Donnerstag, 28. März 2013

Meditation zur Karwoche & Ostern



Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen von Gott. Im Hinduismus gibt es einen Gott mit einem Elefantenkopf. Manche Kulturen verehren Götter mit Flügeln oder Waffen. Der Gott der Christen trägt Kreuz und Dornenkrone. Die Vielfalt der Gottesvorstellungen ist reich & faszinierend – vielleicht auch verwirrend. Doch alle diese Götter sind verschiedene Aspekte des ungeteilten Absoluten, des allumfassenden Weltenseins.

Von diesem Absoluten, können und sollten wir uns keine Vorstellungen & Bilder machen. Wenn wir allerdings über das Mysterium stolpern, dass Gott – und alle Aspekte des Göttlichen – letztlich uns selbst symbolisieren, dann können wir sehr viel von den verschiedenen Göttern lernen & an ihnen wachsen.

In dieser Karwoche zum Beispiel: Wie kann uns Christus mit Kreuz & Dornenkrone unterstützen? Wie können wir die Mystik der Karwoche so erleben, dass sie uns nicht wie eine alte Story vorkommt, die nichts mit mir zu tun hat, sondern wie das Leben & Leiden, welches jeder von uns aus dem Alltag kennt.

Der folgende Text, kann meditativ verwendet werden und für jeden hilfreich sein, der die Karwoche & Ostern nutzen will, sein Leiden in Freude zu verwandeln.

„In mir gibt es nur einen einzigen Menschen, der wirklich ist - und das bin ich. Und doch neige ich mich in Demut - wie Christus bei der Fußwaschung - zu dem Niedersten. Und ich durchlebe, wie alles Höhere sein Dasein dem Niederen verdankt.
Dann stehe ich in den Geisselungen, Leiden und dem Schmerz des Lebens aufrecht. Wenn mich jemand (das können auch die eigenen inneren Stimmen sein) mit Spott und Hohn „krönt“ und mich diese Dornen in den Kopf (Ego) stechen, so stehe ich dem doch aufrecht gegenüber.
Mein Körper kann im übertragenen Sinne gekreuzigt werden, aber das Leid dauert nicht ewig – es ist an die Zeit gebunden und geht vorbei. Der innerste Mensch, der diesen Körper trägt, ist ewig.
Im Todesmoment schaue ich dem Ego ins Gesicht und will nichts mehr vermeiden – wie der Abstieg in die Hölle mag mir das vorkommen. Es kann sich anfühlen, als würde ich in die Erde gesogen.
Dann kehrt tiefe Ruhe in und über mich – wie in einem sanften Grab fühle ich mich: Eins mit allen Wesen der Erde – mit der Erde selbst. Ich bin in diese Erde versenkt. Dann schließlich trete ich aus allen Bildern heraus und erkenne mich selbst:
Das Grab ist leer - Ich bin. Ich bin bewusst. Ich sehe wie es ist. Ich erschaffe.

In genau diesem Augenblick erblüht die Welt in unendlicher Schönheit. Mein Herz pocht im Rhythmus mit dem ganzen liebenden Universum. Und so gehe ich in die Welt, die aus meinem eigenen Selbst erscheint. Und ich werde weiter Fehler machen. Aber ich werde mich nicht selbst wegen Fehler kasteien. Ich beruhige mich, gebe sie zu, bringe sie in Ordnung und freue mich, dass ich da bin und es ist gut. Ich glaube, dass könnte ein guter Anfang sein.“

Alles Liebe Dir. Das Grab ist leer. Das Herz ist voll.

