Dienstag, 17. Mai 2011

Wir Weltenbürger

 
Woher nur, woher? Woher kommen die neuen sozialen Ideen? Oder noch wichtiger: Wie können wir die guten sozialen Ideen, die so viele Menschen sich schon ausgedacht haben, ergreifen und so in die Welt pflanzen, dass sie fruchtbar werden und endlich gute Früchte bringen? Wie werden aus sozialen Ideen soziale Taten  zum Wohle aller Wesen? Wenn Sie ein spiritueller Mensch sind, wenn Sie vielleicht in der Anthroposophie ihre geistige Heimat haben, dann fallen Sie jetzt sicherlich nicht überrascht vom Stuhl, wenn Sie lesen: Das ist eine Bewusstseinsfrage. Gähnen Sie jetzt? Was soll das eigentlich sein? Eine Bewusstseinsfrage?

Was muss in unserem Bewusstsein, in unserer Empfindung, in unserem ganzen Gefühlsleben anders werden, damit das Soziale sich aus diesem elendig düsteren, schweren Staatsdenken erhebt  zu einem leichten und dennoch kraftvollem sozialen Denken?

Einfacher: Wie wird das Soziale endlich menschlich?
So genug der Fragen. Hier die Antwort. Sie werden vielleicht nicht vom Stuhl fallen, aber erstaunt dürfen Sie ruhig sein: Es ist eine Antwort von Steiner auf genau diese soziale Frage:
„Die Menschen sollten fühlen lernen, wenn sie auf der Erde wandeln, dass in ihnen das Weltenall lebt. Sonne und Mond sind nicht nur da draußen im kosmischen Raume, Sonne und Mond sind in uns.

Und insofern wir denken, sind wir Sonnenwesen und insofern wir wollen, sind wir Mondenwesen. Du bist ein Weltenbürger. Du wärest nicht, was Du bist als Mensch, wenn nicht das Weltenall in dir wirkte. Sonne und Mond sind in Dir. Wenn dies der Mensch als Empfindung, als Gefühl in sich trägt, dann wird er erst reif, soziale Ideen zu fassen.“

Ich bin mir sicher, dass die große Faszination Rudolf Steiners damit zu tun hat, dass er immer dann, wenn wir uns im Kleinsten bewegen, dass er dann auf das Größte hinweist.

Und wir erkennen: Wir finden für das Kleinste nur eine Lösung, wenn wir vorher einen galaktisch tiefen Atemzug nehmen und fühlen, was Ken Wilber so beschreibt:

"Man atmet mit jedem Atemzug Galaxien ein, schläft die ganze Nacht als die Sterne. Sonne und Mond und herrliche Novä rasen und rauschen durch deine Adern, und dein Herz wird im Rhythmus mit dem ganzen liebenden Universum pochen."

Ich glaube, ein spiritueller Mensch, ein Anthroposoph, ein Weltenbürger, könnte jemand sein, dessen Herz, Verstand und Bewusstsein immer dann noch weiter werden, wenn sie sich eigentlich - aus welchen Gründen auch immer - zusammenziehen möchten.

Wenn wir Sonne und Mond wirklich Raum – Weltraum - in uns schenken wollen, dann müssen wir uns weiter öffnen als bisher. Viel weiter.

Und dann beginnt die soziale Spiritualität der Weltenbürger.

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