Montag, 25. Januar 2010

Die unerwartete Lichtung

Ich glaube, dass man den wirklichen Glauben dann finden kann, wenn man seinen Glauben restlos verloren hat. Nach meiner Erfahrung besteht ein tiefer Sinn darin, sich wirklich zu verlaufen und zu verlieren.

Es gibt eine Lichtung die kannst Du nur erreichen, wenn Du bereit bist Dich zu verlaufen. Tomas Tranströmer würde es die „unerwartete Lichtung“ nennen. Die „unerwartete Lichtung“ liegt mitten im Wald und sie wird nur von dem gefunden, der sich verlaufen hat.

Und wenn Du dort bist, dann weißt Du es. Der Unterschied von einem dichten Wald zu einer Lichtung, ist nicht zu übersehen.

Der Weg zu Deiner eigenen Lichtung, führt gerade nicht über bekannte Schulungswege. Kein einziger spiritueller Schulungsweg führt Dich zu Deiner Lichtung.

Im Grund ist auch Anthroposophie kein Weg zur Lichtung. Die Lichtungen, die man mit Schulungswegen erreichen kann, sind oft genug Lichtungen, die voller Menschen sind, die große Gebäude erbauen, die an Lichtungen erinnern sollen.

Nimm Anthroposophie (und andere spirituelle Bewegungen) als einen guten Wald, damit Du Dich auf gute Weise verirren kannst...um Deine eigen Lichtung zu finden.

Es ist wichtig sich zu gut zu verlaufen. Begrüße diese Erschütterung Deiner Existenz mit weitem Herzen. Verlaufen kann unglücklich machen, aber das muss gar nicht so sein.

Der Weg zu Deiner Lichtung führt über Deine eigene Verirrung – mach einen Spaziergang daraus. Oder einen Kampf. Oder finde Pilze. Oder umarme Bäume, oder entdecke Tiere, oder bau eine Herberge...mach doch was Du willst. Der Wald ist für alle da.

Deine Lichtung aber ist nur für Dich – Du wirst dort alleine sein. Ganz alleine.

Und was findest Du auf dieser Lichtung sonst?

Ich kann Dir sagen, was in allen Weisheitstraditionen von dieser Lichtung erzählt wird. Es gibt unendlich viele Geschichten darüber. Glaube keiner leuchtenden & , strahlenden Geschichte. (Aber verwechsel das nicht damit, dass sie trotzdem wahr sind).

Ich kann Dir sagen, was ich auch auf meiner Lichtung gefunden habe – es ist im Grunde die immer gleiche Geschichte. Glaube nicht, was ich Dir erzähle.

Verliere Deinen Glauben. Verirre Dich auf dem Weg zu Deinem Ziel und lass Dir niemals einreden, dass Verirrte unglücklich sein müssen.

Verliere Deine Ziele. Aber an dem Tag, an dem Du absolut keinerlei Ziele mehr hast, wie kannst Du da noch verirrt sein?

In dem Augenblick, wo Du vollkommen die Zukunft aufgibst, wirst Du ankommen. Wenn Du den Glauben an ein Ziel wirklich verloren hast, wird Dein nächster Schritt, der Schritt auf Deine Lichtung sein.

Du wirst wissen, wenn Du da bist und Du wirst Dich vielleicht wundern. Denn Du bist schon tausend mal über diese Lichtung gegangen. Ach was: Du warst immer nur an diesem einen Ort – aber bitte: Glaube mir das nicht.
LICHTUNG
Verlaufe Dich einfach weiter im Wald. Geh immer tiefer & tiefer & tiefer hinein - was auch immer der Wald heute für Dich ist. Begrüße alles was Dir begegnet und benimm Dich so in diesem Wald, dass andere Verirrte sich darin auf gute Weise verlaufen können. Verlaufe Dich auf Deinem Weg. Zu Deiner unerwarteten Lichtung.

Die unerwartete Lichtung liegt mitten im Wald und sie wird nur von dem gefunden, der sich verlaufen hat.

Kommentare:

MonikaMaria hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Thomas hat gesagt…

"Die unerwartete Lichtung liegt mitten im Wald und sie wird nur von dem gefunden, der sich verlaufen hat."

Wenn er nicht vorher in ein Loch gefallen oder verhungert ist.

Und davor schützt eben die rechte Schulung durch einen erfahrenen Waldläufer.



"Der Weg zu Deiner eigenen Lichtung, führt gerade nicht über bekannte Schulungswege. Kein einziger spiritueller Schulungsweg führt Dich zu Deiner Lichtung."