Dienstag, 26. März 2013

Ich bin ein Lehrer

Ich bin ein Lehrer und ich lehre,
weil mich jemand berührte und mich lehrte.
Es macht mich sehr glücklich,
daher habe ich das Recht
dieses Glück in seinem Namen zu teilen.
Das ist alles.
(Yogi Bhajan)

Sonntag, 24. März 2013

Das Leben als Einweihungsweg




Das Leben – jede ganz normale Biografie – ist ein Einweihungsweg. Einweihung ist kein Hobby für gebildete Besserverdiener. Jeder Tag ist – von einer höheren Warte aus betrachtet – wie ein neues Evangelium, ein weiteres Buch der Bhagavad Gita, eine neure Sure im Koran des Alltags.

Jede Biografie hält in jedem Moment Hinweise, Prüfungen und die Chance zum Erwachen bereit. Ob die Ereignisse äusserlich positiv oder negativ erscheinen, das ist für den Einweihungsweg nicht entscheidend. Entscheidend dagegen ist, wie unsere Seele dazu in Beziehung geht. Und diese Beziehungsfrage lässt sich so zusammenfassen: Reagiere ich nach alten Kindheitsmustern und verlängere so die Schule des Lebens bis ins Unerträgliche? Es mag hart klingen, aber in der Schule des Lebens kann man sehr lange sitzenbleiben.

Was aber ist der gesunde Maßstab für das Bestehen einer Lebensprüfung? Der gesunde Maßstab ist, ob ich kindisch oder erwachsen auf die Lebensprüfungen reagiere. Jede Reaktion die nicht automatisch, nicht aus innerem Zwang oder Kindheitsmustern erfolgt, ist eine erwachsene Reaktion. Und in der Regel beginnt erwachsenes Handeln mit einem einfachen Satz: „Beklag Dich nicht.“

Und wir müssen uns nie darum sorgen, dass der Einweihungsweg in einer Sackgasse endet. Jede Sackgasse kann ein Portal sein.
Wenn wir das Gefühl haben, in einer Sackgasse zu sein, kann das zum Beispiel die Chance zur Einkehr sein. Man kann im ZEN-Kloster zehn Jahre vor einer Mauer meditieren, aber manchmal schenkt uns auch das Leben so eine Mauer. Anstatt kindisch zu toben, können wir es als Einladung verstehen: Setze Dich doch. Entspann Dich und schau was passiert.

Nimm jeden Meter des verrückt-normale Lebens, als einen Einweihungsweg an.

Eingeweihte des Alltags, „das sind diejenigen, welche durch reiche Erfahrungen von solcher Art durch das Leben gehen, dass ihr Selbstvertrauen, ihr Mut, ihre Standhaftigkeit in gesunder Weise groß werden und dass sie Leid, Enttäuschung, Misslingen von Unternehmungen mit Seelengröße und namentlich mit Ruhe und in ungebrochener Kraft ertragen lernen“. (Rudolf Steiner)

Samstag, 23. März 2013

So, oder so?


"Es gibt Menschen, welche fortwährend über andere Menschen klagen, oder sich beklagen, dass ihnen andere Menschen dieses oder jenes tun.
Bis dahin geht es, dass sie davon sprechen, dass andere Menschen sie verfolgen. Selbstverständlich gibt es Gründe, um über Lieblosigkeit zu klagen, aber am meisten über Lieblosigkeit geklagt wird von denen, die eigentlich Egoisten sind.
Der Glaube, dass alle Menschen ihnen schaden oder Böses zufügen wollen, wird am meisten bei egoistischen Naturen entstehen. Menschen hingegen, die an sich liebevoll und liebefähig sind, glauben selten, dass sie verfolgt werden und man ihnen alles mögliche Böse antun will."
Rudolf Steiner

Mittwoch, 20. März 2013

Top 5: Hinweise auf dem mystischen Weg


 
Weil der mystische Weg oft eher praktisch als esoterisch ist, hier meine Top 5, der praktischen Hinweise auf dem mystischen Weg.

Fünf: Entdecke den Unterschied zwischen Autonomie und Isolation. Viele Menschen, die von ihrer Unabhängigkeit...
schwärmen, haben sich schlichtweg selber ausgegrenzt.

