Mittwoch, 8. September 2010

Droht Dein Herz zu zerspringen?

Ich schauen in den September. Vielleicht ist es dieser "michaelische Herbst", vielleicht sind es die gesellschaftlich-politischen Debatten der letzten Monate, vielleicht sind es die vielen Menschen, mit denen ich mich gerade austausche – jedenfalls höre ich ein Wort immer öfter.

Vor allem aber höre ich es mit einer neuen Sehnsucht ausgesprochen. Ein neuer Drang liegt in den Stimmen der Männer und Frauen, wenn sie dieses Wort im Munde führen. Das Wort hat in diesen Tagen einen brodelnden, geladenen und faszinierenden Klang. Das Wort heisst Freiheit.

Gleichheit und Solidarität – das sind immer noch die bestimmenden Wörter der öffentlichen Debatte. Doch zunehmend richtet sich dieses Wort auf. Es erhebt sich. Und immer wenn sich dieses Wort erhebt, erhebt sich auch die Angst vor diesem Wort. Freiheit und Angst treten – zumindest in unserer Kultur – gemeinsam auf.

Da schrumpft die Symbolfigur des „Erzengel Michael“ schnell zu einem anderen Symbol: Dem „deutschen Michel.“ Wer in der Freiheit stehen will, muss auch in der Angst vor der Freiheit stehen können und seiner eigenen Karikatur in die Augen blicken. Und dabei sein Herz offen halten und immer mehr Öffnung zulassen.

Welche Philosophie der Freiheit wird da gerade geboren? Eine, die wieder hinter unseren Verstand zurückfällt? Oder wird es eine Philosophie der Freiheit sein, die über uns und unseren Verstand hinaus geht?

Ist Anthroposophie noch etwas, was uns zur Freiheit bringt? Oder längst selber Fessel aus Vorstellungen, Maske aus Mythen und geisteswissenschaftlicher Gefangenschaft? Können wir noch die Aufregung spüren, wenn dieser Geist durch uns fliest?

Droht unser Herz noch zu zerspringen, wenn wir in solche Sätze eintauchen: „Wir können aber den Begriff des Menschen nicht zuende denken, ohne auf den freien Geist als die reinste Ausprägung der menschlichen Natur zu kommen.“ (R. Steiner)

Gelingt es uns Freiheit durch alle unsere Glieder zu fühlen und dabei alles zu vergessen, was wir darüber zu wissen glauben?

Und ist das in jedem Augenblick und immer wieder neu so? Kannst Du die Freiheit fühlen? Und was fühlt die Freiheit von Dir? Kannst Du frei sein - ohne auch nur eine Sekunde aufhören zu lieben?

„Ich fühle Freiheit und Freude und Frieden und Furcht, denn heute Nacht schneide ich meine Nabelschnur durch“.  (Video)

Foto: Stefan Stark

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