Mittwoch, 19. Oktober 2011

Britney und der Totenschädel


Ich konnte mich gestern beim Britney Spears Konzert gut entspannen - es war einfach herrliches Flachland. Was ich dagegen nicht mehr ertrage, dass ist ,wenn sich Ego-Flachland als Geist-Tiefe aufspielt. Wenn EGO vorgaukelt GEIST zu sein, ist das für das Ego eine Anstrengung, die niemals erfolgreich und darum endlos anstrengend ist. Je hochtrabender, tiefsinniger und spiritueller sich das EGO gibt, desto anstrengender ist das. Das Wahrnehmen dieser Anstrengung verursacht das temporäre Kollabieren meiner Organe.

Von dieser Anstrengung weiss man erst dann, wenn sie aufgehört hat. Erwachen ist das Ende dieser unbewussten Anstrengung in der eigenen Person – aber der Anfang einer neuen Tortur: Diese Tortur besteht darin, bewusst die unbewusste Anstrengung aller anderen Menschen zu erleben.

Jedenfalls dann, wenn Erwachen nicht in Herablassung, sondern in Mitgefühl mündet, ist es das Ende des eigenen Leids und der Beginn des alles übersteigenden Mitleids. Wenn Du darauf keinen Wert legst, solltest Du alles vermeiden, was Dich zum Erwachen führen könnte. Vergiss es einfach und klick Dich aus dieser Seite raus. Bitte!

Nochmal: Ich habe nichts gegen Ego. Ego kann bis zu einem gewissen Grad cool & sexy sein...solange es nichts anderes, nicht DAS GANZ ANDERE sein will - die "wirklichere Wirklichkeit" (Tom Steininger).
Wenn es DAS GANZ ANDERE sein will, muss es sich erschießen. 
Britney entspannt mich, weil ihre Show nichts als flimmerndes Flachland verspricht und Britney dieses Versprechen halten kann. Nicht eine einzige Minute leugnet sie die glitzernde Schönheit des Flachlandes. Nicht eine Minute tut sie so, als wäre Ego mehr als Ego. Keine Pseudo-Vertiefung, kein Pseudo-Aufstieg, wo nur Flachland ist. 

Britney ist wohltuende Oberfläche, wo es nichts als Oberfläche gibt. Und dennoch: Auch hier blickte der Totenschädel in die KölnArena: Denn die Großleinwand fing einige Sekundenbruchteile ein, in denen die Maske des Egos verrutschte und dahinter der friedlich-ekstatische Glanz des Geistes, alles Flimmern, Glitzern und Krachen überstillte.
Schnell und scheinbar leicht, schob sie die Maske wieder drüber - doch in Wirklichkeit mit einer Anstrengung, die mehr Energie verbrauchte, als aller Strom der KölnArena.
Für Britneys Kritiker war das die Schwachstelle der Show. Für mich war es der einsame Höhepunkt. Und - Oops I Did It Again - der Moment, an dem meine Organe wieder kollabierten.