Sonntag, 5. Dezember 2010

Harmonie der Einsamkeit

Wenn Du in der Adventzeit das Gefühl hast, dass der Fahrstuhl des Lebens nach unten fährt, dann ist dies nicht nur Dein persönliches Gefühl. Wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Körper, Deine Seele und Dein Geist in diesen Tagen ihre Vitalität verlieren, dann bist Du in Harmonie mit der Welt.

Die Sonne hat sich zurückgezogen. Licht und Wärme sinken immer tiefer. In der ganzen Natur weicht diese Vitalität nach unten und innen aus.

Der Rückzug der Sonnenkräfte hast Du vielleicht in der ersten Adventwoche im Körper bemerkt. In der ersten Adventwoche haben viele Menschen mit kleineren oder größeren körperlichen Beschwerden zu tun – und erstaunlich oft verschwinden diese am zweiten Advent.

Nun, in der zweiten Adventwoche, wirkt sich der Rückzug von Licht & Wärme  besonders auf unsere subtilen Vitalkräfte aus. Im anthroposophischen Sprachgebrauch nennt man dies die ätherische Energie. Die Freunde der Integralen Spiritualität Ken Wilbers, nennen es den „Subtilen Körper“. Es ist der Bereich in uns, den man auch als „Aura“ beschreiben kann – der vibrierende Energiekörper

Wenn sich Licht & Wärme aus diesen subtilen Vitalkräften zurückziehen, wenn dadurch die Einsamkeit zunimmt und unsere Aura an Farbe verliert, versuchen wir dies unbewusst auszugleichen. Und genau diese Unbewusstheit führt zu den Problemen, die diese zweite Adventwoche prägen werden.

Wir versuchen den Mangel an Licht & Wärme durch heftige energetische Reibung auszugleichen.

Wenn unbewusste Menschen unter innerem Wärmeverlus leiden, dann fangen sie an zu streiten. Damit diese Streit-Reibung Wärme erzeugt – damit die Funken schlagen. Das ist der Versuch die Einsamkeit durch Streit zu überwinden.

Du wirst das in dieser zweiten Adventswoche vielleicht dadurch bemerken, dass in Deinem Denken & Sprechen der Zynismus und die scharfer Kritik aufsteigen.

Du wirst in diesen Tagen möglicherweise nicht vermeiden können, dass Du schneller Urteile fällst als sonst. Du kannst aber dies tun: Übe Dich in diesem Urteilen in Besonnenheit. Und erlebe in Deinem Gegenüber den gleichen Mangel an Licht & Wärme.

Halte in allen Wünschen, Gedanken und vor allem Worten das Maß. Dies bringt Dich zu einer umfassenderen und nüchterneren Harmonie als zu jeder anderen Jahreszeit.

Wer diese Erfahrungen im Laufe des Advent mit anderen Menschen austauscht, wird eine Potenzierung der Energien auf allen Ebenen erfahren – das Ego hat dann weniger Chancen sich der Einsamkeit zu bemächtigen und daraus Zynismus oder Selbstmitleid zu konstruieren.

Bewusst gemeinsam einsam zu sein, ist keine Flucht vor der Einsamkeit. Die Einsamkeit wird dadurch nicht weniger. Im Gegenteil: Sie wird intensiver – in einem guten Sinne.

Je bewusster, je intensiver. Erlebe und erfahre die Einsamkeit, den Rückzug von Licht & Wärme, nicht nur in Dir – erlebe und erfahre dies in Deinen Mitmenschen.

Erlebe auch in Deinen Beziehungen den Verlust von Licht & Wärme. Erlebe gemeinsam die objektive Einsamkeit jenseits des Egos.

Dies ganz wach zu fühlen, bringt uns in eine neue und tiefere Harmonie.