Doch!

Wohin sonst führt der anthroposophische Schulungsweg?

Barbara hat gesagt…

"Wohin sonst führt der anthroposophische Schulungsweg?"
Immer schön mit der Nase am Boden und stur der Fährte folgen. Erbsen zählen. Nie den Kopf heben, den Blick weiten. Ab und zu mal gegen einen Baum krachen, dann laut schimpfen. Vorgeben, nach Licht zu suchen (so steht es geschrieben) ohne eigene Sehnsucht oder Erinnerung. Dieses aber nie finden, nie finden "dürfen", dann ginge die Befriedigung des Rechthabens verloren. Kein klopfendes Herz. Stattdessen Enge, Einsamkeit, Freudlosigkeit.
Gut, dass ich keine Anthroposophin bin...! ;-)

Thomas hat gesagt…

Barbara,

ich verstehe, was Sie da schreiben. Und ich weiß, dass das nichts mit Anthroposophie zu tun hat?

Mit Scheuklappen durch die Welt laufen. Unbefriedigt sein. Freudlosigkeit. Mit dem Kopf gegen die Wand. Enge und Einsamkeit. Das habe ich auf dem Weg zur Anthroposophie und mit der Anthroposophie erfahren.

Aber dabei nie die Sehnsucht verloren. Die Sehnsucht nach Antworten auf meine Fragen.
Die Sehnsucht nach Wahrheit.

Es gibt Wahrheiten, wenn man da herankommt, ist es so, wie wenn man sich durch einen unwirtlichen, dornigen Wald gekämpft hat und kommt endlich an eine Lichtung. Plötzlich wird es weit. Außen und Innen. Man fühlt sich allein, aber nicht in Einsamkeit. Man weiß sich verbunden mit allem was um einen herum ist. Man ist allein, aber nicht einsam. Der Wald wird freundlich. Belebt. Man sieht über sich den weiten, blauen, offenen Himmel.
Es gibt auch Wahrheiten, die einen zu Boden werfen können. Die einen in den dichtesten, düstersten Wald katapultieren. Die Hoffnung nehmen. Aber es sind Wahrheiten. Und man weiß tief im Innern: Es gibt Lichtungen.

"Anthroposophen" oder ein falsches Verständnis von Anthroposophie können einem Anthroposophie verleiden. Aber nie die Anthroposophie selbst. Nicht wenn Wahrheit von Herzen gesucht wird.



Die, die Wahrheit suchen, wandern allein.
(der Spruch soll von Christian Morgenstern sein)

Herzlichst

Kerstin Zahariev hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
JANET hat gesagt…

Liebe Kerstin, warum hast d u denn dein Kommentar gelöscht? Sind wir hier in Löschlaune.

wollt noch kurz was sagen, wenn der Wald zu dunkel und sehr dicht ist.. irgendwann stirbt im Wald was zu viel ist, weil keine Sonne rankommt..was bleibt sind die starken Bäume und die brauchen für Ihre Stärke das Verstorbene. Dann wird der Wald wieder licht und wieder wächst Dickicht nach wegen dem Licht.. so geht das immer zu. Am Ende bleibt ein großer kräftiger Wald mit großen kräftigen Bäumen... die vielleicht irgendwann doch der Sturm umreisst und eine große Lichtung entsteht für wieder kleine Bäumchen die sich ins Leben wagen..und groß werden wollen.

Kerstin Zahariev hat gesagt…

Liebe Janet, ich löschte ihn, weil er nicht zuende gedacht war. Meine Gedanken waren unvollständig. Dann sind sie keine Hilfe, keine Anregung - nur Gelaber, finde ich.

:)


PS: Sebastian, die Form der Identitätswahl und -ausführung sind klasse. Gut, dass du es verbessert hast. Danke.

JANET hat gesagt…

Liebe Kerstin, ich glaub dann darf ich gar nichts mehr schreiben.. Ist ein zuende gedachter Gedanke in einem Moment stimmig, ist er es im nächsten wieder nicht. Im Prinzip ist das alles Gelabber. Aber ohne Worte fehlt der Welt die Verbindung. Oder nicht?
Sonst würden wir wohl immer noch in Höhlen leben und Beeren und Pilze im Wald sammeln...und uns verlaufen und Lichtungen finden mit einem Fluss und uns dort niederlassen..und uns blöd ankucken.

Dein PS verstehe ich wiederrum nicht? Was meinst du damit?

Jasna Caluk hat gesagt…

Ja, wann sind Gedanken zu Ende gedacht?

