Beitrag für die Evolution der Kultur leisten willst, dann starte damit ein sorgenfreier Mensch zu werden.
Aber nicht nur für Dich – sondern als Einladung für andere Menschen.
Werde Du selber der Ort, wo sich die neue Kultur ausdehnen kann. Ohne Hindernis und in alle Richtungen. Ein Freiraum für das Neue.
Anthroposophen nenen es Seelenhygiene.
Fange mit Deinem eigenen Innenraum an. Damit wird auch der Raum Deiner Tradition klarer und frischer.
Räume überkommenen Vorstellungen zur Seite, wische den Staub von Deinen göttlichen Fähigkeiten, entsorge den Seelenmüll, entroste die Waffen Deines Geistes, putze die Fenster für neue Perspektiven, stelle frische Blumen der Liebe in die Leere Deiner aufgeräumten Innerlichkeit.
Kläre Dich auf.
Seelenhygiene ist Dein erster Dienst an der neuen Kultur.
Gestalte Deinen Seelenraum in frohen, frischen Farben. Öffne Dich. Heisse das gute Neue willkommen. Sei ein Segen.
Werde ein spiritueller Meister Proper.
„Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele
Rudolf Steiner
Dienstag, 27. Oktober 2009
Kapital = GEIST
Sie folgen der tiefen inneren Überzeugung, dass der Markt auf den Menschen angewiesen ist – als schöpferischem Gestalter von Produkten und Beziehungen, die ihre Nachhaltigkeit nicht nur aus dem schonenden Umgang mit Ressourcen beziehen, sondern auch aus ihrer Ausrichtung an einem höheren Sinn wie dem Einklang von Mensch und Natur, sozialer Verbindlichkeit und einer Wertigkeit, die über den reinen Konsumnutzen hinausweist.
Die in „Kapital=Geist“ portraitierten zwölf Unternehmen, darunter nationale und internationale Größen wie die Drogeriekette dm, die Bio-Supermarkt-Kette Alnatura, der Arzneimittelhersteller Wala – dessen Naturkosmetikmarke Dr. Hauschka längst Hollywood erobert hat, der Anbieter von Naturbekleidung hessnatur oder die GLS Bank, zeigen, wie sich der anthroposophische Geist im Business manifestiert – unaufdringlich, aber in seinen Werten kompromisslos, materiell erfolgreich, aber nicht vom Kommerz getrieben.
Montag, 26. Oktober 2009
Heiliger Frevel
Ich war fasziniert von den Hörern am Telefon. Ich wollte wissen, warum sich dieser oder jener Hörer, dieses oder jenes Lied gewünscht hatte.
Und selbst der einfachste Song berührte mich zutiefst, wenn zuvor jemand „seine“ Geschichte dieser Melodie erzählt hatte. Jonny Hills „Ruf Teddybär Eins Vier“ war so ein Song.
Wenn Ihr den Song hört, werdet Ihr vielleicht über mich lachen, aber am Ende musste ich oft weinen – mir war durchaus klar, dass man das als „kitschig“ bezeichnen würde.
Aber etwas berührte mich. Mich berührte das Einfache. Das Einfach der Musik. Die einfachen Geschichten hinter der Musik.
Damals wie heute, lasse ich mir nicht ausreden, dass uns diese einfachen Dinge (ebenso wie die komplizierten Dinge) von dem selben Geheimnis erzählen.
Ja, ich mag komplizierte Dinge und spannendes ist mir lieber als das die Langweilige – aber das Geheimnis hinter allen Dinge ist das Selbe.
Ich durfte in meinem Leben diese Gnade erfahren: Das Wesentliche ist kolossale Einfachheit. Das größte Geheimnis entfaltet sich in einfachster Klarheit – und letztlich ist all mein Schreiben und Reden immer nur ein Bericht über diese einfache Geheimnis. Wer es je erfahren durfte, dem kann man das einfache Lächeln nicht mehr abgewöhnen.
Thomas Hübl findet dafür diese schönen Worte: „Ein Lachen im Wind, Stille.“
Auf der Rückseite meines Buches habe ich nur einen Satz geschrieben: „Weil das Leben einfach kompliziert ist“.
Ich durfte in den vergangenen Tagen wieder viele Erfahrungen machen, die diesen Geschmack in mir immer wieder explodieren ließen.
Eine Buchmesse – und alles was präsent ist, ist ein Lächeln am Ende, als der Schlussgong der Messe ertönte.
Vater sein – und jenseits aller Erziehung dieser eine Moment, wo mein Sohn und ich uns bei einem albernen Film an den Händen halten.
Im Fitnessstudio – im Schweiss und unter schweren Gewichten das Gefühl, dass alles so unendlich leicht ist.
Nach dem Kino – meditieren mit den Simpsons. Es war ein Scherz von wenigen Sekunden – aber in einer dieser Sekunden war das ewige JETZT einfach da.
