Dienstag, 18. Oktober 2011

Versprechen gehalten


Heute sah ich dieses Bild hier im Internet - und plötzlich fiel mir wieder ein Moment meiner Kindheit ein. Mein Vater hatte sich dieses Bild an sein "Arbeitsbett" gehängt.
(Es war eine Art Couch, auf der er las, schrieb, dachte, meditierte und sich sicherlich auch hin und wieder einfach so zurückzog.)

Neben den Falken hatte er ein Schild montiert. Darauf stand:
"ICH habe das Gestern gesehen. ICH kenne das Morgen."

Ich sehe mich jetzt, da ich das Bild wieder im Internet sah, wie ich als kleiner Jungen immer wieder und immer wieder stundenlang vor diesem Bild stand.

Manchmal lag ich davor, während mein Vater meiner Schwester und mir ein Märchen vorlasen und wir dabei das Gehörte auf riesigen Blättern malten - immer wieder guckte ich hoch:

"ICH habe das Gestern gesehen. ICH kenne das Morgen."

Ich drehte meinen Kopf, meine Gedanken drehten sich - ich hörte dabei Rummpelstielzchen, Dornröschen und das Tapfere Schneiderlein - aber immer wieder zog mich dieser Falke an:

"ICH habe das Gestern gesehen. ICH kenne das Morgen."

Irgendwann stand ich wieder davor und wieder drehten sich meine Gedanken und mein Herz bummerte so absonderlich und ich kapierte einfach nix.

Aber an diesem Tag änderte ich etwas. Ich beschloss mir keine Gedanken mehr darüber zu machen weil ich mir selber in diesem Moment hoch und heilig versprach, dass es nun ein Lebensziel wäre herauszufinden, was dieser komische Spruch zu bedeutet habe.

"Eines Tages" - so das Versprachen der kleine Jungen seinem kleinen Jungenherz und seinem kleinen Jungenkopf - "eines Tages werde ich wissen was das bedeutet. Und dann werde ich das Wichtigste wissen."

Und jetzt will ich mich bei dem kleinen Jungen bedanken, dass er mir diese Lebensaufgabe gegeben hat und ihm sagen: "Versprechen gehalten."

"ICH habe das Gestern gesehen. ICH kenne das Morgen." (link)