Donnerstag, 30. September 2010

29. September: Mission-Mensch-Tag

Ich feiere am 29. September St. Michael. Wie Weihnachten und Ostern, hat auch dieser Tag eine Wirklichkeit, die weit über die magisch-mythischen Kindermärchen hinausreicht. Die Wirklichkeit dieser Feiertage liegt jenseits von religiösen Symbolen. Jenseits von Jesus, jenseits von Christus und jenseits von Erzengeln. Diese Namen sind die Schilder die auf einen Ort zeigen – aber die Schilder sind nicht der Ort selber. Der Ort liegt im Jenseits. Das Jenseits ist in Dir.

Was feiere ich heute? Was feiern auch viele Menschen aus dem anthroposophischen Kontext an diesem 29.September?

Wir feiern die kosmische Loyalität. Wir feiern die Loyalität des Universums zu Deinen Entscheidungen.

Bevor Du eine Entscheidung fällst, stehst Du im Dunkeln. Der Kosmos lässt Dich alleine. Er lässt Dich frei. Du stehst alleine in der Freiheit. In der Entscheidungsqual. Kein kosmischer Fingerzeig. Kein Wunder aus der Dunkelheit. Du bist dran – Mensch.

Und wenn Du in dieser kolossalen Einsamkeit eine Entscheidung getroffen hast – aus der Leere und abgrundtiefen Unsicherheit, dann beginnt das Wunder. Wenn deine Frage eine Tat wird, wenn dein Gefühl ein feuriger Wille geworden ist, der die Welt zum Besseren verändert, dann öffnet sich der Kosmos. St. Michael steht mit dir im Feuer und weicht nicht zurück.

Nach Deiner eindeutigen Entscheidung fühlst Du ein mächtiges, stummes Rauschen. Es fragt dich nicht, woher du kommst, wen du kennst und wie du hierher gekommen bist, es hilft dir von innen heraus zu tragen, was du dir vorgenommen hast.

Die Flügel Michaels tragen Dich nicht zu Deinen Taten. Die Flügel Michaels sind Deine Taten. Du beflügelst den Kosmos - wenn Du den Arsch hoch bekommst.

Der Glanz Michaels, stammt nicht von einem Engel. Er stammt ganz und gar aus dem Mysterium Deiner in Liebe vollführten Tat. Du erschaffst St. Michael – wenn Du aufstehst und Deine Taten in bewusster Liebe tust.

Dann gehst Du durch einen Prozess, „der auf eine Herausbildung von Potenzialen und Denkweisen hinausläuft, die echt und authentisch neu sind und die es vorher noch nicht gegeben hat.

In dieser der vertikalen Entwicklung verbessern wir nicht einfach das bisherige Selbst. Wir engagieren uns im spirituellen Prozess auf eine Weise, dass das Ergebnis die Entstehung von ganz neuen Qualitäten, Fähigkeiten und Kapazitäten ist, die es vorher noch nicht gegeben hat.“ (Andrew Cohen).

In dem evolutionären Impuls Rudolf Steiners spielt diese große Symbolfigur eine besondere Rolle. Für was steht St. Michael?

Dafür, die Mechanisierung des Denkens durch die Spiritualisierung des Denkens abzulösen. Damit der Mensch sich dazu entscheiden kann, die Verantwortung für seine Zukunft im Einklang mit der kosmischen Dimension zu übernehmen.

„Die ewigen Götterziele“, wie Steiner dies nennt, sind uns „zum freiem Wollen“ geschenkt worden. Der Menschheit. Dieses einzige Wesen, welches ein Bewusstsein von seinem Bewusstsein erreichen kann. Wir sind das Bewusstsein des Universums.  

Menschheit, mach Dir die Erde untertan. Wer den sonst? Die Affen? Untertan in einem guten Sinne. Wir sind verantwortlich für das Wohl aller Wesen. Mache wir es wie Peter Fox: Alles neu!

Oder wie Neale Donald Walsch, es formuliert: „Wenn es einen Aspekt der Schöpfung gibt, der dir nicht gefällt, dann segne und ändere ihn einfach. Triff eine neue Wahl. Ruf eine neue Realität herbei. Denk einen neuen Gedanken. Sag ein neues Wort. Tu etwas Neues. Mach es hervorragend, und der Rest der Welt wird dir folgen. Bitte sie darum. Ruf sie an. Sag: ´Ich bin das Leben und der Weg, folge mir.´“

In der Anthroposophie feiern wir diesen Tag, weil wir dort den neuen Menschen feiern. Er weitet sich aus einer Begrenztheit zum Kosmos aus und verbindet dieses Geistige im Weltenall, mit dem Geistigen in sich. Der Kosmos erwacht in unserem Bewusstsein zu sich selbst.  

Dieser Prozess macht den Menschen bewusst zu etwas, was er unbewusst immer schon war. Zum Einen. Zu dem Ungeteilten. Die lateinische Übersetzung dafür lautet: Individualität.

Dieser Tag ist kein Anti-Gedanken-Tag. Denken und Gedanken sind nicht schlechtes. Aber sie sind Gefangen. Doch wenn heute Gedanken ausbrechen, dann oft in die falsche Richtung. Die große Prä-Trans-Verwechslung. Wir müssen unsere Gedanken selber befreien. Darüber hinaus. Nicht dahinter zurück.

Darum ist St. Michael ein Pro-Gedanken-Tag: Er „befreit die Gedanken aus dem Bereich des Kopfes; er macht ihnen den Weg zum Herzen frei. Die Herzen beginnen, Gedanken zu haben; die Begeisterung entströmt nicht mehr bloß mystischem Dunkel, sondern gedankengetragener Seelenklarheit.“ (Rudolf Steiner)

Heute ist ein Tag, an dem wir Gesicht zeigen.

Heute ist Mission Mensch Tag.

Heute ist ein aufrechter Tag.

Heute ist ein vertikaler Tag.

„Wenn ich über Vertikalität spreche, bedeutet das, dass das ganze Selbst durch einen Prozess geht, der auf eine Herausbildung von Potenzialen und Denkweisen hinausläuft, die echt und authentisch neu sind und die es vorher noch nicht gegeben hat.“ (Andrew Cohen.)

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