Ich mag dieses lächerliche Bild mit den Simpson. Dieses Bild ist wie der Teddy-Song von Jonny Hill: Unverschämt einfach. Ein heiliger Frevel. Darf man zwischen den Simpson eine Sekunde Gottes Anwesenheit spüren? Darf man im Angesicht von brachialer Flachheit den Segen des einen GEISTES empfangen? Darf mich ein amerikanischer ComicDepp dazu inspirieren das anspruchslose Glück zu fühlen, welches in jedem Augenblick hinter allen Dingen sein stilles Leuchten feiert?
Ich weiss schon – es gibt angemessene und weniger angemessene Formen, in denen der eine GEIST erscheint. Grundlegende und bedeutsame. Aber vergessen wir bei allen komplizierten Wahrheiten der relativen Welt diese eine Wahrheit des Absoluten nicht: Jede Form der Materie ist eins mit dem formlosen einen GEIST.
„Alle Formen sind ohne Ausnahme eins mit der Leerheit. Warum sollte man um solche Formen einen Bogen machen oder auf sie herabsehen? Sind sie nicht auch dies Manifestationen der höchsten Wonne des GEISTES, der in den sprudelnden Wassern seiner Überfülle planscht? Sind nicht auch die Kräuselungen im Wasserfall des EINEN Geschmacks, Aromen des Göttlichen, die da und dort tanzen?“ (Ken Wilber)
Zwischen Homer, Marge, Maggie, Lisa und Bart Simpson sitze ich – aber „diese Wirklichkeit meines Ich tritt nie ein in mein Erdendasein. Ich bin nur ein Bild davon.“ (Rudolf Steiner). Und in diesem Sinne bin ich, Sebastian, auch nur ein Bild – eine kurzer Tanz in der Zeit...Und wenn jede Bewegung aus der ewigen JETZT geführt wird, dann lacht selbst der alte Homer Simpson im Wind.
Ob Menschenbild oder Karikatur. Ob Ernst oder Spaß. Ob Hochkultur oder Popart – hinter allen Formen feiert die Schöpfung ihre Vielfalt.
Ja, natürlich: Ich bin für Hochkultur und für die hohe Kunst. Aber was mich immer wieder wie ein Faustschlag trifft, dass ist die einfache Stille hinter den Dingen – unberührt von allem Wollen und Wirken. Unberührt von Kitsch und Kommerz aber auch von Kunst und Kultur.
Jenseits der Formen erhebt sich Leerheit in ihrer stillen Erhabenheit und einfachen Würde des Nirvana: Keine Simpsons. Kein Sebastian. Kein Steiner. Kein Wilber. Kein kompliziertes Leben. Nichts was Worte hat. Kein Lachen im Wind. Nicht einmal Stille. Denn Stille ist ein Wort.
Aus dieser Leerheit heraus ist alles immer wieder einfach – es verliert sich zwischenzeitlich in einem komplexen Tanz, dem man sein ganzes Engagement schenken darf – doch es mündet am Ende wieder in Einfachheit. Dieses Ende ist in jedem Augenblick gegenwärtig.
Einfach. So.
Auf eine unbewusste Art und Weise haben alle Menschen dieses Wissen von den Einfachheit hinter aller Kompliziertheit. Als ich ein Kind war und das Wunschkonzert im Radio hörte, war es dieses unbewusste Wissen, was mich anrührte.
Im Gedenken an dieses Wunschkonzert, kam mir gestern eine Idee.
Wie wäre es, wenn ich in Zukunft immer mal wieder Wunschartikel schreiben würde? Ihr schenkt mir ganz ausdrücklich eine Frage, ein Thema und Euer ganz besonderes Anliegen. Und ich gebe dafür meine Antwort, meinen Beitrag und meine Perspektive.
Und das ganze bekommt dadurch eine charmante und unvergessliche Note, dass Ihr beschreibt, was Euch zu dieser Frage, zu diesem Thema geführt hat.
Dienstag, 20. Oktober 2009
Im Weltenall. Im Seelengrund
Performance-Clip on Youtube: Von Cristi Heisterkamp (Tanz) und Sebastian Gronbach (Sprache).
Montag, 19. Oktober 2009
Stille im Regen
"Soeben hat unsere Ökomedaktivistin Aglaja Blankenhorn eine Extrem Ökomed in Freiburg veranstaltet. 7°C, Regen und Graupelschauer wurde durch Stille getrotzt und somit für noch mehr Aufsehen gesorgt.
Oder angelehnt an die magischen Matrix Worte: "There is no rain".
Danke Aglaja, danke Freiburg, danke Stefan.
Danke, dass Stille sprechen durfte. Mitten im Regen.
EDITATION
Wer Lust hat einmal zu erfahren, wie man den radikalste Weg der Selbsterkenntnis geht und was Meditation im tiefsten Sinn bedeutet, den lade ich kostenfrei und ohne weitere Verpflichtungen ein:
Meditation für Alle!
