Montag, 8. März 2010

Keine Beziehung

Dies ist eine der effektivsten, aber auch brutalsten Übungen auf dem Weg zu einem erwachten und freien Leben. Die Übung ist in ihrer Einfachheit kaum zu überbieten – und dennoch für viele Menschen ein unüberwindbares Hindernis. Sie besteht nur aus einem einzigen Satz: „Nimm keine innere Beziehung dazu auf.“

Keine innere Beziehung aufzunehmen, das bedeutet tatsächlich, dass Du darauf verzichtest, eine Beziehung aufzunehmen, zu dem was in Dir selber erscheint. Nicht zu Deinen Gefühlen und nicht zu Deinen Gedanken.

Oft wird diese Praxis – die im anthroposophischen Kontext die Übung des Gleichmuts genannt wird – verwechselt.

Man denkt, man dürfe keine Gefühle oder Gedanken haben, oder müsste frei von Empfindungen wie Mitleid, Trauer, Freude, Lust oder Schmerz sein. Doch darum geht es nicht. Es geht darum, dass alle Gefühle & Gedanken & Bilder & Töne in Dir aufsteigen dürfen, so wie sie eben aufsteigen. Doch Du selber nimmst keine Beziehung dazu auf. Du bist der stille Zeuge, der aufmerksame Beobachter und die stumme Präsenz, in der alle diese Dinge zur Erscheinung kommen und dann wieder verschwinden.

Lasse allen Dinge die gleiche, ruhige und gelassene Aufmerksamkeit zuteil werden – es gibt hier nichts wichtiges oder unwichtig. Nichts ist bedeutsam. Nichts ist unbedeutsam. Alles ist so wie es ist – ohne Wertung.

Zieh einfach alle Etiketten von den Dingen, die vor Dir erscheinen.

Vielleicht magst Du als dieser Zeuge einmal in die Stadt spazieren gehen – vielleicht in eine Kirche. Der Gekreuzigte am Altar, ist dann ebenso ein Objekt, wie es der Dreck an Deinen Füßen ist. Das eine löst diese und das andere jene Gedanken & Gefühle aus – beides sind wieder nur Gedanken & Gefühle, zu denen Du keine Beziehung aufnimmst.

Vielleicht verabredest Du Dich mit Deinem Partner einmal zu einem Date und erlebst den ganzen Abend und die ganze Nacht aus dieser Perspektive. Vielleicht kannst Du eine Stunde so mit Deinen Kindern sein.
...
Vielleicht denkst Du, Dein Partner und Dein Kind würden darunter leiden. Das Gegenteil ist wahr. Verstehe mich nicht falsch: Du sollst nicht kalt sein und ablehnend.

Sei einfach diese stille Präsenz. Tue das Richtige und tue es gut - und wenn Du es falsch machst, dann korrigiere es und gehe weiter.

Handle mitfühlend, aber nimm keine Beziehung zu Deinem Gefühl auf. Handle heldenhaft, aber nimm keine Beziehung zu Deinem Helden und Handeln auf. Sprich kluge Gedanken – aber lass sie ziehen, als wären sie nichts wert. Sei eine Mission – aber fühl Dich nicht so.

Die Welt ist unfassbar Komplex - dasjenige was sich der Welt bewusst ist, ist vollkommene Schlichheit.
...
Sei ganz Du mit allen klaren Gedanken & tiefen Gefühlen & wilden Taten – revolutioniere die Welt und finde Dich selbst – aber bleibe dabei dieses ungeborene Urselbst, dieser tiefe Friede und dieser unbewegte & unberührte Raum der Ewigkeit.

Sei eine herausragende Persönlichkeit – und vergiss dabei, dass Du da bist. Verbessere Dein Karma und lächel dabei über dieses kurzweilige Drama Deiner Existenz. Schau Dir tief in die Augen - und drehe Dir dabei innerlich den Rücken zu.

Sei ganz liebender Mensch auf der Erde – aber erlebe dabei, dass Du ebenso der unbewegte Himmel bist, in dem sich nie etwas ereignet hat. Nicht einmal Friede. Nicht einmal Stille. Nicht einmal Nichts.

Das leere Herz macht Dich zu Buddha.

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