Mittwoch, 23. November 2011

Das neue WIR und die Einsamkeit


Das neue WIR wächst aus der Einsamkeit. Es braucht nichts kompliziertes dazu: Bleib in der Einsamkeit stehen. Ohne Konzepte von Dir, ohne Konzepte von Einsamkeit, ohne Konzepte von Sinn und Mission.

Einsam zu sein, das bedeutet, sich von dem loszulösen, was einem Trost, Wissen und Sicherheit spendet.
Wenn Du Buddhist bist, wirst Du nur ohne Buddha die Einsamkeit erfahren können - und dann zutiefst wissen, wer Buddha ist. Wenn Du Christ bist, wirst Du nur ohne Christus die Einsamkeit erfahren können - und dann zutiefst wissen, wer Christus ist.
Was immer Dich bis jetzt gehalten hat, es hält Dich jetzt nur noch fest. Was immer bis jetzt der feste Boden unter den Füßen war, es ist jetzt der Klotz an Deinem Bein.

Es ist nichts schwieriger als in diesem Moment das Herz offen zu halten und die Angst und den Schmerz und die Einsamkeit zu fühlen. Ohne Sinn und Verstand.
Mein Beruf ist es, Menschen in diesem Prozess zu begleiten. Einsamkeit auf gesunde Weise zu erfahren, bedeutet zwei Dinge zu berücksichtigen:

Erstens: Lebe weiter Dein Leben. Es ist äusserst wichtig zu verstehen, dass es hier um einen inneren Prozess geht, der Dich nicht von einem verantwortungsbewussten Leben entbindet – ganz im Gegenteil! Dein Job ist es, in Deinem sozialen Umfeld ganz für Dich und Deine Lieben da zu sein – während Du innerlich im Feuer der Einsamkeit stehst.
Ohne dieses verantwortungsvolle Leben – für Dich und Deine Lieben – ist diese Einsamkeit nur ein Ego-Trip.

Zweitens: Es hat nichts mit Deiner Person zu tun. Mach kein persönliches Drama daraus. Bilde Dir nicht ein, es hätte etwas mit Deinem persönlichen Karma, Schicksal oder sonst was zu tun. Stehe ganz unbemerkt in der Einsamkeit,  erfinde keine Opfer-Geschichte. Bleibe ein sozialer Mensch in der totalen Isolation.
Bleibe solange in der Einsamkeit, bis Dir die Einsamkeit nichts mehr sagt. Solange, bis Einsamkeit einfach Wort ist, mit dem Du nichts mehr verbindest.

Du wirst immer wieder versuchen von der Einsamkeit in die Gemeinsamkeit zu flüchten und genau das ist etwas, was das neue WIR nicht ist: Es ist kein Kollektiv von Menschen, auf der Flucht vor Einsamkeit. Das neue WIR erwächst nicht aus Bedürfnis.
Erst aus diesem seelenruhigen und geistigen Gestanden-Haben vor dem Mysterium der Einsamkeit, wächst das neue WIR.

Es gibt nichts besseres, was Du für das neue WIR tun kannst, als das, was Du jetzt gerade tust: Einsam sein. Lächelnd. Ohne Drama. Liebevoll und verantwortungsbewusst.
Biete Dich der Einsamkeit vollkomen dar und bleibe dabei in Verbindung mit allem.
Halte aus, dass beides wahr ist.