Die Veranstaltung findet im Rahmen des von sieben Kinder- u- Jugendtheatern und der Ruhr 2010 gemeinsam vorgetragenen Zukunftsgestaltungsprojekts pottfiction statt und wird von der Stiftung Mercator getragen.
Am 30. Oktober 2009 in GELSENKIRCHEN um 16.00 Uhr, Consol Theater. Bismarckstraße 240, 45889 Gelsenkirchen (Weitere Seminare & Events sind in dieser Reihe geplant).
Samstag, 17. Oktober 2009
Der Flug der Kraniche
In diesen Momente bricht mir das Leben mein Herz. Doch wenn ich das vollkommen zulasse und mich heroisch dem Schmerz hingebe, dann geschieht ein Wunder. Warum schreibe ich „heroisch“ dem Schmerz hingeben?
Wer sich heroisch dem Schmerz hingibt – woher der Schmerz auch kommen mag – der verschließt sich nicht in dem Schmerz, sondern er öffnet sich diesem Schmerz. Wer sich heroisch dem Schmerz hingibt, der empfindet kein Ego-Schmerz, sondern Welt-Schmerz.
Wer sich heroisch dem Schmerzen hingibt, der lässt es zu, dass sein Herz zerbricht und im selben Augenblick weiss er sich EINS mit allen zerbrochenen Herzen – er fühlt sich nicht allein. Er fühlt sich ALL-EIN.
Er fühlt sich zutiefst verbunden mit dem Leben selber, welches uns immer wieder die Chance gibt, dass wir sterben dürfen. Zerbrechen dürfen. Zerbrechen, um aufzubrechen.
Er fühlt, dass dieses Weinen auch ein Lachen sein könnte. Er fühlt kein persönliches Drama. Und das macht unseren Schmerz größer und nicht kleiner. Und dann können wir selber die Gnade in Person sein und damit beginnen, Trost und Heilung auszustrahlen.
Wie ein Freund mir schreibt: „Das Leben bricht mir mehr und mehr das Herz, auf eine so liebevolle und rücksichtsvolle Weise, das ich mich frage: wo kommt diese Gnade her?“
Ich höre diese Gnade in dem Rufen der Kraniche. Es ist das Leben selber was mich ruft. Immer wenn ich zulasse, dass mir das Herz bricht, erscheint darunter einfach dieses LEBEN selber. In einer Schönheit, die alle Begriffe von Schönheit überstrahlt.
Dieser Flug der Kraniche. Dieses Rufen da oben, welcher die Tränen in mir hier unten löst. Dieses alles ist nicht getrennt – und der Schmerz wird Schönheit, wenn ich die einfach Wahrheit erlebe: Die Kraniche fliegen durch mein Herz und mein Herz schlägt in jedem Kranich.
Im tiefsten Sinne sind wir immer das eine Leben und ungetrennt. Das Leben ist unser Zusammenhang. Wenn ich das so leben kann, so lösen sich alle Rätsel in Schönheit auf.
Als Rudolf Steiner starb schrieb er einen letzten Satz. Man solle seinen Tod nicht als Rätsel auffassen. „Die Dinge haben einen Zusammenhang, den man ehren muss, auch wenn man ihn noch nicht versteht.“
Weinen kann eine Ehre sein. Lachen kann eine Ehre sein. Achte die vollkommene Schönheit. Sie bricht uns das Herz und öffnet uns dem wahren LEBEN.
Am Sonntag bin ich auf der Buchmesse. Rudolf Steiner Verlag & info3 Verlag: Stand D126 in Halle 3.1. Ich freue mich auf Euch.
Freitag, 16. Oktober 2009
GEIST goes YouTube
Doch wie werden die neuen Denkformen aussehen? Was muss aus der Tradition, der Moderne und Postmoderne integriert oder transformiert werden? Was müssen wir schlicht hinter uns lassen? Und vor allem, wie können wir die Beliebigkeit und die moralische Indifferenz unseres Zeitalters überwinden, ohne ihre Errungenschaften - die Vielfalt und Toleranz verlieren?
Auf der 4.Herbstakademie Frankfurt 2009 stellen sich Dr. Tom Steininger und Sebastian Gronbach diesem Thema." Das Abschlussgespräch gibt es jetzt als Video on YouTube. Teil 1, 2, 3, 4, 5, 6.
Donnerstag, 15. Oktober 2009
Wenn der ganze Mann erwacht...
Eingeladen bin ich für den Bereich „Spiritualität“. In diesem Gebiet wird ebenfalls Dr. Patrick Broome seine Dienste anbietet - ich empfinde das als Ehre und Herausforderung. Dr. Broome (Bild) ist Yogalehrer der Deutschen Fußballnationalmannschaft, der TSG 1899 Hoffenheim und des FC Bayern München.
Während Dr. Broome den Fokus auf die energetische Struktur unseres äusseren Körpers richtet, werde ich die Seele und die spirituelle Kraft maskuliner Innerlichkeit ansprechen.
