Donnerstag, 22. Dezember 2011

Weihnachten & das Erleuchtungs-Gen

Weihnachten ist nicht schwer zu verstehen. Die Weihnachtsgeschichte bedeutet: Erwachen ist möglich – bedingungslos, schnell & dauerhaft. Noch bevor Jesus einmal „Bäähh“ sagen konnte, stand fest: Er ist Gottes Kind. Erleuchtet, erwacht, die Vollkommenheit in Person. Der Friede auf Erden. Der nackte Gott zum Anfassen. Mit dem Christentum ist eine Religion ins Bewusstsein getreten, die ein neues Gen in die Evolution implantieren wollte – das Erleuchtungs-Gen.

Es war nun nicht mehr nötig an ein jenseitiges Mysterium zu glauben. Der evolutionäre Sprung bestand darin, dass man glauben durfte, dass alle Mysterien und alle Göttergeheimnisse, tatsächlich in menschliches Fleisch und Blut übergegangen waren – uns zwar total.

Das Jenseits war nun im Diesseits.

Gott war nicht da oben. Gott lag jetzt vor den Menschen. Einfach so. Baby. Krippe. Nackt. Arm. Dunkelsten Nacht. Nix geleistet - und doch vollständig Gott.

Der Weg der Erleuchtung war nicht länger nur Priestern & Weisen in Tempeln vorbehalten, die sich durch komplizierte Rituale nach oben entwickeln mussten – nein: Der sprichwörtlich „kleine Mann von der Straße“ sollte sinnlich erleben dürfen, dass Gott auch in ihm vollständige Wirklichkeit ist.

Was ein Baby kann, müsste doch jeder können – das ist die Botschaft von Weihnachten. Jesus Christus brachte das Erleuchtungs-Gen für Jedermann. Christus zu folgen, bedeutet sein eigenes Erleuchtungs-Gen zu aktivieren. Und Christus in mir ist nicht ein anderer Christus, als Christus in Dir. Es ist das Eine - ohne ein Zweites -  als die Vielen.

In gewisser Weise kann man sagen: Jesus Christus hob die Gesetze des Karma auf. Den Glauben daran nämlich, dass wir noch Zeit bräuchten um zu erwachen. Tausende von Jahren arbeiteten sich die Menschen durch Vergebungsrituale um Karma abzuarbeiten. Und Jesus Christus sagte – hier in den Worten von Thomas d :

„Was willst Du von mir? Vergebung? Hier ist sie! Was machst Du nun? Einfach weiter wie bisher? Sie Dich mal um – da ist nichts mehr! Und Du willst Vergebung? Hier ist sie!“


Richtig verstanden, ist das Christentum eine Anti-Religion. Sie will nicht alle anderen Religionen übertrumpfen, sondern sich selber abschaffen. Denn wozu noch warten und worum noch bitten, wenn wir alle mit dem Erleuchtungs-Gen ausgestattet sind? Jesus wollte der letzte Guru sein.

Und das Neue Testament ist voller  Momente, der schnellen, tiefen und vollständigen Erleuchtung – ohne Umweg:  

Gerade noch war er ein Verbrecher mit einem langen Schuldenregister: Der Sünder, der neben Jesus Christus am Kreuz hing. Dann – ein Moment der bedingungslosen Erkenntnis reichte  und seine sündige Vergangenheit war beendet: „Ja, ich sage Dir, heute noch wirst Du mit mir im Paradies sein.“

Gerade noch war Saulus ein erbarmungsloser Verfolger von Jesus und allen seinen Anhängern. Dann – ein Moment der vollkommenen Demut reichte – beendete er seine Vergangenheit und sprach als Paulus: „Nicht ich – sondern Christus in mir.“

Achtunddreißig Jahre dauerte die Behinderung des Mannes, der Christus um Hilfe bat. Dann – ein Moment des absoluten Vertrauens reichte – und er hörte die Worte, die seine Leidensgeschichte beendeten: „Steh auf! Und gehe!“

Erwachen verlangt keinerlei Aufarbeitung der Vergangenheit. Erwachen bedeutet mit der Vergangenheit abzuschließen. Schnell, tief und vollständig.

„Was willst Du von mir? Vergebung? Hier ist sie! Was machst Du nun? Einfach weiter wie bisher? Sie Dich mal um – da ist nichts mehr! Und Du willst Vergebung? Hier ist sie!“

Das bedeutet Weihnachten.