Mittwoch, 16. Juni 2010

Wo die Wilden Kerle wohnen

Viele von uns machen Schattenarbeit – das bedeutet: Sie heben die Anteile ihres Selbst, die im Schatten ihres Bewusstseins liegen, in das Licht ihres Bewusstseins. Stück für Stück holen wir so das Verdrängte nach oben. Die Eitelkeit, die Angst, die Faulheit, den Neid, den Schmerz, die Gier...

Nichts ist befreiender, als einmal der unbewusste Stimme in uns Gehör zu verschaffen. Es heilt und lässt und wachsen. Aber nichts ist auch gefährlicher, wenn sich kein „bewusstes Ich“ entwickelt, welches wieder eine angemessene Beziehung zu diesen Stimmen aufnimmt.

Was dieses „bewusste Ich“ sein könnte und wie es sich bildet, erklärt einer der wilden Kerle in dem Kinofilm „Wo die Wilden Kerle wohnen“ auf anrührende und klare Weise:

„Du darfst mich nicht nachmachen. Wenn wir sauer sind, ist es Deine Aufgabe, nicht sauer auf uns zu sein. Unsere Aufgabe ist es sauer zu sein. Wenn ich Dich fressen will, weil ich mich ärgere, dann musst Du sagen: `Oh, ok. Los friss mich. Ich hab Dich lieb. Hauptsache Du bist glücklich`. Genau das musst Du nämlich sagen. Hast Du verstanden, König?“

In jedem von uns stecken diese wilden Kerle. Erwachsen zu werden bedeutet, diese Kerle als Teil meiner Persönlichkeit zu erkennen. Das ist Spiritualität für Erwachsene. Spiritualität für Kinder erzählt in Märchen, wo die wilden Kerle, Wesen und Widersachermächten wohnen: Unter unseren Betten, in fernen Ländern und in übersinnlichen Welten. Spiritualität für Erwachsene deutet immer auf sich selbst.

Spiritualität für Kinder erzählt von einem König, zu dem wir werden müssen. Spiritualität für Erwachsene spricht vom bewussten Ich. Das bewusste Ich ist selber keine Stimme, sondern flimmernde Aufmerksamkeit. Reines Bewusstsein. Herz und Rückgrat jedes Menschen.

Neben dieser Schattenarbeit, die in relativen Schritten unsere verborgene Seiten ans Licht holt und uns heilt und bereit macht Verantwortung zu übernehmen, gibt es auch die Schattenarbeit im Licht des Absoluten.


Um diese Art der Schattenarbeit wird es mir nicht nur bei einem Seminar mit Tom Steininger bei der Integralen Tagung gehen. Wir nenen diese absolute Instanz auch "das zweite Gesicht Gottes". Auch in der Arbeit mit Cordula Mears-Frei, richten wir unseren Blick auf beide Aspekte der Schattenarbeit. Was ist Schattenarbeit im Angesicht des Absoluten?

Schattenarbeit im Angesicht des Absoluten ist für viele postmoderne Menschen suspekt. Zu fasziniert sind wir von den vielen Stimmen und verborgenen Aspekten unseres Selbst. Das ist alles noch recht neu für uns Menschen. Und: Oh wie schaurig schön ist mein eigener Abgrund...Selbsterkenntnis als Egobefriedigung.

Schattenarbeit im Angesicht des Absoluten, ist Schattenarbeit im Raum der absoluten Stille. Welche unserer Stimmen sich auch immer in dieser dröhnenden Stille erheben will – die Stimme wird versagen.

Es ist ein Schweigen, welches keine Ausrede zulässt. Es ist die absolute Dimension, an die keine unserer Stimmen heranreicht.

Nichts ist größer als die Distanz zwischen unserem Sprechen und jenem Schweigen. Dieses Schweigen verbrennt unseren narzisstischen Kern. Dieser Kern will auf alles eine Antwort – und genau diese Antwort verweigert uns das apokalyptische Schweigen.

Diesem absoluten Schweigen können wir keine relative Stimme entgegenstellen. Selbst unser Schweigen ist ein beschämendes Schweigen, gegenüber dieser apokalyptischen Stille.

Ja – und jetzt???

.......

