Dienstag, 7. Dezember 2010

Mut zur Demut

Heute vor 40 Jahren ging Bundeskanzler Willy Brandt in die Knie. Dieser Kniefall ermöglichte einen Wandel in der Versöhnungsgeschichte unseres Landes. Demut öffnete das Potential für eine neue Entwicklung. Was immer Demut sein mag – es gibt sie nur in einer Ich-Du-Beziehung. 

Es ist gut, dass viele Menschen das Göttliche, den Geist, das große kosmische Ganze, als EINS mit ihrem tiefsten Wesen erfahren.


Die Ich-Du-Beziehung kennen wir vor allem als Verhältnis von Mensch zu Mensch. Dort leben u.a. Werte wie Höflichkeit, Respekt, Achtsamkeit und Interesse. Wir sind dabei meist um eine dialogische Haltung auf Augenhöhe bemüht.

Vielleicht gibt es auch Menschen, vor denen Du ganz besonders viel Respekt und Verehrung empfindest. Manche Menschen folgen dann mit ihrem Körper diesen seelischen Verehrungskräften und verneigen sich vor bestimmten Menschen. Wer so seine Verehrungskräfte aktiviert, öffnet sich selber für die nächste große Wachstumsphase. Nichts schließt mehr Potential auf, als Verehrungskräfte.

Dies ist bereits von Mensche zu Mensch so - was aber, wenn wir eine Ich-Du-Beziehung zum GEIST selber aufnehmen? Was, wenn wir das Göttliche einmal als das große DU betrachten. Das Andere, was ich nicht bin? Wenn wir das Universum und alles was dieses Universum aus sich heraus hervorgebracht hat, einmal als ein Gegenüber würdigen? Was passiert, wenn wir zu der unermesslichen Erhabenheit Gottes und des nicht begreiflichen Mysteriums des Lebens eine Ich-Du-Beziehung aufnehmen?

Wenn Du der Göttin in die Augen blickst – wirklich und wahrhaftig – wird das eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe sein?

„Wenn wir eine Ich-Du-Beziehung mit dem Geist eingehen, hat das Ego plötzlich keine andere Wahl als auf die Knie zu fallen.“ (Andrew Cohen)

Und hier beginnt der Wandel: Denn das größte Wachstumspotenzial liegt da, wo Dein Ego in die geht. Das Ego wird dies niemals freiwillig oder auch nur zähneknirschend tun – es wird passieren, wenn es keine Wahl hat. Und das ist genau dann, wenn wir eine ehrliche Ich-Du-Beziehung mit dem Geist eingehen.

Wie könnte das für Dich aussehen? Wo und wie könntest Du so eine Wachstumshierarchie praktisch finden - jenseits der üblichen Unterdrückungshierarchien?

„Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird.“ Rudolf Steiner

Wenn Du auch nur ahnungsvoll an Dein Potential jenseits des Stolzes, des Schutzes und der Sicherheitsmaßnahmen glaubst – dann erlaube Dir, Dich vor der Größe anderer Menschen zu verneigen. (Was in Dir hinderte Dich bis jetzt daran?)

Wenn Du auch nur ahnungsvoll daran glaubst, dass es ein Potential in Dir und in Allem gibt, was Dein Leben sofort ergreifen und transformieren kann – dann erlaube Dir, vor diesem Höchsten & Tiefsten in die Knie zu gehen.  (Was in Dir hinderte Dich bis jetzt daran?)

Du wirst wissen, wann Du das Höchste & Tiefste gefunden hast. Es wird der Moment sein, wo Du keine andere Wahl hast, als in die Knie zu gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes.  

Demut aktiviert eine der wirksamsten Kräfte in uns: Die Verehrungskräfte. Nichts schließt mehr Potential auf, als Verehrungskräfte. Erlaube Dir den Mut zur Demut. Erlaube Dir in die Knie zu gehen - damit wachsen die Verehrungskräften und so beginnt ein Wandel von neuer Qualität. Jenseits des Egos.
Wie damals in Warschau. Danke, Willy Brandt.