Vier: Entdecke den Unterschied, zwischen Verbundenheit und Verworrenheit. Viele Menschen behaupten, dass sie sich mit allem und jedem verbunden fühlen ...sie haben sich vielleicht einfach etwas verheddert.

Drei: Entdecke den Unterschied zwischen erhabenerer Würde und zynischer Arroganz. Viele Menschen behaupten, dass sie das Leid der Welt als Illusion erkannt hätten und bemerken dabei nicht, dass Nichtanhaftung und ein kaltes Herz, nicht dasselbe sind.

Zwei: Entdecke den Unterschied zwischen dem Mut, Dich beharrlich in Frage zu stellen und dem weinerlichen Selbstzweifel. Viele Menschen denken, dass ein großes Ego immer nur damit angibt, wie toll es sei – aber ein großes Ego kann sich auch daran laben, bei jeder Gelegenheit zu betonen: „Ich bin noch nicht zu weit...“.

Eins: Entdecke den Unterschied zwischen Demut und Bescheidenheit. Viele Menschen sind zu überheblich, um sich ganz und gar hinzugeben – sie begnügen sich damit, bescheiden zu gucken und zu buckeln... aber das ist schon was anderes.

Und als Bonus: Entdecke den Unterschied zwischen der Liebe und süßen, kuscheligen Herzchen. Die Liebe, die Dich auf dem mystischen Weg aufspürt, sie ist von maßloser Natur. Sie verlangt nach Dir – und zwar so, wie ihre Natur ist: Maßlos.

Donnerstag, 7. März 2013

Apokalypse now

 
Heute ist der Tag der der Enttäuschung – der gesunden Enttäuschung: Spiritualität besteht zu 99 Prozent aus Psychologie. Wenn Du an Gott glaubst oder wenn Du einen spirituellen Lehrer zu Deinem Helden machst, oder wenn Du gerade nicht an Gott glaubst und Du einen spirituellen Lehrer verlässt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass dies nichts mit Gott und nichts mit Gurus zu tun hat bei 99 Prozent.
 
Das Motiv für Deine Beziehung zu Gott und spirituelle Helden, liegt mit einer... Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent in irgendeinem Kindheitsmuster – persönlich und/oder kollektiv. Und vermutlich hat es irgendwas mit Deinem Vater zu tun.

Oder wenn Du Dich mit Engelwesen verbindest, als hellsichtig fühlst oder wenn Du Mutter Erde in Deinem Herzen fühlst, dann geh mal davon aus: Kein Engel, keine Hellsichtigkeit und keine Mutter Erde haben irgendwas damit zu tun, was Du fühlst, sondern Deine Mutter-Kind-Geschichte ist die Ursache für Dein spirituelles Fühlen – und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent.

Als spiritueller Dienstleister muss ich dem Fakt ins Auge schauen, dass Menschen, die meine Leistungen in Anspruch nehmen, in höchsten Maße von psychologischen Motiven zu mir geführt wurden. Daran ist wirklich nichts schlechtes, aber es ist eine Quelle für die vier großen „M“ der spirituellen Szene: Macht, Missverständnis, Manipulation und Missbrauch.

Von mir verlangt es zwei Dinge: Erstens, dass meine Arbeit zu 99 Prozent damit zu tun hat, Illusionen abzubauen, Schleier zu heben, Vorstellungen zu entfernen und Täuschungen zu enttäuschen. In der Sprache einer Religion nennt man diese grundlegende Phase der Selbsterkenntnis schlichtweg „Apokalypse“. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Enthüllung“, „Entschleierung“ und „Offenbarung“. Früher muss diese Phase für die Betreffenden wie ein „Weltuntergang“ gewirkt haben – in jedem Fall ist es ganz buchstäbliche eine „Zeitenwende“ oder wieder buchstäblich: Das „Ende der Geschichte“.

