Dienstag, 20. November 2012

Adulte Spiritualität


 
Ich vertraue darauf, dass Du eine adulte, also eine erwachsenen Spiritualität lebst. Wenn du eine adulte Spiritualität lebst, dann kann ich zum Beispiel das Wort „Gott“ aussprechen, ohne dass du sofort den ganzen Schatten der Religionsgeschichte im Nacken spürst. Ich vertraue darauf, dass du unter Gott nicht den alten Mann mit dem weissen Bart verstehst, sondern dieses objektlose Mysterium jenseits aller Perspektiven - das Pulsieren Deines Herzens & Dein glasklares Bewusstsein.
 
Ich vertraue darauf, dass Du keine Kinkerlitzchen-Kontroverse von mir erwartest, ob es Gott nun gibt oder nicht.
 
Ich vertraue darauf, dass in dem Wort Gott etwas klingt, was den empfindsamsten Punkt in Dir zum Vibrieren bringt und Deine höchste Aufmerksamkeit fordert.
 
Ob ich an Gott glaube? Ich glaube daran, dass Du Gott besser als alles andere kennst – nicht wahr? Und dennoch ist dieses Göttliche auch immer ein Geheimnis. In Dir selbst und in allen lebendigen Wesen. Alles Wissen wird eines niemals ändern – wir werden immer wieder vor Gott stehen, so wie wir jedem anderen Lebewesen gegenüberstehen und sagen: Du bist für mich ein absolutes Geheimnis. Du bist unergründlich.
 
In adulter Weise Gott zu dienen, das bedeutet erstens, dass du Dich etwas hingibst und von etwas öffnen lässt, was Deiner tiefsten Essenz entspricht. Zweitens gehorchst Du der Herausforderung des engültig Unbekannten und richtest Dich am Unerreichbaren auf.
 
Was auch immer man sonst noch theoretisch dazu sagen könnte, ganz praktisch gesehen, strahlt jemand, der als diese Offenheit und als diese Aufrichtigkeit lebt, eine große Anziehungskraft aus.