Mittwoch, 17. Februar 2010

Die Hintertür zum Willen

Da ist dieser Schrank in unserer Küche. Rechts in dem Schrank ist ein Korb und in dem Korb liegen „Jogger Gums“, „Hanuta“ und manchmal (und gerne) „Tofifee“...Es steckt viel Spaß in Tofifee, viel Spaß in Tofifee! Und es steckt eine echte Chance zum inneren Wachstum in Tofifee. Wenn die Schranktür zu bleibt.

Wenn ich eine Hitparade der Fragen erstellen sollte, die nach Vorträgen gestellt wurden, dann gibt es eine unangefochtene Nummer-1-Frage: „Wie kann ich das tun, was ich eigentlich tun will?“ Diese Willensfrage zieht sich durch das Leben vieler Menschen.

Die meisten Menschen versuchen dann immer wieder bestimmte Dinge zu tun, diese Übung zu machen oder, jene Tätigkeit durchzuführen. Immer wieder versuchen sie den Willen durch die Handlung und das Tun zu schulen. So zum Willen zu kommen, bedeutet den Willen durch die Vordertür zu betreten. Dagegen ist nichts zu sagen. Wenn es funktioniert – was allerdings selten der Fall ist.

Für mich hat sich die Hintertür des Willens als weitaus praktikabler erwiesen. Die Hintertür des Willens ist der Verzicht. Anstatt etwas zu tun, verzichte ich auf etwas. Anstatt mich zu einer Handlung zu zwingen, enthalte ich mich einer Handlung. Anstatt aufzunehmen, faste ich.

Die Fastenzeit – die heute beginnt und bis Ostern dauert – ist eine gute Gelegenheit, auf diese Hintertür des Willens hinzuweisen.

Jedes Jahr nehme ich etwas anderes aus meinem Alltag heraus. In diesem Jahr bleibt der Schrank mit den Süßigkeiten zu.

Es ist – in den Worten David Deidas – der Verzicht auf das „Zappeln“ und im Kontext Rudolf Steiners die „Nervosität“, die der "Ichheit" gegenübersteht.


Nervöse Zappeligkeit, steht nicht nur einer gesunden Lebensweise entgegen, sondern auch der Erfahrung wirklicher Erfüllung & Autonomie & Wachstumschancen.

Der Verzicht auf die kleinen Süßigkeiten öffnet mich für die wirkliche Süße (schau Dir mal den TV-Spot an. Er weckt eine bestimmte süße Sehnsucht. Die kleine Version wird durch Tofifee gestillt, die große Version durch den Verzicht darauf.)

Der Verzicht auf zappelige Masturbation öffnet mich für den uferlosen Orgasmus. Der Verzicht auf Kritik öffnet mich für Selbsterkenntnis. Der Verzicht auf das Unwesentliche öffnet mich für das Wesentliche.

Daraus ergibt sich die Kraft zu einer eine neue Freiheit – nämlich das tun zu tun, was ich eigentlich zu tun wünsche. Es ist – in den Worten von Frank Meyer – die „Grunderfahrung der Handhabbarkeit der Welt und unserer selbst, der Weltveränderung und der Selbstveränderung.“

So bleibt diese Schranktür in der Küche nun für mich geschlossen. Dadurch öffnet sich die Hintertür zum Willen – ich betrete ihn diskret. Und er steht mir dennoch in voller Power zur Verfügung.

Es steckt viel Spaß in Tofifee....wenn ich bewusst und freiwillig darauf verzichten kann.

Kommentare:

Stefanie hat gesagt…

Noch eine Tür des Willens: Die sogenannte Fastenzeit beginnt heute in den katholischen und evangelischen Kirchen. In der Christengemeinschaft ist noch immer Zwischenzeit, in diesem Fall zwischen Epiphanias und Passion. Die vierwöchige Passionszeit beginnt hier dieses Jahr am 7. März mit dem ersten Passionssonntag. Die Begründung der Christengemeinschaft fand in und durch die Begleitung Rudolf Steiners statt. Meine Willensfrage ist nun: Welcher Willensübung schließe ich mich an, der Fastenzeitsübung wie im Katholischen oder Protestantischen oder der Passionszeitübung? Verzichte ich auf die "landläufige" Religion zugunsten der religiösen Erneuerung?

