Donnerstag, 22. April 2010

Niemandsrose


Als ich so da lag, da kam Niemand herein. Niemand setzte sich ans Bett und Niemand hielt meine Hand. Niemand wischte mir den Schweiss von der Stirn und gab mir zu trinken. Gelobt seist du, Niemand. Dir zuliebe will ich wieder blühen. Dir entgegen.

Niemand kommt immer näher, während ich gehe. Langsam aber sicher gehe ich und meine Hinterlassenschaft ist Erde für die Niemandsrose.

Wenn alles gegen mich spricht, dann spricht Niemand für mich.

Ich merke, wie ich immer mehr ein Nichts werde, immer schon war und bin. Bleibend. Blühend. Ich bin die Nichts-, die Niemandrose.

Seit meinem Verschwinden, kann mich Niemand sehen. Und schmecken. Der Geschmack erinnert an Meerwasser. Oder an Tränen. Je nachdem.

Ich werde Erde und Niemand knetet mich wieder aus Erde. Niemand bespricht meinen Staub. Niemand.

Gelobt seist du, Niemand. Dir zuliebe will ich wieder blühen. Dir entgegen.

Und auf meinen Blütenblättern liegt der Tau der Nacht. Und der Tau der Nacht erinnert an Meerwasser. Oder an Tränen. Je nachdem.

(Diese biografischen Notizen sind inspiriert von: „Psalm“ by Paul Celan.)