Samstag, 13. Februar 2010

Vier wahre Wege - und die ruhende Mitte

Wie lange dauert ein spiritueller Weg? Ist er schwer oder leicht? Kurz oder lang? Geht das Erwachen einfach so – wie per Knopfdruck? Oder muss man viel üben?

Annnette Kaiser ist eine der herausragenden spirituellen Lehrerinnen unserer Zeit. Ich durfte zweimal sehr intensiv und ausführlich mit ihr sprechen und schweigen. Seitdem ich ihre einerseits zeitlose, andererseits zutiefst feminine Kraft erfahren durfte, inspiriert mich ihre Arbeit immer wieder. Ich freue mich, bald wieder in ihrem Umfeld arbeiten zu dürfen.

Ihre Antwort – angelehnt an den Buddhismus – wie lange, kurz, leicht oder schwer der spirituelle Weg ist, hat mich wirklich überzeugt.

„Es gibt vier Möglichkeiten
Die erste Möglichkeit ist: Der Pfad ist kurz und leicht.
Die zweite Möglichkeit ist: Der Pfad ist kurz und schwer.
Die dritte Möglichkeit ist: Der Pfad ist lang und leicht.
Die vierte Möglichkeit ist: Der Pfad ist lang und schwer.“


Annette Kaiser fügt hinzu, dass alle diese Pfade in etwas Fünftes führen und aus einem Fünften hervorgehen - ich nenne es die Verkehrsinsel. Die ruhende Mitte:

„Wir Menschen haben die Möglichkeit in jedem Augenblick, hier und jetzt, wenn wir vollkommen im Jetzt anwesend sind, die Ewigkeit zu erfahren. Und das Ziel jeglichen Pfades ist, präsent zu sein in jedem Augenblick. Und das ist alles.“

Es erleichtert das Gehen auf den Wegen ungemein, wenn man zwischen zwei Dingen unterscheidet – ich gebe sie sehr knapp wieder. Hier könntest Du sehr anschaulich mehr erfahren.

Die einen Dinge gibt’s einfach so und manchmal einfach per Knopfdruck – man kann es auch als „Geschenk“ bezeichnen. (Wobei niemand wirklich weiß, wo bei einem Menschen dieser Knopf sitzt). Hier gibt es nichts zu lernen, sondern nur zu verlernen und zu erleben. Hingabe und Loslassen sind vielleicht die bekanntesten Stichwörter.
WEGE
Die anderen Dinge müssen gestaltet, erarbeitet und entwickelt werden.

Einfach so und manchmal per Knopfdruck („Geschenk“) gibt es die Zustände: Das sind Gipfelerfahrungen, zu denen das geistige Erwachen gehört. Physisch-seelisch gehört der Orgasmus dazu (über dessen "Knöpfe" es noch manche Irrungen und Wirrungen gibt). Auch Einheitserfahrungen, sowie der Traum oder der traumlose Schlafzustand. Zustände kommen und gehen.

Gestaltet, erarbeitet und entwickelt werden müssen Ebenen und Stufen:
Alle Zustände/Gipfelerfahrungen werden von uns gedeutet – auf verschiedenen Ebenen/Stufen.

Alle diese Ebenen und Stufen verlangen von uns kontinuierliche und enorme Anstrengungen – auch im moralischen Sinne. Ebenen und Stufen sind (im Vergleich zu den Zuständen) dauerhaft.

Hier ist Anthroposophie kompetent (Stichwort: Wesensglieder). Anthroposophie arbeitet stark an der Kultivierung von Ebenen und Stufen.

Rudolf Steiner versucht eine Verbindung von Ebene/Stufen und den Zuständen/Gipfelerfahrungen z.B. dadurch zu erreichen, dass er empfiehlt, die erarbeiteten Ebenen und Stufen, mit den Schlaf zu nehmen. So sollen die erarbeiteten Formen, durch den formlosen Geist belebt werden.

Das nur mal so, als kleine Dienstleistung. Kostenlos – und hoffentlich nicht umsonst.

Kommentare:

manroe hat gesagt…

Sebastian, erstmal vielen Dank für den Link und vielen Dank dem/denjenigen, die das so wirklich phantastisch zusammengefasst haben in diesen Tafelfolgen.

Ich hab da mal so reingelesen und bekam spontan folgendes Empfinden, ist meins, aber ist was dran denke ich.

Also Steiner kommt mir analog vor und Wilber hier digital.

Analog ist mir aber doch wohl die "Wahrheit" und digital entspringt einem MACHbarkeits-Wollen und Wunsch menschlich (infizierten) Geistes. So sehe ich das, irgendwie, wenn nicht sogar genau einem falschen, also infizierten Freiheitsdrang menschlichen
Geistes entspringend. Wenn man dann nämlich so rumzutönen beginnt wie der Philosoph Grauer, zumindest hier, das tut nichts Gutes für etwas "Richtiges".