Stefanie Rabenschlag

JANET hat gesagt…

deine Tofis schmecken sicher holzig..;o)

JANET hat gesagt…

ich hatte mal eine Taktik um den Verzicht zu schaffen, da habe ich mir alles eklig geredet.

Nene hat gesagt…

ich finde Toffifees lecker. Wer es von Innen heraus kann, absichtslos ohne Wilelnsanstrengung, erlebt im Verzicht eine große Kraft
im Verzicht auf destruktive Kritik
im Verzicht auf Streit
im Verzicht auf Egozentrik
im Verzicht auf Lieblosigkeit
im Verzicht auf Verurteilen anderer
lässt sich fortsetzen.
Aus dem Herzinnenraum gelingt es mir manchmal.
Ansonsten bin ich für "nach dem Orgasmus ein Toffifee"
:O)

Thomas hat gesagt…

Ein Gott stärkt seinen Willen, indem er auf Toffifee verzichtet.

Wie süß!



Und indem dieser Gott auf "zappelige Masturbation" verzichtet öffnet er sich für den "uferlosen Orgasmus".

Wie selbstlos!

(Oder sehe ich da nicht irgendwo diesen schrecklichen Egoismus hindurchschimmern?)

Dirk Burgardt hat gesagt…

Dazu Fariduddin Attar in seinen "Vogelgesprächen":

Sobald du in das Tal des Verlangens eingetreten bist, wird hundertfache Pein dich wieder und wieder überfallen. In jedem Augenblick wirst du da hundert Prüfungen erfahren; der Papagei des Firmaments ist da nur eine Fliege. Du wirst viele Jahre in diesem Tale in mühevoller Spannung und steter Wandlung deines Zustands verbringen. Du wirst deine Schätze verlassen und alles was du besitzest ins Spiel werfen müssen. Du wirst in einem Blutstrom schreiten müssen, dem Allverzicht ergeben.

Und hast du die Gewissheit gewonnen, dass du nichts mehr besitzest, musst du noch dein Herz ablösen von allem was ist. Ist es von allein Anblick der Sonderung befreit, dann leuchtet ihm die göttliche Herrlichkeit auf und durch dieses Licht, das sich dir offenbart, wächst dein Begehren ins Unendliche.

JANET hat gesagt…

Thomas.. es ist ja wohl nicht einfach auf Tofifee zu verzichten.
Wenn man etwas heissgeliebtes den Rücken kehren muss und das aus freien Stücken..aber auch immer wieder die Freiheit hat doch noch zuzulangen aber du weisst das Stück ist Gift für deine Entwicklung..Na, hallo Thomas dann probier das doch mal aus.. aber vielleicht mit etwas anderem was du nicht lassen kannst..;o)

Thomas hat gesagt…

Also Janet, für einen Gott sollte das doch kein Problem sein.

Und für mich persönlich: Ich arbeite dran.

Thomas hat gesagt…

Und Janet, die Dinger heißen Toffifee, nicht Tofifee.

Das hat nichts mit Tofu zu tun.

Thomas hat gesagt…

Von Rudolf Steiner gibt es einen Vortrag zu diesem Thema: Nervosität und Ichheit, gehalten am 11.1.1912, in München.

Da findet man auch, neben anderen, auch Übungen zur Willensschulung.

Ausführlich und einfach einleuchtend ist dort beschrieben, wo diese Übungen wirken und was sie jeweils bewirken. Und wie diese Übungen ausgeführt werden sollen, damit sie auch das bewirken.

Eine solche Übung, wie sie Herr Gronbach hier beschreibt ist, wenn man nicht den Zusammenhang weiß, leicht dazu geignet, nur den egoistischen Willen zu stärken. So dass man sich hinterher sagen kann: Mann, was bin ich doch für ein toller Kerl (oder eine tolle Frau).

Und schon ist man durch die Hintertür beim Ego gelandet - und merkt es nicht.

Der Vortrag von Rudolf Steiner, den gibt es auch als Einzelausgabe, ist sehr zu empfehlen, wenn man an dem Thema Nervosität und Ichheit interessiert ist.

Das könnte man vielleicht hier mal zum Thema machen.

JANET hat gesagt…

Und Janet, die Dinger heißen Toffifee, nicht Tofifee.


na, das stimmt mich aber nachdeklich... ob das nicht absichtlich war... der Ursprung von beiden wäre ne Pflanze.

JANET hat gesagt…

genau wie die Holzdingerfees im Bild.

manroe hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
manroe hat gesagt…

Lacht mal wieder