Uns wird die Frage bewegen, wie der postmoderne Mann zu seinem spirituellen Kern finden kann. Wie erweckt der Mann von heute seine wahre Innerlichkeit – jenseits von Klischees? Wie kann der ganze Mann erwachen – ohne dabei in alte Muster zu fallen?
Was sind die Essentiales einer zeitgemäßen maskulinen Geistigkeit und wie können wir sie im Alltag leben – zum Wohle aller Wesen und zu unserem eigenen Glück? Was ist die Mission maskuliner Spiritualität? Wie ist es, wenn der ganze Mann erwacht? Was ist Deine Mission? Wie lebst Du Deine Mission, Mann?
Diese heissen Themen, will ich gerne mit Euch Männern – und selbstverständlich auch Frauen – anpacken.
Neben der freien Auswahl an allen Bildungsangeboten, Besuch des Kabaretts, der Ausstellung usw. gibt es ein Goody-Bags für Alle. (Gesamt-Warenwert über 80 Euro). Die Geschenktasche enthält: Einen Original Sennheiser In-Ohr-Kopfhörer, drei exklusive Weleda-Produkte, sowie je eine Ausgabe Brand eins, Cicero und La cucina italiana.
Samstag, 21. Nov. 2009, 9-18 Uhr, Sparkassen-Forum, Hannover Zur Internetseite von MännerLeben. Hier das ganze Programm und alle Infos als pdf
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Ein Ohr wie eine Menschheit
Nach einem der letzen Programmpunkte – einem intuitiven Dialog zwischen Dr. Tom Steininger und mir – gab es viele dankbare Rückmeldungen. Ich freue mich natürlich sehr über dieses positive Feedback. Ich freue mich darüber, dass es uns wohl gelungen ist, die vielen inspirierenden Beiträge zu einem würdigen Schlusspunkt zu führen.
In diesem Sinne waren wir Zwerg auf den Schultern der Riesen, die vor uns gesprochen hatten.
Doch ich habe nicht nur das Gefühl, dass unser Beitrag auf dem geistigen Feld aufbaute, was andere Menschen zeitlich vor uns errichtet hatten, es gab für mich etwas anderes.
Etwas, was uns dazu drängte noch tiefer und weiter zu gehen als wir auf dieser Tagung bis dahin gegangen waren.
Als wir unseren Dialog begannen, hatte ich das durchdringende Empfinden, dass sich vor uns ein unermesslich großes Ohr öffnete. Ein einziges Ohr. "Ein Ohr wie eine Menschheit" - ein Wort meiner Lieblingsdichterein, der deutschen Jüdin Nelly Sachs.
Und bei jedem Wort, was ich sprach, entstand der Eindruck in meiner Seele, dass dieses Ohr letztlich exakt so bedeutsam für das ist was gesagt wird, wie der Mund der spricht – vielleicht entscheidender.
Wie weit darf ich bei einem Vortrag gehen? Wie tief können wir uns in das Ungeschaffene vorwagen? Welche Worte können dem standhalten, was sie eigentlich ausdrücken wollen?
Welche Worte spricht ein Autor, oder ein Redner? Sind es „seine“ Worte? Wenn ich öffentlich spreche, dann spreche ich – trotz eines vorgegebenen Themas – nicht das was ich mir vorher „ausdenke“. Ich spreche vielmehr – und das wurde mir am Wochenende sehr deutlich – ich spreche in eine gemeinsame Präsenz und aus einer gemeinsamen Präsenz heraus.
Diese Präsenz entscheidet über Worte und vor allem über die Tiefe, aus der diese Worte aufsteigen.
Die Intensität und die Würde der Aufmerksamkeit ist der Maßstab für das was gesagt werden kann und für das wie es gesagt werden kann. Bei der Herbstakademie war es eine intensive und würdevolle Aufmerksamkeit aus einem bestimmten geistigen Raum.
Es waren alle Teilnehmer zusammen und es war ihre Herkunft. Sie kamen aus dem Bewusstseinsfeld Rudolf Steiners, Ken Wilbers und Andrew Cohens – aber auch aus der Präsenz eines Thomas Hübel, Willigis Jäger oder manchem ungenannten spirituellen Lehrer.
Jeder von Euch wird das Phänomen kennen, dass die Hingabe eines Zuhörers darüber entscheidet, ob man etwas Wesentliches sagt, oder nur Smalltalk betreibt - stell Dir das nun einmal potenziert bei einem öffentlichen Sprechen vor.
Manche TeilnehmerInnen forderten mich in den letzten Tagen dazu auf, dass ich bei solchen Veranstaltungen noch eindeutiger und individueller meine eigenen Worte, Bilder und Botschaften vermitteln müsse – sozusagen „mehr original Gronbach“.
Ich bin dankbar für diesen Hinweis und fühle mich ermutigt – jedoch: Was ich bei einem Vortrag sagen kann, ist ganz wesentliche und entscheidend davon abhängig von dem, was gehört werden will und kann.