Denn als spiritueller Dienstleister geht es in der ersten Phase darum, die 99 Prozent der Schichten zu entfernen, die um das mystische Herz liegen. Ich muss zu dem Einheitspunkt vordringen, der jenseits der Matrix liegt – sozusagen unter die verschiedenen Projektions-Kleidern, unter die wir Gott versteckt haben.

Obwohl spirituelle Lehrer heute ganz hervorragende Mittel haben, um durch diese Phase in einer gesunden, menschlichen und entspannten Weise hindurch zu führen, dürfen wir uns eingestehen, dass nur die kleinste Zahl der Menschen ein Interesse hat, diese „Apokalypse“ bis zum Ende zu gehen.

Nicht selten passiert es sogar, dass sich Menschen – sobald die ersten Schleier fallen – abwenden und sich einen größeren Helden suchen: Jemand, der ihre Sehnsüchte nach einem starken Vater oder einer symbiotischen Mutter befriedigt. Man darf als Lehrer dann nicht ärgerlich sein, denn man hat vielleicht an der ersten Schicht gearbeitet und das kann ja bereits etwas ganz wertvolles sein.

Das Zweite, was ich für mich als spiritueller Dienstleister beachten muss, habe ich von Rudolf Steiner gelernt: Sein wichtigstes „Einweihungsbuch“ endet exakt an der Stelle, wo die 99 Prozent Psychologie aufhören. Und er begründet das Ende damit, dass man nun nichts mehr mit menschlichen Worten sagen könne – und daran ist wirklich etwas dran. Wenn ich mit Schülern über eine längere Zeit zusammen bin, oder mit Kunden intensiv und kompakt arbeite, dann beschäftige ich mich äusserlich zu 99 Prozent mit den Schichten, aber über die ganze Zeit halte ich die Verbindung zu ihrem mystischen Herze, welches ungetrennt von jedem mystischen Herz ist.

Wortlos - von Herz zu Herz - reden wir über die 99 Prozent und andauernd berühre ich nur. Und mir ist es (um der Freiheit willen) wichtig, dies klar zu kommunizieren. Dieses Berühren von Selbst zu Selbst, erzeugt Sellbstbewusstsein - und das ist Erwachen.
Das bedeutet, dass ich immer klar und nüchtern, aber niemals zynisch werden darf. Denn die 1 Prozent, die nicht Psychologie sind, liegen jenseits der „Apokalypse“. Dieses winzige eine Prozent, ist das „Reich Gottes“. Und dieses winzige eine Prozent entzieht sich jeder Berechnung – es ist so groß, dass die ganzen 99 Prozent darin Platz haben... In diesem einen Prozent liegt alles Glück, aller Friede und jede Heiligkeit. Und ich selber kann nichts zu dieser Mitte beitragen. Das wäre völlig vermessen.

Alles was ich machen kann, ist zu offenbaren Und zwar auch dadurch, dass ich immer und immer an diesem Ort bleibe, der so unermesslich klein ist, dass nichts darin Platz hat – ausser Liebe. Und Gott ist Liebe. „Die Herzen beginnen, Gedanken zu haben; die Begeisterung entströmt nicht mehr bloß mystischem Dunkel, sondern gedankengetragener Seelenklarheit.“ R. Steiner

Dienstag, 5. März 2013

Die drei Gesichter Gottes

Wenn Du Lust hast, Gott in VIER MINUTEN zu erleben, dann entspann Dich jetzt – oder auch nicht.

