Freitag, 16. November 2012

Meisterschaften


Ich gehe heute wieder zum Sanda-Kickboxtraining. Ich werde dann von meinem Meister erneut viele harte und geniale Lektionen lernen. Ich werde wieder einen winzigen Schritt nach vorne kommen – aber ich werde vor allem mal wieder vieles nicht können und kapieren. Ich werde Bewegungsabläufe verstolpern, qualvoll an die Grenzen meiner Kondition kommen und wahrscheinlich stecke ich wieder mehr ein, als ich austeilen werde.

Mal theoretisch: Von 1000 Punkten – wie viele werde ich erreichen? Zehn? Siebzehn? Vier? Für mich ist es mit dem Kickboxen wie mit Yoga, Meditation oder Anthroposophie: Die regelmäßigen Trainingsstunden mit den Kameraden und die Begegnung mit dem Meister, sind zweimal in der Woche das Höchste – aber auf welchem tatsächlichen Niveau dieses Gipfelerlebnis stattfindet, darüber entscheiden nicht nur diese zwei Stunden Training, nicht nur die Kameraden und nicht nur der Meister.

Über den wahren Fortschritt (ob beim Kickboxen, in der Meditation,  als Yogi oder grundsätzlich als Mensch) entscheide vor allem ich selbst. Um Fortschritte beim Kickboxen (oder Yoga und Meditation und was auch immer) zu erzielen, muss ich Kickboxen leben – nicht nur trainieren. 24 Stunden am Tag. 7 Tage die Woche.

Ich muss alles weglassen, was nicht Kickboxen ist – und nur wenig zusätzlich  hinzufügen. 80 Prozent ist Verzicht: Mieses Essen, zu wenig Schlaf, falsche Freunde, zu viel Sitzen, Alkohol, Zigaretten, zu viel Ejakulieren, Faulheit, unklares Denken, verworrene Gefühle, Unaufrichtigkeit, schlechte Laune, Ziellosigkeit, Engherzigkeit, zu viel PC, TV, FB, usw.

Nur 20 Prozent ist zusätzliche Aktivität: Dehnen, Bewegungsabläufe verinnerlichen, Schattenboxen, Krafttraining.

So eine Lebensweise ist total einfach. Ein heiliges Leben ist total einfach. Natürlich hat es einen Preis. Aber das Leben, was wir wirklich von Herzen führen wollen, kostet letztlich weniger, als das Leben, was wir nicht führen wollen. Der Preis für ein billiges Leben ist viel zu hoch. Es ist viel günstiger sich zu entwickeln, als sich nicht zu entwickeln.

Noch eine Kleinigkeit: Wahre Meisterschaften widersprechen sich nie. Der Kern von Yoga, Kickboxen, Meditation oder Anthroposophie, ist immer der derselbe Kern. Wahre Meister wissen die ganze Zeit, dass es nicht in erster Linie darum geht, ein Kickbox-Meister oder ein Yoga-Meister zu werden. Sondern ein Meister.

Darum kannst Du in Dein Leben verschiedene Techniken und Lehren integrieren, wenn Du Dich erinnerst, worum es jedem Meister geht. Worum geht es dem Meister? Die Antwort entdeckst Du, wenn Du auf alles verzichtest, was einem heiligen Leben im Wege steht.

So ein Leben ist sehr einfach. Es bedeutet, entspannt den eigenen Tod zu leben und zu einem glücklich Gebenden zu werden.