Wenn ich Gedanken aufschreibe, hab ich nie das Gefühl, dass sie zu Ende gedacht sind und dann denk ich weiter und weiter und weiter und das macht mich zuweilen ganz kirre, denn irgendwann fliegen sie in alle Richtungen und nirgends scheint ein Ende absehbar, deshalb lass ich sie dann nun einfach so unfertig da stehen.

Was mich an manchen Gedanken überhaupt so kirre macht, ist das Ziel zu einem Ende kommen zu wollen.

Dazu finde ich das, was MonikaMaria in ihrem Blog geschrieben hat, ganz großartig.

"Stille
ist das unbewegte MEER.
Wo MEHR entsteht,
entsteht auf der anderen Seite
eine LEHRE, die wieder
– irgendwann –
zur LEERE werden will."

Kerstin Zahariev hat gesagt…

Hihi Janet, dann schau mal unten...

<>


Das war mal anders und so finde ich es besser.

Stimmt, im Grunde genommen ist alles Gelaber, denn der, welcher versteht, schweigt und der, welcher redet, versteht nicht.

Also lass uns weiterlabern... ich mag es, wie du schreibst. Das gefällt mir, mitunter erheitert es mich und immer lese ich deine Kommentare gern - weil sie von dir sind.

Du hast recht, wo es im Unterholz zu dunkel und dichtbewachsen ist, stirbt etwas. Und so muss es ja auch sein, damit die Stellen wieder lichter werden.

Ich weiß nicht, doch mittlerweile habe ich den Eindruck von Lichtung zu Lichtung zu laufen, verstehst du. Diese Dunkelphasen, dieses Verlaufen und Suchen werden weniger, ganz von selbst.

Nene hat gesagt…

Sebastian lass dich umarmen. Und im Umwenden gibt es keinen Wald und keine Lichtung mehr, nur Licht und Abwesenheit von Zeit und Raum.
Manche nennen es Jetzt, andere nennen es Erleuchtung, Erwachen, Alleinheit, es hat keinen Namen und trägt doch viele.
Es geht immer weiter und weiter in einer ewigen Entfaltung der Seelen.
SEIN

Barbara hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Barbara hat gesagt…

Hast du das (bereits) so erlebt, oder stellst du es dir so vor? Oder hast du es so gelesen, aus spirituellen Quellen zusammengetragen, wünscht du es dir so, oder denkst, dass es einfach so sein muss, oder...?

Ist wichtig auseinanderzuhalten, - wenn man sich nichts vormachen will. Wenn man sich etwas "vormacht", ist der Weg nicht frei. Worte sind nur Worte.

Aber Worte sind Worte: Sie können inspirieren, deine innere Flamme erwecken. Doch mag es noch so wahr sein, glaube es dennoch nicht. Es versperrt dir sonst die Sicht und den Weg.
Meine Erfahrung...

Thomas hat gesagt…

Für Barbara

so erlebt
(aber glauben Sie es nicht!)

Thomas hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Thomas hat gesagt…

Für Kerstin

".............."

Barbara hat gesagt…

@Thomas

war @Nene aber egal: Sollte eigentlich als Ankreuzboxpflichtauswahlfeld an jeden Beitrag anzuhängen sein.
;-)

X eigene Meinung!
;-))

Nene hat gesagt…

@Barbara
ist es wichtig für DICH, ob ICH es erlebe?
Der Weg ist frei und Worte sind Worte. Im Schweigen dazwischen liegt ihre Wahrheit, in dem winzigen Moment zwischen Einatmen und Ausatmen, wo Tod und Leben Eins sind.

Kerstin Zahariev hat gesagt…

Lieber Thomas, meine Kommentare an Sie waren absolut ernsthaft.
Deshalb verstehe ich Ihren Kommentar nicht.


Für Kerstin.

*............*


Lieber Thomas, was soll mir das sagen?

Herzlichst

Kerstin Zahariev.

Barbara hat gesagt…

@Nene
"ist es wichtig für DICH, ob ICH es erlebe?"

Ja, das ist es in der Tat. Jedenfalls wenn das hier so was wie Kommunikation, ein Mit-Teilen sein soll (ist es das für dich?). Höre/lese ich Reiseberichte, ist mir wichtig zu erfahren, auf welcher Grundlage diese erstellt wurden. War der Verfasser selber vor Ort, hat in Archiven gestöbert, seine Fantasie spielen lassen...? Alles mag seine Berechtigung haben, bedingt jedoch einen gewaltigen qualitativen Unterschied hinsichtlich meiner weiteren inneren Beteiligung..