Fühle ganz einfach was Du fühlst. Und das, was alles dies jetzt fühlt - das ist Gott. Das wahre Selbst. Dieses wahre Selbst ist Gott. Gott ist das einfache Gewahrsein dieses Moments. Jetzt. Es ist die Präsenz jedes Augenblicks. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gott als eine Ich-Bin-heit, jenseits von Zeit und Raum und dennoch in jedem Augenblick, in jedem Menschen, jedem fühlenden Wesen, ...in jedem Universum gleich und gegenwärtig. Immerdar. Perfekt. Der Zeuge aller Dinge. Gott als „Ich-bin“ ist kein Objekt, sondern eine Leerheit, ein So-Sein. Eine klare und einfache Gegenwärtigkeit dessen, was ist – was immer auch sei. Gott ist Deine Mitte. Bewusstsein von Bewusstsein. Ein Glück, was Dir niemand nehmen kann, weil Du es bist. Ungeboren. Unsterblich. Deine natürliche Schönheit und stille Würde. Einfach so. Fühle diese erstaunliche Wirklichkeit, die Du immer schon kanntest: „Ich bin...Gott“

 
Und jetzt ändere Deine einfache „Ich-Bin-Haltung“ einer Meditation, in die ebenso einfache „Du-bist-Haltung“ eines Gebetes. Fühle, dass es etwas jenseits Deiner Vorstellungskraft gibt: Ein allmächtiges & namenloses Anderes. Ein mystisches Du. Ein Gegenüber von absoluter Dimension, an dessen Erhabenheit, Unendlichkeit, Fülle, Kraft, Güte und Herrlichkeit, wir selbst in unseren wildesten Träumen nicht annähernd heranreichen. Der Schöpfer des Himmels und die Göttin der Erde. Denn Du warst es nicht, der dies alles hervorbrachte – es wurde Dir geschenkt. Und wenn Du das jetzt ein wenig fühlst, regt sich in Dir vielleicht das tiefe Bedürfnis, Dich zu neigen, in die Knie zu gehen und die heiligsten Verehrungskräfte aufblühen zu lassen. Dankbarkeit & Anbetung wird die gesunde Sehnsucht Deines Herzens sein. Du kannst in diesem Moment, eine „Ich-Du-Beziehung“ zum Göttlichen eingehen. Dann hebt sich in Dir eine heilsame, freudvolle & erholsame Demut. Nichts scheint plötzlich größer, als die vertikale Distanz zwischen den Knoten unseres Egos und dieser offen & unschuldigen Liebe. Fühle diese erstaunliche Wirklichkeit, die Du immer schon kanntest: „Nicht mein – Dein Wille geschehe.“ Dort ist Gott.

Und nun schau Dich um und fühle die Luft, die beim Einatmen Deinen Gaumen streicht. Das Licht in Deinem Zimmer. Der Baum vor Deinem Fenster. Die Kälte und die Wärme. Deine Hände und die Adern in denen das Blut fließt – und die Meere und die Monde und Vulkane in allen Universen. Die Musik aus den Lautsprechern. Dieser ganze evolutionäre Prozess – die ganze Zeit von Billiarden von Billarden von Jahren. Das ist das Göttliche. Sogar die Struktur, wie Menschen in guter Weise miteinander leben: Erkenne sie als Ausdruck einer universellen Intelligenz. Gott ist das Gewebe allen Lebens. In jedem Kristall ruht die fantastische Struktur des Göttlichen. In jeder Rose wächst diese lebendige Kraft, jedes Reh fühlt in sich diese unbändige Lust zu leben. Jeder Mensch ist ein unfassbares und nie verstehbares Wunder der Natur. Das alles um Dich herum und alle Deine Sinne, alles was wir „Natur“ und nennen, dieses Gewebe des Lebens – nun: Es ist Gott.

Gott erfahren wir in der Meditation. Als „Ich“ in der ersten Person. Gott erfahren wir im Gebet. Als „Du“ in der zweiten Person. Gott erfahren wir im Sozialen und der Natur. Als „Es“ in der dritten Person. Gott hat also drei Gesichter.

Wenn Du willst, dass jedes dieser göttlichen Gesichter sichtbar wird, dann wäre es gut, wenn Du vor jede Meditation ein Gebet stellst und nach jeder Meditation an die frische Luft gehst.


E n j o y !