Kommentare:

Barbarapapa hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Schnurzpiep hat gesagt…

Baue ein Schiff...! Die Zahl der Erwachten ist gering.

Deine persönliche apokalyptische Stille kommt per Mausklick.

Sie nennen es Schattenarbeit.

Fee hat gesagt…

Wir sind integral. Wir lassen uns von allem möglichen inspirieren. Dank Kens Quadranten können wir alles überblicken. Er hat die uns die universelle Matrix offenbart, die alles integriert. Glauben,

beten, hoffen, leiden all das lehnen wir nicht ab, aber wir können es im kosmischen Licht als Teile von uns annehmen.

manroe hat gesagt…

"Diesem absoluten Schweigen können wir keine relative Stimme entgegenstellen. Selbst unser Schweigen ist ein beschämendes Schweigen, gegenüber dieser apokalyptischen Stille."

Ja – und jetzt???

Sebastian, ich denke Schattenarbeit im Angesicht des Absoluten ist keine Schattenarbeit mehr. Zumindest verstehe ich unter Schattenarbeit doch ein mehr oder weniger Rumwühlen, Ordnen, verschieben aufgrund einer "ordnungsfähigen Vorlage", geborgt oder verstanden von wem auch immer, selbst von "mir", aus irgendeinem Winkel in mir entnommen.

Und im Angesicht des Absoluten da gibt es keine Schatten, wenngleich vielleicht alles finster ist vor lauter Schweigen und Stille. Da gibt es nur Wahrhaftigkeiten, oder besser die "Form" von etwas zu "Verstehendem" in seiner unverhüllten "SoSeinWahrheit". Von Angesicht zu Angesicht.

Ja, und jetzt?? --- Das kenne ich auch. Ich erlebe das so, wie ich schon öfters mal andeutete, dass es hier eigentlich erst beginnt mit der "Arbeit", mit einem Tun, schöpferischem Tun jenseits der Schatten, mir kommt es vor wie mein Geburtsort, ein oder DER Geburtsort, jetzt aber im wahrhaftigsten und direktesten Sinne. Oder vielleicht auch mit der/einer Meditation jenseits der Schatten. Oder wie ein komplett umgestülptes Sein, alles ist wie zuvor auch, aber dennoch anders. Man hat sich in sich so vertieft, dass man auf der "Anderen Seite" wieder rauskommt.

Wie wenn man irgendwo in einer Gaststätte sitzt und nach draussen schaut, die Menschen vorbeigehen sieht -- aber alles ohne Ton, da wirken die Bilder ganz anders, irgendwie ausserhalb mittendrin.

Ja, und jetzt?? Hier lohnt es sich wirklich, die richtigen Fragen zu stellen, oder überhaupt ganz Frage zu werden, vielleicht und wenn dann eine Frage wirklich intensiv lebendig wird, wie sie sich dann wandelt in ein "Fenster", eine Antwort --- ??

manroe hat gesagt…

"Dieser Kern will auf alles eine Antwort – und genau diese Antwort verweigert uns das apokalyptische Schweigen."

All dies was will, auf diese seine Art, muss komplett zum Schweigen dadurch "gebracht" werden, dass das (M)(I)ch es wirklich, wirklich wahrnimmt, sieht und annimmt und es, das "Reden" dadurch wird, verschmilzt in sich selbst. Dann löst es sich auf, das, was immer redet und wissen will, weil es im Schweigen zum Lauschen geworden ist. Und das erschaffene Schweigen dessen was von mir angeschaut wurde wird erlöst, weil es sich im Geschweigen in seine Antwort wandelt, zu seiner Antwort wird.
Erkenntnislicht wird durch aktiviertes Schweigen geboren. Die höchste Form wahrhaftiger Aktivität -- ist das wahrhaftige Schweigen durch Stille.

MonikaMaria hat gesagt…

Lieber Sebastian

Im «Raum» der absoluten Stille kann «ich» keine Schattenarbeit erkennen. Ja, alles liegt offenbar (apokalyptisch) in dieser Stille. Da ist, jedenfalls bei mir, weder Licht noch Schatten. Um den Schatten zu erkennen, muss «ich» in die innere Beobachterin gehen, um zur «Zeugin» zu gelangen. Sie kommt ins «Vorzimmer» mit ihrem «Licht», respektive in den «Nachbehandlungsraum». In diesen »Vorzimmern» kann «ich» in den Dialog gehen mit der «Zeugin» in mir, wenn «ich» Fragen hat.