Was nicht gehört werden kann, muss unaussprechbar bleiben.
Im Grunde haben alle spirituellen Lehrer seit jeher immer nur das ausgesprochen, was die Seele der Zuhörer bereits in einem tieferen Sinne wusste.
Bevor der Mund sprechen kann, muss das Ohr eine Einladung werden. Wenn das ausgesprochenen Wort auf das Unausgesprochen in der Seele trifft, wird sich die Seele ihres verborgenen Wissens bewusst. Ein Redner kann nur ansprechen, was die Seele der Zuhörer schon weiss – es ist ein gemeinsames Erwecken des bereits in jedem Augenblick unbewussten Weltwissens.
Manchmal ist es beim öffentlichen Reden für mich so, dass es mir reicht, wenn ein einziger Mensch im Raum bereit und offen für einen bestimmten Aspekt ist. Wenn sein Herz sich zu einem Ohr öffnet, dann reicht dieser eine Mensch, damit ich sagen kann, was nur so für alle erlebbar wird.
Energetisch gesprochen, hören es die anderen Menschen nicht durch meinen Mund, sondern durch das Herz dieses einen aktiven Zuhörers. Es kann eine Mission sein, zum Ohr der Menschheit zu werden.
Aber manchmal reichen ein, oder wenige Menschen nicht aus, um etwas „weiterzuleiten“. Ich bemerke zwar dann das Bedürfnis und die Bereitschaft einiger Menschen, ein Ohr für eine Menschheit zu sein – aber ich kann auch genau sehen, dass dies eine restlose Überforderung wäre.
Wenn sich zu wenige als SprachOhr hingeben, kann ihnen das Herz gebrochen werden. Es ist meine Verantwortung, dann nur das zu sagen, was aushaltbar ist. Auch wenn es mehr zu sagen gäbe.
Du entscheidest über meine Worte. Es gibt eine Fähigkeit, die Du trainieren kannst, damit wir zusammen gemeinsam mehr erschaffen können – als Ohr und Mund des EINEN.
Öffne Dein Herz. Jedoch nicht nur als Ohr nach vorne. Öffne Dein Herz als Mund, der zu allen Menschen spricht. Öffne Dein Herz nach vorne und nach hinten. Lass es durchlässig und transparent werden. Nimm jedes Wort von mir – auch alle meinen unvollkommenen Worte und transformiere sie durch Dein Herz in Vollkommenheit. Atme meine Unvollkommenheit ein und atme unsere gemeinsame Vollkommenheit aus.
Dann kann ich sprechen, was Du in der Tiefe Deiner Seele längst weißt. DU und ICH transzendieren sich in diesem Vorgang zu einem höheren WIR.
Denn die Tiefe Deiner Seele, ist die Tiefe meiner Seele.
Desto mehr Menschen zu dieser Herzöffnung in alle Richtungen fähig sind, desto tiefer, höher und weiter wird der Raum, aus dem derjenige Sprechen kann, dem das Schicksal für diesen einen Tag die Sprache gegeben hat.
Wenn spirituelle Lehrer in früheren Traditionen und auch heute noch Freunde haben, die Vortrag für Vortrag mit ihnen reisen, dann vor allem aus dieser Wahrheit heraus: Um ein Ohr wie eine Menschheit zu bilden.
Die spirituelle Herbstakademie hat gezeigt, dass diese Tradition auch dadurch verwandelt werden kann, dass man das Geheimnis offen anspricht. Wir stehen erst am Beginn eines großen Wandels, wo uns immer bewusster werden wird, dass es keine Trennung zwischen denen gibt die sprechen und denen die hören.
Dennoch wird es für mich immer eine unermessliche Hilfe sein, die ich in tiefer Dankbarkeit annehme, möglichst viele offene, starke und verlässliche Herzen im Raum zu wissen. Herzen die wissen, dass nicht "ich" spreche und "Du" hörst.
Herzen, die wissen, dass wir EIN Mund, EIN OHR, ein Herz sind. EINE Menschheit – ein ICH BIN.
Sonntag, 11. Oktober 2009
Free Spirit
Its a physical barrier - spirit is always free! Public Meditation near Bethlehem Checkpoint with Stefan Stark.
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Heiliges Land. Heilige Stille.
Bevor der Krieger des Lichts einen Schritt nach vorne macht, um diese Welt zu einem besseren, schöneren und gerechteren Ort zu machen, macht er den einen Schritt ins Jenseits. Jenseits der Zeit. In das Jenseits allen Leids. Das Jenseits allen Strebens. Jenseits von Gut und Böse. In das Jenseits, welches bereits war, bevor Gott sich dazu entschlossen hat, sich als werdende Welt zu offenbaren. Bevor der Krieger des Lichts die Welt zu einem heiligen Ort transformiert, geht er in die Stille. Ein heiliger Ort. Eine heilige Stille. Das ist seine Meditation:Der Krieger des Lichts folgt seinem Atem: Einatmen ist annehmen. Ausatmen ist loslassen.