Und dann, was ich mir wünsche, ganz generell: Berührung, mit mir und mit anderen. Was dafür (für mich) unbedingt notwendig ist: Wahrhaftigkeit. Anderenfalls erlebe ich Berührung nicht als heilsam.

Ich frage also noch einmal, da noch nicht beantwortet: Wenn du den Zustand der Erleuchtung beschreibst, auf was für Quellen greifst du dann zurück? Bist du erleuchtet, willst du es werden?

Und macht die Quelle für dich keinen Unterschied? Welche Bedeutung haben die Bilder und Reiseberichte anderer Reisenden für dich? Halten sie dich ab von der (eigenen) Reise - nie ist die Wirklichkeit so schön wie im Katalog - , oder inspirieren sie dich, dein ganz eigenes Ziel zu suchen, mag es auch ganz woanders zu finden sein, sich ganz anders darstellen...? Was ist Mut?

Als Frage nicht nur an dich gerichtet. Ich denke, es ist die Kernfrage dieses Blogbeitrages...

Thomas hat gesagt…

Für Kerstin!

Sie haben hier einen Kommentar an mich gerichtet und dann gelöscht.
Den Kommentar habe ich gelesen.
Auf die Frage von Janet, weshalb Sie ihn wieder löschten, gaben Sie zur Antwort, dass Sie das, was Sie da geschrieben haben für "Gelaber" halten.
Also ist für mich die Sache so, dass das, was Sie da für mich geschrieben haben "Gelaber" war. (Das "Gelaber" war für mich jedoch keins. Das Geschrieben habe ich schon als ernsthaft gemeint aufgefasst)

Der fehlende Inhalt zwischen den Anführungszeichen (".......") ist bezogen auf den folgenden Satz von Ihnen:

"Stimmt, im Grunde genommen ist alles Gelaber, denn der, welcher versteht, schweigt und der, welcher redet, versteht nicht."

Dem Satz zu Folge ist es dann besser, wenn man schweigt. Denn wenn man redet "labert" man ja doch nur.

Darauf folgte dann mein Kommentar, der "Schweigen" ausdrücken sollte.

Freundlichst

Susanne hat gesagt…

Lichtung.
Jeder hat seine eigenen Lichtungen.
Was ist Begegnung?
Eine Kreuzung auf einer gemeinsamen Lichtung?

Die eine wahre Lichtung
Wo ist sie?
Wird sie erst erreicht sein
wenn alle persönlichen Lichtungen
in eine münden?
Und wie wird es aussehen
wenn Lichtung gemeinsam erfahren wird
und nicht mehr mit Begriffen besetzt ist
Wenn wir keine Worte mehr brauchen
um uns zu verstehen
und uns führen können
zu diesem einen Licht
das in uns allen wohnt
und derzeit verschüttet ist
Ist der Wegbereiter
unsere Sehnsucht
der zwischen unser aller Zeilen
steht?

Worte werden erst zur Wahrnehmung,
wenn sie seelisch erfahrbar
für den Leser werden

Dazu müssen wir alle Alchemisten werden.

Kerstin Zahariev hat gesagt…

Danke, lieber Thomas, für die Lehrstunde.

Ja, es war ernsthaft geschrieben und gemeint und dennoch unvollständig, nicht ausgereift. Deshalb dieses Wort "Gelaber".
Ich hätte diesen Kommentar stehen lassen sollen, denn nun scheint mir, mache ich mich selbst unglaubwürdig. Dieses Wort "Gelaber" zieht alles in den Dreck, was geschrieben und gemeint wurde.

Dabei wurde es nicht in dieser Absicht von mir verwendet. Doch Ihre Spiegelung, lieber Thomas, zeigt mir, dass es so ist.

Nun steht es da und jeder hat es gelesen, den Kopf geschüttelt oder anderes und es kann nicht wieder rückgängig gemacht werden...

Schweigen ist sicher hin und wieder angebracht. Doch eigentlich wünsche ich mir einen würdigen Austausch darüber, was es heißt, geistige Welten zu schauen. Ich wünsche mir einen würdigen Austausch darüber, was ich schon erlebt habe oder auch andere und wie es sich mit dem deckt, was Rudolf Steiner darüber schreibt.

Mein Eindruck ist, dass wenn einmal die Türe geöffnet wurde, sie offen ist und weitere Türen geöffnet werden - ganz unvorbereitet, ohne willentliches Tun.

Nun ja, ich bin am Lernen und Verstehen. Von daher bitte ich um Nachsicht.

Herzlichst

Kerstin Zahariev.