Sonntag, 3. März 2013

Klarstellung


Ich muss da mal was klarstellen: Ja – ich bin ein Fan von evolutionärer Spiritualität. Ich engagiere mich für eine Menschheit, die erkennt, dass Gott nicht irgendwo im Himmel vor sich rum döst, sondern eins und ungetrennt mit unserem eigenen Sehnen und Wollen ist. Jeder Herzschlag ist eine Erinnerung daran, dass der Kosmos sich aus uns heraus entwickeln will.

Und – ja – jeder kann in das eigene Glück investieren und die eigene Entwicklung pflegen, sonst werden wir unweigerlich hinter unsere Möglichkeiten herabgezogen. Und seit vielen Jahren lebe und lehre ich, dass wir die wilde Zartheit und Bestimmung unserer Seele erst dann entdecken, wenn wir über die engen Felder der Gewohnheit hinauswachsen.

Und – ja – seit eben so langer Zeit sage ich, dass dieses heilige Leben „jenseits der Komfortzone“ pulsiert. Ich steh auf Helden. Aber jetzt muss ich mal was klarstellen: Wenn wir diese Wahrheit verabsolutieren, wenn diese herausfordernde Haltung zum Trip wird, wenn man meint, man könne das Tor zum Paradies mit Gewalt eintreten, wenn das notwendige Investieren in die eigene Entwicklung zu einer Manipulation Gottes verkommt, dann läuft mächtig was falsch.

Es war und ist mir immer wichtig, Einseitigkeiten zu vermeiden. Und ich beobachte mit Sorge, dass die ehemals einseitige Wellness-Spiritualität nun umkippt und zur einseitigen seelischen Bodybuilding Szene mutiert. Doch so wird aus der Suche nach der Wahrheit, dem Finden der Liebe & der unsagbar zarten Erschütterung durch Gott, eine Leistung-Show.

Aber den Frieden zu finden, das ist kein Wettbewerb.

Gottes Herz ist keine Ziellinie, die nur die Erfolgreichen, Klugen und Motivierten erreichen. Es gibt weder eine gottlose Zone, noch gibt es einen elitären Lebenskreis, zu dem man nur mit einem spirituellen Fleißkärtchen zutritt hat. So funktioniert das nicht.

Gott, das ist das große Umwälzen aller spießigen Maßstäbe. Da werden die Letzten die Ersten sein, da werden die Armen das Himmelreich betreten, die Hungern und Dürsten werden gesättigt, die da Leid tragen, sie sollen getröstet werden.

„Comfort“ heisst im Englischen „Gemütlichkeit“. Aber es heisst auch „Trost & Zuspruch“. Ich will nicht, dass jedem Mensch mit Schmerzen und Wunden gleich mit esoterischer Häme attestiert wird, dass da wohl was „triggert“ und sein „Arschengel“ ihn gerade tritt.

Manchmal ist das so, aber manchmal ist so ein Spruch nur herzloser Zynismus. Ich will, dass wir die „Comfort-Zone“ auch als eine Zone verstehen, wo jemand Zuspruch und Trost erfährt – einfach darum, weil er da ist. Weil er vielleicht gerade überfordert ist, weil er müde ist, weil es heute nicht anders geht. Ich will, dass wir auch mit uns selber barmherzig sind, auch wenn wir uns schämen.

Ich habe einen Kickbox-Meister. Wenn ich nicht mehr kann, treibt er mich nach vorne. Über Grenzen, von denen ich vorher nichts ahnte – durch den Schmerz.

Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Aber ich bin auch dafür dankbar, dass er mich manchmal stoppt und sagt: „Mach nicht zu viel. Du brauchst eine Pause. Bleib locker. Nimm Dir Zeit und entspann Dich. Zuviel ist von Nachteil. Erhol Dich erst einmal“.

So – ich musste das mal klarstellen. Gottes Wege sind unergründlich. Und manchmal führen sie mitten durch unsere Komfortzone.

Sei gesegnet – wo immer Du bist.

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