Mittwoch, 5. Dezember 2012

Die Schule der Kindheitsmuster

 
Ich werde manchmal nach meinen Grundsätzen als „spiritueller Dienstleister“ gefragt. Eine berechtige Frage, wenn man die teilweise unsägliche Geschichte der geistigen Lehrer und Gurus betrachtet.

Gleichzeitig wage ich mal diesen Gedanken: Schau nicht nur auf diejenigen, die durch schlechte Gurus auf Abwege kamen. Schau auch auf diejenigen, die am Wegesrand liegen, weil sie aus einem „ich-lasse-mir-von-niemanden-sagen-was-ich-zu-tun-und-zu-lassen-habe Stolz“ die Hand ausschlugen, die sie ein Stück des Weges hätte begleiten und halten können – zum Wohle aller.
Vielleicht mache ich mich dem nächsten Gedanken unbeliebt – denken müssen wir ihn dennoch: Ich erschrecke oft, wie leichtfertig es hingenommen wird, wenn jemand sagt, dass man keinen geistigen Lehrer brauche, weil man ja auf sein Herz hören könne. Haben diejenigen, die das sagen und hinnehmen, denn schon ihr wahres Herz entdeckt? Ganz ehrlich? Haben sie es alle entdeckt, die das so leichtfertig sagen?
Es ist gut, dass immer mehr Menschen verstehen, dass die alte Abneigung gegen geistig-seelische Lehrer nicht nur was mit ein paar abgedrehten Gurus zu tun hat. Wie oft entspringt der Wunsch nach Unabhängigkeit und danach tun und lassen zu können was man will, wirklich einem erwachsenen und freien Geist – und wie oft, ist es nur ein Kindheitsmuster der Auflehnung gegen Eltern und Schule?
Und wer kompetenter Lebenslehrer abweist, geht womöglich einfach „weiter in die Schule der eigenen Kindheitsmuster und verlängert diese bis zum Sanktnimmerleinstag. Wir müssen unterscheiden lernen, zwischen den Impulsen unserer Kindheitsmuster und dem was ein wirklicher Impuls des Lebens ist.“ (Dr. Klaus Wolff)
Beides ist wahr: Erleuchtung ist ein Geheimnis, über das man nicht demokratisch abstimmen kann. Gleichzeitig: Wir müssen wach bleiben, wenn manipulative Geheimniskrämerei die Reinheit dieses Mysteriums beschmutzt. Zeitgemäße Mystik braucht einen aufgeklärten Rahmen – und bleibt dennoch was sie immer war: Dynamit in der Mauer des Egos. Die spontane Radikalität eines authentischen Lehrers mag die engen Grenzen des Egos sprengen – die Würde des Menschen bleibt unantastbar.
Ich bin darum dankbar dafür, mit vielen mutigen Menschen, in dem Labor der modernen Mystik arbeiten zu können. Maßstab für meine Arbeit ist ein Satz von Rudolf Steiner, den er für die ersten Lehrer der Waldorfschule ins Klassenbuch schrieb: „Es gibt nur drei wirksame Erziehungsmittel: Furcht, Ehrgeiz und Liebe. Wir verzichten auf die ersten beiden.“

In diesem Sinne: Herzlich Willkommen bei unserem großen Sommerevent.

1 Kommentar:

Lisanne hat gesagt…

Danke - Sehr schön richtrig!
LG
Lisanne