Der Krieger des Lichts bemerkt Gedanken – aber er nimmt keine Beziehung zu ihnen auf. Er bemerkt Gefühle, aber nimmt keine Beziehung zu ihnen auf. Er nimmt alles in seinem So-Sein an. Auch das Unannehmbare. Er lässt alles in seinem So-Sein los. Auch das Loslassen.
Eine ganze Weile folgt der Krieger des Lichts diesem Atem.
Dann:
Der Lichtkrieger atmet nicht mehr. Der Atem selber ist es nun, der den Lichtkrieger erfasst hat. Er ist Atem. Er ist in Weltenweiten und weit ist sein eigenes Sein.
Er hört nicht mehr den Lärm in der Stille. Er hört die Stille, die um den Lärm herum ist. Diese Stille kommt nicht und geht nicht. Diese Stille ist ohne Anfang. Ohne Ende.
Der Krieger des Lichts erinnert sich daran, was er immer wusste:
„Diese tiefe, weite Stille, ist die Gegenwart meiner Seele. Dort bin ich Zuhause. Mein Zuhause ist immer in mir – wie konnte ich jemals Angst haben, mich zu verlieren? Ich war immer angekommen. Im Frieden meiner inneren Gegenwart. Ich kann mich nicht finden, weil ich mich nie verloren habe.“
Der Lichtkrieger ist nun die Ruhe selbst, die er immer wahr. Denn Ruhe ist sein Wesen – darum konnte er sie nicht finden. Denn sowenig Wasser nass werden kann, sowenig kann er ruhig und still werden. Einfach darum, weil Ruhe und Stille bereits sein wahres Wesen ist.
Er bekennt sich nun zu seinem wahren Wesen. Und sein wahres Wesen ist EINS mit jedem wahren Wesen im ganzen Kosmos. Mit dem Kosmos selbst.
Nun atmet er Galaxien ein. Er saugt förmlich den Kosmos in seine Lungen. Jetzt beginnt sein Herz mit dem ganzen, liebenden Universum zu pochen. Es ist ein neuer Rhythmus. Es ist die Ruhe, die zu einer Kraft wird.
Er fühlt die Ruhe in sich. Die Kraft die ihn stärkt. Wärme durchdringt ihn. Er fühlt, wie Ruhe sich durch ihn ergießt. Es ist die Ruhe als Kraft. Die Stille als Macht.
Er öffnet die Augen und spricht: „Nicht ich, sondern Stille in mir“. Und dann steht er auf. Und dann macht einen Schritt nach vorne...
und weit ist mein eigene Sein –
Ich atme mit jedem Atemzug Galaxien ein –
schlafe die ganze Nacht als die Sterne.
Mein Auge ist der Himmelsraum -
Und der Nerven-Ende,
das sind die Sterne.
Die Sterne in meinem Weltenauge
und meine Pupille ist der Mond.
Sonne und Mond und herrliche Novä
rasen und rauschen durch meine Adern.
Ich sehe das Firmament.
Und ein Punkt -
ist das Firmament.
Ich erkenne eine tiefe Befreiung:
Ich bin von der ganzen Welt frei –
weil ich die ganze Welt bin.
Das Firmament ist meine Seele -
Meine Ich-tragende Seele – mein Herz.
Mein Herz pocht im Rhythmus
mit dem ganzen liebenden Universum.
ICH BIN in Weltenweiten -
und weit ist mein eigenes Sein.
ICH BIN von der ganzen Welt frei –
weil ich die ganze Welt bin.
(Frei komponiert nach Rudolf Steiner & Ken Wilber)
Bild: Stefan Stark vor Jerusalem meditierend mit ÖKOMED-Postkarte. Stark ist mit einem Pädagogik-Kunstprojekt der AlanusHochschule in Israel/Palästina unterwegs.
Mittwoch, 7. Oktober 2009
Go beyond - Gehe darüber hinaus!
Tina Turner, die ich als wilde und stets überdrehte Rockröhre im Gedächtnis hatte, ließ sich dazu von Deepak Chopra und Rumi inspirieren. Ich musste einsehen, dass mein Bild von Tina Turner unvollkommen war.
„Wir wollen unsere alte Art des Denkens loslassen und eine neue Art des Sehens finden“, sagt die Amerikanerin auf der CD, die sie mit zwei Sängerinnen aufgenommen hat. Und weiter: „Dazu brauchen wir eine regelmäßige Schulung, ein echtes Training. Lasst uns gegenseitig Lehrer und Schüler sein – welch ein großartiger Moment.“
Ich weiss, dass sehr viele Menschen – auch im Umkreis der Anthroposophie – in diesem Sinne leben. Überall gibt es Menschen, die nicht länger daran glauben können, dass eine einzige spirituelle Gemeinschaft, ein einziger Lehrer und eine einzige geistige Perspektive, in der Lage ist, den enormen Herausforderungen gerecht zu werden.