Sonntag, 3. März 2013

Klarstellung


Ich muss da mal was klarstellen: Ja – ich bin ein Fan von evolutionärer Spiritualität. Ich engagiere mich für eine Menschheit, die erkennt, dass Gott nicht irgendwo im Himmel vor sich rum döst, sondern eins und ungetrennt mit unserem eigenen Sehnen und Wollen ist. Jeder Herzschlag ist eine Erinnerung daran, dass der Kosmos sich aus uns heraus entwickeln will.

Und – ja – jeder kann in das eigene Glück investieren und die eigene Entwicklung pflegen, sonst werden wir unweigerlich hinter unsere Möglichkeiten herabgezogen. Und seit vielen Jahren lebe und lehre ich, dass wir die wilde Zartheit und Bestimmung unserer Seele erst dann entdecken, wenn wir über die engen Felder der Gewohnheit hinauswachsen.

Und – ja – seit eben so langer Zeit sage ich, dass dieses heilige Leben „jenseits der Komfortzone“ pulsiert. Ich steh auf Helden. Aber jetzt muss ich mal was klarstellen: Wenn wir diese Wahrheit verabsolutieren, wenn diese herausfordernde Haltung zum Trip wird, wenn man meint, man könne das Tor zum Paradies mit Gewalt eintreten, wenn das notwendige Investieren in die eigene Entwicklung zu einer Manipulation Gottes verkommt, dann läuft mächtig was falsch.

Es war und ist mir immer wichtig, Einseitigkeiten zu vermeiden. Und ich beobachte mit Sorge, dass die ehemals einseitige Wellness-Spiritualität nun umkippt und zur einseitigen seelischen Bodybuilding Szene mutiert. Doch so wird aus der Suche nach der Wahrheit, dem Finden der Liebe & der unsagbar zarten Erschütterung durch Gott, eine Leistung-Show.

Aber den Frieden zu finden, das ist kein Wettbewerb.

Gottes Herz ist keine Ziellinie, die nur die Erfolgreichen, Klugen und Motivierten erreichen. Es gibt weder eine gottlose Zone, noch gibt es einen elitären Lebenskreis, zu dem man nur mit einem spirituellen Fleißkärtchen zutritt hat. So funktioniert das nicht.

Gott, das ist das große Umwälzen aller spießigen Maßstäbe. Da werden die Letzten die Ersten sein, da werden die Armen das Himmelreich betreten, die Hungern und Dürsten werden gesättigt, die da Leid tragen, sie sollen getröstet werden.

„Comfort“ heisst im Englischen „Gemütlichkeit“. Aber es heisst auch „Trost & Zuspruch“. Ich will nicht, dass jedem Mensch mit Schmerzen und Wunden gleich mit esoterischer Häme attestiert wird, dass da wohl was „triggert“ und sein „Arschengel“ ihn gerade tritt.

Manchmal ist das so, aber manchmal ist so ein Spruch nur herzloser Zynismus. Ich will, dass wir die „Comfort-Zone“ auch als eine Zone verstehen, wo jemand Zuspruch und Trost erfährt – einfach darum, weil er da ist. Weil er vielleicht gerade überfordert ist, weil er müde ist, weil es heute nicht anders geht. Ich will, dass wir auch mit uns selber barmherzig sind, auch wenn wir uns schämen.

Ich habe einen Kickbox-Meister. Wenn ich nicht mehr kann, treibt er mich nach vorne. Über Grenzen, von denen ich vorher nichts ahnte – durch den Schmerz.

Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Aber ich bin auch dafür dankbar, dass er mich manchmal stoppt und sagt: „Mach nicht zu viel. Du brauchst eine Pause. Bleib locker. Nimm Dir Zeit und entspann Dich. Zuviel ist von Nachteil. Erhol Dich erst einmal“.

So – ich musste das mal klarstellen. Gottes Wege sind unergründlich. Und manchmal führen sie mitten durch unsere Komfortzone.

Sei gesegnet – wo immer Du bist.

Lets talk about it - HERE!