Annnehmen und Loslassen. Dieses Begriffspaar gehört in der Spiritualität zu den wichtigsten Kernbotschaften. Wer sich mit den großen Fragen des Lebens und Sterbens beschäftigt, wird in diesen beiden Bewegungen des Einatmens und des Ausatmens die Kraft und Ruhe finden, nach denen wir uns sehen – gerade in schweren Zeiten: Selbst das Unannehmbare annehmen – selbst das Loslassen loslassen.
Aber es gibt noch eine dritte Kraft, eine mittlere Dynamik. Es ist das dynamische Zentrum jeder evolutionären Spiritualität, in die sich auch Anthroposophie eingereit hat:
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Zwischen Annehmen und Loslassen ereignet sich Verwandlung. Zwischen dem Einatmen und dem Ausatmen der Luft, findet ein dynamischer, lebenskräftiger und nahezu unbegreiflicher Prozess.
Die eingeatmete Luft erneuert und transformiert mit jedem Atemzug das Leben in unserem Körper.
Auch im seelischen kann der Mensch zwischen dem annehmenden Einatmen und dem loslassenden Ausatmen einen bewussten Prozess der Verwandlung und Höherentwicklung in Gang setzen.
Wunden werden zu Weisheit, Erfahrungen zu Erkenntnissen und als Mängel erlebte Charakterzüge können in Fähigkeiten verwandelt werden. Einatmen und Ausatmen geschieht einfach so – alles dazwischen muss geführt werden. Durch das bewusste Ich.
Zwischen den natürlichen, hin und pendelnden Bewegungen des Annnehmens und Loslassens, kann die Entwicklung eine bewusste Richtung bekommen. Einen vertikale Drang. Evolution ist Entwicklung plus Richtung. Der evolutionäre Drang in uns, ist identisch und untrennbar verbunden mit mit Leerheit Gottes, aus der die Fülle der Welt geboren wird.
Rudolf Steiner stellte sich mit der Anthroposophie in einen evolutionären Bewusstseinsstrom, den im 17. Jahrhundert ein Jakob Böhme, im 18. Jahrhundert ein Goethe, im 19. Jahrhundert ein Ralph Waldo Emerson und nach Steiner ein Sri Aurobindo, ein Pierre Teilharde de Chardin, ein Jean Gebser, ein Andrew Cohen und ein Ken Wilber prägte.
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Viele Helden - ein evolutionärer Wille.
Zwischen dem Einatmen und dem Ausatmen können wir in uns die Seelenblume zur Blühen bringen. Sie blüht nur, wenn wir uns dafür entscheiden sie zur Blüte führen zu wollen – sie ist unsere Kreation.
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Einatmen - zur Blüte bringen - ausatmen.
Der Mensch ist in der Lage, auch das Negative einzuatmen, es zu verwandeln und als Positivität auszuatmen. Das ist die ureigenste Mission des Menschen.
Wirkliches, tiefes und vollkommenes Annnehmen und Loslassen – das ist der Ausgangspunkt und der Endpunkt jeder Spiritualität und jedes gelungen Lebens.
Das Ergreifen des Zwischenraumes, das dynamische Verwandeln der Luft in Leben und das evolutionäre Entwickeln von neuem Leben, das ist die Besonderheit der Anthroposophie.
Es ist gleichzeitig das Merkmal einer evolutionären Spiritualität die weit, weit vor uns ihren rebellischen Anfang nahm und weit, weit nach uns nichts von ihrer alles transformierenden Dynamik verlieren wird.
"Mein Eigenwesen ist beschlossen mit der Atemstärke
Aoum mani padme aoum
Mein Ich ist beschlossen in der Lotusblüte"
(Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden.)