Schwierig zu umschreiben .... weil: Ja und jetzt???
Stille :-)

Könntest Du noch anders umschreiben, was Du unter Schattenarbeit verstehst? Licht und Schatten gehören für mich zusammen. Aber «dahinter» ist weder Licht noch Schatten. Erkennen kann «ich», wenn der Funken fliegt, wo vorher Schatten lag.

Bitte.

Werner (Thomas) hat gesagt…

Herr Gronbach, Sie schreiben:

"Spiritualität für Kinder erzählt in Märchen, wo die wilden Kerle, Wesen und Widersachermächten wohnen: Unter unseren Betten, in fernen Ländern und in übersinnlichen Welten."


Anthroposophie ist also für Herrn Gronbach Spiritualität für Kinder.

Die durch Herrn Gronbach verwandelte Anthroposophie, die ist die wahre, wirkliche Spiritualität.

So sieht Herr Gronbach das - und nicht anders.

Sie outen sich selbst als Anti-Anthroposoph.

Und wenn Schweigen so förderlich ist, dann TUN Sie es doch einfach. Schreiben Sie nicht so viel.
Schweigen Sie doch besser.

Christine G.B. Rau hat gesagt…

... liebe Leserinnen & Leser,
ich denkfühle auch, dass es hier einer präziseren & verständlicheren Be-Schreibung bedarf - das wäre hilfreich & friedenstiftend !?!
Wie ich das bisher deute: Schattenarbeit im Sinne von Aufarbeitung verdrängter Anteile ist der eine überlebens-wichtige Part: hier kann sich jeder frei entscheiden, ob er dafür 'Wesen' mit hineindenkfühlt oder nicht, jeder einzelne kann sich auch dafür entscheiden, ob er diese Wesen für sein/ ihr Schicksal verantwortlich machen möchte oder nicht .... Dazu/ daneben/ darüber gibt es eine weitere Schattenarbeit, die 'nur' in einer 'Dimension' geschehen kann, die keiner/ wenige in WORTE FASSEN kann/ können ... diese kann mensch leisten, wenn er/ sie schweigt ...
An dieser Denkstelle stellt sich natürlich nun diese Frage:
Gibt es ETWAS, das ich anderen vermitteln möchte (durch welche 'Technik' auch immer ?), das ich eigentlich gar nicht in WORTE packen kann ? Wie kann ich dieses ETWAS denn dann in WORTE packen, wenn es nur wenige überhaupt erfassen können ? Das macht natürlich zumindest frag-würdig, worum es sich dabei GENAU handelt, um welche 'Methode', die ich andere lehren kann ... ich ahnfühle, was gemeint sein könnte, und dennoch bleiben Fragen offen - und ich liebe es und hänge auch sehr daran, Fragen zu stellen - auch auf Antworten, die ich bereits zu kennen meine. Dafür liebe ich mein MENSCHSEIN !
in Respekt und herzlich Christine

