Freitag, 29. April 2011

Wache halten

Ich war früher ein Stadtmensch. Ich verlege mein Leben nun langsam aber stetig in die Berge. Ein Rückzug von den Menschen? Nein, eine neue Hinwendung an die Erde. Bisher haben wir von der Erde gelebt, jetzt sehnt sich die Erde nach unseren aufrichtigen und wachen Bewusstseinskräften. Es wird ein neuer Erdendienst notwenig. Gerade von Männern.

Die Natur des Mannes ist Freiheit, Friede, vollkommene Stille – und die aufrichtige Bereitschaft mit dieser reinen Präsenz tief in das Leben einzudringen.

Darum gehe ich nicht in die Natur, um dort meinen Seelenmüll abzuladen und dort frei zu werden. Nein, weil ich frei bin, gehe ich zur Erde. Die Erde braucht nicht mehr Menschen die unbewusst auf ihr trampeln und sie angraben. Was braucht sie?

Nicht nur in der Tradition Rudolf Steiners, ist die Erde der lebendige und beseelte Körper der kosmischen Intelligenz. Sie ist schön und lebendig. Was könnte sie von mir wollen? Zuerst will sie, dass ich nichts von ihr will. Dann: Die wache, bewusste und tiefe Würdigung dessen was sie ist: Der beseelte Leib des Göttlichen. Eine liebesvolle Offenbarung.

Rudolf Steiner hat ein seltsames Wort benutzt und sprach davon, dass in näherer Zukunft der „ätherische Christus“ in der Natur auferstehen würde. Er gebrauchte dieses religiös aufgeladene Wort im Kontext einer christlich sozialisierten Zuhörerschaft – übersetzt in die heutige Sprache, meinte er dies damit: 

Das Göttliche ruht im Stein, es wächst in der Pflanze, es fühlt im Tier und erwacht im Menschen – zu sich selbst.

Wenn dieses Göttliche heute im Menschen zu sich selbst erwacht – und in immer mehr Menschen ist dies so – dann können sich einige, wenige Menschen aufmachen, um diese göttliche Wachheit in die göttlich träumende Natur zu bringen.

Unter der manchmal spröden und harten Schicht der Erde gibt es ein schlummerndes Vertrauen, welches sich danach sehnt, geöffnet zu werden: Für die weite, aufrichtige, bewusste und kosmische Intelligenz.

Wenn der wache Mensch – und ich sehe hier tatsächlich eine neue Aufgabe für wache Männer – mit dieser Klarheit in die Erde eindringt (und nicht mehr gierig, süchtig und verletzend) dann führt er die Kräfte der kosmischen Göttlichkeit in die Kräfte der irdischen Göttlichkeit hinein.

Der Kosmos (der bisher die Hülle der Erde war) erfüllt die Erde nun auch und unendlich sanft von innen heraus. Mit was? Mit nichts als Bewusstheit.

Das einzige Mantra, was man in dieser Vermählung sprechen darf ist „Ich-Bin-Das-Ich-Ich“. So wird sich die Erde, dieser göttliche Körper, immer weiter öffnen und sich immer tiefer entspannen. Nur so kann sie geheilt werden und zu einer neuen Lebendigkeit finden. 

Immer schon war die Erde GEISTvoll. Nun erwacht GEIST nicht nur im Menschen zu sich selbst, sondern auch in der Natur. Das ist der neue, der nächste und der notwendige Schritt. (Und er gilt by the way nicht nur für den ErdKörper, sondern auch für den menschlichen Körper. Eine neue Art von erwachter Sexualität, wird hier den ganzen Mensch zunächst heilen und dann erneuern.)

Das meinte Rudolf Steiner damit, wenn er vom „ätherischen Christus“ in der Natur sprach. „Denn nie kann anders von Christus gesprochen werden als von dem Ich-Bin-Das-Ich-Ich.“ (Steiner). Dieses Ich-Bin-Bewusstsein, leuchtet nun auch im "ätherischen" also in allen vitalen Lebensprozessen auf. Bewusstsein vom Bewusstsein.

Und darum gehe ich mehr und mehr in die Alpen. Nicht um in der Natur zu träumen. Sondern um Wachheit aufrecht zu halten.

Die träumende Erde braucht den Menschen nicht. Die Erde, die zum Stern erwachen will, braucht nichts mehr als den Menschen.
Im Mai 2012 werde ich für einige Wochen einen Retreat in den Alpen anbieten. Anfragen zu den Mai-Wochen an: sekretariat.gronbach@gmx.net 

(Public Meditation ist und bleibt meine Erste-Hilfe-Maßnahme für die Städte. Auch hier gilt: Guerilla-Meditierer machen es so: Sie bringen ihre Stille & Bewusstheit an Orte des Lärms und der Verwirrtheit. Guerilla-Meditierer atmen Lärm ein und atmen Stille aus.)