Allerdings die Vorzüge des Digitalen sind mir allein schon von Photoshop sehr einleuchtend und geradezu grandios. Um mal bei Photoshop zu bleiben, diese Möglichkeiten auf jeden einzelnen Pixel in unendlichen Varianten einwirken zu können sind einerseits unermesslich befreiend und kreativ, andererseits aber auch eine grosse Gefahr, wenn man denn keine Moral ausbildet, weil sämtlich alles manipulierbar und beliebig steuerbar ist.

Und ich mag dies Digitalisieren des Geistes nicht und lehne mich mal dahingehend aus dem Fenster, dass ich da was Richtiges und Wahres erlebe. Und der Geist, so erlebe ich das, ist nicht aufs Digitalisieren hin angelegt.

Hab allerdings auch noch nicht alles durchgesehen auf jener Seite. Aber bislang fehlt mir der zusammenfassende Geist, Blick, das Bildermachen, das Filmedrehen.

Und vorläufig abschliessend würde ich gern mal wissen, von Dir persönlich, ich meine wirklich dieses Wörtchen, was in Dir, wer, wodurch und warum Du Deine "Wesenskulisse" abgebaut und durch Projektionen ersetzt hast, kann man das so beschreiben?

Wenn Du nicht magst, könnte ich zwar verstehen, dann bitte mal einen Link auf Wilbers Ansichten dazu. Andere Schreiberlinge könnte ich nicht akzeptieren, weil zumeist eh nur alles zusammengedacht.

Gruss
Manfred

Barbarapapa hat gesagt…
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MonikaMaria hat gesagt…

Danke!

Aber warum an Sebastian festmachen? Wir sind immer nur so wach, wie wir alle wach sind! Ich sehe es als Angebot, selber darüber nachzudenken.

MonikaMaria hat gesagt…
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manroe hat gesagt…

Es entsteht ein ziemlich fader Nachgeschmack, wenn man im "Spagat" formuliert, das sät nichts Gutes, weil man dann nicht gehen kann.

Barbarapapa hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
manroe hat gesagt…

@barbarapapa

"Merkwürdig, dass sie das nicht merken. Warum eigentlich?"

Tja, warum eigentlich nicht?

Diese Frage habe ich auch, allerdings "meine" ich wirklich, die wissen das, das ist ja das Schlimme! Die sind ja nicht blöde, das ist ja das Schlimme!

Und wenn man zu unterscheiden versucht zwischen einem Autor und einem Leser, dann versteht ja der Leser die Inhalte der Autoren, wie ist es denn dann mit dem Autor, der Inhalte vermittelt, die andere verstehen??! Ist das nicht eine gerichtete Intelligenz, die etwas bewirken will?!? Also ich bewege das in meinem Herzen, ein solches befragend.

Und Wilber ist für mich, soweit ich ihn erfasst habe mit meiner geschulten "Nase", ein "guter", ja genialer Psychologe, aber mehr auch nicht, die Spuren die er legt, tja, wohin führen die? Und das Betriebssystem sollte auf WIN7 geupdatet werden, das läuft erheblich flüssiger. Vista war doch ein flop.

Barbarapapa hat gesagt…
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manroe hat gesagt…

Ja, genau. Aber es wirkt seelisch, obgleich man (auch) geistig sucht, aber dann auch wieder seelisch weil man, wenn man eine Ausrichtung für sich sucht...

Rein wissenschaftlich gesehen hast Du recht, aber wer sucht schon Wissenschaft? Und wenn, dann muss man die doch anwenden und dann sind wir wieder im ersten Satz. So alles in Steno.

Jasna Caluk hat gesagt…

"Das wäre ja eine Wissenschaft von der Seele. Darum geht es bei Ken ja gerade nicht."

Ist nicht ganz richtig. Siehe "Integrale Vision", Seite 170, "Die Matrix der Integralen Lebenspraxis", in der Beispiele für Körper, Verstand, Geist und Schatten (Therapien) genannt sind.

Ich bin allerdings der Ansicht, dass das "Loslassen" von all dem immernoch der Schwierigste zu erreichende Part an all den sonstigen Praktiken ist und daher diesem auch eine besondere Aufmerksamkeit zB hier gewidmet wird, parallel zu anderem.

Es grüßt Euch
Jasna Caluk

und wünscht von Herzen einen schönen Valentinstag in Liebe

Für Uns:

http://www.youtube.com/watch?v=xpvQEYB_o6Q&feature=related

Conny hat gesagt…
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Thomas hat gesagt…
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