Sieben Zwerge hat gesagt…

Folgendes haben wir vorhin in der Akashachronik gefunden:
Es ist hoffnungslos, du weißt es.
Hoffnung? Glauben? Die römischen Quadranten machen alles platt. Wie Bulldozer fräsen sie sich durch den Regenwald. Dann gibt es erst Monokultur. Danach Nichts mehr.
Sie machen kaputt weil sie immer schon kaputt waren. "Fun" nenen sie es.
Die Menschheit braucht die Überdosis zum Erwachen. Schau in die Welt, Du kannst Dir nicht entfliehen.
Diesem absoluten Schweigen können wir keine relative Stimme entgegenstellen.
Selbst wenn Deine Gedanken ruhig sind, rast noch Dein Blut, Dein Herz schlägt, Deine Nieren säubern und Dein Darm verdaut...
Vergiss alle Versuche wahrhaft ruhig zu werden. Echte Esoterik stürzt Dich - Wahrhaftigkeit wollend - ins Drama mit Haut und Haar.
Wunderbar. Merci, MonikaMaria.
Doch Deine Bindung ist keine Fessel, sondern die freie Entfaltung Deines Selbst. Mein Schwesterchen verteidigt den Sebastian :)) Dazwischen lebt sichs gut
Die Wärme fühlt Deine Emotionen, bereiten vor, dass Du dann - wirst im Drama zugrunde gehen, sterben und im Auferstehungsleib in der Wirkichkeit des Geistes leben..
Manche können nicht mehr wollen. So, dachte er, könne man die verworrenen (und oft destruktiven) Sphären des Seelischen mit transrationalen Augen klären.
Glaube ist nichts als gerichteter Wille, interessant und dennoch mit Vorsicht zu genießen, auch wenn diese Millarden von Kosmen in der vielfältigsten Art eineinander verschränkt und verflochten sind.
Schweigen meint, dass wir alle diese Begriffe und Vorstellungen mit bewusstem Schweigen und schneidender Stille durchdringen.
Fräse Dich mit Deinem Schweigen durch Deinen geistigen Glauben (auch wenn er sich Geisteswissenschaft nennt, und von mir aus können wir es auch Seelen-Feng-Shui nennen).

Sieben Zwerge hat gesagt…

Der Intellekt ist tot und kann nur Totes erfassen. Schweige schließlich ekstatisch über Dich selbst.
letztens hast Du doch gesagt, Gronbach bleibt Gronbach. Aber hast Du selbst noch nie den Donneklang der Sonne Gehört?
Dieses bewusste Schweigen ist ein aktives Vergessen. Solange wir von Himmel und Hölle sprechen, werden wir in Himmel und Hölle eingehen. Er muss dieses "Drama" wohl anerkennen, weil Steiner so viel darüber berichtet, doch bleibt er vor der wirklichen Esoterik stehen, sein Verstand scheut zurück und flieht ins wilbersche Vatergott-Nirwana. Wahrhaftigkeit wollend. Es ist eine ekstatische Kraft der Freiheit. Oder eine furchtbare psychische Krankheit.
Es ist nicht schwer, das herauszufinden. Schön blöd, wer da sein Emailpasswort abgibt, oder noch mehr...

Ich gehe jetzt weiter meine Fanmeile gießen. Das habe ich jetzt mal in den "SchweigeWorte" Text eingebaut. In diesen (etwas skurrilen und sprachlich bisweilen sehr jugendstiltaft-verhuschten Texten) brachte Steiner seelische Vorgänge als dramatische Szenen auf die Bühne. Ich nehme an, das ist ernst gemeint, da es hier schon öfters anklang. Nicht Abziehbildchen für das Poesiealbum. Echte Bilder leben. Leben mit Dir. In Dir, wenn Du sie durch "Meditation" fütterst.

Weisst Du denn wer in Wirklichkeit Mr Facebook ist?
Eine Kreuzung von Wilber und Steiner kann nur Anthroposophie werden. Wir nenen diese absolute Instanz auch "das zweite Gesicht Gottes". Er hält sich für aufgeklärt und hat keinen Schimmer wie unaufgeklärt intellektualistisch er interpretiert und wertet... und Worte des Christusjesus wie "Glaubet an mich" sind abgestandener Pups.

Wir lassen uns von allem möglichen inspirieren. Dank Kens Quadranten können wir alles überblicken. Da kannst Du wirklich authentisch werden! und «Gottseidank» erlebe ich jetzt mal grad als Gotteslästerung .... :-(((( ... und was machen wir jetzt bei so viel geballter Weisheit? "Predige ein Kreuz und Du hängst irgendwann dran." Und so muss ihm auch Steiner erscheinen, als ein postmoderner Psychotherapeut "in den Wirren des ersten Weltkrieges". Zurück in den Mutterschoß flieht der Möchtegernheld. Wunderbar. Merci, MonikaMaria.

Kerstin Zahariev hat gesagt…

Hmmm... Sieben Zwerge, irgendwie erinnert mich dein Stil an einen Micha... ich kann mich aber auch irren.
Nein, ich glaube, ich irre mich nicht. Egal ist es allemal.