Mittwoch, 25. Juli 2012

Anthroposophie & Yoga


Was ist das Wichtigste, was man über Rudolf Steiner wissen muss? Er liebte das Leben. Leben war nichts, was er überwinden und transzendieren wollte. Leben war etwas, was er durchdringen und transformieren wollte. Er war im besten Sinne NEUgierig. Er liebte das Neue. Das Moderne. Im gleichen Maße hatte er eine Abneigung gegen Dinge, die innerlich ausgehöhlt, ohne frische Lebendigkeit & nur noch sinnentleerte Tradition waren.

Wenn man verstehen will, warum Steiner bisweilen dem Yoga kritisch gegenüberstand und sogar davor warnte es zu praktizieren, dann kann man es nur in dem oben erwähnten Kontext verstehen:
Die östliche Yoga Traditionen, die Steiner kannte (man stelle sich vor, das war in der Zeit des ersten Weltkrieges), waren nicht selten sehr einseitig auf die Überwindung der Welt angelegte und eben bisweilen eine sinnentleerte und oft nicht mehr lebendige Formen des Yoga.

Und davor warnte Steiner. Denn wenn Atem & Körper sich mit etwas verbinden, was ohne Anbindung an die erfrischende Quelle des Lebens ist, dann wird’s ungesund. Und das sollte weder Yoga noch Anthroposophie sein.
Steiner hat also auf der einen Seite vor den ungesunden Verzerrungen & Einseitgkeiten des Yoga gewarnt. Auf der anderen Seite hat er in seiner Anthroposophie auch zu Meditationen angeleitet, die sich eng an der lebendigen Yoga-Praxis orientieren.  

Manche Lektionen sind auch mit Körperübungen verbunden, wie man sie im klassischen Yoga findet. Die Übenden sollen zu den jeweiligen Texten ihre Beine, Arme oder den ganzen Leib bewegen & belasten & entspannen oder sich auf bestimmte Körperregionen oder Chakren fokussieren.
Daneben gibt es auch Meditationen, welche die Atempraxis des Yoga integrieren. Obwohl Steiner diese Übungen nicht Yoga-Übungen nannte, motivierte er vom Beginn bis zum Ende seiner Arbeit immer wieder zu diesen meditativen Körper,- und Atemübungen – sprich: Zu Yoga.

Wenn Du Dich also fragen solltest, ob Steiner & Yoga & Tantra & Fitness & Kickboxen & Meditation & Tanzen &...zusammen passen, dann musst Du nur dieser einen Frage in Dir nachspüren: Dient das was ich tue, der erstaunlichen Lebendigkeit des Denkens, Fühlens und Handelns?

„Lebendig werdende Wissenschaft!
Lebendig werdende Kunst!
Lebendig werdende Religion!
Das ist schließlich Erziehung.
Das ist Unterricht!
(Rudolf Steiner)“