Sonntag, 9. Oktober 2011

Verzweiflung, evolutionäre Liebeskraft - und Du.


Manche Menschen denken, dass Verzweiflung ein Problem ist, dass man reparieren sollte. Ich verstehe, was diese Menschen damit meinen und es hat natürlich auch seine richtige Seite. Wenn wir jedoch das Leben als Einweihungsweg und jede Biografie als ein Evangelium verstehen, dann ist Verzweiflung die Türe zu dem Ort, wo es nichts mehr zu gewinnen, aber auch nichts mehr zu verlieren gibt.

Wenn Verzweiflung viel Platz in Deinem Leben einnimmt (vielleicht so viel Platz, dass Du Dich ständig anstrengen musst, so zu tun, als wäre das Gegenteil der Fall), dann erlaube Dir doch einmal folgendes Gefühl (erwarte nichts davon, es hat ja bisher auch nichts genutzt):

Entspann Dich in Deine Verzweiflung hinein. Entspann Dich tief und weitgehend in Deine Verzweiflung hinein. Entspann Dich in alles hinein, was jetzt gegen diese Entspannung spricht.

Wenn Du das tust, dann erlaubst Du Dir etwas, was die allerwenigstens Menschen sich erlauben: Du erlaubst der Verzweiflung, Dich so tief zu durchdringen, dass sie die Mauern aus Angst & Hoffnung einstürzen lässt.

Alles was dann noch bleibt – und das kann Minuten oder Jahrzehnte dauern – ist Offenheit in alle Richtungen. 

Eine Offenheit, die sich ausdehnt und sich darbietet. Diese sich ausdehnende Offenheit bist Du. Das sich ausdehnende Universum, ist Dein Selbst.

Die Intensität und Potenz dieser Offenheit, durchdringt und erfüllt Dich vollkommen – sie öffnet Dich für das, was durch Dich zur Erscheinung kommen will.

Und alles, was durch Dich zur Erscheinung kommen will, ist ein Entwicklungsimpuls, eine "evolutionäre Liebeskraft" (David Deida), ein Schöpfungswillen. Es ist dieser eine Entwicklungsimpuls, diese eine evolutionäre Liebeskraft, dieser eine Schöpfungswillen, der vor vielen Milliarden Jahren diese und alle Welten aus sich selbst hervorgebracht hat.

Kannst Du fühlen (auf eine Weise, die Deinen Verstand sprengt), dass diese evolutionäre Liebeskraft nichts anderes ist – seit Milliarden Jahren – als Du selbst?  

Was wäre, wenn Du frei wie diese Liebe leben würdest? 


Rudolf Steiner nennt Anthroposophie ein „Wesen“. Anthroposophie ist einer von zahllosen Namen für das „Wesen“, welches ich gerade als Schöpfungswillen, als Entwicklungsimpuls, als evolutionäre Liebeskraft bezeichnete - der Name ist nicht wichtig. Du bist wichtig.

Denn wir können dieser evolutionären Liebeskraft auch einen anderen Namen geben.
Deinen. Und meinen.


Ich würde Dich gerne treffen – da, wo Namen nicht das Wichtigste sind: Im einen Herz.

Vortrag: „150 – Jahre Rudolf Steiner: Wie Anthroposophie Dich trifft - mitten ins Herz. Ein Vortrag im Dialog mit Sebastian Gronbach."
Mittwoch, 12. Oktober, 20:00 Uhr, Freie Waldorfschule, Mühlheim an der Ruhr, Blumendeller Str. 29, 45472 Mülheim, 6. Euro.Bild: Stefan Stark