Dienstag, 7. Mai 2013

Die Hündin und der Mystiker


Was haben unsere Hündin Fräulein Smilla und ein Mystiker gemeinsam? Beiden öffnet sich ein Kosmos, wenn sie ihre Nase in das Gras drücken. Spirituelle Menschen sprechen viel von Universum und Kosmos und schauen dann nach oben -  in die unendlichen Weiten des Himmels.

Ein Mystiker richtet seine Sinne im gleichen Maß zur Erde und es bietet sich ihm im kleinsten Blumenblatt und winzigsten Käferchen, dieselbe offene Weite dar. In jedem Erdklumpen: Ein einziger Abgrund ins Ewige. Wir müssen uns das nicht romantisierend vorstellen, sondern als wirklichen Fakt: Je tiefer wir mit unseren Sinnen in das Kleinste vordringen, umso weiter öffnet sich ein Mikrokosmos, der letztlich deckungsgleich mit dem Makrokosmos ist.

Tiere können uns zeigen, dass wir mit den  menschlichen Sinnen nur einen winzigen Ausschnitt der Wirklichkeit wahrnehmen können. Ich habe in meiner Kindheit viele Stunden damit verbracht, im Gras zu liegen und in die Welt der Insekten einzutauchen. Je länger ich dort lag, desto maßloser erschein mir diese Welt. Durch unsere Hündin wurde ich heute wieder daran erinnert: Die Erde schenkt uns nicht nur gesunde Bodenhaftung, sie ist auch ein Abgrund zum Urgrund des Seins.

Sich an einem warmen Tag ins Gras zu legen und zu fühlen, wie man tiefer und tiefer in die Erde einsinkt, kann uns zu Mystikern machen: Wir liegen nicht als Person im Gras – wir werden Gras & Gräser. Und wir sprechen nicht mehr mit der Natur, wir werden uns unserer wahren Natur bewusst. Und hier endet auch die Kommunikation mit den Wesen der Natur – hier beginnt die Kommunion.

Und „die höhere Entwicklung der Seele beginnt dann erst, wenn man sich über die kleinste Blume, über das kleinste Blumenblatt, über das unscheinbarste Käferchen oder Würmchen so wundern kann wie über die größten kosmischen Vorgänge." (Rudolf Steiner.)

Und was ein Mystiker noch von seiner Hündin lernen kann: Wenn Du wieder im Haus bist, dann nutze die erste Gelegenheit, um Dich auszuruhen – denn Du warst auf einer sehr, sehr großen Reise. Ganz weit da draussen – in Deinem Herz, weisst Du?

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