Montag, 8. April 2013

Das Dogma der Angst


Wie oft hast Du nun schon gelesen und gehört, dass Dein größtes Problem die Angst sei? Wer auf dem spirituellen Weg ist, wird von Anfang an mit dem Thema „Angst“ konfrontiert. Jeder mehr oder weniger seriöse Coach oder Lehrer zieht diese scheinbare Trumpfkarte, auf die sie dann alles zurückführen.

Und tatsächlich: Nicht nur in meiner eigenen Entwicklung, sondern auch als Lehrer, kann ich bezeugen, dass Angst, seelische Enge und das einseitige Leben im Kopf, ein großes Hindernis für inneres Wachstum und Glück sind. Und eine gesunde Schattenarbeit, bringt hier Schritt für Schritt Licht in die Dunkelheit.

Doch die monokausale und penetrante Betonung der Angst, als alleinige Ursache aller menschlichen Probleme ist – nun: Falsch.

Sie wird den komplexen Verflechtungen, die Psychologen, Biologen, Soziologen, Hirnforscher und spirituellen Weisen entdeckt haben, einfach nicht gerecht. Aber etwas anderes ist viel kritischer: Das andauernde Pochen darauf, dass tief in Dir eine unentdeckte Angst sitze, dass Angst Dein Herz verschließe, dass Angst die Ursache aller Deiner Probleme sei, dieses insistieren – ja genau: Verursacht Angst.

Denn was Du fütterst, das wächst. Bitte versteh mich richtig: Angst ist ein Problem – aber es ist nicht die alleinige Ursache aller Probleme. Und vor allem: Neben Deinem Strahlen, Deiner Offenheit, Kühnheit, Weite & Brillanz, erscheint diese Angst einfach nur lächerlich.

Ich fasse mal zusammen: Du hast Angst? Natürlich hast Du Angst. Jeder hat Angst, der ein Stammhirn hat. Angst ist eine automatische Stammhirnantwort auf schmerzvolle Erfahrungen. Weil Du aber nicht nur aus Stammhirn bestehst und kein Automat bist, kannst Du langsam lernen, dass nicht jeder Erfahrung von Schmerzen Angst auslösen muss.

Ich zum Beispiel mache Kickboxen und Schmerzen sind da einfach normal. Wenn ich dem Schmerz in guter Weise nachgebe, gebe ich dem Leben nach und dann kommt die Lust und Liebe zum Leben. Also: Wir alle haben Angst. Finde Dich damit ab. Nimm sie an wenn sie kommt, lass sie gehen wenn sie geht.

Gib der der Enge in Dir weiten Raum. Mach Dich weit für Deine Beklemmung. Entspanne Dich in Deine Verspannung hinein. Beruhige Dich in Deinen Stress hinein. Anerkenne, dass Du nicht alles an Dir anerkennen kannst. Vergib Dir selbst Deine Unfähigkeit, Dir nicht vollkommen vergeben zu können. Wirf ein mildes Licht auf Deine Schatten.

Du bist nicht in Gefahr – egal was Du fühlst.