Immer mehr Menschen sehen, dass sie über alte Erkenntnisse und Grenzen hinaus gehen müssen. Ihr Credo: „Go beyond - Gehe darüber hinaus!“
Aus einer ganz anderen Ecke kommt ein Ansatz, der ebenfalls in diese Richtung ermutigt. Der Neurobiologe Frank Appel, mittlerweile Postchef, sagte dies in einem Interview. „Der Naturwissenschaftler lebt damit, dass 95 Prozent seiner Experimente schief gehen. Sie können als Wissenschaftler nicht arbeiten, wenn sie bei jedem Fehlversuch abbrechen.“
Wenn Anthroposophie sich den Namen „Geisteswissenschaft“ verdienen will, dann muss sie zum einen damit leben, dass nicht jedes ihrer Experimente gelungen und nicht jede Aussage und Erkenntnis richtig oder von Dauer ist. Nicht gestern und nicht morgen.
Zum anderen gibt es keinen Grund dieser „Geisteswissenschaft“ den Rücken zu kehren, nur weil manches misslungen ist oder ergänzt werden muss – es ist geradezu ein Indiz für Wissenschaftlichkeit, dass etwas schief läuft. Appel spricht von 95 Prozent! Mir gibt das zu denken.
Worauf es für mich wirklich ankommt ist das, was bereits so viele Menschen als ihr Credo gefunden haben: „Go beyond - Gehe darüber hinaus!“
Mit Hochachtung vor allem was geworden ist und mit der Gewissheit, dass wir das Gemeinsame wahrnehmen können, ohne die Unterschiede zu verwischen, dass wir dabei nichts verlieren, sondern uns gegenseitig beschenken.
Mit dieser Gesinnung freue ich mich auf die kommenden Tage der Herbstakademie in Frankfurt.
Dienstag, 6. Oktober 2009
Die alles übersteigende Vollkommenheit
Nur wenige geben sich der verwirrenden und exstatischen Wahrheit hin, dass nur beides zusammen vollkommen ist. Diese alles übersteigende Vollkommenheit auszuhalten ist eine Sache für sehr wenige Menschen.
Diese wenigen Menschen erleben, dass ALLES anstrengungslos perfekt, heilig und friedlich ist – längst bevor sie auch nur diese makellose Perfektion registriert haben und im selben Augenblick durchzuckt uns das zersetzende Gefühl, dass ALLES im heillosen Chaos, im immerwährenden Kampf und im Leiden versinkt – selbst wenn wir unsere besten Kräfte einsetzen.
Wir erleben die zum Weinen schöne Welt, die wir selber sind – und in diese Schönheit die wir selber sind, stirbt ein Kind am Durchfall. Nicht irgendwo. Sondern in unserer eigenen duftend Herzblume – und das übermenschliche Drama besteht darin, dass die Blume einfach weiterduftet. Im Kot des toten Kindes.
Wir fragen uns dann, wie muss ein Mensch aussehen und beschaffen sein, der diese alles übersteigende Vollkommenheit aushalten kann? Und nur wenige Menschen sind bereit die einzige Antwort zu ertragen, die es auf diese Frage gibt: So wie DU!
Nur sehr wenige Menschen haben die Stärke zwischen diesen Fronten zu leben. In stiller, regloser und lächelnder Meditation des Seins. Und im selben Augenblick im heroischen Kampf eines wild entschlossenen Evolutionärs.
Alles annehmen und alles lächelnd loslassen, die Schönheit feiern und im selben Moment sich niemals zufrieden geben mit dem wie es ist und die Welt immer weiter heilen, befreien und verbessern. Das ist das Credo von wenigen Menschen. Es berührt das Gelübde des Bodhisattva.
So ein Mensch erlebt sich als ungetrennt und EINS mit ALLEM was ist, war und sein wird. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Individuum. „Individuum“ ist lateinisch und bedeutet „ein nicht zu Teilendes“. Jeder Mensch ist das EINE Individuum. Das EINE, welches als die Vielen erscheint.
Es sind nur sehr wenige Menschen. Und es ist Krieg. Mitten im Frieden. Und die übermenschliche, ja übergöttliche Herausforderung besteht darin, die alles übersteigende Vollkommenheit wirklich auszuhalten, zu leben und zu repräsentieren: Das tote Kind im Kot und die anstregungslose Schönheit einer Lotusblüte.
So es meine Zeit zulässt, werde ich Beschimpfungen in diesem Blobeitrag löschen. Sie können gerne einen der anderen Artikel benutzen um ihren Schmutz auf mich zu kippen. Ich bitte doch aber darum, dass dies nicht in diesem Beitrag geschieht. Angesichts des Themas, sollte das jedem mitfühlenden Menschen eine Selbstverständlichkeit sein.
Montag, 5. Oktober 2009
Was sich spiegelt bist nicht Du
Wie lautet der ständige Refrain des Egos, des gefangenen Individuums? Er lautet so: „Bin ich irgendwie etwas ganz Spezielles? Ich will etwas über mich erfahren – über das, was ich wirklich bin“. Dazu unternimmt das Ego alle Anstrengungen.
