Mittwoch, 3. Februar 2010

Worte


Das Ziel beim Schreiben dieses Textes, ist nicht das Verfertigen dieses Textes. Das Ziel, ist das Erlangen eines Seinszustandes. Eines Zustandes intensivster Tätigkeit, eines mehr als gewöhnlichen Augenblicks der Existenz. Der Text, den Du gerade liest, ist nur ein Nebenprodukt dieses Zustands, seine Spur, sein Fußabdruck.

So ähnlich beschrieb der US-amerikanische Maler Robert Henri einmal das Malen und so erlebe ich das Schreiben.

Schreiben gleicht der Kunst des Bogenschießens. Dort ist der Pfeil, der die Mitte trifft auch nicht das Ziel der Übung, sondern nur das äussere Äquivalent eines eigentlich inneren Vorgangs.

Der Schütz zielt aber im Grunde auf sich selbst und will sich selber treffen.

Wenn Du von meinem Schreiben berührt wirst, dann liegt das weniger an dem Text. Es liegt daran, dass Du in meinem Fußabdruck auch Deinen Fußabdruck erkennst. Es liegt daran, dass mein Pfeil, Dich an den Pfeil erinnert den Du selber auf Dich abgeschossen hast.

Was Dich an meinen Texten anspricht, ist das, was Deine Seele bereits in einem tieferen Sinne weiss.

Was Du in meinem äusseren Text erkennst, das ist ein Widerkennen Deiner eigenen Innenseite.

Es gibt rein gar nichts, was ich Dir sagen könnte, was nicht bereits in Dir klingt, wenn ich es ausspreche.

Dramatischerweise trifft das sowohl auf Deine positive, wie auf Deine negative Reaktion zu.
DUICH
Nichts kann Dich im Guten anrühren, was nicht Teil Deines Selbst ist.
Nichts kann Dich im Schlechten aufregen, was nicht Teil Deines Selbst ist.

Was Dir an mir wirklich und emotional gefällt, das bist Du.
Was Dir an mir gewaltig und emotional missfällt, das bist Du.

Das sind die alten Gesetze. Man sieht nur was man kennt, so nennt Goethe sie.

Ich vertraue beim Schreiben nie auf mich. Ich vertraue auf Dich.
Ich vertraue Dir, dass Du nicht nur das Beste aus meinen Texten machst. Ich vertraue Dir, dass Du weit über sie hinausgehst – bis zu dem Ort, wo wir beide diesen Text schrieben
.

Vielleicht ist es gut, wenn wir nicht nur gegenseitig unseren Fußspuren verfolgen. Nicht den Zeilen und Produkten – obwohl sie einfach so als Nebenprodukt anfallen.

Vielleicht ist es gut, wenn wir die Spuren auch zurückverfolgen. Bis wir gemeinsam jenen Seinszustandes erfahren, der mehr ist als die gewöhnliche Existenz und der dennoch auf geheimnisvolle Weise in genau diesem Gewöhnlichen verborgen liegt und zur Erscheinung kommt.

Dieser gemeinsam erfahrene Seinszustand kann in zweifacher Weise erreicht werden. Entweder durch die gemeinsame und punktuelle Konzentration auf eine Tätigkeit (u.a. deshalb ließ Rudolf Steiner z.B. das Goetheanum bauen). Oder durch die gemeinsame Entfaltung der Stille in den ausgedehnten Umkreis (weshalb wir gemeinsam meditieren). Ich erlebe es als eine enorme Potenzierung, wenn wir BEIDES praktizieren.
Was Dich und mich berührt, das sind nicht Worte - es ist die gemeinsame Erfahrung dieses ungetrennten Seinszustandes.
Wer die Spuren der Menschheit zurückverfolgt, steht am Ende in seinem eigenen Anfang.

Wer die Worte rückwärts liest, steht am Ende in dem Wort des Urbeginns.

Und das Wort war bei Gott.


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Kommentare:

Fee hat gesagt…
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Schwester hat gesagt…
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