Donnerstag, 21. Oktober 2010

Misericordia

Viele Menschen denken, dass innere Leerheit zu innerer Kühle und innere Stille zur Teilnahmslosigkeit führt. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn Du innerlich leer wirst, löst Du Dich von dem begrenzten Teil Deines Selbst. Du wirst frei für alles was um Dich herum ist.

Alles das, was Dich sonst 24 Stunden am Tag beschäftigt, gibst Du einfach mal ab. Das tut bereits sehr gut.

Was genau lässt Du los? Du löst Dich von allen Geschichten, in denen Du die Hauptrolle spielst. Du löst Dich von der Perspektive, in der Du im Mittelpunkt stehst.

Was genau bleibt? Es bleiben reine Fähigkeiten. Seelenstärke. Integrität. Alles was Instrument ist, das bleibt. Es bleibt Kompetenz.

Nun bist Du ein würdiges Gefäß. Bereit für die wirkliche Erfüllung.

Innerlich leer zu werden, bedeutet, dass Du erfüllt werden kannst. Du kannst Dich nun erfüllen lassen von dem, was über Deine Begrenztheit hinausgeht.

Das Aussen wird Dein Innen. Leerheit bedeutet also nicht weniger Mitgefühl, Anteilnahme und Verbundenheit. Sondern mehr Mitgefühl, Anteilnahme und Verbundenheit.

Leerheit ist die erste Voraussetzung für ein erfülltes Leben. (Und Buddhas Herz ist leer, damit in dieser Leerheit die Liebe des Christus erwacht.)

Eine gute Meditation lässt Dich Deine eigene Geschichte vollkommen vergessen. Das befreit Dich.

Du wirst zu einem Gastraum, in dem die Geschichten der anderen Lebewesen erzählt werden können. Das befreit die anderen Lebewesen.

Du fühlst Dich nun frei. Doch eigentlich bist nicht „Du“ frei. Frei sind die Kräfte in Dir. Die reinen Fähigkeiten. Seelenstärke. Integrität. Alles was Instrument ist, das ist nun frei. Befreite Kompetenz.

„Bisher hast Du nur Dich selber erlöst, nun kannst Du als ein Befreiter alle Deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien.“ (Rudolf Steiner)

Dein Hände öffnen sich - für andere Menschen. Pflanzen. Tiere.

Deine Befreiung ist nicht das Ende der Geschichte. Deine Befreiung ist der Anfang der Geschichte. Zum Wohle aller Wesen.

Leerheit wird zu Barmherzigkeit.