Man erkennt den Unterschied zwischen einem „Gefangenen Individuum“ und einem „Freien Individuum“ ganz einfach.
Das „Freie Individuum“ schaut in den Spiegel und sieht NICHTS. Es ist ein befreiter Zustand des Nicht-Wissens. Ein Zustand in dem wir nicht wissen wer wir sind.
Das „Freie Individuum“ hat ein mächtiges Geheimnis erfahren: „Genau der Teil von uns, der wissen will wer wir sind, wird die Antwort nie erfahren.“
Dieses Zitat stammt von Andrew Cohen. Es ist eine, wenn nicht die älteste Weisheit. Eine Weisheit, in deren Licht auch Rudolf Steiner lehrte.
Was bedeutet dieser rätselhafte Satz?
Solange wir noch etwas „wissen wollen“, solange wir noch etwas „begreifen wollen“, solange wir noch „sehen und verstehen“ wollen, solange sind wir noch im Modus der getrennten Persönlichkeit.
Dort machen wir einen Unterschied zwischen dem Subjekt, welches etwas „begreifen“ will und dem Objekt welches zu „begreifen“ ist. Doch in der erwachten Freiheit, gibt es diesen Unterschied nicht. Nur wer das Suchen beendet, findet sich wieder.
Solange wir im Modus der getrennten Persönlichkeit sind, solange sind wir „Gefangene Individuum“ im goldenen Käfig der Besonderheit. Die goldenen Stäbe sind aus einem einzigen Bedürfnis angefertigt. Dem Bedürfnis nach Einzigartigkeit.
Ein goldener Käfig steht so neben dem anderen goldenen Käfig und jeden Tag putzen wir die goldenen Stäbe der Einzigartigkeit. Wir putzen sie, um diese nie enden wollende Spannung, Negativität & Engstirnigkeit, die das Ego ständig erzeugt, abzubauen.
„Wenn wir jedoch in unser wahres Selbst hineinsterben und uns als das erkennen, was unpersönlich und absolut ist, stolpern wir über das Wunder der Erleuchtung. Wir stellen fest, dass das Selbst, das wir entdeckt haben, ein Mysterium ist, das nicht mit den Augen gesehen und nicht mit dem Verstand begriffen werden kann.“ leben
"Hineinsterben in das Mysterium“, nennt es Andrew Cohen. „Sterben in Christus – In Christo morimur“ nennt es Rudolf Steiner in seiner Anthroposophie.
Andere Worte für etwas jenseits von Worten.
Sterben ist ein Wort für „bedingungsloses Loslassen“. Lass los, was Du erkennen willst. Erst wenn Du NICHTS bist, kannst Du ALLES werden.
Wenn wir uns also tatsächlich selbst erkennen wollen, dann müssen wir alle Fragen nach unserer Individualität loslassen. Wir müssen uns selber los lassen. Wir müssen bereit sein, uns selbst gänzlich zu vergessen und in dieses, im wahrsten Sinne des Wortes „unbegreifliche Geheimnis“ hineinzusterben.
Damit beginnt das Gold der Stäbe zu fließen und wir selber werden fließendes Gold. Freiheit erscheint. Licht und Liebe macht alles neu.
Dein wahres Selbst ist eins mit dem wahren Selbst eines jeden Wesens. Dein wahres Selbst ist das wahre Selbst von allem was ist - im Weltenall. Im Seelengrund. Die Summe aller menschlicher Iche ist EINS.
Die Mission Mensch beginnt, wenn Du in der Gewissheit vor dem Spiegel stehst, dass das was sich spiegelt, nichts mit Deinem wahren Selbst zu tun hat.
Die wahre Mission Mensch beginnt erst jetzt. "Bisher hast du nur dich selbst erlöst, nun kannst du als ein Befreiter alle deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien." Rudolf Steiner
Let´s talk about it...
Donnerstag, 1. Oktober 2009
Ein Lächeln
Ich will mit diesen ganz einfachen und bündigen Gedanken dazu anregen, dass die Frage „Ist Freude und Leichtigkeit in dem, was ich tue?“ zu einer Schlüsselfrage unsere öffentlichen Tuns wird.
In diesem Sinne könnte man auch die mannigfaltigen Erscheinungsformen der Anthroposophie würdigen. Angst vor neuen Formen würde verschwinden. Trauer und Schmerz vor verschwundenen Formen würde sich ebenso auflösen und die Angst davor, dass die „anthroposophischen Wahrheiten“ bedroht seien, käme gar nicht auf.
So eine Haltung ist Zufriedenheit. Und Zufriedenheit wird zu Gelassenheit. Und Gelassenheit zaubert ein Lächeln auf die Lippen. Und was mit einem echten Lächeln auf den Lippen ausgesprochen wird, das findet Gehör.